Montag, 16. Februar 2015

Silibinin aus der Mariendistel - Forscher finden pflanzlichen Wirkstoff gegen Hirntumore


Die Blüte der Mariendistel. | Copyright: Curtis Clark, (Wikipedia Commons) CC BY-SA 2.5

München (Deutschland) - Siblinin, ein Wirkstoff aus der Mariendistel, wirkt auf nicht-invasive Weise gegen Hirntumore in Folge von Morbus Cushing. Zu diesem Ergebnis kommen Münchner Psychologen und Mediziner, anhand von Untersuchungen sowohl in der Zellkultur, in Tiermodellen wie auch in menschlichem Tumorgewebe. Künftig könnte Patienten dank der neuen Behandlungsmöglichkeit auf eine Hirn-Operation verzichten.

Wie die Forscher um die Endokrinologen Günter Stalla und Marcelo Paez-Pereda vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie haben nun in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München aktuell im Fachjournal "Nature Medicine" (DOI: 10.1038/nm.3776) berichten, ist Silibinin für Menschen ausgesprochen gut verträglich und wird bereits erfolgreich zur Behandlung von Lebervergiftung durch den Knollenblätterpilz verwendet.


Bei Morbus Cushing handelt es sich um eine seltene, hormonelle Erkrankung, die durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse verursacht wird. "Das Tumorgewebe produziert große Mengen des Stresshormons Adrenocorticotropin (ACTH), was wiederum zur Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde führt", erläutert die Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft und führt weiter aus: "Übermäßig viel Cortisol verursacht schnelle Gewichtszunahme, erhöhten Blutdruck und Muskelschwäche. Die Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Infektionskrankheiten und können kognitive Defizite oder sogar Depressionen entwickeln. Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten kann der Tumor durch eine Hirn-Operation entfernt werden, aber bei den übrigen Betroffenen ist eine Operation nicht möglich. Generell fürchten sich viele Patienten vor dem Eingriff. Derzeit ist nur ein alternatives Medikament zugelassen, welches allerdings bei über 20 Prozent der behandelten Patienten starke Nebenwirkungen wie Überzucker (Hyperglykämie) auslöst."


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Wie die Wissenschaftler erläutern, haben sie bereits ein Patent auf diese Anwendung des Wirkstoffs eingereicht und wollen Silibinin jetzt in einer klinischen Studie testen. Ziel der Untersuchungen ist es, dass die Behandlung mit Silibinin, das aus dem Samen der Mariendistel (Silybum marianum) gewonnen wird, für Morbus-Cushing-Patienten eines Tages eine Alternative zu einer Operation darstellen kann. Nach der Behandlung mit Silibinin im Mäuseversuch produzierten die Tumorzellen wieder normale Mengen an ACTH, das Tumorwachstum verlangsamte sich und die für Morbus Cushing typischen Symptome klangen ab.

Während nur 5,5 von 100.000 Menschen an Morbus Cushing leiden, ist die Krankheit unter Haustieren weit verbreitet. So erkranken etwa vier Prozent der Hunde und sogar sieben Prozent der Pferde an Morbus Cushing.


"Wir wussten, dass Morbus Cushing durch die Freisetzung von zu viel ACTH ausgelöst wird und haben uns also gefragt, was diese Überproduktion verursacht und wie wir das stoppen können", erläutert Paez-Pereda. In ihren ersten Experimenten haben die Wissenschaftler im Tumorgewebe von Patienten mit Morbus Cushing große Mengen des Hitzeschockproteins "90 (HSP90)" gefunden. Ist dieses in normalen Mengen vorhanden, unterstützt es die richtige Faltung eines anderen Proteins, des sogenannten Glukokortikoidrezeptors, der wiederum die Produktion von ACTH hemmt. "Da sich im Tumorgewebe viel zu viel HSP90 befindet, bleibt es am Glukokortikoidrezeptor kleben. Wir haben herausgefunden, dass Silibinin an HSP90 bindet und somit der Glokokortikoidrezeptor wieder freigesetzt wird und seine eigentliche Funktion ausüben kann", erklärt Paez-Pereda abschließend.


Sibilinin könnte, so hoffen die Forscher, nicht nur für Morbus Cushing eine nicht-invasive Behandlungsmöglichkeit darstellen. Den Wirkstoff könnte auch gegen andere Krankheiten wie Lungenkrebs, akute lymphatische Leukämie oder Multiple Myelome eingesetzt werden, weil bei diesen ebenfalls Glukokortikoidrezeptoren eine Rolle spielen.


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