Mittwoch, 3. Dezember 2014

Erstaunliche Entdeckung: Auch Menschen können infrarotes Licht sehen


Unter bestimmten Umständen kann auch das menschliche Auge Licht im für gewöhnlich für uns unsichtbaren infraroten Spektrum wahrnehmen (Illu.). | Copyright: Sara Dickherber

St. Louis (USA) - Das menschliche Auge kann infrarotes Licht nicht wahrnehmen - so zumindest die bislang geltende Lehrmeinung, wie sie in jedem Lehrbuch und Lexikon zu finden ist. Entgegen dieser Lehrmeinung hat nun aber ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass auch das menschliche Auge unter bestimmten Bedingungen doch infrarotes Licht wahrnehmen kann. Damit stützen die Forscher frühere von Medizinern oft abgetane Berichte von Menschen, die von einer Infrarotsichtigkeit berichtet hatten.

Wie die Forscher um Dr. Vladimir J. Kefalov von der Washington University School of Medicine aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1410162111) berichten, konnten sie in ihren Experimenten mit Netzhäuten (Retina) von Mäusen und Menschen zeigen, dass schnell gepulstes Laserlicht dazu führen kann, dass die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut manchmal von einen Doppeltreffer infraroter Energie getroffen werden. Geschieht dies, so ist auch das menschliche Auge in der Lage, Licht außerhalb des eigentlich sichtbaren Spektrums wahrzunehmen.


Zu ihrer erstaunlichen Entdeckung wurde das Wissenschaftlerteam durch eigene Wahrnehmungen von grünen Lichtblitzen während Experimenten mit Infrarotlasern geführt. Im Gegensatz zu den Lasern, wie sie etwa aus Laserpointern und Spielzeugen bekannt sind, arbeiteten die Forscher mit starken Infrarotlasern, deren Licht bislang eigentlich als für den Menschen nicht sichtbar galt.


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"Unsere Kollegen waren in der Lage, das Laserlicht zu sehen, obwohl dieses außerhalb des normalen sichtbaren Spektrums lag - Licht, das also eigentlich für uns Menschen unsichtbar sein sollte", erinnert sich Dr. Frans Vinberg vom Department of Ophthalmology and Visual Sciences an der Washington University. "Als wir das bemerkten, wollten wir natürlich auch herausfinden, wie das möglich ist."


Im Abgleich mit früheren Berichten von Menschen, die behauptet hatten, infrarotes Licht sehen zu können, wiederholten die Forscher vorherige Experimente und analysierten das jeweils verwendete Laserlicht: "Wir experimentierten mit unterschiedlich lang gepulstem Laserlicht und fanden dabei heraus, dass die Wahrscheinlichkeit der Infrarotsichtigkeit beim Menschen mit zunehmender Kürze der Lichtpulse steigt", erklärt Vinberg weiter. "Obwohl der Abstand zwischen den Pulsen so klein ist, dass dieser nicht mehr wahrgenommen werden kann, erlauben es gerade diese Pulse dem Menschen dieses unsichtbare Licht sehen zu können."


Eine Erklärung für die von den Laserpulsen hervorgerufenen Infrarotsichtigkeit liegt in der Funktionsweise der Augen selbst: Unter normalen Umständen absorbieren sogenannte Photopigmente in unserer Netzhaut jeweils ein Lichtteilchen (Photon) und wandeln dann das Licht in das um, was wir sehen. Werden nun durch den schnell gepulsten Laser aber zwei statt wie ein Photon von einem Photopigment absorbiert, kann die nun kombinierte Energie der beiden Photonen dazu führen, dass unser Auge das eigentlich Unsichtbare sehen kann.


"Das sichtbare Spektrum beinhaltet Lichtwellen zwischen 400 und 720 Nanometern", erklärt Kefalov. "Wird nun aber ein Pigmentmolekül in der Netzhaut von einer schnellen Abfolge von Photonenpaaren mit einer Wellenlänge von 1000 Nanometern getroffen, so liefern diese Lichtteilchen die gleiche Energiemenge wie ein Einzeltreffer eines 500-Nanometer-Photos. Da dies Mitten im für den Menschen sichtbaren Spektrum liegt, wird dieses Licht dann für uns sichtbar."



+ + + GreWi-Kommentar
Ein weiteres Mal liefern neue wissenschaftliche Erkenntnisse Beweise dafür, dass Menschen unter bestimmten Umständen, seien dies nun externe oder interne Stimuli, Dinge wahrnehmen können, die für gewöhnlich in den Bereich des Unsichtbaren verortet werden. Schon 2012 berichteten wir über eine Engländerin, die 99 Millionen mehr Farben als gewöhnliche Menschen wahrnehmen kann. 2007 gelang es japanischen Wissenschaftlern erstmals eine biolumineszente "Aura" des Menschen zu fotografieren. Dann wiederum erklärten Forscher die von einigen Menschen beschriebene Fähigkeit zu Aurasichtigkeit mit Synästhesie (also der Kopplung von Sinneswahrnehmungen), während finnische Wissenschaftler im vergangenen Januar eine "Emotionskarte des menschlichen Körpers" präsentierten, die körperliche Assoziationen farblich als Reaktion auf veränderte emotionale Zustände aufzeigte. Zudem ist das "Sehen" auch außerhalb des für den Menschen normalerweise sichtbaren Spektrums bei einigen anderen Tierarten keine Seltenheit. Die Möglichkeit, dass also auch die Naturwissenschaft Belege dafür liefern kann, dass einige Menschen - vielleicht aufgrund seltener genetisch-biologischer Eigenschaften tatsächlich oder bedingt durch bestimmte Umwelteinflüsse - visuelle (und darüber hinausgehende...?) Fähigkeiten haben können, die uns anderen verborgen sind, ist also gegeben. Ein solches Szenario könnte dann vielleicht auch die ein oder andere "übersinnliche" Wahrnehmung erklären...?

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