Sonntag, 19. April 2015

Erste Suche nach Wärmesignaturen intergalaktischer Super-Zivilisationen endet ergebnisoffen

Falschfarbenabbildung der Andromeda-Galaxie im mittleren Infrarotspektrum auf der Grundlage der Daten des Infrarot-Weltraumteleskops "WISE". Die orangefarbenen Regionen stellen Emissionen der Hitze der Sterne in den Galaxiearmen dar. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/WISE Team

University Park (USA) - Sollte es in der Weite des Weltalls eine oder mehrere Zivilisation geben, die sich in ihrer gesamten Heimatgalaxie großflächig ausgebreitet hat, so sollte eine solche intergalaktische Super-Zivilisation durch eine charakteristische Abstrahlung ihrer Heimatgalaxie im mittleren Infrarotspektrum erkennbar sein. Mit leistungsfähigen Infrarot-Weltraumteleskopen wie dem NASA-Teleskop "WISE" ist es mittlerweile erstmals zumindest theoretisch möglich, solche Wärmesignaturen zu entdecken. Ein Team von US-Astronomen hat nun in den WISE-Daten nach genau diesen Hinweisen auf derartige Super-Zivilisationen gesucht, jedoch keine eindeutigen Hinweise auf deren Existenz gefunden. Dennoch haben die Astronomen 50 Ziele identifiziert, die in weiteren Analysen unterzogen werden sollten.

Die Grundlage der "Glimpsing Heat from Alien Technologies Survey (G-HAT)", also der Suche nach Hitzeabstrahlung außerirdischer Zivilisationen, bildet die sogenannte Kardaschow-Skala anhand der außerirdische Zivilisationen gemäß ihres Energieverbrauchs in drei Typen eingeteilt werden:

Typ I: Zivilisationen, die in der Lage sind, die gesamte auf einem Planeten verfügbare Leistung zu nutzen. (Für die Erde wäre ist dieser Wert etwas größer als 1,74·1017 W).
Typ II: Zivilisationen, die die Gesamtleistung ihres Zentralgestirns nutzen können. (ca. 4·1026 W.)

Typ III: Zivilisationen, die in der Lage sind, die Gesamtleistung einer Heimatgalaxie zu nutzen. (Ungefähr 4·1037 W.)
Auch der Physiker Freeman Dyson vermutete sodann, dass entsprechend weit entwickelte Zivilisationen vom Typ III anhand ihrer Wärmeabstrahlung im mittleren Infrarotbereich entdeckt und identifiziert werden könnten.

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Anhand der WISE-Beobachtungsdaten von 100.000 zunächst vielversprechenden Galaxien hat das Team um Dr. Roger Griffith von der Penn State University Assistenzprofessor Jason T. Wright vom Center for Exoplanets and Habitable Worlds an der Penn State University, nun nach genau diesen Signaturen gesucht.

In einem ersten vorab auf "ArXiv.org" und in einer Ausgabe der Supplement Series des "Astrophysical Journal" (DOI:
10.1088/0067-0049/217/2/25) veröffentlichten Artikel zu den ersten Ergebnissen von G-HAT konstatieren die Astronomen nun, dass sie in den Daten keine Beweise für eine Super-Zivilisation vom Typ III finden konnten.

Allerdings fanden sie zugleich dann doch 50 Galaxien mit einer derart ungewöhnlich hohen Strahlung im mittleren Infrarot, dass es sich lohne, diese Galaxien weiterhin genauer zu untersuchen. "Unsere weitere Analyse dieser Galaxien könnte den Ursprung dieser ungewöhnlich hohen Pegel mittlerer Infrarotstrahlung entweder als das Ergebnis eines natürlich-astronomischen Prozesses offenbaren, oder sie könnten auf die Existenz einer hochgradig entwickelten Zivilisation hinweisen", so Griffith.


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Schon jetzt sei aber die Nicht-Entdeckung offensichtlicher Galaxien, die von einer Typ-III-Zivilisation bevölkert sind, ein interessantes und wissenschaftliches Ergebnis: "Unser Ergebnis bedeutet, dass keine der von WISE untersuchten 100.000 Galaxien, die wir mit genügend hoher Detailauflösung beobachten können, von einer Zivilisation derart bevölkert bzw. das Licht aller ihrer Sterne derart für die eigenen Bedürfnisse genutzt wird, als dass diese Zivilisationen sich auf dieser Weise verraten würden." Diese Erkenntnis sei deshalb so interessant, da viele dieser Galaxien bereits mehrere Milliarden Jahre alt sind und somit also schon genügend Zeit vergangen sein könnte, damit entsprechende Zivilisationen hätten entstehen und sich ausbreiten können.

"Entweder existieren sie einfach nicht, oder sie nutzen bislang noch nicht genug Energie, um sich dadurch (auf die beschriebene Art und Weise) erkennbar zu machen", so Wright.


Obwohl die Forscher selbst glauben, dass die verbliebenen 50 interessanten Objekte eine astronomisch-natürliche Erklärung finden werden, sollen diese Ziele nun noch genauer untersucht werden, bevor man genau sagen könne, was dort vor sich geht.


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