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Mittwoch, 11. März 2015

Stimmen im Kopf: Phänomen des Stimmenhörens komplexer als bislang gedacht und nicht nur pathologisch


Symbolbild: Stimmen im Kopf (Illu.) | Copyright/Quelle: dur.ac.uk

Durham (England) - Wer fremde Stimmen in seinem Kopf hört, gilt meist als psychisch belastet oder gar krank - gilt derartiges Stimmenhören doch unter anderem als Merkmal etwa von Psychosen, Schizophrenie oder bipolaren Störungen. Eine aktuelle Studie zeigt nun jedoch auf, dass das Phänomen des Stimmenhörens weitaus komplexer und vielschichtiger ist als bislang gedacht und nicht nur Menschen mit psychiatrischen Diagnosen "Stimmen hören".

Wie die Psychologen um Dr. Angela Woods von der englischen Durham University und Dr. Nev Jones von der US-amerikanischen Stanford Universty aktuell im Fachjournal "The Lancet Psychology" (DOI: 10.1016/S2215-0366(15)00006-1) berichten, handelt es sich um die bislang umfangreichste Studie über das Phänomen auditiver Halluzinationen.


Die Untersuchung zeige, dass die meisten "Stimmenhörer" (rund 80 Prozent) nicht nur eine sondern gleich mehrere Stimmen mit unterschiedlichen Merkmalen wahrnehmen und dass viele der Betroffenen sogar physische Körperreaktionen auf diese Stimmen aufzeigen. So berichteten 66 Prozent der Untersuchten, dass mit dem Stimmenhören Wärme- und Kribbelgefühle etwa an Händen und Füßen einhergehen. Derart "physische Stimmen" zeigten in den meisten untersuchten Fällen ausnutzende bis aggressive Eigenschaften und tatsächlich konnten viele dieser Stimmen auch mit einem von den Betroffenen erlebten Trauma in Verbindung gebracht werden.


Während bislang auch vermehrt angenommen wurde, dass "Stimmen im Kopf" tendenziell eher negativer Natur seien und etwa mit Stress, Ängsten, Sorgen und Depressionen einhergehen, berichten immerhin 31 Prozent der Untersuchten, mit "ihren Stimmen" positive Emotionen zu verbinden.


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Darüber hinaus bestätigt die Studie auch, dass nicht nur Menschen mit psychiatrischen Diagnosen Stimmen hören: Obwohl deutlich in der Minderheit, zeigten doch 26 der 153 untersuchten Stimmhörer bislang keine Anzeichen auf eine mentale Erkrankung.

"Unsere Ergebnisse stellen einige der gängigen Annahmen über die Natur des Stimmenhörens grundsätzlich in Frage und legen nahe, dass es eine viel größere Variation in der Art und Weise gibt, wie diese Stimmen im Kopf wahrgenommen werden", so die Forscher.


Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 5 und 15 Prozent aller Erwachsenen während ihres Lebens mehr oder weniger ausgeprägt solchen auditiven Halluzinationen unterliegen.


Rund 45 Prozent der untersuchten Personen berichteten, dass sie nicht nur eindeutig akustisch Stimmen, sondern auch "gedankeartige Stimmen" und/oder eine Vermischung aus beidem wahrnehmen.


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Aus ihrem Erkenntnissen wollen die Forscher nun auch neue und unterschiedliche Therapieformen ableiten und entwickeln.

"Unsere Ergebnisse könnten bisherige Annahmen der Mainstream-Psychiatrie über die Natur des Stimmenhörens gänzlich auf den Kopf stellen", so Woods. "Unter anderem hinterfragen wir die bislang angenommene Qualität der Stimmen im Kopf und zeigen, dass es eine bislang völlig unerkannte Komplexität in den Charaktereigenschaften einiger Stimmen gibt."


In der Beurteilung dessen, was Menschen mit entsprechender Stimmwahrnehmung wahrnehmen, müssten gänzlich neue Wege gegangen werden, so die Autoren der Studie weiter. Es genüge nicht, einfach nur davon auszugehen, dass diese Wahrnehmungen mit einer bestimmten psychiatrischen Diagnose eingehen.


"Diese Stimmen sind nicht immer nur einfach als aufdringliche und ungewollte Gedanken zu interpretieren, sondern - ähnlich wie wirkliche Stimmen auch - als eigenständige 'Wesenheiten" mit eigenen Persönlichkeiten und Inhalten zu verstehen", erläutert Jones abschließend. "Unsere Ergebnisse legen also nahe, dass wir uns sehr viel sorgfältiger mit diesen Phänomenen beschäftigen müssen, um zwischen imaginierten und wirklichen Wahrnehmungen unterscheiden zu können."


