Dienstag, 4. November 2014

Was steckt hinter Frankreichs "UFO-Drohnen-Affäre"? - Eine Zwischenanalyse von Robert Fleischer


Archivbild: Das Kernkraftwerk Nogent im Luftbild. | Copyright: Xtrasystole (WikimediaCommons), CC-by-SA 3.0

Leipzig (Deutschland) - Seit dem 5. Oktober 2014 kommt der französische Energiekonzern EDF nicht zur Ruhe: Immer wieder werden seither Kernkraftwerke im ganzen Land innerhalb der Sicherheitszonen von unbekannten Flugobjekten überflogen. 14 von 23 französischen Atomkraftwerke bekamen auf diese Weise bereits ungebetenen Besuch (...wir berichteten). Während die französischen und mittlerweile auch internationalen Medien lediglich von "Drohnen" sprechen und damit den die Situation sehr viel treffender beschreibenden Begriff "UFOs" (im Sinne unidentifizierte Flugobjekte) erfolgreich umschiffen, stehen Behörden wie Politik weiterhin vor einem Rätsel. Robert Fleischer von "Exopolitik Deutschland" verfolgt die aktuelle Affäre über den französischen Kernkraftwerken schon von Anfang an und zieht im Folgenden eine erste Bilanz zum Stand der Dinge.

Robert Fleischer. | Copyright: R. Fleischer

Die Besorgnis darüber, was sich derzeit am Himmel über Frankreich abspielt, einem Land, das wie kaum ein anderes vom Atomstrom abhängig ist, reicht inzwischen bis in die höchsten Ränge der Politik.


Der grüne Politiker und Vizepräsident der Nationalversammlung, Denis Baupin, forderte eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen. "Niemand scheint bis heute in der Lage zu sein herauszufinden, wer hinter diesen Operationen steckt, obwohl die Flugkörper verschiedene, mehrere hundert Kilometer entfernte Anlagen zur selben Zeit überfliegen", empörte er sich gegenüber "20minutes": "Niemand kann garantieren, dass diejenigen, die sie steuern, gute Absichten haben."


Inzwischen hat sich auch die französische Umweltministerin zu Wort gemeldet. Die Sicherheit der französischen Atomkraftwerke sei nicht durch die Überflüge gefährdet, erklärte Ségolène Royal. Die verwendeten Drohnen seien "keine gefährlichen Objekte". Sie räumte ein, dass die Behörden derzeit noch nicht "die Quelle dieser Überflüge" gefunden hätten, es gäbe "keinerlei Spur". Sie fügte aber hinzu: "Wir werden es bald herausfinden." Seit Samstag fänden dazu regelmäßige Beratungen zwischen den Ministerien der Umwelt, des Inneren und der Verteidigung statt. Zusätzliche Alarmvorrichtungen seien geschaffen worden, um die Quelle der Überflüge zu identifizieren.



Karte Frankreichs mit den bislang von unidentifizierten Überflügen betroffenen Standorten von Atomkraftanlagen. (Stand: 3.11.2014) | Copyright: grewi.de

Während sich Politiker bemühen, das Gefährdungspotenzial der unbekannten Flugkörper klein zu reden, lässt die Meldung des Generalsekretariats der Verteidigung und der Nationalen Sicherheit (SGDSN) das wahre Ausmaß der offiziellen Besorgnis erkennen. "Sämtliche für die Sicherheit von wichtigen Anlagen zuständigen Behörden wurden seit Beginn der Überflüge mobilisiert, um die Verantwortlichen dahinter zu finden und zur Strecke zu bringen. So habe zum Beispiel die Gendarmerie inzwischen Verstärkung erhalten und sei mit dem Sonderrecht ausgestattet worden, die Drohnen mit Pump-Guns abzuschießen – jedoch nur dann, wenn sie sich einem Kernkraftwerk nähern, meldet LeParisien.fr.


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Das große Schweigen
Darüber hinaus sind weder EDF noch das Innenministerium oder die Luftwaffe zu öffentlichen Äußerungen bereit. Es drängt sich der Eindruck auf, dass bestimmte Schlüsselinformationen bewusst verschwiegen werden. Während früheren Presseberichten zumindest vereinzelte Angaben zur Größe der Flugobjekte oder zur Uhrzeit ihres Erscheinens zu entnehmen waren, fehlen solche Informationen inzwischen völlig.

