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Donnerstag, 23. April 2015

Wintersonnenwende: Größter Stein im Stonehenge-Kreis steht absichtlich "falsch"


Das Luftbild zeigt die unterschiedliche Ausrichtung des größten Stonehenge-Steins uns einiger umliegender Steine (rot) entgegen der Ausrichtung des sonstigen Monuments (blau). | Copyright/Quelle: Tim Daw / WANHS / BBC

Stonehenge (England) - Schon lange ist bekannt, dass der imposante Steinkreis von Stonehenge im englischen Wiltshire auf den Aufgang der Sonne zur Sommersonnenwende (Mittsommer) ausgerichtet ist. Der größte Stein der Anlage macht hier jedoch eine Ausnahme. Da der einst umgekippte gewaltige Sarsenstein jedoch 1901 wieder aufgerichtet worden war, vermuteten Historiker bislang, dass seine Ausrichtung auf einem Fehler während dieser Arbeiten beruht. Jetzt präsentiert ein Angestellter am historischen Denkmal seine Theorie, wonach die abweichende Ausrichtung des Steins und einiger Nachbarsteine gewollt sein könnte.

Laut Tim Daw weist der Stein gerade durch seine "verdrehte" Ausrichtungsachse nun auf den Sonnenaufgangspunkt zur Wintersonnenwende: "Meine Untersuchung zeigen, dass nicht nur der große Stein (Nr. 56) aus der sonstigen Symmetrie ausbricht, sondern dass auch einige umliegende Steine - darunter auch der sogenannte Altar-Stein - einst entsprechend ausgerichtet, später jedoch am restlichen Monument orientiert, wieder auf- und ausgerichtet wurden", so Daw gegenüber der BBC.


Schon im vergangenen Jahr war es Daw, der Beweise dafür erbringen konnte, dass der äußere Kreis aus Steintoren, den sogenannten Trilithen, einst tatsächlich ein geschlossenes Rund darstellten (...wir berichteten).


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Die von Daw nun beschriebene Ausrichtung liege um 80 Grad entgegen der sonstigen Ausrichtung des Monuments. Bisherige Berechnungen hätten diese Ausrichtung wahrscheinlich deshalb übersehen, da sie auf idealisierten Plänen des Monuments und nicht auf den tatsächlichen Gegebenheiten basieren, so der Forscher.

"Hierbei handelt es sich nicht um eine nebulöse Ausrichtung auf einen weit entfernten Stern", gibt Daw zu bedenken. "Dieser 100 Tonnen schwere Stein markiert absichtlich ein wichtiges Ereignis entgegengesetzt zu dem, nach dem der Rest der Anlage ausgerichtet wurde."


Während ein einzelner "falscher" Stein noch Zufall sein könnte, belege die gleiche Ausrichtung von gleich fünf der wichtigsten Steine des Stonehenge-Steinkreises, dass es sich hierbei um ein beabsichtigtes Merkmal der Anlage handele, so der Forscher.


Seine Entdeckung hat Tim Daw aktuell im Magazin der Wiltshire Archaeological and Natural History Society (WANHS) veröffentlicht. Auch der WANHS-Direktor und Direktor des Wiltshire Museum in Devizes, David Dawson, zeigt sich von Daws Ausführungen interessiert: "Das ist eine wirklich interessante neue Idee, wie sie die verdrehte Position des Trilithons erklären könnte. Sie hebt zudem die Bedeutung der Sommer- und Wintersonnenwenden für Stonehenge und den 80-Grad-Unterschied dazwischen hervor. (...) Wir wissen, dass schon die sogenannte Bush-Barrow-Raute, die in einem Grabhügel in den Normanton Downs unweit von Stonehenge gefunden wurde, ebenfalls auf dies astronomische Merkmal hinweist. Die neue Entdeckung dürfte nun erneut zu einer neuen archäologischen Debatte und zu einer Überprüfung der neuen Hypothese führen."


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Studie beweist: Pestizide schaden den Wildbienen


Bienenzucht vor Rapsfeldern in Schweden | Copyright/Quelle: lunduniversity.lu.se

Lund (Schweden) - Zum ersten Mal ist es Wissenschaftlern in einer Studie gelungen nachzuweisen, wie das hochwirksame Pestizid Clothianidin aus der Gruppe der Neonicotinoide auf Honig- aber auch auf Wildbienen in landwirtschaftlich geprägten Landschaften wirkt: Während die Honigbienen mit dem Pestizid zurechtkommen, hat es eine stark schädliche Auswirkung auf die Wildbienen.

Neonicotinoide werden besonders zur Schädlingsabwehr beim Anbau von Raps auf die jungen Pflanzen zum Schutz gegen sogenannte Rapsflöhe eingesetzt. Seit 2013 wurde der Einsatz innerhalb der EU stark eingeschränkt, da Rapsblüten besonders viele Bienen anziehen.


Die jetzt im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature14420) veröffentlichten Ergebnisse der Studie von Wissenschaftler um Maj Rundlöf von der Lunds Universitet stellen - so die Forscher - eine ernstzunehmende Erkenntnis dar, da Wildbienen, zu denen auch die Hummeln zählen, eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Nahrungsmittelpflanzen darstellen.


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"Wir können eine eindeutig negative Auswirkung auf das Wachstum und die Reproduktionsfähigkeit in Hummelkolonien in der Nähe entsprechend behandelter Rapsfelder nachweisen", so Rundlöf. Zudem gibt es in der Umgebung dieser Felder deutlich weniger Hummeln und Wildbienen als im Umfeld unbehandelter Felder. Allerdings bemerken die Forscher auch, dass die beschriebenen negativen Effekte nicht in entsprechenden Honigbienenkolonien gefunden werden konnten.

