Dienstag, 3. März 2015

Infrarot-Teleskop findet unerwartet junge Sterne am Rande der Milchstraße


Der neuentdeckte Sternhaufen "Camargo 438". | Copyright: D. Camargo/NASA/WISE

Porto Alegre (Brasilien) - In den Beobachtungsdaten des NASA-Infrarot-Weltraumteleskops "WISE" (Wide-Field Infrared Survey Explorer) haben brasilianischen Astronomen eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Am Rande unserer Heimatgalaxie der Milchstraße, gibt es ein Sternentstehungsgebiet mit noch jungen Sternen. Allerdings sollten Sterne nach bisherigen Entstehungstheorien hier überhaupt nicht entstehen.

Wie das Team um Denilso Camargo von der Federal University of Rio Grande do Sul aktuell im Fachjournal journal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" (DOI: 10.1093/mnras/stv092) berichtet, handelt es sich bei unserer Milchstraße um eine sogenannte Balkenspiralgalaxie mit Armen aus Sternen, Gas und Staub, die einer zentralen, balkenartigen Struktur entspringen. Von der Seite betrachtet, würde unsere Galaxie - die galaktische Scheibe - relativ flach erscheinen, wobei sich das meiste Material innerhalb er Scheibe und in den zentralen Regionen ballen würde. Die meisten Sternentstehungsgebiete befinden sich meist in sogenannten Molekülwolken ebenfalls eher im Zentrum der Milchstraße.


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Anhand der neuen WISE-Daten haben die Astronomen nun aber nicht nur derartige Molekülwolken tausende von Lichtjahren oberhalb der galaktischen Scheide entdeckt, eine dieser Wolken beinhaltet sogar - gänzlich unerwartet an dieser Position - zwei junge Sternhaufen: "Es ist das erste Mal, dass Astronomen junge und entstehende Sterne an einer derart von der Norm abweichenden Position entdeckt haben", so die Forscher um Camargo.

Der Sternhaufen "Camargo 438" innerhalb der Molekülwolke HRK 81.4-77.8 ist rund 16.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat einen Durchmesser von 24 Lichtjahren. Die Wolke selbst ist rund zwei Millionen Jahre alt und 1.600 Lichtjahre von der galaktischen Scheibe entfernt.



Künstlerische Darstellung unserer Milchstraße. | Copyright: R. Hurt (SSC), JPL-Caltech, NASA

Für die unerwartete Entdeckung junger Sterne so weit von den zentralen Regionen der Milchstraße entfernt, sieht Denilso Camargo bislang zwei mögliche Erklärungen: "Zum einen könnten gewaltige Vorgänge - etwa eine Sternenexplosion (Supernova) - Staub und Gase aus der galaktischen Scheibe herauskatapultiert haben. Beim Zurückfallen könnte sich dieses Material dann zu einer Molekülwolke verdichtet haben. Eine andere Idee vermutet Wechselwirkungen unserer Galaxie mit einigen ihrer Satelliten, den Magellanschen Wolken. Auch dieses könnten Material aus der galaktischen Scheibe heraus geschleudert haben."

"Unsere Arbeit zeigt, dass der Raum um die Milchstraße herum nicht so leer ist, wie wir bislang dachten. Die neu entdeckten Sternhaufen sind wirklich exotisch. In einigen Milliarden Jahren werden die Bewohner von Planeten im Umfeld dieser Sterne eine großartige Sicht auf unsere Milchstraße von außen haben. Eine Sicht, wie sie wahrscheinlich kein Mensch je haben wird."


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