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Mittwoch, 21. Januar 2015

Klarträume und Metakognition: Hirnforscher entdecken Gemeinsamkeiten zwischen Traum und Wachzustand


Bei Klarträumern im Vergleich zu anderen Menschen ist das vordere Stirnhirn größer, welches auch für die Metakognition eine wichtige Rolle spielt. | Copyright: MPI für Bildungsforschung

Berlin (Deutschland) - Klarträumen - sogenanntes luzides Träumen - ermöglicht es denen, die diese Fähigkeit besitzen oder erlernt haben, die eigenen Träume und manchmal sogar deren Inhalte und Verlauf wissentlich zu gestalten. Deutsche Hirnforscher haben nun entdeckt, dass bei Klarträumern jener Bereich im Gehirn größer ist, der es ermöglicht, sich über das eigene Denken Gedanken zu machen. Klarträumer sind also möglicherweise auch im Wachzustand stärker selbstreflektierend.

Während die meisten Klärträumer diesen traumhaften Zustand eher selten erleben, gibt es aber auch wenige Menschen, die nahezu jede Nacht dieses ganz eigene Kopfkino erleben. Wie die Forscher der Max-Planck-Institute für Bildungsforschung und für Psychiatrie aktuell im Fachmagazin " The Journal of Neuroscience" (DOI: 10.1523/JNEUROSCI.3342-14.2015) berichten, hängt luzides Träumen möglicherweise mit der menschlichen Fähigkeit zusammen, über das eigene Denken nachdenken zu können - der sogenannten Metakognition.


Zu dieser Vermutung kommen die Forscher durch den Vergleich der Hirnstrukturen von Menschen, die häufig oder die nicht beziehungsweise nur selten klarträumen. Demzufolge ist bei Klarträumern das vordere Stirnhirn größer. "Dieser auch als anteriorer präfrontaler Kortex bezeichnete Bereich steuert als Kontrollinstanz bewusste kognitive Prozesse", erläutern die Wissenschaftlern. "Er spielt auch für die Fähigkeit eine wichtige Rolle, das eigene Denken zu reflektieren."


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Die Größenunterschiede im vorderen Stirnhirn zwischen Klarträumern und Nicht-Klarträumern deuten darauf hin, dass luzides Träumen und Metakognition tatsächlich miteinander zusammenhängen. Dafür sprechen auch Tests, bei denen die Probanden im Wachzustand Metakognitionsaufgaben lösten. Die dabei erstellten Hirnbilder zeigen, dass die Aktivität bei den Klarträumern höher war.

"Das Ergebnis unserer Studie lässt vermuten, dass Menschen, die ihre Träume kontrollieren können, auch in ihrem Alltag besonders gut über ihr eigenes Denken nachdenken können", sagt Elisa Filevich, die als Postdoc-Wissenschaftlerin im Forschungsbereich "Entwicklungspsychologie" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung arbeitet.


Die Hirnforscher sind zudem daran interessiert, ob sich metakognitive Fähigkeiten auch trainieren lassen. Deshalb wollen sie Freiwillige in einer weiteren Studie im luziden Träumen trainieren und untersuchen, ob sich dadurch auch die Fähigkeit verbessert, sich über das eigene Denken Gedanken zu machen.


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Luzides Träumen: Elektrische Impulse führen gezielt Klarträume herbei 17 Mai 2014

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Studie zeigt: Schon Atome können gleichzeitig an verschiedenen Orten sein

Grafische Verdeutlichung des neuen Verfahrens zur Bestimmung der Atomposition: Mal angenommen, vor Ihnen stehen zwei Kisten (a). Sie wissen, dass sich in einer der Kisten eine Katze befindet. In welcher, wissen Sie nicht. Sie heben also versuchsweise den Deckel der rechten Kiste an (b): die Kiste ist leer. Sie wissen nun, dass sich die Katze in der linken Kiste befinden muss - und zwar ohne dass Sie dort nachsehen mussten. Anderenfalls - falls Sie also per Zufall den Deckel mit der Katze angehoben und damit das Tier gestört haben (c) - wird die Messung einfach verworfen. In einer makrorealistischen Welt (also in der für uns direkt erfahrbaren Welt der "großen Dinge") wäre dieses Messverfahren absolut störungsfrei; es hätte keinen Einfluss auf den Ausgang des Experiments. In der Quantenwelt würde aber schon ein Negativnachweis wie in Abbildung (b) den Überlagerungszustand zerstören und die Ergebnisse des Experiments ändern. Genau diesen Effekt beobachteten die Wissenschaftler. Die makrorealistische Theorie kann also – zumindest bei kleinen Objekten wie Caesium-Atomen - nicht zutreffen. | Copyright: Andrea Alberti / www.warrenphotographic.co.uk

Bonn (Deutschland) - Beim Elfmeterschuss geht der Ball entweder ins Tor oder ins Aus. Doch stimmt das überhaupt? Zweifel an der uneingeschrönkten Allgemeingültigkeit dieser vermeintliches Regel lassen nun Experimente von Bonner Physikern aufkommen. Tatsächlich besagt die Theorie der Quantenmechanik, dass sich etwa sehr kleine Objekte, beispielsweise Caesiumatome zur gleichen Zeit auf verschiedenen Bahnen bewegen und damit an verschiedenen Orten zugleich sein können. In nächsten Versuchen wollen die Forscher nun testen, ob dies auch für größere Objekte gelten könnte.

