Dienstag, 16. Dezember 2014

Virtueller Körpertausch reduziert negative Vorurteile gegenüber Fremden


In verschiedene Experimenten erzeugten die Wissenschaftler anhand virtueller Illusionen bei den Probanden u.a. die Vorstellung, plötzlich einen andere Hautfarbe zu haben. | Copyright: Trends in Cognitive Sciences, Maister et al.

London (England) - In Experimenten haben Forscher die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Informationen unterschiedlicher Sinne zusammenzufügen, derart genutzt, um Menschen mit heller Hautfarbe die Illusion zu vermitteln, sie befänden sich im Körper eines Menschen mit dunkler Haut. Ebenso gelang es ihnen, Erwachsenen die Illusion zu vermitteln, sie befänden sich im Körper eines Kindes. Die Ergebnisse der Körpertausch-Experimente haben wichtige Auswirkungen für Erforschung und Umgang mit Rasen- und Geschlechterdiskriminierung.

In ihrem die Experimente und Ergebnisse beschreibenden Fachartikel im Fachjournal "Trends in Cognitive Sciences" (DOI: 10.1016/j.tics.2014.11.001) beschreiben Professor Manos Tsakiris von der Royal Holloway University of London und Professor Mel Slater vom University College London und der Universitat de Barcelona, wie sich während der Experimente der virtuelle Körpertausch auf die Vorurteile der Probanden gegenüber jener Personengruppe, in deren Körper sie virtuell versetzt wurden, ausgewirkt hatte.


"Negative Einstellungen gegenüber anderen bilden sich oft schon in jungen Jahren und bleiben dann vergleichsweise bis ins Erwachsenenalter bestehen", erläutern die Forscher. Durch die Experimente haben sich nun aber genau diese Vorurteile gegenüber den jeweils anderen zusehends reduziert.


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"Unsere Ergebnisse sind alleine schon deshalb wichtig, da sie weitere Forschungen um die Frage motivieren, wie unsere Wahrnehmung von der eigenen Identität entsteht und wie Grenzen zwischen den jeweiligen Gruppen verändert werden können", so Tsakiris. "Sie können uns zudem dabei behilflich sein, noch besser zu verstehen, wie wir mit sozialen Phänomenen wie Rassismus, religiösem Hass und Geschlechterdiskriminierung besser umgehen können. Nicht zuletzt haben wir mit dieser Methode eine Möglichkeit gefunden, Menschen aufzuzeigen, wie es ist, jemand anderes zu sein als man selbst.

Obwohl es natürlich keine einfache "Heilung" für Rassismus und andere Vorurteile gebe, zeige das Ergebnis, dass unser Gehirn auch noch im fortgeschrittenen Alter in der Lage ist, die eigenen Vorstellungsmodelle vom eigenen Körper und anderer Menschen zu aktualisieren und unsere Einstellungen gegenüber anderen zu verändern", so Slater abschließend.


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