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ESA hofft schon morgen auf Lebenszeichen von Kometenlander Philae


Rosetta-Aufnahme der gänzlich im Sonnenlicht liegenden Oberfläche des Kometen Churyumov-Gerasimenko samt Schatten der Sonde selbst (u.l.). (Klicken Sie auf die Bildmitte für weitere Informationen zu dieser Aufnahme. | Copyright: SA/Rosetta/NAVCAM - CC BY-SA IGO 3.0

Köln (Deutschland) - Es wäre viel Glück im Spiel, wenn am morgigen 12. März 2015 um 5 Uhr direkt ein Signal von Lander Philae zu hören wäre - schließlich steht der Lander an einem recht schattigen Platz auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko und muss erst genügend Energie tanken, bevor er aufwachen und sich melden kann. Dennoch: Die erste Möglichkeit, dass Philae sich meldet, besteht, und deshalb wird am 12. März die Kommunikationseinheit am Rosetta-Orbiter eingeschaltet, die den Lander rufen wird.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Presseinformation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, DLR


"Philae erhält zurzeit ungefähr doppelt so viel Sonnenenergie wie im November vergangenen Jahres", sagt Lander-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Immerhin sind Komet Churyumov-Gerasimenko und sein Begleiter Philae nur noch 300 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. "Wahrscheinlich wird es trotzdem noch zu kalt für den Lander sein, um aufzuwachen – aber ein Versuch ist es wert. Die Chancen steigen mit jedem Tag."


Aufwachen bei der richtigen Temperatur und Energie

Gleich mehrere Bedingungen müssen passen, damit Philae wieder in Betrieb geht und im Lander-Kontrollzentrum des DLR die Arbeit mit dem Lander aufgenommen werden kann. Zunächst muss es im Inneren des Landers wärmer als minus 45 Grad Celsius werden, bevor Philae aus seinem Winterschlaf erwachen kann. An seinem neuen Landeplatz Abydos erreicht ihn nur wenig Sonne, und so waren die Temperaturen bisher deutlich niedriger als notwendig. Zudem muss Philae über seine Solarpaneele mindestens mit 5,5 Watt versorgt werden, damit er aufwacht. Untätig bleibt er dennoch nicht in seinem Winterschlaf: "Philae ist so konstruiert, dass er seit November 2014 jedes bisschen Sonnenenergie dafür nutzt, sich aufzuheizen", erläutert Dr. Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum. Sobald er "merkt", dass er mehr als 5,5 Watt Energie erhält und seine eigene Temperatur über minus 45 Grad Celsius liegt, schaltet Philae sich ein, heizt sich weiterhin auf und versucht zusätzlich, seine Batterie zu laden.

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Kontakt am Kometentag
Einmal aufgewacht, schaltet Philae alle 30 Minuten seinen Empfänger ein und lauscht, ob er Rosettas Signale hört. Auch dies kann er bei einem noch sehr niedrigen Energiestand durchführen. "Zu diesem Zeitpunkt wissen wir aber noch nicht, dass er wach ist", sagt DLR-Ingenieur Koen Geurts. "Um uns eine Antwort zu schicken, muss Philae nämlich auch seinen Sender einschalten – und dafür benötigt er zusätzliche Energie." Es könnte also sein, dass der Lander zwar in 500 Millionen Kilometern Entfernung bereits aus seinem Winterschlaf aufgewacht ist, seine Kraft aber noch nicht ausreicht, um sein Team auf der Erde darüber zu informieren. Insgesamt 19 Watt benötigt Philae, damit er in Betrieb gehen und die Kommunikation aufnehmen kann. Zunächst einmal bis zum 20. März wird Orbiter Rosetta den Lander anfunken und auf eine Reaktion horchen. Am wahrscheinlichsten ist der Kontakt bei elf Vorbeiflügen, bei denen der Orbiter in einer besonders günstigen Konstellation zum Lander während eines Kometentages seine Bahn zieht – denn nur dann steht Philae im Sonnenlicht und wird über seine Solarpaneele mit Energie versorgt. Versucht wird die Kommunikation trotzdem kontinuierlich, weil Philaes Umgebung sich seit der Landung im November 2014 geändert haben könnte.

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Vorbereitung für alle Fälle

Bisher konnte Philae und seine genaue Lage noch nicht auf Bildern der OSIRIS-Kamera identifiziert werden, und so arbeitet das Operations-Team im DLR derzeit mit den Informationen, die ihnen die Aufnahmen der CIVA- und der ROLIS-Kamera sowie die Erfahrungswerte zur Solarenergie im November bieten. "Wir gehen aber davon aus, dass die Solarpaneele von Philae durch etwas abgeschattet werden, was wir auf den bisherigen Bildern nicht sehen können." Als erstes senden die DLR-Ingenieure deshalb immer wieder neue Kommandos an den Lander, die das Heizen optimieren und den so gesparten Energieaufwand für seine Kommunikation zur Erde zur Verfügung stellen. Selbst wenn Philae noch nicht genügend Energie hat, um zu antworten – er könnte diese Kommandos empfangen und ausführen. "Blindes Kommandieren" nennen die Ingenieure dies, denn der Lander wird ihnen zunächst sehr wahrscheinlich keine Rückmeldung geben. Getestet wurden diese Prozeduren am Bodenmodell des DLR-Nutzerzentrums für Weltraumexperimente (MUSC). Auch für den Fall, dass die aufladbare Batterie von Philae die Kältephase nicht überstanden hat, wappnen sich die Ingenieure. "Wir arbeiten gerade daran, dass wir mit dem Lander und den Instrumenten dann zumindest während der Kometentage und somit bei direkter Sonnenbestrahlung arbeiten können."


