Donnerstag, 18. Dezember 2014

Fehlerhaftes Studienergebnis: Yeti-DNA stammt doch nicht von urzeitlichem Eisbär im Himalaya


Der Himalayabär (Ursus arctos isabellinus). | Copyright: German Stimban (WikiCommons), CC BY-SA 3.0

Oxford (England) - Während das Ergebnis einer DNA-Analyse angeblicher Yeti-Haare durch ein Team um den Oxford-Genetiker Brian Sykes Vertreter der Theorie einer noch unbekannten Großprimatenart im Himalaya enttäuschte, lieferte es zugleich den Nachweis einer vermeintlichen zoologisch-kryptozoologischen Sensation: Die Existenz einer urzeitlichen Eisbärenart im Himalaya (...wir berichteten). Jetzt jedoch hat eine Überprüfung der Analyseergebnisse ergeben, dass diese Schlussfolgerung auf einem Fehler beruht - den auch die Autoren um Sykes eingestanden haben.

UPDATE 19.12.2014
Erst gestern berichteten wir über einen Fehler bei der Identifizierung der DNA-Analyseergebnisse angeblicher Yeti-Haarproben durch den Oxford-Genetiker Dr. Brian Sykes und Kollegen. In dieser gestrigen Meldung berichteten wir, dass die DNA nicht, wie von Sykes und Kollegen ursprünglich berichtet, mit der eines urzeitlichen Eisbären, sondern mit der des Himalayabären übereinstimme. Heute müssen wir leider eingestehen, dass auch diese Zuordnung falsch war, bzw. von uns nicht korrekt dargestellt wurde. GreWi bittet dies an dieser Stelle zu entschuldigen. Richtig ist: Die in den angeblichen Yeti-Proben gefundene DNA stammt nicht von einem urzeitlichen Eisbären des Pleistozäns sondern stimmt zu 100 Prozent mit der moderner, heute lebender Eisbären überein. Was diese Bären jedoch im Himalaya zu suchen haben, ist weiterhin rätselhaft. weiterlesen... + + + 

Wie Dr. Ceiridwen Edwards von der University of Oxfordshire und Dr. Ross Barnett vom Statens Naturhistorikse Museum der Universität Kopenhagen aktuell im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" (DOI: 10.1098/rspb.2014.1712), in dem schon Sykes und Kollegen ihre DNA-Studie veröffentlicht hatten (...wir berichteten) berichten, handele es sich bei der festgestellten Übereinstimmung der untersuchten "Yeti-DNA" mit der eines urzeitlichen Eisbären des Pleistozäns um einen Fehler. Stattdessen stimme die identifizierte DNA mit der einer seltenen Braunbärenart überein:
"Der Himalayabär (Ursus arctos isabellinus, s. Abb.) ist eine Unterart des Braunbären und lebt in den Höhenregionen des Himalaya, in den entlegenen Bergregionen Pakistans, Nepals, Tibets, Bhutans und Indiens. Die Populationen der auch als Isabellbären bekannten Himalayanbären sind klein, leben isoliert und sind in vielen Teilen dieser Gebiete extrem selten. Der in dieser Region meist gebrauchte Name für diese Bären ist Dzu-Teh, ein nepalesischer Begriff für 'Rinder/Viehbär' und diese Bären werden schon seit langem mit dem Mythos des Yeti assoziiert."
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In einer ebenfalls in den "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Antwort (DOI: 10.1098/rspb.2014.2434) haben Professor Brian Sykes, Terry W. Melton und der Leiter des Naturkundemuseums Lausanne Dr. Michel Sartori den Fehler anerkannt. Dieser sei durch eine unvollständige Suche in der GenBank verursacht worden:
"Auch wenn dieser Fehler zweifellos unglücklich ist, verändert er jedoch nicht die (grundsätzliche) Schlussfolgerung unserer aus den (angeblichen) Yeti-Haaren extrahierten Sequenzen, noch entwertet er die in unserem Artikel diskutierten möglichen Erklärungen." Auch werde die Schlussfolgerung, dass die untersuchten Proben nicht von einem bislang unbekannten Primaten stammen, von dem Fehler nicht beeinträchtigt.
In unserem Originalartikel unterstreichen wir, dass die wahre Identität dieses faszinierenden Tieres neu definiert werden muss - vorzugsweise durch eine DNA-Sequenz aus einer frischen Gewebeprobe, die von einem lebenden Exemplar gewonnen wird, angesichts derer die DNA-Degeneration keine Bedenken mehr darstellt."
+ + + GreWi-Kommentar
Bislang ist noch unklar, ob Sykes und Kollegen mit dem "faszinierenden Tier" ihres letzten Satzes den Himalayabären meinen, oder ob (und wenn ja warum) sie weiterhin von einer unbekannten Tierart im Himalaya als Kern des Yeti-Mythos ausgehen. Derzeit sind wir um eine Antwort auf diese Frage bemüht und werden umgehend berichten, sobald uns diese vorliegt.

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