Mittwoch, 28. Januar 2015

Abflussrinnen belegen flüssiges Wasser auf Asteroid Vesta


Abflussrinnen im Cornelia-Krater auf Vesta. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Los Angeles (USA) - Nach dem Zwergplaneten Ceres ist der Asteroid bzw. Protoplanet Vesta das zweitgrößte Objekt im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Bevor Vesta von 2011 bis 2013 von der NASA-Raumsonde "Dawn" be- und untersucht wurde (...wir berichteten, s. Links), galt der Brocken aufgrund der niedrigen Temperaturen und Druckverhältnisse als gänzlich trocken - von flüssigem Wasser ganz zu schweigen. Eine neue Studie belegt nun jedoch Geländestrukturen auf Vesta die nahelegen, dass es auf dem Asteroiden zumindest kurzfristig Wasser in flüssiger Form gegeben haben könnte.

Wie das Team um Jennifer Scully von der University of California, Los Angeles, aktuell im Fachjournal "Earth and Planetary Science Letters" (DOI:
10.1016/j.epsl.2014.12.004) berichtet, handelt es sich bei diesen Strukturen um Abflussrinnen und fächerförmige Ablagerungen innerhalb vergleichsweise junger Krater auf Vesta. Diese Strukturen, so glauben die Forscher, könnten von Oberflächenmaterial des Asteroiden gegraben und abgelagert worden sein, das durch flüssiges Wasser in Bewegung gebracht wurde.


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"Niemand von uns hatte je erwartet, dass wir auf Vesta Beweise für Wasser finden würden", so die Forscherin. "Die Oberfläche ist sehr kalt und es gibt keinerlei Atmosphäre. Jegliches Wasser auf der Oberfläche sollte also unmittelbar verdampfen. Dennoch zeigt sich Vesta mehr und mehr als sehr interessanter und komplexer planetarer Körper. Die Entdeckungen haben große Auswirkungen für die Planetenwissenschaft."

Allerdings stellen die Wissenschaftler zugleich auch klar: "Wir behaupten aber nicht, dass es auf Vesta flussartig fließenden Oberflächenwasser gab und/oder gibt. Aber wir vermuten Prozesse, die denen von Schuttströmen und Murgängen gleicht, bei denen kleine Mengen an Wasser sandige und steinige Böden und Partikel in Bewegung versetzten."


Die kurvigen Rinnen unterscheiden sich dabei deutlich von ähnlichen Gebilden, wie sie auch von trockenem Material hervorgerufen werden: "Diese Strukturen auf Vesta zeigen alle Merkmale für von Wasser verursachte Abflussrinnen, wie sie schon von Erde und Mars bekannt sind", so Scully weiter.


Die Rinnen selbst sind etwa 30 Meter breit und durchschnittlich rund 900 Meter lang. Die besten Beispiele dieser Rinnen finden sich demnach im Cornelia-Krater, der selbst 16 Kilometer breit ist.


Als bislang wahrscheinlichste Erklärung für die Quelle des flüssigen Wassers auf Vesta vermuten die Wissenschaftler, kleinere und über den Asteroidenkörper verteilte Eislager unter der Oberfläche. Woher dieses Eis stammt, können die Forscher bislang noch nicht sagen. Möglicherweise stamme es aber von Zusammenstößen mit wässrigen Körpern wie Kometen. Spätere Einschläge könnten dann genügend Hitze erzeugen, durch die dieses von den jeweiligen Einschlägen zugleich freigelegte Eis schmilzt dieses Wasser die neuentstandenen Kraterwand hinunterläuft, bevor es wieder gefriert und ins All verdampft.


Die Krater, in denen die Forscher die Hinweise auf einstiges Wasser entdeckt haben, sind mit nur einigen Millionen Jahren allesamt deutlich jünger als Vesta selbst: Vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden, gilt Vesta sozusagen als Zeuge der Entstehung unseres Sonnensystems.


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