Donnerstag, 6. November 2014

Seeungeheuer Champ: Neue Hydrophon- und Videoaufnahmen belegen erneut unbekanntes Lebewesen im Lake Champlain


Camp-Klassiker: 1977 gelang Sandra Mansi diese Aufnahme, nachdem sie und ihre Vater "Champ" aus direkter Nähe beobachtet haben wollen (s.f.Video). | Copyright: Sandra Mansi Sunny Press

Burlington (USA) - Neben dem schottischen Loch Ness gilt der Lake Champlain im US-Bundesstaat Vermont an der Grenze zu Kanada als einer der für einen sagenumwobenen Bewohner berühmtesten Binnenseen. "Champ", so der Kosename des angeblichen Ungeheuers, wurde erstmals 1609 und seither mehr als 600 mal gesichtet. Doch ähnlich wie angesichts seines schottischen Verwandten Nessie, fehlen von Champ bislang direkte physische Beweise. Forscher wollen nun zum wiederholten Male unter Wasser Geräusche aufgezeichnet haben, die zumindest jenen Klick- und Quieklauten gleichen, wie sie von Weißwalen (Belugas) bekannt sind. Handelt es sich bei Champ also um einen bzw. eine Population von Belugas oder um ein Lebewesen, dass sich ähnlicher Laute bedient? Neben den akustischen Aufnahmen gelangen den Forscher im vergangenen Sommer auch drei Videoaufnahmen mindestens eines großen Tieres im See.

Wie der Lokalsender "WCAX" berichtet, ist Dennis Hall schon seit 1985 auf der Suche nach Champ. Damals will er das "Ungeheuer" zum ersten selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Seither ist er auch mit Unterwassermikrophonen auf der Jagd nach Beweisen für die Existenz von Champ.


Gemeinsam mit Katy Elizabeth von der kryptozoologischen Forschungsorganisation "Champ Search" gelangen Hall erst kürzlich Aufnahmen, die sich beide Forscher seither nicht erklären können. Dennoch stellen sie fest: "Irgendetwas muss diese Geräusche aber schließlich verursacht haben."


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Am ehesten gleichen die Aufgezeichneten Unterwassergeräuschen jenen Klängen, die Belugas zur Kommunikation untereinander oder zur Jagd erzeugen. Darüber hinaus gibt es etwa eine handvoll weiterer Arten, die derartige Geräusche von sich geben. Auch Hall selbst beschriebt, dass er etwas "großes, weißes und torpedoförmiges" im See gesehen habe. Auch eine solche Beschreibung kann mit dem Aussehen eines Weißwals in Übereinstimmung gebracht werden.

Was "singt" im Lake Champlain (Aufnahmen ab 01:20)

WCAX.COM Local Vermont News, Weather and Sports-
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Darüber hinaus gelangen den Forscher auf ihren Expeditionen im vergangene Sommer drei Videoaufnahmen, die offenbar ebenfalls ein unbekanntes und großes Lebewesen im Lake Champlain bestätigen.


Die Ergebnisse der Lake Champlain Expedition 2014


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Tatsächlich handelt es sich bei den aktuellen Aufnahmen nicht um die ersten Beluga-ähnlichen Töne die im Lake Champlain bereits aufgezeichnet werden konnten: Schon 2003 suchten Forscher für den Discovery Channel im See nach Hinweisen auf das Ungeheuer. 2009 gelangen zudem der Biologin Elizabeth von Muggenthaler vom "Fauna Communications Research Institute" Bio-Sonar-Aufnahmen im See, die sie keinem darin bekannten Lebewesen zuordnen konnte (...wir berichteten). Die Wissenschaftlerin selbst ist für ihre Forschungen auf dem Gebiet der Bio-Akustik und für ihre Entdeckungen bekannt, dass auch Okapis, Giraffen und Nashörner Infraschall zur Kommunikation nutzen. 1992 sorgte sie für Aufsehen, als es ihr gelang den walartigen "Jagdgesang" des seltenen Sumatra-Nashorns aufzeichnen.



Weißwale (Beluga) in einem Aquarium. | Copyright: Hohum (Wikimedia Commons), CC by-SA 2.5

Wer nun aber glaubt, dass angesichts der neuen Hydrophon-Aufnahmen das Rätsel um Champ damit eine einfache Erklärung gefunden habe und dass Champ also ein verirrter Beluga oder eine ganze Gruppe von Weißwalen sei, der irrt. Schließlich sollte keines der bekannten Lebewesen, die unter Wasser derartige Geräusche von sich geben, in Süßwasserseen beheimatet sein.


Vom Sender auf die Aufnahmen angesprochen, will auch der Biologe Bill Ellison vom Echo Lake Aquarium and Science Center in Burlington das Szenario von Belugas im Lake Champlain nicht kategorisch ausschließen, dennoch sei dies "höchst unwahrscheinlich". Der Experte vermutet vielmehr, dass Hall stattdessen einen Stör gesehen habe.


Tatsächlich wurde jedoch schon ein Weißwal in einem Seitenkanal des Richelieu River, einem Abfluss des Sees, nahe St. Lawrence, ein Beluga gesichtet.


"Nicht nur, dass es den Tieren wirklich schwer fallen dürfte, überhaupt in den See zu gelangen, sie hätten es hier auch schwer, zu überleben", erläutert der Biologe weiter. "Da sie normalerweise im Salzwasser leben halte ich es für wirklich höchst unwahrscheinlich, dass ein Beluga durch den Richelieu in den Champlain schwimmt und dazu dann auch noch von niemandem gesehen wird."



Detailvergrößerung aus Sandra Mansis Foto (s.o.) von 1977. | Copyright: Sandra Mansi Sunny Press

TV-Doku über Sandra Mansis Sichtung und Foto


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Interessanterweise stammen die neusten Hydrophon-Aufnahmen nur 8 Meilen von jener Stelle, an der 1849 nahe Charlotte Fossilien von Belugas entdeckt wurden. Noch vor der Eiszeit war der Champlain direkt mit dem Atlantik verbunden. Nach dem Rückgang der Gletscher wurde er vom Land abgeschlossen und einige Wale und andere Meereslebewesen waren darin gefangen und verendeten. Einige Arten passten sich jedoch an die neue Umgebung, darunter beispielsweise der Atlantische Lachs. Auf die Theorie von angepassten Belugas erwidert Elliston, dass ihm nicht bekannt sei, das Weißwale dazu in der Lage seien.


Doch was erzeugt dann akustische und Bio-Sonar-Signale im Lake Champlain?
Derzeit sind Biologen um eine genaue Analyse der neuen Aufzeichnungen bemüht.


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