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Freitag, 17. April 2015

Forscher beobachten wilde Schimpansen bei der Jagd mit Speeren

 
Ein Savannen-Schimpanse sticht mit einem speerartig eingesetzten Ast nach einem Buschbaby in einer Baumhöhle. | Copyright: BBC

Ames (USA) - Verhaltensforscher haben wilde Schimpansen nicht nur beim Herstellen sondern auch bei der Jagd mit Speeren beobachtet. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass weibliche Schimpansen öfter mit diesen Werkzeugen jagen als ihre männlichen Artgenossen. Bei der beobachteteten Schimpansengruppe handelt es sich weltweit um die einzige nicht-menschliche Population von lebenwesen, die für die Jagd eigens hergestellte Werkzeuge gezielt nutzt. Bislang galt dieses Verhalten als ausschließelich für Menschen typisch.

Wie die Forscher um Professor Jill Pruetz von der Iowa State University aktuell im Fachjournal "Royal Society Open Science" (DOI: 10.1098/rsos.140507) berichten, hatten sie schon 2007 erstmals Savannen-Schimpansen in Fongoli im Senegal bei der Jagd mit Werkzeugen beobachtet (s. Video). Schon damals stellten die Wissenschaftler fest, dass es mehrheitlich die Weibchen waren (60:40%), die diese Jagdmethode benutzten. Seither haben Pruetz und Kollegen mehr als 300 Fälle von mit Werkzeugen jagenden Schimpansen dokumentiert.



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Bei ihrer Jagd etwa auf Buschbabies (Galagos) nutzen die Menschenaffen mit den Zähnen zugespitzte speerartige Äste, um nach diesen in ihren Baumhöhlen zu stochern. Aus ihren Beobachtungen leiten die Forscher auch eine mögliche Erklärung für den beobachteten Unterschied zwischen den Geschlechtern ab: "Männliche Schimpansen sind bei der Jagd deutlich opportunistischer. Es kam oft vor, dass sich ein Männchen in der Nähe eines mit einem solchen Werkzeug jagenden Weibchens befand, die Beute dem Speer jedoch entkam. In diesem Moment griff sich dann das Männchen kurzerhand das fliehende Buschbaby."


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Bislang sind die Schimpansen in Fongoli die einzige nicht-menschliche Population, die fortwährend die gleichen Werkzeuge zur Jagd verwenden. Doch warum ist das so? "Die viel bessere Frage wäre, warum andere Schimpansen andernorts diese Technik nicht anwenden", so Pruetz. "Vielleicht liegt es daran, dass sie es einfach nie gelernt haben." Das Jagen mit Werkzeugen könnte aber auch das Ergebnis sozialer Toleranz sein, wie sie innerhalb anderer Schimpansenpopulationen einfach nicht existiert.

"Wenn in Fongoli ein Weibchen oder ein untergeordnetes Männchen etwas fangen, so wird es ihnen gestattet, diese Beute zu behalten und auch selbst zu fressen. Anderenorts beansprucht das dominante Männchen derartige Beute und es gibt somit dort auch kein Vorteil für Weibchen selbst zu jagen oder neue Techniken zu entwickeln."


Auch die Umgebung sei ein prägender Faktor. "In Fongoli gibt es aufgrund der Trockenheit beispielsweise keine Roten Stummelaffen, die sonst bevorzugte Beute von Schimpansen an anderen Orten. Die hiesigen Buschbabies sind für weibliche Schimpansen denn auch eine gerade mit Werkzeugen einfachere Beute.


Einem Vergleich mit der von einigen Schimpansen angewandten Methode des "Ameisenfischens" mit Stöcken und Gräsern, widerspricht die Forscherin und erläutert, dass das Verhalten der Beute und die damit einhergehenden notwendigen Handlungen des Jägers gänzlich unterschiedlich seien. "Das Fischen nach Ameisen und das Stochern und Aufspießen eines Buschbabies sind zwei sehr unterschiedliche Handlungen. Während beim Ameisen- und Termitenfischen die Ameisen von selbst auf den Ast kriechen und dann von dem Schimpansen nur noch heruntergeleckt werden müssen, wehrt sich ein Buschbaby, versucht zu fliehen und sich vor dem Schimpansen zu verstecken." Deshalb komme es auch nicht selten vor, dass die Schimpansen von ihrer gewünschten Beute gebissen werden.


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Dawn liefert neue Aufnahmen der Oberfläche des Zwergplaneten Ceres

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Einzelbildanimation der Ceres-Sichel, basierend auf Aufnahmen der NASA-Sonde "Dawn" vom 10. April 2015. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Ansicht zu gelangen.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Pasadena (USA) - Wie angekündigt, hat die NASA heute neue Aufnahmen der Oberfläche des potentiell sogar lebensfreundlichen Zwergplaneten Ceres veröffentlicht. Die Bilder stammen von der Raumsonde "Dawn", die sich derzeit im Anflug an eine stete Umlaufbahn um Ceres befindet, seit einem Monat jedoch den Zwergplaneten auf dessen Schattenseite umrundete. Jetzt zeigen die neuen Aufnahmen erstmals wieder Sonnenlicht in Form einer breiten Sichel auf Ceres.

Die Aufnahmen stammen vom 10 April 2015 und zeigen die vom Sonnenlicht erhellte Nordpolregion des Zwergplaneten aus einer Entfernung von rund 33.000 Kilometern. Es handelt sich um die bislang hochauflösendsten Aufnahmen von der Oberfläche. In den kommenden Tagen werden nun immer größere Teile des Zwergplaneten ins Sonnenlicht wandern und so weitere faszinierende Nahaufnahmen der Planetenoberfläche ermöglichen.


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Dann erhoffen sich die Astronomen auch neuste Detailaufnahmen von den mysteriösen hellen Flecken auf Ceres, deren Natur und Herkunft bislang immer noch rätselhaft sind (...wir berichteten 1, 2). Bislang sind diese auf den neuen Aufnahmen noch nicht zu sehen.



Mit einem Durchmesser von rund 950 Kilometern ist Ceres der größte bislang bekannte Körper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Bisherige Messungen legen nahe, dass Ceres zu 25 Prozent aus Wasser besteht. Unter seiner dicken Eiskruste vermuten einigen Forscher einen verborgenen Ozean flüssigen Wassers, in dem es dann sogar Leben geben könnte (...wir berichteten).

Für den 29. April 2015 ist der Eintritt der Sonde in eine ständige Umlaufbahn um Ceres geplant. Dann wird "Dawn" den Zwergplaneten bis zum 9. Mai auf einer Distanz von rund 13.500 Kilometern umkreisen und sich dem Zwergplaneten danach noch weiter annähern.


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