Donnerstag, 13. November 2014

Neue Überflüge unbekannter Flugobjekte über französische Atomkraftwerke - Identität der Objekte immer noch rätselhaft


Blick auf das Atomkraftwerk von Cattenom. | Copyright: grewi.de

Cattenom (Frankreich) - Schon zum vierten Mal innerhalb eines Monats kam es nun zu einem Überflug eines unidentifizierten Flugkörpers über die Atomkraftwerksanlage von Bugey. Ebenfalls zum wiederholten Mal bekam auch das Atomkraftwerk Cattenom ungebetenen Besuch durch die Luft. Hier sorgte das unidentifizierte Flugobjekt (UFO) sogar für den Großeinsatz einer Hundertschaft französischer Polizisten - ohne jedoch mutmaßliche Multikopter-Piloten, die von französischen Medien und Politikern für die Vorfälle verantwortlich gemacht werden, ausfindig, geschweige denn dingfest machen zu können. Was seit Anfang Oktober landesweit die französischen Atommeiler überfliegt und warum, ist weiterhin unklar.

Laut einer Pressemitteilung des Kraftwerkbetreibers EDF kam es zum vierten Überflug der Meiler von Bugey am vergangenen Donnerstag, dem 6. November 2014. Wie schon in den früheren Fällen wurde auch aktuell wieder Anzeige gegen Unbekannt erstattet.


Zum verbotenen Überflug eines unbekanntes Flugobjekts von Cattenom kam es laut EDF am 11. November 2014 gegen 23:30 Uhr. Der Überflug habe den Einsatz einer für den Schutz der Anlage verantwortlichen Gendarmerie-Sondereinheit ausgelöst, berichtet die Lokalzeitung "Le Républicain Lorrain". Etwa 100 Beamte seien auf dem Gelände des Kernkraftwerks sowie im Umkreis von 20 Kilometern (dem maximalen Flugradius eines Multikopters), mobilisiert worden. Fast die gesamte Nacht über hätten die Gendarmen Verkehrskontrollen durchgeführt, um den mutmaßlichen Piloten zu finden. Erfolglos.


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Zur Frage nach einem möglichen Motiv für die angeblichen illegalen Überflüge über die französischen Atomkraftwerke mit konventionellen Multikoptern bzw. Drohnen führt Robert Fleischer von "Exopolitik Deutschland" folgende Überlegungen aus:
"Wer hätte - und warum - ein Interesse daran, Atomkraftwerke mehrfach unerlaubt zu überfliegen?
- Einzelne Amateurflieger, die Aufsehen erregen wollen?
Nein. Die Tatsache, dass zum Teil fünf AKWs gleichzeitig überflogen wurden, lässt eher an eine konzertierte, großangelegte und kostspielige Aktion denken.

- Umweltschützer, die auf die Gefahren der Atomkraft aufmerksam machen wollen?

Nein. Die in Frage kommenden Organisationen Greenpeace und "Sortir du Nucléaire" haben jede Beteiligung abgewiesen und äußern sich ihrerseits ebenfalls besorgt.

- Terroristen?

Nein. Diese wären wohl schon beim ersten Flug zur Tat geschritten, glaubt die Gendarmerie.

- Eine unbekannte fremde Macht, die die AKWs ausspionieren will, um potenzielle Schwachpunkte auszumachen?

Nein. Die dazu benötigten Informationen sind bereits hinlänglich öffentlich. Zudem wären dafür wohl kaum vier Überflüge desselben Atommeilers nötig. Auch die Tatsache, dass die Flugkörper beleuchtet waren, passt nicht recht zur Aufgabe der möglichst unbemerkt operierenden Spionagedrohnen."
Tatsächlich scheinen die Überflüge trotz gegenteiliger Beschwichtigungen der Medien und Politik einfach nicht ins gewünschte Raster zu passen. "Ermittler der Luftwaffe und der Gendarmerie tappen im Dunkeln. Bislang sind der Öffentlichkeit nicht einmal genauere Angaben zur Erscheinungsform dieser Drohnen bekannt", unterstreicht Fleischer und führt weiter aus: "Die wenigen Beschreibungen, die bekannt wurden, weisen auf mehrere Größen hin, von mehreren zehn Zentimetern bis hin zu zwei Metern. In einem Fall soll eine Drohne einen 'Scheinwerfer' an Bord gehabt haben. In einem anderen Fall hätte der Überflug rekordverdächtige 45 Minuten gedauert, erklärte der Greenpeace-Pressesprecher im 'Nouvel Observateur'.

Nur in einem einzigen Fall gelangten Informationen an die Öffentlichkeit, die tatsächlich auf einen Quadrokopter hinzuweisen scheinen. Als am 30. Oktober das Atomkraftwerk von Golfech überflogen wurde, beschrieben zwei Gendarmen das Objekt wie folgt: "Es ist eine professionelle Drohne mit vier Propellern". Der Quadrokopter hätte das Wasserkraftwerk und den Abwasserkanal der Anlage überflogen. Die Gendarmen hätten davon abgesehen, auf das Objekt zu schießen, da man einen Absturz über dem Gelände vermeiden wollte. Anschließend sei die Drohne neun Kilometer lang verfolgt worden, was auf Grund der Beleuchtung des Objekts kein Problem gewesen sei. Dann hätte das Objekt an Flughöhe verloren und sei außer Sicht geraten (Quelle: La Dépêche du Midi).


In allen anderen Fällen schweigen sich Sicherheitsbehörden und Kraftwerksbetreiber EDF über das genaue Aussehen der 'Drohnen' aus. Den jeweils relativ versteckt auf der Webseite des Atommeiler-Betreibers EDF veröffentlichten Pressemitteilungen ist lediglich zu entnehmen, dass es sich in allen Fällen um ein 'mit einer Drohne vergleichbares Fluggerät' gehandelt habe. Doch warum nennt EDF das Kind nicht beim Namen? Schon im Januar, als der Luftverkehr am Bremer Flughafen mehrere Stunden durch eine seltsame Erscheinung lahm gelegt worden war, bezeichnete die Polizei das Fluggerät von Anfang an als 'Drohne' - doch die Ermittlungen in der Szene der Kopterpiloten verliefen im Sande - der Vorfall wurde nie vollständig aufgeklärt."


"Alles was wir von offizieller Seite erfahren dürfen ist, dass die 'Drohnen'-Überflüge keine Gefahr für die Sicherheit der Anlagen darstellen", so Fleischer vorerst abschließend. "Doch insgeheim hat die französische Armee schwere Geschütze aufgefahren, um der Eindringlinge im gesperrten Luftraum Herr zu werden:


Seit dem 30. Oktober bewachen zwei der 19 Kampfhubschrauber des 5. Geschwaders von Pau den Luftraum des Atomkraftwerks Golfech, meldet 'La Dépêche du Midi' unter Berufung auf Militärinsider. Die Gendarmerie wolle diese vertrauliche Militärinformation weder bestätigen noch dementieren. Wie die Sicherheitsvorkehrungen an anderen Standorten aussehen, ist unbekannt.


Das Szenario 'Kampfhubschrauber gegen Drohne' wirkt so, als wolle man mit Kanonen auf Spatzen schießen - es sei denn, die Öffentlichkeit wäre über die wahre Natur der unbekannten Flugobjekte getäuscht worden und die 'Drohnen' wären alles andere als 'Drohnen'. Aber das ist - bislang jedenfalls - nur reinste Spekulation."

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