"Vor mehr als 100 Jahren begründeten die Physiker Werner Heisenberg, Max Born und Erwin Schrödinger ein neues Gebiet der Physik: die Quantenmechanik", erläutert die Pressemitteilung der Universität Bonn einführend. "Jedes Objekt der Quantenwelt bewegt sich – so die Theorie – nicht auf einer fest definierten Bahn. Stattdessen folgt es allen möglichen Bahnen; es befindet sich also zugleich an verschiedenen Orten. Physiker sprechen von einer Überlagerung unterschiedlicher Pfade.


Auf atomarer Ebene scheinen sich die Dinge tatsächlich nach den Gesetzten der Quantenmechanik zu verhalten. Das zeigen inzwischen zahlreiche physikalische Experimente. Im Alltag machen wir dagegen ganz andere Erfahrungen: Der Fußball bewegt sich auf einer exakten Flugbahn; er landet nie gleichzeitig im Tor und im Aus."


Wenn die Dinge aber im Kleinen ganz anders sind, warum verhalten sie sich im großen so, wie unsere Erfahrung uns dies immer wieder zeigt, wenn der Ball eben doch entweder ins Tor oder ins Aus geht?


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"Es gibt dafür zwei unterschiedliche Erklärungsansätze", erläutert Dr. Andrea Alberti vom Institut für Angewandte Physik der Universität Bonn. "Nach der Standardquantenmechanik sind Überlagerungszustände von beliebig großen Gegenständen prinzipiell möglich. Jedoch sind diese Zustände sehr fragil: Jeder Versuch, den Ort eines Quantenobjekts zu bestimmen, zerstört die Überlagerung. Anders gesagt: Allein dadurch, dass wir den Ball mit den Augen verfolgen, sorgen wir dafür, dass er sich für eine Flugbahn 'entscheidet'."

Es könnte aber auch sein, dass Fußbälle generell anderen physikalischen Regeln gehorchen als etwa einzelne Atome. "Wir sprechen auch von einer makrorealistischen Weltanschauung", erklärt Alberti. "Wenn diese These zutrifft, bewegt sich ein Ball - anders als etwa ein Atom - stets auf einer definierten Bahn, unabhängig davon, ob wir ihn beobachten oder nicht."


Gelten nun also für "große" Dinge wirklich andere Gesetze als für kleine? Gemeinsam mit Dr. Clive Emary von der Hull University haben die Bonner Quantenforscher aktuell im Fachjournal "Physical Review X" (DOI: 10.1103/PhysRevX.5.011003) einen Ansatz vorgestellt, mit der sich diese Frage möglicherweise entscheiden lässt. "Wir haben dazu eine Methode entwickelt, mit der man die makrorealistische Theorie widerlegen kann", erklärt Alberti.


Hierzu ergriffen die Forscher ein einzelnes Caesium-Atom mit zwei "Lichtpinzetten" und zogen es damit in entgegengesetzte Richtungen. In einer makrorealistischen Welt hätte sich das Atom danach an einem einzigen definierten Ort befunden. In der Quantenwelt hätte es dagegen einen Überlagerungszustand aus zwei verschiedenen örtlichen Positionen eingenommen.


"Wir haben eine indirekte Messmethode entwickelt, mit der wir die Position des Atoms so sanft wie möglich messen konnten", sagt der Doktorand Carsten Robens. Selbst diese indirekte Messung (s. Abbildung) veränderte signifikant den Ausgang des Experiments. Diese Beobachtung stimmt sehr gut mit der Existenz von Überlagerungszuständen überein, die durch die Messung zerstört wurden. Die Forscher konnten damit ausschließen, dass Caesiumatome der makrorealistischen Theorie folgen. Stattdessen befinden sie sich wohl tatsächlich an verschiedenen Orten gleichzeitig.


"Das ist natürlich noch kein Beweis, dass das auch für größere Objekte gilt", betont Alberti abschließend. In nächsten versuchen wollen die Wissenschaftler nun aber, das Caesium-Atom über mehrere Millimeter auseinanderzuziehen. "Sollten unter diesen Bedingungen immer noch Überlagerungszustände existieren, wäre das für die makrorealistische Theorie ein großer Rückschlag."


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