Freitag, 16. Januar 2015

Orang-Utan im Kölner Zoo imitiert eigenständig menschliche Laute


Sprachbegabter Orang-Utan Tilda. | Copyright/Quelle: Lameira et al. / PLoS One

Köln (Deutschland) - Während des Studiums der Orang-Utan-Dame Tilda im Kölner Zoo, haben niederländische Verhaltensforscher erstaunt festgestellt, dass diese sich selbst Vokallaute, Zungenklicks und das Pfeifen - und damit die Grundlagen der menschlichen Sprache beigebracht hat. Tildas Fähigkeit zur Imitation menschlicher Laute durch eigene Vokalisation legt nahe, dass möglicherweise alle Menschenaffenarten dazu in der Lage sind.

Wie die Forscher um den Biologen Adriano Lameira von der Universiteit van Amsterdam aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI: 10.1371/journal.pone.0116136) berichten, nutzt Tilda ihre ungewöhnliche Fähigkeit zudem ganz gezielt, um ihre Pfleger immer dann auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie Hunger hat.


Obwohl die Menschenaffen sowieso schon für ihr großes Spektrum an einzigartigen Vokalisierungen bekannt sind, unterscheiden sich Tildas Laute doch deutlich von allem, was Verhaltensforscher bislang beobachtet und dokumentiert haben.


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Zu den der menschlichen Sprache verwandten Lauten gehören Klicklaute, die Tilda mit der Zunge erzeugt und wie sie mit menschlichen stimmlosen Konsonanten vergleichbar sind. Ganz ähnliche Klicklaute sind ein charakteristisches Merkmal der Sprache der sogenannten Buschmänner (San) in der afrikanischen Kalahariwüste.


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Zum Vergleich: Beispiele für die Klicklaute der San


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Zudem erzeugt Tilda durch schnelle Lippenbewegungen Laute, die an menschliche Vokale erinnern und kann pfeifen. Pfleger und Forscher vermuten, dass die einst in Freiheit geborene Tilda durch ihre frühere Arbeit in einem Zirkus diese Fähigkeit erlangt hat.




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Ihre Laute begleitet Tilda durch eindeutige Gesten in Richtung des gewünschten Futters. Es handele sich also um eindeutige Handlungen mit dem Ziel auf sich aufmerksam zu machen, erläutert Lemeira gegenüber "Discovery News": "Ich würde sie mit 'Komm her und gib mir dieses Futter' übersetzen."


Tildas Fähigkeit belege jedoch nicht nur, dass sie selbst ein 'kluger Affe' ist, sondern auch, dass wahrscheinlich alle Menschenaffen und ihre gemeinsamen Vorfahren, die Fähigkeit hatten und haben, menschenähnliche Laute zu erzeugen. "Die motorische Kontrolle dieser Tiere über ihren Vokalapparat ist wahrscheinlich sehr viel komplexer als bislang gedacht", so die Forscher.


Neben Tilda wurde die Fähigkeit zu derartiger Lauterzeugung bislang nur bei einem anderen Orang-Utan namens Bonnie gemacht, der im National Zoo in Washington D.C. lebt. Allerdings kann Bonnie "nur" pfeifen, und tut dies auch nicht zielgerichtet, sondern offenbar eher aus reiner Freude heraus.


"Die lautmalerischen Fähigkeiten dieser Tiere entsprechen wahrscheinlich denen der frühen Homo sapiens und der Neandertaler", kommentiert der Sprachwissenschaftler Mark Sicoli gegenüber "Discovery".


Vom weiteren Studium der sprachlichen Fähigkeiten von Tilda und Bonnie erhoffen sich die Wissenschaftler nun neuen Aufschlüsse über die Entstehung der menschlichen Sprache selbst.


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