Dienstag, 2. Dezember 2014

Antiker Computer neu datiert: Mechanismus von Antikythera offenbart fortgeschrittenen Stand der Wissenschaft im frühen antiken Griechenland


Der Mechanismus von Antikythera im Nationalen archäologischen Museum von Athen. | Copyright: CC by-SA 3.0

Tacoma (USA) - Seit mehr als 100 Jahren sorgt der sogenannten Mechanismus von Antikythera unter Forschern und Wissenschaftlern für Rätselraten, stellt das rund 2000 Jahre alte komplexe Zahnradwerk doch einen mechanischen Vorgänger von Computern da, mit dem verschiedene Kalender und astronomische Berechnungen aufeinander abgestimmt werden konnten (...wir berichteten). Zwei Wissenschaftlern präsentieren nun eine Neudatierung des Mechanismus. Diese offenbart nicht nur einen erstaunlich hohen Stand der Wissenschaft im frühen Griechenland, sie rückt auch Archimedes als möglichen Erfinder und Konstrukteur des Mechanismus wieder ins Zentrum der Antikythera-Forschung.

1901 wurden die stark verkrusteten und zugewachsenen Reste des Mechanismus von Schwammtauchern aus einem römischen Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera geborgen. Die Komplexität des feinmechanischen Räderwerks ist nach bisherigem Wissensstand für die Antike einzigartig und wurde erst wieder von Uhrmachern im mittelalterlichen Europa erreicht.


Wie Professor James Evans von der US-amerikanischen University of Puget Sound und Christián Carman von der argentinischen Universidad Nacional de Quilmes aktuell im Fachjournal "Archive for History of Excat Science" berichten, ist es ihnen nach jahrelanger Analyse der Funktion des Antikythera-Mechanismus zur Bestimmung von Sonnen- und Mondfinsternissen im Abgleich mit babylonischen Aufzeichnungen zu Finsternissen gelungen zu datieren, wann die Darstellungen dieser Himmelsereignisse auf dem Mechanismus beginnen.


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Laut den Forschern handelt es sich hierbei um das Jahr 205 v.Chr. Aus dieser Erkenntnis leiten die Wissenschaftler somit eine Neudatierung des Alters des Mechanismus selbst ab und vermuten, dass dieser 50 bis 100 Jahre älter ist als bislang angenommen: "Unsere Ergebnisse füllen zugleich einen Lücke in der Geschichte der Wissenschaft der Antike, in dem sie zeigen, dass auch die Griechen schon früher (als bislang bekannt) in der Lage waren, Finsternisse vorherzuberechnen und eine hochkomplexe Maschine zu entwickeln und zu konstruieren, die bis heute von einigen sogar als der Welt erster Computer bezeichnet wird."

Zudem unterstütze die Entdeckung die Vorstellung, dass das System zur Vorhersage von Finsternissen nicht auf der griechischen Trigonometrie beruht, da es diese 205 v.Chr. noch nicht gab. Stattdessen scheinen die Griechen arithmetische Methoden der Babylonier übernommen zu haben.


Die Neudatierung rückt zugleich auch eine Geschichte Ciceros wieder ins Interesse der Antikythera-Forschung. Laut dem Bericht des römischen Politikers, will dieser bei seinem Lehrer, dem Philosophen und Universalgelehrten Poseidonios, ein Instrument gesehen haben, "dessen einzelne Umdrehungen dasselbe an Sonne, Mond und den fünf Planeten hervorrufen, was am wirklichen Himmel in den einzelnen Tagen und Nächten abläuft", dessen Funktionen also denen des Antikythera-Mechanismus auffallend gleichen und das 212 v.Chr. von Archimedes konstruiert worden sein soll.


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