Künstlerische Darstellung der Landeeinheit Philae auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko (Illu.). | Copyright: ESA/AOES Medialab

Warten auf den Gesundheitscheck

Erst wenn Philae nicht nur aufwacht, sondern auch senden kann, schickt er erste Daten zu seinem "Gesundheitszustand" zur Erde. "Diese Daten werden wir dann auswerten: Wie geht es der aufladbaren Batterie? Funktioniert noch alles am Lander? Welche Temperatur herrscht? Wieviel Energie erhält er?", sagt Koen Geurts. Abhängig von diesen Ergebnissen ist auch die wissenschaftliche Arbeit mit den zehn Instrumenten an Bord von Philae. Kann die Batterie keine Energie speichern oder nur wenig, bestimmt die Sonnenenergie während des Kometentages, ob man eine abgespeckte Version der Messungen durchführen kann. Zurzeit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Philae 1,3 Stunden lang im Sonnenlicht steht. Insgesamt dauert ein Kometentag auf Churyumov-Gerasimenko 12,4 Stunden. Lädt die Batterie hingegen wie geplant auf, kann auch in der Kometennacht gearbeitet werden – so könnten beispielsweise Langzeitmessungen zum Zuge kommen. Welches Instrument wann zum Einsatz kommt, legt das Team der beteiligten Wissenschaftler gemeinsam fest.

"Sollten wir bis zum 20. März keinen Kontakt zu Philae aufbauen können, werden wir dies bei der nächsten Gelegenheit wiederholen", sagt Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Mit zunehmender Annäherung an die Sonne wird auch die Energie größer, die der Lander über seine Solarpaneele erhält. "Sobald wir mit Philae wieder kommunizieren können, kann die wissenschaftliche Arbeit beginnen."


Die Mission

Rosetta ist eine Mission der ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten und der NASA. Rosettas Lander Philae wird von einem Konsortium unter der Leitung von DLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
 

Rosettas Nahebegegnung: Aufnahmen der Kometenoberfläche aus 8,7 Kilometern Entfernung 17. Februar 2015
Kometenforscher präsentieren erste Ergebnisse der Vermessung und Untersuchung von Rosetta-Komet Churyumov-Gerasimenko 23. Janaur 2015
Rosetta-Mission: Irdisches Wasser stammt nicht von Kometen wie 67P/Churyumov-Gerasimenko 11. Dezember 2014
Kometen-Lander Philae findet organische Moleküle auf Churyumov-Gerasimenko 19. November 2014
Rosettas Komet 67P/C-G sendet mysteriöses magnetisches Signal 18. November 2014


dlr.de

Erdgestützte Teleskope liefern erstaunlich detaillierte Ansichten der Venusoberfläche

https://public.nrao.edu/images/non-gallery/2015/c-blue/02-02-Tipsheet/RadarVenus_nrao.jpg
Erdgestützte Radaraufnahmen der Venusoberfläche. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright: B. Campbell, Smithsonian, et al., NRAO/AUI/NSF, Arecibo

Washington (USA) - Aufnahmen, wie sie in Qualität und Auflösung bislang nur von Sonden bekannt waren, die einen fernen Planeten direkt umkreisen, sind US-Astronomen nun mit Hilfe der Kombination der erdgestützten Radioteleskope von Green Bank und Arecibo gelungen. Die Aufnahmen gleichen jenen, wie sie schon zuvor von der NASA-Raumsonde "Magellan" bekannt waren.

Wie das Team um Bruce Campbell vom Center for Earth and Planetary Studies am Smithsonian's National Air and Space Museum aktuell im Fachjournal "Icarus" (DOI: 10.1016/j.icarus.2014.11.025) berichten, gelang es mit den Radarsignalen des Radioteleskops von Arecibo auf Puerto Rico, die dichte und wolkenschwere Atmosphäre unseres Nachbarplaneten zu durchdringen und diese dann von der Oberfläche reflektierten Signale auf der Erde wieder mit den Schüsseln des Green Bank Observatory in West Virginia zu empfangen.



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Mit dieser Methode der sogenannten bistatischen Radarbeobachtung können die Wissenschaftler die Venusoberfläche nun sozusagen "live" beobachten und direkt nach dortigen Veränderungen Ausschau halten. Durch den Vergleich von Aufnahmen verschiedener Perioden erhoffen sich die Forscher Informationen über aktiven Vulkanismus und andere geodynamische Prozesse auf der Venus, wie sie Aufschlüsse über deren geologische Vergangenheit und Gegenwart des Planeten zulassen.

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