"Aber genau deshalb zeigt unsere Studie, wie differenziert wir die Auswirkungen eines Produkts tatsächlich betrachten müssen. Wenn wir nur die Auswirkung neuer Pestizide auf Honigbienen untersuchen und diese dann freigeben, so ist das bei Weitem nicht ausreichend, um auch die Konsequenzen für Wildbienen in der realen Landschaft einschätzen zu können", so der Forscher.


Sein Kollege Thorsten Rahbek Pedersen von schwedischen Ladwirtschaftsministerium fügt hinzu: "Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Clothianidin in Rapsfeldern nicht angebracht ist und wir alternative Vorkehrungen und Anbaumethoden brauchen, wenn wir weiterhin in Schweden Raps anbauen wollen." Genau diese Methoden sollen in einem nächsten Schritt nun an der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften entwickelt und erprobt werden.


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HARPS liefert erstes Spektrum eines Exoplaneten im sichtbaren Licht


Künstlerische Darstellung des Exoplaneten "51 Pegasi b". | Copyright: ESO/M. Kornmesser/Nick Risinger (skysurvey.org)

Porto (Portugal) - Mit dem Exoplanetenjäger HARPS am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile ist es Astronomen erstmals gelungen das Spektrum, das von einem Exoplaneten reflektiert wurde, im sichtbaren Licht nachzuweisen. Die Ergebnisse sind wegweisend für die Zukunft dieser Technologie.

Wie das Team um Jorge Martins vom Instituto de Astrofísica e Ciências do Espaço (IA) und der Universidade do Porto aktuell im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics" berichtet, gelang die Abbildung des Spektrums anhand des Exoplaneten "51 Pegasi b" und damit des ersten Exoplaneten überhaupt, der - 1995 - um einen normalen Stern entdeckt wurde. Er umkreist seinen Stern etwa 50 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Pegasus. Es handelt sich um einen typischen Vertreter der sogenannten Heißen Jupiter. Diese relativ häufigen Gasplaneten gleichen unserem Jupiter in Größe und Masse, allerdings ihre Umlaufbahnen liegen deutlich näher an ihrem Mutterstern.


"Die derzeit am weitesten verbreitete Methode, die Atmosphäre eines Exoplaneten zu untersuchen, beruht auf der Beobachtung des Spektrums des Muttersterns während des Vorübergangs des Planeten vor dem Stern", erläutert die ESO-Pressemitteilung und führt weiter aus: "Dabei durchläuft ein kleiner Teil des Sternenlichts die Atmosphäre des Planeten und wird dabei gefiltert - eine Technik, die man als Absorptionsspektroskopie bezeichnet. Eine alternative Vorgehensweise stellt die Beobachtung des Systems während der Bedeckung des Planeten durch den Stern dar, was in erster Linie Informationen über die Temperatur des Exoplaneten liefert."

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Im Gegensatz dazu hängt die jetzt angewandte Technik nicht davon ab, ob es von der Erde aus gesehen zu einem Transit kommt, so dass man deutlich mehr Exoplaneten damit untersuchen könnte. Sie ermöglicht Untersuchungen des Spektrums des Planeten direkt im sichtbaren Licht, so dass daraus verschiedene Eigenschaften des Planeten abgeleitet werden können, wie sie mit anderen Methoden nicht nachweisbar sind.

Dabei wird das Sternspektrum als Vorlage für die Suche nach einer abgeschwächten Version desselben Signals verwendet, das von Sternenlicht stammt, das vom Planeten reflektiert wird. Aufgrund der Bewegung des Planeten auf seiner Umlaufbahn verschieben sich die spektralen Signaturen des reflektierten Lichts relativ zum Stern. Die Messung dieses Effekts ist eine ei äußerst anspruchsvolle Aufgabe, da die Planeten im Vergleich zum gleißend hellen Mutterstern sehr lichtschwach sind.


Das Signal vom Planeten wird außerdem leicht durch andere winzig kleine Effekte und Rauschquellen überlagert. Angesichts derartiger Hürden ist die erfolgreiche Beobachtung dieses Effekts in den HARPS-Daten von "51 Pegasi" b ein hervorragender Nachweis dafür, dass die Methode funktioniert.


Jorge Martins erklärt: "Diese Art des Nachweises ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung, da sie es möglich macht, die reale Masse des Planeten und die Neigung seiner Umlaufbahn zu bestimmen, was für das tiefere Verständnis des Systems unerlässlich ist. Es ermöglicht uns auch den Reflektionsgrad, die sogenannte Albedo, des Planeten abzuschätzen, woraus man wiederum die Zusammensetzung sowohl der Planetenoberfläche als auch der Atmosphäre ableiten kann."


Wie sich zeigt, hat "51 Pegasi b" eine Masse von etwa der Hälfte der des Jupiter und eine Bahnneigung von etwa neun Grad in Richtung der Erde. Außerdem scheint der Planet im Durchmesser größer als Jupiter und stark reflektierend zu sein. Dies sind typische Eigenschaften für einen Heißen Jupiter, der sich sehr nah an seinem Mutterstern befindet und viel Sternenlicht ausgesetzt ist.


Besonders im Hinblick auf die Einführung von Instrumenten der nächsten Generation am VLT, wie beispielsweise ESPRESSO, und zukünftigen Teleskopen wie dem E-ELT, seien die Ergebnisse wegweisend für die Zukunft dieser Technik.


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