Dienstag, 11. November 2014

Studie zeigt: Umwelt und Lebensumstände formen Götterbilder


Symbolbild: Gebet. | Copyright: Capture Queen (Ameen via Wikimedia Commons) / CC-by-SA 2.0

St. Louis (USA) - In einer multidisziplinären Studie zeigen Wissenschaftler, dass sich menschliche Kulturen unter dem Einfluss härterer Umweltbedingungen sehr viel wahrscheinlicher strikt moralisierenden Göttern unterstellen als unter milderen Lebensbedingungen.

Wie das internationale Team um Carlos A. Botero von der Washington University in St. Louis und Russell Gray von der University of Auckland aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academies of Science" (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1408701111) berichtet, spielen demnach ökologische Faktoren eine wichtige Rolle in der Bildung menschlicher Gemeinschaften und auch deren religiöser Glaubenswelten.


"Ist das Leben hart und die Zukunft ungewiss, so glauben die Menschen verstärkt an mächtige Götter", erläutert Gray. "Ein Grund dafür könnte sein, dass ein von derart strikten Göttern vorgegebenes pro-soziales Verhalten den Menschen dabei hilft, sich erfolgreich in widrigen oder unvorhersehbaren Umgebungen durchzusetzen."


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Die Entstehung von Religion wurde lange Zeit als das Ergebnis entweder von kulturellen oder Umweltfaktoren erklärt - nicht aber von einem Zusammenspiel beider Faktoren. Somit legen die neuen Forschungsergebnisse nahe, dass komplexe Praktiken und Eigenschaften, deren Entwicklung bislang nur den Menschen zugeschrieben werden, aus einem Zusammenspiel aus ökologischen, historischen und kulturellen Variabeln entstehen.

Für ihre Studie haben die Forscher soziale und ökologische Daten zu 583 Gemeinschaften zusammengetragen und können damit die facettenreiche Verbindung zwischen Glaube an moralisierende hohe Gottheiten und externen Faktoren aufzeigen.


Während bisherige ähnliche Studien nur auf ungenauen Daten und Schätzungen über die ökologischen Bedingungen basierten, konnte die aktuelle Studie nun auf hochauflösende geologische Daten zu Faktoren wie Pflanzenwachstum, Niederschlag und Temperatur, sowie auf die elektronische Datenbank "Ethnographic Atlas" mit Daten zu mehr als 1.000 Gemein- und Gesellschaften zurückgreifen, in der auch die religiösen Glaubensvorstellungen und Daten zu Landwirtschaft und Tierhaltung enthalten sind.


"Viele Evolutionisten haben schon versucht, Religion zu verurteilen. Ich aber denke, die Herausforderung ist eher die, sie zu erklären", so Gray. "Obwohl einige Aspekte von Religion der Anpassung von Menschen an neue Umgebungen im Wege zu stehen scheinen, legt die universelle Verbreitung von Religion dennoch nahe, dass sie Werte beinhaltet, die anpassungsförderlich sind. Zu untersuchen, wie diese Dinge wie diese Dinge ökologisch variieren, ermöglicht uns erste Einblicke in diese Frage."


Allerdings sehen die Autoren selbst ihre Studie erst als Spitze des Eisbergs im Studium menschlichen Verhaltens aus multidisziplinärer Sicht. In weiteren Studien sollen zukünftig Prozesse untersucht werden, die auch die Entstehung und Entwicklung anderer menschlicher Verhaltensweisen wie Tabuisierung, Beschneidungen und die Umgestaltung natürlicher Lebensräume untersuchen sollen.


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