Freitag, 28. November 2014

Rätsel um polnischen "Vampir-Friedhof" gelüftet


Eine um den Hals gelegte Sichel sollte offenbar beigesetzte vermeintliche Vampire beim Versuch sich zu erheben enthaupten. Das Foto zeigt eines der 2008/09 auf dem Friedhof von Drawsko im Nordwesten Polens entdeckten Skelette. | Copyright/Quelle: Gregoricka, Betsinger et al. / PLoS One

Mobile (USA) - US-Forscher glauben, das Rätsel um den sogenannten Vampirfriedhof aus dem 17. und 18. Jahrhundert im polnischen Drawsko mit einer Bestimmung der Herkunft der angeblichen Vampire gelöst zu haben. Hier wurden zahlreiche Menschen unter Vorsichtsmaßnahmen beigesetzt, die offenbar ihre Rückkehr als Untote, Widergänger und Vampire verhindern sollten.

Wie die das Team um die Bioarchäologinnen Lesley Gregoricka von der University of Southern Alabama und Tracy Betsinger von der State University of New York aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI: 10.1371/journal.pone.0113564) berichten, wurden zahlreiche der auf dem Friedhof von Drawsko bestatteten Personen mit Sicheln um den Hals oder den Mund mit Steinen gesperrt, beigesetzt (s. Abb.). Insgesamt wurden 66 von 333 Personen auf derartige Weise auf dem Friedhof von Drawsko bestattet.



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Entgegengesetzt zu früheren Annahme, dass es sich bei diesen "Vampiren" auf dem Friedhof von Drawsko um Immigranten handeln könnte, stellten die Forscherinnen nun anhand einer Strontium-Isotopenanalyse der Knochen fest, dass es sich bei allen derartig beigesetzten Personen um Menschen aus dem Dorf oder der näheren Umgebung handelt. Zudem fanden sich an den entsprechenden "Vampirskeletten" keine weiteren Hinweise auf gewaltsam herbeigeführte Todesursachen.


Ein schwerer Stein unterhalb des Unterkiefers sollte diesen sperren und so die Wiederkehr des Beigesetzten als Untoter verhindern. | Copyright/Quelle: Gregoricka, Betsinger et al. / PLoS One

Diese Erkenntnis und Beobachtung wiederum führte Gregoricka und Betsinger zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang mit einer damaligen Cholera-Epidemie in der Region geben könnte. Vermutlich, so schreiben die Forscherinnen, handelte es sich um die ersten Opfer dieser Epidemie. Denn genau wie ungetauft Verstorbene oder gewaltsam zu Tode gekommene Personen galten auch die jeweils ersten Opfer von Seuchen als besonders anfällig dafür, als Wiedergänger und Untote zurückzukehren. "Die Cholera tötete die Menschen innerhalb kurzer Zeit, binnen Stunden und Tagen. Das war für die damaligen Menschen nur schwer zu verstehen. Aberglaube und Beobachtungen von postmortalen Erscheinungen an den Leichen, die ebenfalls nicht verstanden wurden, taten dann ihr Übriges", erläutert Gregoricka.



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Anhand zukünftiger Untersuchungen des Friedhofs von Drawsko wollen die Wissenschaftlerinnen nun weitere chemische Analysen durchführen um mehr über die Lebensumstände der offenbar als "Vampire" beigesetzten Dorfbewohner erfahren.

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