Freitag, 26. Dezember 2014

Smartphone-Nutzung verändert unser Gehirn


Symbolbild: Smartphone | Copyright: grewi.de

Zürich (Schweiz) - Wie kaum ein anderes technisches Gerät, so haben Smartphones unsere Alltag auch außerhalb des Büros und jenseits der Schreibtische verändert und aufgrund der Navigation und Nutzung dieser Geräte mit Daumen und Zeigefinger selbst unsere Fingerfertigkeit verändert. Dass der Gebrauch von iPhone & Co aber auch unser Gehirn verändert, haben nun Schweizer Wissenschaftler nachgewiesen. Demnach passt sich auch der Cortex den sich wiederholenden Fingerbewegungen schnell an und beweist damit einmal mehr, wie plastisch unser Gehirn ist.

Wie die Forscher um Arko Ghosh vom Institut für Neuroinformatik der Universität Zürich und der ETH Zürich und Kollegen der Universität Fribourg aktuell im Fachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2014.11.026) berichten, besitzen alle Körperbereiche von der Zehe bis zum Kiefer und der Zunge festgelegte Verarbeitungsareale in unserem Gefühlszentrum im Gehirn, dem sogenannten somatosensorischen Cortex. Diese Areale sind flexibel und können sich verändern.


Die Schweizer Forscher hatten nun festgestellt, dass sich anhand des Smartphone-Gebrauchs die tägliche Plastizität des menschlichen Gehirns erforschen lässt und die digitalen Geräte mit ihren Aufzeichnungen erst noch eine ergiebige Datenquelle für dieses Verhalten liefern: "Smartphones bieten uns die Chance zu verstehen, wie das normale Leben die Gehirne von ganz normalen Menschen prägt", erklärt Arko Ghosh.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Hierzu haben die Wissenschaftler die Aktivierung im sensomotorischen Cortex untersucht, die durch Fingerbewegungen ausgelöst werden", erläutert die Pressemitteilung der Universität Zürich und führt weiter aus: "Bei 37 Rechtshändern, davon 26 Smartphone-Benutzer mit Touchscreen und 11 Benutzer von alten Handys, wurde mittels Elektroenzephalografie (EEG) die kortikale Hirnaktivität gemessen. 62 Elektroden am Kopf der Probandinnen und Probanden zeichneten dieses Potenzial aufgrund von Bewegungen des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers auf. Dabei stellte sich heraus, dass sich die kortikale Repräsentation bei Nutzerinnen und Nutzern von Touchscreen-Smartphones im Vergleich zu Personen mit herkömmlichen Handys unterscheidet."

Ghosh und Kollegen konnten außerdem zeigen, dass die Häufigkeit des Smartphone-Gebrauchs die kortikale Aktivität beeinflusst. Je mehr das Smartphone in den vergangenen zehn Tagen benutzt worden war, desto größer war das Signal im Gehirn. Dieser Zusammenhang war am stärksten, nämlich proportional, im Areal, das den Daumen repräsentiert.


"Auf den ersten Blick scheint dieser Befund vergleichbar zu sein mit dem, was bei Geigenspielern geschieht", erläutert Ghosh. Dabei konnten die Forscher zwei Unterscheide ausmachen: Zum einen spielt bei Smartphone-Nutzern keine Rolle, wie lange sie ein Gerät schon besitzen und benutzen. Bei Geigenspielern hingegen war die Aktivität im Gehirn abhängig vom Alter, in dem sie zu spielen begannen. Zum anderen besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Aktivierung im Hirn und der letzten Nutzung des Smartphones, während dies bei Geigenspielern in früheren Studien nicht nachgewiesen werden konnte.


"Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserm Gehirn und zwar in einem Ausmaß, das uns überrascht hat», resümiert Ghosh abschließend.


grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE