Dienstag, 27. Januar 2015

Weiteres Akupunktur-Tattoo auf Eismumie "Ötzi" entdeckt


Die Gletschermumie Ötzi. | Copyright: Südtiroler Archäologiemuseum, iceman.it

Bozen (Italien) - Forscher des "EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman" haben mit neuen, nicht-invasiven Techniken alle Tätowierungen von Ötzi sichtbar gemacht und dabei ein bislang unbekanntes Tattoo auf dem Brustkorb des "Mannes aus dem Eis" entdeckt, die bislang aufgrund der dunkel gefärbten Haut der Mumie kaum zu erkennen war. Im Gegensatz zu den anderen, bisher bekannten Tätowierungen liegt diese zwar nicht auf Körpermeridianen oder über Gelenken mit Verschleißerscheinungen, dennoch vermuten die Wissenschaftler, dass auch dieses Körperbild ebenfalls der Schmerzlinderung diente.

Wie das EURAC-Team um Marco Samadelli aktuell in der Fachzeitschrift "Journal of Cultural Heritage" (DOI: 10.1016/j.culher.2014.12.005) berichtet, waren die Tätowierungen schon den Entdeckern von "Ötzi" am Tag des Fundes (19.09.1991) aufgefallen. Verschiedene Studien haben seither die Hautzeichnungen untersucht und aufgelistet.


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Mit der nun erstmals eingesetzten Technik haben die Bozener Forscher nun eine vollständige Übersicht über alle Tätowierungen der Gletschermumie erstellt, die zu den ältesten dokumentierten Tätowierungen der Welt gehören.


Hierzu fotografierte Samadelli den Körper der Mumie aus verschiedenen Blickwinkeln mit einer multispektralen Technik, so dass mittels der Aufnahmen der gesamte infrarote bis ultraviolette Wellenlängenbereich abgedeckt werden konnte. Dadurch gelang es den Forschern dann auch für das menschliche Auge nicht mehr sichtbare Tätowierungen in tieferliegenden Hautschichten mit großer Genauigkeit darzustellen.



Eine der bislang bekannten Tätowierungen. | Copyright: Südtiroler Archäologiemuseum


"Die 61 vorgefundenen Hautzeichen auf Ötzis Körper bestehen aus 0,7 bis 4 Zentimeter langen, vorwiegend in Gruppen zu zwei, drei oder vier parallel angeordneten Linien und zwei Kreuzen", berichtet die EURAC-Pressemitteilung.


"Anders als bei modernen Tätowierungstechniken wurden die Zeichen nicht mit Nadeln, sondern durch feine Schnitte angebracht, in die anschließend Holzkohle gerieben wurde", erläutert das Südtiroler Archäologiemuseum, in dem sich eine umfassende Ausstellung dem "Mann aus dem Eis" widmet, die auch die Mumie selbst zeigt.


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Die bislang bekannten Tätowierungen liegen demnach interessanterweise an Körperstellen, die zu Lebzeiten starken Beanspruchungen ausgesetzt waren und ihm aufgrund der Abnutzungserscheinungen Schmerzen bereitet haben müssen.


Die jetzt erst entdeckte Tätowierung. | Copyright: EURAC


"Die neu entdeckte Tätowierung auf der rechten unteren Seite des Brustkorbs sticht heraus, da sich die anderen Zeichnungen vor allem auf dem unteren Rücken und den Beinen zwischen Knie und Fuß befinden", so die Forscher. "In Bezug auf die jeweiligen Stellen der Tätowierungen vermuteten einige Forscher bislang, dass es sich um therapeutische Behandlungsmaßnahmen handle, nämlich um eine Art Akupunktur zur Linderung von Gelenksschmerzen. Die neu entdeckte Tätowierung auf dem Brustkorb öffnet nun erneut die Diskussion über die Funktion von Tätowierungen in vorgeschichtlichen Zeiten. So liefert die Studie den Anthropologen ein weiteres Puzzlestück bei der Erörterung der Frage, ob prähistorische Tätowierungen eine therapeutische, symbolische oder religiöse Bedeutung haben."


Da die Tätowierung aber die gleiche Form wie alle anderen Tätowierungen aufweisen, vermuten die Forscher allerdings, dass auch diese bislang unbekannte Tätowierung ebenfalls der Schmerzlinderung dienen sollte.


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