Donnerstag, 22. Januar 2015

Sensationell erhaltener keltischer Kultplatz und Festungsanlage nahe Biberach entdeckt


Blick auf die teilweise freigelegte Trockenmauer. | Copyright: Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart

Biberach (Deutschland) - Bei Langenenslingen im Kreis Biberach haben Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Stuttgart eine "sensationell gut erhaltene keltische Befestigung" entdeckt.

Wie die Archäologen um Prof. Dr. Dirk Krausse und Dr. Leif Hansen in einer Pressemitteilung berichten, laufen die Ausgrabungen seit 2014 im Bereich der oberen Donau und schon im ersten Jahr ist den Forschern eine Aufsehen erregende Entdeckung von überregionaler Bedeutung gelungen.

Auf der sogenannten "Alte Burg", einem plateauartigen Ausläufer der Schwäbischen Alb oberhalb von Langenenslingen, stießen die Forscher im vergangenen Oktober überraschend auf eine mindestens vier Meter hoch erhaltene monumentale Steinmauer: "Sie begrenzt einen gut zwei Hektar großen Bergsporn, der vor ca. 2500 Jahren durch die frühkeltischen Erbauer vollkommen überformt und umgestaltet wurde. Wie die Entdeckung eines Opferschachts mit menschlichen Skelettreste zeigt, diente dieses gigantische Bauwerk bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. als Kultplatz."


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Die aus Kalksteinen gesetzte Trockenmauer konnte bisher nur im Randbereich freigelegt werden (s. Abb.) und ist noch nicht abschließend datiert. Naturwissenschaftliche Untersuchungen an Tierknochen aus dem Mauerbereich sprechen aber schon jetzt für eine Errichtung der Mauer im 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. Auch die Keramik- und Metallfunde von der Alte Burg und die Ähnlichkeit der neu entdeckten Mauer mit den Fundamenten der berühmten Lehmziegelmauern des nur rund neun Kilometer südlich gelegenen Fürstensitzes Heuneburg sprechen für eine Entstehung in frühkeltischer Zeit.

"Auf der Alte Burg konnten wir die Steinmauer bisher auf einer Höhe von 4,2 Metern freilegen, die oberen Partien sind jedoch noch im Steinschutt verborgen, so dass die Mauer an einigen Stellen wahrscheinlich noch sechs oder sieben Meter hoch senkrecht steht. Das ist für den gesamten Raum nördlich der Alpen einzigartig", sagt Projektleiter Prof. Dr. Dirk Krausse.


"Die bisherigen Forschungen zeigen, dass die Alte Burg in der frühkeltischen Zeit wahrscheinlich nicht nur unter fortifikatorischen Gesichtspunkten heraussticht, sondern auch eine sehr bedeutende Anlage mit Kultplatzfunktion dargestellt haben dürfte." Zur Klärung der Beziehungen zur Heuneburg, zu der in der Eisenzeit mit großer Wahrscheinlichkeit Sichtverbindung bestand, bedarf es in den nächsten Jahren jedoch noch weiterer intensiver Forschungen. Die Ausgrabungen an der Alte Burg werden im Frühjahr 2015 fortgesetzt.


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