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Mittwoch, 11. Februar 2015

Neue Quanten-Gleichung erklärt Universum ohne Urknall, Dunkle Materie und Dunkle Energie


Erweitertes Schaubild zum Urknall-Modell (Illu.). | Copyright: NASA (grewi.de)

Benha (Ägypten) - Während auf der Grundlage der weitgehend anerkannten allgemeinen Relativitätstheorie unser Universum vor rund 13,8 Milliarden Jahren aus einem unendlich dichten Punkt - der sogenannten Singularität - und dem darauf folgenden Urknall hervorging und sich seither ausdehnt, stellt eine neue Theorie ägyptischer und kanadischer Physiker diese Vorstellung vom Universum einmal mehr in Frage. Anhand der von den Forschern vorgestellten Quantengleichungen existiert das Universum schon immer und kommt zudem gänzlich ohne die theoretischen Konstrukte von Dunkler Materie und Dunkler Energie aus.

Während die Urknall-Theorie allgemein als anerkannt gilt, gibt es aber immer wieder auch Wissenschaftler, die auf die Problematik verweisen, dass die Mathematik hinter der allgemeinen Relativitätstheorie lediglich erklären kann, was unmittelbar nach dem Urknall passierte - nicht aber, was unmittelbar während des Urknall geschah, geschweige denn vor der Singularität.


"Die Urknall-Singularität ist das größte Problem der allgemeinen Relativitätstheorie, da die Gesetze der Physik genau hier zusammenbrechen", zitiert Phys.org einen der Autoren der aktuell im Fachjournal "Physics Letters B" (DOI: 10.1016/j.physletb.2014.12.057) und vorab auf arXiv.org veröffentlichten Studie, Ahmend Farag Ali von der Benha University und der Zewail City of Science and Technology in Gizeh.


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Gemeinsam mit seinem Kollegen Saurya Das von der kanadischen University of Lethbridge hat Ali seine Quantengleichungen auf der Grundlage Arbeit des US-amerikanischen Quantenphysikers David Bohm über Quantenbahnen (den sog. bohmschen Trajektorien) erstellt. Hierbei handelt es sich um eine Quanten-Alternative zu klassischen Geodäten, also der Verbindung zweier Punkte auf einer gekrümmten Oberfläche (Bsp. Kugel) oder in gekrümmten Räumen. Die Theorie der bohmschen Trajektorien haben die Forscher dann auf eine Gleichung des indischen Physikers Amal Kumar Raychaudhuri (Das' Lehrer an der University of Kolkata) angewandt.

Mittels der neuen Gleichungen und Theorien wird nun jedoch weder eine Urknall-Singularität noch eine sog. Big-Crunch-Singularität vorhergesagt, wie sie ein mögliches Ende unseres Universums in Form eines "umgekehrten Urknall" vorhersieht. Der Grund, weswegen das Modell von Ali und Das keine Singularität beinhaltet liegt im Unterschied zwischen klassischen Geodäten und den verwendeten bohmschen Trajektorien: Während sich klassische Geodäten kreuzen (können) und genau an diesen Kreuzungspunkten Singularitäten entstehen, kreuzen sich die bohmschen Bahnen nie und es entstehen folglich auch keine Singularitäten. Kosmologisch betrachtet könne diese Quantenkorrektur als kosmologische Konstante verstanden werden, die ganz ohne die Konstrukte von Dunkler Energie und Dunkler Materie auskommt. Das Universum hätte demnach eine begrenzte Größe und damit ein unbegrenztes Alter. Tatsächlich, so erklären die Autoren der Studie, würden ihre neuen Vorhersagen mit neusten kosmischen Beobachtungen und der Dichte des Universums gestützt.


Physikalisch betrachtet beschreibt das Modell von Ali und Das unser Universum als mit einer Quantenflüssigkeit angefüllt. Die Quantenphysiker schlagen vor, dass diese "Flüssigkeit" aus Gravitonen besteht. Hierbei handelt es sich um hypothetische, masselose Teilchen als Träger der Gravitationskraft. Sollten diese Partikel existieren, würden sie eine Schlüsselrolle und der Theorie der Quantengravitation einnehmen.


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Rosetta-Sonde nähert sich bis auf 6 Kilometer dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko


Grafische Darstellung von Rosetta Annäherung an den Kometen. | Copyright: ESA/C. Carreau

Berlin (Deutschland) - Aktuell bereitet sich die ESA-Sonde Rosetta darauf vor, sich dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko anzunähern, um am 14. Februar in nur sechs Kilometern Entfernung an seiner Oberfläche vorbeizufliegen. Wissenschaftler erwarten bislang unerreichte Aufnahmen und Daten der Kometenoberfläche und zur Zusammensetzung des Schweifsterns.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Europäischen Raumfahrtagentur ESA


Am 3. Februar verließ Rosetta ihre bisherige Orbitposition, 26 Kilometer vom Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko entfernt, und beendete damit ihre aktuelle Begleitphase. Ab sofort beginnt für die Mission eine neue Flugphase, die den Rest des Jahres andauern wird. Bis zum 7. Februar hatte sich die Sonde zuerst auf eine Entfernung von circa 140 Kilometern zum Kometen begeben, um ihm dann – am 14. Februar um 13:41 Uhr MEZ – in einem Sturzflug wieder entgegenzufliegen. Die geringste Distanz wird Rosetta auf der größeren Hälfte des Kometen, über seiner Region "Imhotep", erreichen.


