Freitag, 30. Januar 2015

Hoffnung auf Leben auf Eismonden und Zwergplaneten Ceres: Forscher finden Leben in ewiger Dunkelheit unter der Antarktis


Fischlein in eisiger und dunkler Tiefe | Copyright: Reed Scherer (NIU)

Antarktis - Unter dem 740 Meter dicken Eispanzer des antarktischen Ross-Schelfeises und damit in völliger Dunkelheit und eisiger Kälte haben Wissenschaftler zu ihrer eigenen Überraschung Fische und andere Meeresorganismen entdeckt, die hier in einer gerade einmal 10 Meter dicken Meerwasserschicht oberhalb des nackten Meeresbodens leben. Bislang gingen die meisten Biologen davon aus, dass in derartigen Umgebungen gerade einmal Mikroben überleben können. Die Entdeckung nährt erneut die Hoffnung, dass auch in den unter dicken Eispanzern verborgenen Wasserozeanen auf den eisigen Jupiter- und Saturnmonden Europa und Enceladus, sowie auf anderen Eismonden und Zwergplaneten wie Ceres, Leben existiert.

Wie die Forscher um Ross Powell von der Northern Illinois University und der "Whillans Ice Stream Subglacial Access Research Drilling" (WISSARD) berichten, befindet sich der Bohrpunkt, an dessen Grund die Sonde das hier unerwartete Leben entdeckt hatte, zudem 850 Kilometer von jenem Punkt entfernt, an dem der Ozean noch direkt mit dem Sonnenlicht in Berührung kommt und so Kleinstplankton als Grundlage einer Nahrungskette wachsen kann.



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"Ich bin wirklich überrascht", zitiert "Scientific American" den Forscher. "Ich selbst arbeite jetzt schon viele Jahre hier und habe die Unterseiten von antarktischen Gletschern und deren Kontaktregionen mit dem Ozean eingehend studiert. Dieses Ökosystem hat auf irgendeine Art und Weise trotz einer wirklich geringen Nahrungsgrundlage und Abgeschiedenheit vom Sonnenlicht – jener Energiequelle also, von der fast alles Leben auf der Erde abhängt - geschafft zu überdauern. Die Entdeckung ermöglicht uns faszinierende Einblicke in einer komplexe und bislang unerforschte Lebensumgebung gewaltiger Flächen unterhalb der Antarktis."


Weitere Aufnahmen der unerwarteten Bewohner des Antarktisbodens. | Copyright: Whillans Ice Stream Subglacial Access Research Drilling Project

Zunächst hatten die Videoaufnahmen vom Ende der Bohrsonde genau das gezeigt, was die Forscher auch erwartet hatten: Kahlen Ozeanboden ohne auch nur die kleinsten Anzeichen oder Spuren von Leben: "Das hier sah aus, wie eine Mondlandschaft. (...) Normalerweise zeigt der Meeresboden alle möglichen Hinweise von Leben: Spuren von Krebsen im Schlamm, Wurmauswürfe und ähnliches. Hier gab es aber nichts dergleichen. Auch Schlammproben zeigten keinerlei Spuren von Leben - selbst im Labor. Zudem waren die Meerwasserproben extrem klar. Dieses Wasser war also nur geringfügig von Mikroben durchsetzt - zu wenig eigentlich, als dass davon höhere Organismen leben könnten.


Erst acht Tage nachdem das Bohrloch geöffnet worden war, zeigte sich vor der Kamera eines ferngesteuerten Roboters ein dahinhuschender Schatten und gelöste Bodenpartikel und damit ein erstes Anzeichen von Leben. Gefolgt wurde die Beobachtung dann auch vom Erscheinen eines kleinen, fast durchsichtigen und glupschäugig-schlanken Fisches, der offenbar von dem Licht der Kamera angelockt wurde.


Neben 20 bis 30 etwa tischmessergroßen Fischen pro Tag entdeckten die Forscher auch noch zwei kleinere, schwarz- und organgefarbene Fischarten, zudem Dutzende kleiner roter garnelenartiger Schalentiere und zahlreiche Wirbellose. Wovon diese Tiere jedoch genau Leben und wie das Ökosystem aufrecht erhalten wird, woher Nahrung und Energie genau kommt, ist bislang noch unbekannt.


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