Erst am Wochenende gab Ségolène Royal zu, dass es keinerlei heiße Spur zu den Tätern gebe. Heute deutet der Innenminister Bernard Caseneuve an, dass die Geheimhaltung wichtiger Fakten System habe: "Am besten kommen wir in der Sache voran, wenn wir nicht sagen, was wir machen". So kann man die Ahnungslosigkeit natürlich auch verkaufen - oder ist er gar nicht so ahnungslos wie er tut? (s. Video ab Timecode 8:30 HIER)


Stattdessen lassen die Moderatoren der Hauptnachrichtensendungen in ihren Fernsehstudios kleine, vom Smartphone aus gesteuerte Quadrokopter steigen, wie etwa bei France 2 (Timecode: 17:24) oder bei TF1. Die Botschaft ist klar: Hier gibt es nichts zu sehen - gehen Sie weiter.


Doch ob es sich wirklich um solche handelsüblichen Kopter handelt, ist nach aktuellem Sachstand nach wie vor unbekannt. Allein die technischen Bedingungen wecken Kopterexperten zufolge Zweifel:


Technische Anforderungen

Sollte es sich tatsächlich um die im Fernsehen gezeigten Mini-Drohnen handeln, dürfte deren Flugradius kaum mehr als etwa 200 Meter betragen, da die Funkverbindung entweder über Bluetooth oder W-LAN aufgebaut wird und beide Methoden für den Nahfunk ausgelegt sind. Der Pilot des Kopters hätte sich demnach in unmittelbarer Nähe zum Atomkraftwerk aufhalten müssen, er wäre wahrscheinlich auch von Sicherheitskräften entdeckt worden. Zudem erreichen kleine Kopter kaum die für einen solchen Überflug benötigte Flugdauer, sie fliegen meist nur wenige Minuten lang.

Außerdem stellt sich die Frage nach dem Zweck des Überflugs. Um eine Kamera zu transportieren, die brauchbare Aufnahmen bei Nacht machen kann, sind solche Kopter schlicht zu klein.


Selbst bei größeren Koptern, die etwa für professionelle Filmaufnahmen verwendet werden, sind der Flugdauer und dem Einsatzradius enge Grenzen gesetzt. Immerhin kann ein solcher Kopter je nach Propellergröße, Motor und Akkuleistung mühelos 10 bis 15 Minuten in der Luft bleiben und dabei eine geeignete Kamera transportieren.


Die maximale Reichweite eines Handsenders etwa drei Kilometer, aber nur dann, wenn sich der Pilot an die gesetzlichen Bestimmungen hält. Theoretisch könnte ein solcher professioneller Kopter aus einem fahrenden Auto heraus gesteuert werden. Zudem könnten solche Kopter eine vorprogrammierte Route entlang von GPS-Koordinaten abfliegen, ohne dass dafür eine direkte Funkverbindung zum Piloten nötig wäre.


Denkbar wäre es also, dass der Kopter irgendwo am Rand der 5 km breiten Flugverbotszone gestartet wäre, vor den Blicken des Sicherheitspersonals verborgen. Um das Atomkraftwerk zu erreichen, würde er von dort aus etwa 10 Minuten benötigen, da seine Höchstgeschwindigkeit etwa 30 bis 40 Kilometer pro Stunde beträgt. Obwohl gesetzliche Auflagen – etwa in Deutschland - eine maximale Flughöhe von 150 Metern vorschreiben, wäre ein solcher Kopter theoretisch in der Lage, ein Kraftwerk in bis zu 4000 Metern Höhe zu überfliegen. Um das Kraftwerk in seiner Gesamtheit zu überblicken, wäre allerdings je nach Kamera eine Flughöhe von 200 bis 300 Metern angebracht. Sein Propellergeräusch wäre ab einer Höhe von etwa 60 Metern für das Sicherheitspersonal nicht mehr wahrnehmbar. Professionelle Kopter weisen zu Navigationszwecken eine LED-Beleuchtung auf - es ist denkbar, dass diese die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals und der Gendarmerie erweckte, die Fotos geschossen haben will.