"Der für die kommende Woche geplante nahe Vorbeiflug wird uns einzigartige wissenschaftliche Beobachtungen, wie z.B. hochauflösende Messungen der Kometenoberfläche in verschiedenen Wellenlängenbereichen, ermöglichen und uns Gelegenheit geben, Proben der innersten Kometenatmosphäre zu entnehmen – sie buchstäblich zu fühlen und zu riechen", erklärte Dr. Matt Taylor, ESA-Projektwissenschaftler der Rosetta-Mission im Vorfeld der Annäherung.


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Bei ihrem Vorbeiflug wird Rosetta die aktivsten Regionen des Kometen passieren, was den Wissenschaftlern neue Einblicke in die Beziehungen zwischen der Quelle der beobachteten Aktivität und der Atmosphäre, der sogenannten Koma, verschaffen wird. Dabei werden sie sich vor allem auf die Zonen konzentrieren, in denen Gas und Staub aus der Kometenoberfläche austreten, und darauf, wie diese Komponenten sich in größeren Entfernungen zum Kometen entwickeln.

Wir wissen bereits, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko auf seiner Oberfläche lediglich 6% des Sonnenlichteinfalls reflektiert und daher besonders dunkel ist. Da sich die Sonne während des Vorbeiflugs direkt hinter der Sonde befindet, kann man möglichst schattenfreie Aufnahmen erhalten. Somit kann Rosetta die Reflektivität des Kometenkerns im wandelnden Einfallswinkel des Sonnenlichts erforschen, wovon Wissenschaftler sich detailliertere Einblicke in die Staubpartikel der Oberfläche erhoffen.


"Nachdem Rosetta ihren engsten Vorbeiflug abgeschlossen hat, beginnt eine neue Missionsphase, in der sie weitere Vorbeiflüge mit Abständen zwischen 15 und 100 Kilometern vollziehen wird", so Sylvain Lodiot, Flugbetriebsleiter der Rosetta-Mission.



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Auf Grundlage von Prognosen zur steigenden Kometenaktivität war es für diesen Zeitpunkt der Mission von vornherein geplant, von Umkreisungen in stabilen Orbits zu Vorbeiflügen zu wechseln. Darüber hinaus können durch die unterschiedlichen Vorbeiflugdistanzen die individuellen Anforderungen der elf Bordinstrumente der Sonde berücksichtigt werden, um die bestmöglichen wissenschaftlichen Ergebnisse für diese Mission zu erzielen.


Im Laufe einiger ihrer nahen Vorbeiflüge wird sich Rosetta geradezu im Gleichschritt mit der Kometenrotation bewegen, sodass es ihren Instrumenten möglich sein wird, detaillierte Beobachtungen einzelner Fixpunkte auf der Kometenoberfläche anzustellen.

Im Gegensatz dazu werden die Vorbeiflüge aus größerer Distanz die Weitwinkelperspektive des Kometenkerns und seiner wachsenden Koma in einem größeren Zusammenhang erfassen.

"Wir befinden uns nun in der wichtigsten wissenschaftlichen Phase der Mission und werden im kommenden Jahr mit der hochauflösenden Kartierung des Kometen fortfahren", so Matt Taylor. "Wir werden aus verschiedenen Entfernungen Gas-, Staub- und Plasmaproben entnehmen, während die Kometenaktivität steigt und im späteren Verlauf des Jahres wieder nachlässt."


Am 13. August, wenn sich Rosetta und der Komet in zirka 186 Millionen Kilometern Entfernung von der Sonne zwischen den Umlaufbahnen von Erde und Mars befinden, werden sie ihren geringsten Abstand zur Sonne (Perihelion) erreichen.



Navcam-Aufnahme des Kometen vom 22. Januar 2015. | Copyright: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0

Während des Monats vor dem Periheldurchgang wird es zum Höhepunkt der Kometenaktivität kommen. Das ist die Zeit, für die das Team die bislang eingehendsten Untersuchungen der Staub- und Gasfontänen des Kometen, der sogenannten Jets, geplant hat.


"Wir hoffen, Rosetta durch einen dieser Jets hindurchsteuern zu können, um einen realistischen, tiefgehenden Eindruck der Kometenausgasungen zu erhalten", so Dr. Matt Taylor. Nachdem der Periheldurchgang abgeschlossen ist und die Kometenaktivität langsam wieder abnimmt, wird das Missionsteam entscheiden, ob und wann Rosetta wieder eine feste Flugbahn im Orbit des Kometen einnehmen wird und wie lange die Sonde nach 2015 realistischerweise noch funktionstüchtig bleiben wird.


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