Mittwoch, 25. März 2015

Wildtierkameras belegen: Tiere flohen Tage vor schwerem Erdbeben


Am Boden lebende Vögel wie diese Amazonashokko, waren in de Tagen vor dem Contamana-Beben 2011 in Peru nicht mehr auf den Wildtierkameras im Yanachaga National Park zu sehen. | Copyright: R. Grant et al.

Chelmsford (England) - Schon seit Jahrhunderten werden einigen Tierarten die Fähigkeiten nachgesagt, Erdbeben schon vorab spüren zu können und entsprechenden Orten und Regionen zu entfliehen. Während Kritiker dieser Behauptung entsprechende Beobachtungen weiterhin verneinen, belegt nun erstmals eine Studie mit Hilfe von Wildtierkameras und Messungen von Umweltfaktoren genau dieses Verhalten und eine direkte Verbindung zu den seismischen Aktivitäten. Die Forscher selbst vermuten, dass Ionen in der Luft die schon Tage in den Tieren ein Fluchtverhalten auslösen könnten.

Wie das Team um Dr. Rachel Grant von der Anglia Ruskin University aktuell im Fachjournal "Physics and Chemistry of the Earth" berichtet, nutzen sie Aufnahmen der durch Bewegungssensoren ausgelösten Wildtierkameras im peruanischen Yanachaga National Park. Diese Aufnahmen belegen demnach eine signifikante Veränderung im Verhalten von Tieren schon viele Tage vor dem Beben von Contamana, das 2011 Peru mit einer Stärke von 7.0 traf.


"An einem normalen Tag nehmen die Kameras zwischen 5 und 15 Tiere auf. In den Tagen vor dem Beben, waren es so gut wie gar keine Sichtungen mehr, die von den Kameras dokumentiert wurden. Für die hiesige Regenwaldregion ist das wirklich sehr ungewöhnlich."

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Gegenüber der "MailOnline" berichte Grant, dass offenbar besonders Nagetiere für die Vorgänge sensibel zu sein scheinen und bis zu 8 Tage vor dem Beben gänzlich vor den Kameras verschwanden, obwohl gerade diese Tiere normalerweise am Waldboden sehr häufig vorkommen. "Während unserer Kontroll-Phasen waren sie wirklich ständig und überall."

Als mögliche Erklärung für das Verschwinden der Tiere konnte das Wissenschaftlerteam, an dem u.a. auch Professor Friedemann Freund vom SETI Institute und Professor Jean-Pierre Raulin vom brasilianischen Centre of Radio Astronomy and Astrophysics MacKenzie (CRAAM) an der Presbyterian MacKenzie University beteiligt waren, zwei Wochen vor dem Beben Reflexionen niedrigfrequenter Radiowellen (VLF) und Störungen in der Ionosphäre rund um das Epizentrum des Bebens ausmachen. Schwankungen in diesen Ereignissen stimmten zugleich mit dem signifikanten Rückgang der Tiersichtungen überein. Da die Ionosphäre eine hohe Konzentration von Ionen und freien Elektronen aufweist, vermuten die Forscher, dass durch Erdbebenprozesse im Untergrund Ionen in die Luft abgegeben werden. Von diesen Ionen wiederum ist bekannt, dass sie auf Menschen und Tiere unangenehme Nebenwirkungen, wie das sogenannte Serotonin-Syndrom ausüben können. Hierbei kommt es zu einer Zunahme der Serotoninwerte im Blutstrom, was zu Unruhe, Erregung, Hyperaktivität und Verwirrung führt. Auf diese Weise könnte die entsprechende Freisetzung der Ionen das Verhalten besonders der am und im Boden lebenden Tiere erklären.

"Wir glauben, dass beide von uns nun erstmals in dieser Form dokumentierten Phänomene (das Verschwinden der Tiere und die zunehmende Ionisation) von seismischer Aktivität in der Erdkruste ausgelöst werden", so Grant.


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In einem nächsten Schritt suchen die Forscher nun nach einem Weg, das dokumentierte Verhalten der Tiere vor einem Beben und die entsprechenden Messungen reproduzierbar demonstrieren zu können. Weitere Untersuchungen sollen dann zeigen, ob die beobachteten Faktoren auch gezielt zur Erdbebenvorhersage genutzt und in Frühwarnsysteme integriert werden können.

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