Bei Nacht zu fliegen ist in Frankreich wie in Deutschland illegal. Zudem liefern nur wenige Kameras bei Dunkelheit brauchbare Aufnahmen: Je weniger Licht vorhanden ist, desto größer muss der Bildsensor sein. Selbst die Aufnahmen der GoPro Hero 3, einer für Kopterzwecke üblichen Kamera, wirken bei Nacht äußerst ernüchternd. Kaum vorstellbar, dass solche Videos zu Spionagezwecken geeignet sind. Um nachttaugliche Kameras zu transportieren, bedürfte es eines größeren Kopters.


Nachtflug eines Kopters mit einer GoPro Hero 3 Kamera


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Wer steckt dahinter? Fünf Szenarien

Um die Serie der mysteriösen Erscheinungen über französischen Atomanlagen zu erklären, sind nach aktuellem Stand der Dinge folgende Szenarien denkbar:
1. Das Hobbykopter-Szenario: Eine Gruppe von Amateuren sorgt mit handelsüblichen Smartphone-Dronen für Unsicherheit.
Dieses Szenario, das derzeit von französischen Massenmedien gezeichnet wird, ist allein auf Grund der technischen Anforderungen an Flugdauer und Funkverbindung unwahrscheinlich. Auch die Tatsache, dass zur selben Uhrzeit mehrere Anlagen in großer Entfernung voneinander überflogen wurden, lässt eher an eine groß angelegte Aktion denken.

2. Das Umweltschützer-Szenario: Eine Gruppe von Aktivisten versucht, mit Drohnen auf eventuelle Sicherheitsprobleme bei Atommeilern hinzuweisen.


Möglich - aber wer sollte das sein? Greenpeace hatte dies zuletzt im Jahr 2012 bewerkstelligt, aber die Aktion groß publik gemacht, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Falle der Drohnen-Überflüge streitet Greenpeace jedoch jegliche Verantwortlichkeit ab.


3. Das Spionage-Szenario: Eine unbekannte fremde Macht versucht mit Hilfe professioneller Drohnen, Frankreichs Atommeiler auszuspionieren.


Dieses Szenario ist technisch denkbar. Die Fähigkeiten geheimer militärischer Drohnen könnten diejenigen kommerzieller Kopter bei weitem übersteigen. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass eine fremde Macht ihre Spionageaktivitäten fortsetzt, obwohl die Presse schon längst groß darüber berichtet hat?


4. Das False-Flag-Szenario: Eine unbekannte Macht versucht, durch Medienberichte über fortgesetzte Überflüge öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen und eventuell Panik zu schüren, um konkrete politische Ziele zu erreichen.


Möglich, vor allem, da die Aktivitäten nach Einsetzen der Presseberichterstattung weiter fortgeführt wurden. Normalerweise münden solche Aktivitäten jedoch in konkreten Reaktionen der Politiker. Bislang sieht die Luftwaffe allerdings keine Notwendigkeit für neue Maßnahmen oder Gesetze, ebenso wenig von Seiten der Politik.


5. Das UFO-Szenario: Unidentifizierte Flugobjekte fliegen aus welchen Gründen auch immer über Atomkraftwerke hinweg.


Denkbar. Solange keine direkten Zeugenaussagen oder Fotos an die Öffentlichkeit gelangen, ist die Herkunft und Art der gemeldeten Flugkörper nicht bestimmbar. Politiker und Betreiber der Atommeiler schweigen sich aus. Die französische UFO-Behörde GEIPAN hingegen hatte bereits 2012 auf das vermehrte Auftreten von UFO-Sichtungen in der Nähe von Atomanlagen hingewiesen - ein Phänomen, das übrigens auch in den Vereinigten Staaten zu Beginn der 1950er Jahre für großes Aufsehen in Sicherheitskreisen gesorgt hatte.
GEIPAN-Leiter Xavier Passot über UFO-Sichtungen bei Atomanlagen

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Am 28. September veranstaltete "Exopolitik Deutschland" einen Vortragsabend mit dem Schwerpunkt UFOs und Atomanlagen. Dabei präsentierte Gerhard Gröschel vom Institut für technische UFO-Forschung Aufnahmen seiner automatischen Überwachungsanlagen, auf denen seltsame Erscheinungen über dem Kernkraftwerk Neckarwestheim zu sehen sind. Sein sehenswerter Vortrag erscheint demnächst auf ExoMagazin.tv.


Quelle: exopolitik.org
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