Freitag, 6. März 2015

UFO im argentinischen TV - Echtes Video oder Fake?


UFO über Buenos Aires? Standbild aus dem Video. | Copyright/Quelle: tn.com.ar

Buenos Aires (Argentinien) - Seit Tagen streiten sich UFO-Fans, Experten und Kritiker über den Mitschnitt einer Nachrichtensendung des argentinischen Senders TN, auf dem am Himmel über dem Studio bzw. der Studio-Umgebung ein großes, vermeintlich scheibenförmiges Flugobjekt zu sehen war (...wir berichteten). Wir haben unseren Experten für computergenerierte Animation zu den von Kritikern des Videos angemerkten Kritikpunkten befragt.

Der Original TV-Mitschnitt

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

"Das Hauptproblem der meisten im Internet veröffentlichten Videos ist der Umstand, dass diese eben für die Nutzung in diesem Medium teilweise stark komprimiert werden und man die Rohdaten bzw. Originalaufnahmen nie zu sehen bekommt", erläutert Oliver M. Voss von VossMedia.de. "Jede Bewertung solcher Videos stößt also automatisch an ihre Grenzen. Aber es gibt natürlich manipulierte - gefälschte - Videos, anhand derer sich entsprechende Manipulationen einfacher und offenkundiger nachweisen lassen als in anderen Fällen."


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Schon in unserer ersten Meldung zum diskutierten Video zitierten wir den Experten für Computeranimation und Bildbearbeitung dahingehend, dass das "UFO" wunderbar hinter den ganzen anderen Objekten herfliegt. "Wenn hier nachträglich manipuliert wurde, dann ist das eine gute Arbeit."

Doch es ist genau dieses Verhalten, das bei vielen Betrachtern Zweifel an den Aufnahmen weckt: Man könne "deutlich sehen, dass das UFO verschwindet, kurz bevor es etwa hinter das Haus fliegt" und auch bei den anderen Objekten im Vordergrund (Antennen, Lampenmasten usw.) sei dieser Effekt zu beobachten, so die Kritik.

Und tatsächlich, eben diese Details sind auf dem Video zu sehen (s. Abb.):




Standbilder aus dem Video: Kurz bevor das Objekt hinter Vordergrundobjekten herfliegt oder von diesen Verdeckt wird, hat es den Anschein, als verschwinde das es kurzfristig. | Copyright/Quelle: tn.com.ar

Für Voss ist dieses Merkmal zumindest angesichts dieses Videos jedoch kein Hinweis auf eine Manipulation: "Da steigt lediglich die JPG-Kompression kurz aus. Diese hat die feinen Abstufungen nicht erkannt (grau auf grau) und 'angenommen', da müsse noch die glatte Fläche von den vorherigen Frames abgebildet werden (so wird bei der JPG-Kompression Datenvolumen eingespart). Danach wird die Stelle korrekt verworfen und wieder der bewegte Inhalt dargestellt. Die leichten hellen 'Auras' um Objekte (Haus usw.) herum sogar zunächst merkwürdig transparent erscheinende Pfosten, Kabel und Kanten sind normal. Die Auras kommen vom Schärfe-Algorithmus der Kamera oder der Postproduction."

Gleiches gilt auch bei einer weiteren kritischen Beobachtung: "Bei 0:53 bis 0:55 ist ein nach unten weisendes Teil einer Straßenbeleuchtung zu sehen. Nachdem das UFO diesen passiert, fehlt das untere Stück dieses Merkmals." Auch dieser Umstand deutet Voss als Kompressionsartefakte: "Der fragliche Teil ist auch (nach dem 'UFO-Durchflug') nicht weg, sondern immer noch als leichter Schimmer zu sehen. Ein deutliches Merkmale von Kompressionsartefakten. (s.Abb.)"



Detailvergrößerte Standbilder aus dem Video. Der ursprüngliche Lampenfortsatz (l.) scheint zunächst nur noch verkürzt sichtbar (m.), wird jedoch anhand einer Kontrastverstärkung wieder sichtbar (r.). Der Effekt offenbart sich dadurch als Kompressionsartefakt. | Copyright/Quelle: tn.com.ar (Bearb.: grewi.de)

Ein weiteres Problem bei der Beurteilung der Aufnahmen ist der Umstand, dass die Moderatoren der Sendung nicht etwa - wie es die Fernsehbilder suggerieren - vor einem Panoramafenster, sondern vor einer Leinwand oder einer sogenannten Blue- oder Greenscreen bzw. Leinwand sitzen, auf die offenbar Live-Aufnahmen der Studio-Umgebung übertragen werden, um den Eindruck eines Panoramastudios zu erzeugen. (Innenaufnahmen des TN-Studios finden Sie HIER)


Da es sich also um eine Projektion handelt, könnten diese Bilder natürlich auch relativ einfach zuvor manipuliert worden sein. Der Sender selbst hat sich bislang jedoch nicht zu den Aufnahmen geäußert und versucht auch nicht, aus dem Interesse daran Kapital zu schlagen.


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"Wie gesagt, sollte es sich um manipulierte Aufnahmen handeln, so sind diese wirklich ordentlich gemacht", gibt Voss zu bedenken. "Wenn das editiert ist, hat der Editor aber aufgepasst und dem 'UFO' auch die gleiche chromatische Abberation verpasst."

Auf die Nachfrage, ob die vorigen Argumente im Sinne der Kompressionsartefakte nicht auch umgekehrt und sozusagen gegen das Video bzw. dessen Authentizität gedeutet werden könnten, erläutert Voss abschließend: "Solche Sachen muss man dann beim Rohfile prüfen, was man aber leider nie sieht. Anders erklären kann man so was immer irgendwie."


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