Dienstag, 11. November 2014

Römisches Relief zeigt unbekannte Gottheit


Unbekannte bärtige Gottheit mit astralen Symbolen auf einer Basaltstele in einem Heiligtum nahe der antiken Stadt Doliche. | Copyright: Forschungsstelle Asia Minor, Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Münster (Deutschland) - Bei Ausgrabungen des Heiligtums des Iuppiter Dolichenus auf dem Berg Dülük Baba Tepesi nahe der Stadt Gaziantep in der Südosttürkei haben Archäologen eine Stele mit einem einzigartigen Relief entdeckt. Dieses zeigt eine bislang unbekannte Götterdarstellung. Offenbar handelt es sich um eine in den römischen Glauben übernommene altoreintalische Götterfigur.

Wie die Archäologen um den Althistoriker und Grabungsleiter Prof. Dr. Engelbert Winter und der Archäologe Dr. Michael Blömer vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster aktuell berichten, war die anderthalb Meter hohe Basaltstele als Stützpfeiler in eine Klostermauer verbaut und zeigt nach erster Einschätzung der Forscher einen Fruchtbarkeits- oder Vegetationsgott. Das Bild sei erstaunlich gut erhalten und gebe wertvolle Einblicke in die Glaubensvorstellungen der Römer und das Weiterleben altorientalischer Traditionen. "Doch bevor wir den Gott genau identifizieren können, sind noch aufwändige Recherchen nötig", erläutern die Wissenschaftler nach Rückkehr aus dem Heiligtum.


In der vergangenen Grabungssaison 2014 legte das Team aus 60 Mitarbeitern Funde aus allen Epochen der 2.000-jährigen Geschichte des Kultplatzes frei. Darunter die mächtigen Umfassungsmauern des ersten eisenzeitlichen Heiligtums und die Fundamente des römischen Haupttempels des Gottes Iuppiter Dolichenus, der im 2. Jahrhundert nach Christus zu einer der bedeutendsten Gottheiten des Römischen Reiches wurde. Sein Heiligtum liegt auf dem 1.200 Meter hohen Berg Dülük Baba Tepesi nahe der Stadt Gaziantep. Die Stele fanden die Archäologen in den Überresten des christlichen Klosters, das im Frühmittelalter im Areal des antiken Heiligtums errichtet worden war.


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"Die Basaltstele zeigt eine Gottheit, die aus einem Blattkelch erwächst. Dessen langer Stiel steigt aus einem Kegel auf, der mit astralen Symbolen verziert ist. Aus den Flanken des Kegels wachsen ein langes Horn und ein Baum empor, den der Gott mit seiner Rechten umfasst", beschreibt Blömer die Darstellung. "Die Bildelemente legen nahe, dass es sich um einen Fruchtbarkeitsgott handelt." Auffällig seien ikonografische Details wie die Gestaltung des Bartes oder die Haltung der Arme, die auf Darstellungen aus der Eisenzeit im frühen 1. Jahrtausend vor Christus verwiesen.

Damit gebe der Neufund Auskunft über eine zentrale Frage des Forschungsprojektes B2-20 am Exzellenzcluster, die Frage nach der Kontinuität lokaler religiöser Vorstellungen. Prof. Winter: "Die Stele kann davon erzählen, wie altorientalische Traditionen über die Epochen weiterlebten, von der Eisenzeit bis in die römische Zeit."


Der Schwerpunkt der diesjährigen Grabungsarbeiten lag auf der Erforschung des mittelalterlichen Klosters des Mar Salomon (Heiliger Salomon). "Die gut erhaltenen Ruinen des Klosterkomplexes erlauben uns zahlreiche Rückschlüsse darüber, wie das Leben und die Kultur in dieser Region zwischen Spätantike und Kreuzfahrerzeit ausgesehen hat", so Prof. Winter. Das internationale Team hatte die Überreste des Klosters 2010 entdeckt, bis dahin war es der Fachwelt nur aus Schriftquellen bekannt. "Alle Funde der diesjährigen Grabungssaison sind wichtige Puzzleteile, die zum Wissen über sämtliche Phasen der langen Geschichte dieses heiligen Ortes beitragen", so Blömer abschließend. Die Geschichte erstreckt sich von der frühen Eisenzeit über das reichsweit bekannte Heiligtum der römischen Epoche bis zur langen Nutzung als christliches Kloster, das bis in die Kreuzfahrerzeit existierte.


Derzeit arbeiten die Wissenschaftler am Konzept eines Archäologischen Parks, um so die bedeutende Tempelanlage und die Klosterruine auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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