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Samstag, 15. September 2012

Das Skeptiker-Syndrom


Ein kritischer Artikel zur Skeptiker-Bewegung von Dr. Edgar Wunder
Erstveröffentlicht auf skeptizismus.de

Vorbemerkung
Ich bin eines von 19 Gründungsmitgliedern der im Oktober 1987 gegründeten "Skeptiker"-Organisation "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP), war von 1992 bis Dezember 1998 deren "Fachbereichsleiter" für das Thema Astrologie, von 1996 bis Juli 1998 Mitglied des Verwaltungsrats der GWUP, von 1994 bis Dezember 1998 Mitglied der Redaktion der von der GWUP herausgegebenen Zeitschrift "Skeptiker" und - last not least - von September 1996 bis Dezember 1998 der verantwortliche Redaktionsleiter des "Skeptiker".

Vor diesem Hintergrund kenne ich die GWUP aus der Innenperspektive so gut wie sicher nur sehr wenige andere. Laut Satzung ist es das selbsterklärte Ziel der GWUP, "behauptete paranormale Phänomene ohne Voreingenommenheit mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen, sowie solche Untersuchungen zu fördern und über deren Ergebnisse zu berichten", "kritisches Denken zu fördern", eine entsprechende "Aufklärung der Öffentlichkeit" zu betreiben und "mit gleichgesinnten Personen, Organisationen und Institutionen zusammenzuarbeiten". Nach Aussagen des ehem. GWUP-Vorstandsmitglieds Rainer Rosenzweig in einem Editorial der Zeitschrift "Skeptiker" (Heft 4/97) bedeute dies, "eine echte neutrale Mitte einzunehmen", d.h. "Urteile, positive wie negative, erst nach einer sorgfältigen Überprüfung, und dann mit der gebotenen Umsicht zu treffen."

Lobenswerte Ziele, aber meine Erfahrungen mit vielen Mitgliedern der GWUP sind leider andere. Es gibt innerhalb der GWUP eine ganze Reihe von Mitgliedern, die ohne hinreichende fachliche Kenntnis der jeweiligen Materie eine Art Weltanschauungskampf gegen alles führen wollen, was sie mit dem Begriff „paranormal“ assoziieren, die dabei auch (bewusst oder unbewusst) eine selektiv-einseitige Darstellung der Fakten und Argumente sowie zuweilen auch emotional-unsachliche rhetorische Taktiken in Kauf nehmen, während sie an wissenschaftlichen Untersuchungen zu Parawissenschaften höchstens insofern interessiert sind, als deren Ergebnisse „Kanonenfutter“ für öffentliche Kampagnen liefern könnten.

Mitte der 90er Jahre wurde mir in meiner Position als einer der führenden GWUP-Funktionäre zunehmend bewusst, dass die diesbezügliche Diskrepanz zwischen dem Anspruch (bzw. teils auch dem Selbstbild) und der Wirklichkeit der GWUP derart massiv war, dass es nicht mehr als bedauerliche Pathologie auf der individuellen Ebene einzelner Mitglieder abgetan werden konnte. Vielmehr handelte es sich ganz offenbar um ein strukturelles Merkmal der "Skeptiker"-Bewegung, wie auch ein Vergleich mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern ergab. Als Soziologe beschloss ich, meine Stellung als GWUP-Funktionär dazu zu nutzen, um durch eine systematische Untersuchung der internen Kommunikation in "Skeptiker"-Kreisen ein Merkmals-Set typischer Mentalitätsmuster herauszuarbeiten, das die real existierende "Skeptiker"-Bewegung zu prägen scheint, unabhängig davon, ob es mit der Selbstdarstellung der Bewegung nach Außen hin konvergiert oder nicht. Dazu wurden in der Zeit von Februar 1997 bis März 1998 sorgfältig und planmäßig mündliche wie schriftliche Äußerungen von GWUP-Mitgliedern gesammelt, dokumentiert und kategorisiert, die situativ unter Bedingungen erfolgten, bei denen sich die Betreffenden "unter sich" glaubten und die Gefahr gering schien, dass sie in den Modus der Selbstdarstellung nach Außen oder der Rezitation idealisierter Selbstbilder verfielen (z.B. interne Vorstandssitzungen, E-Mails, Privatgespräche etc.), selbstverständlich ohne dass die beobachteten Akteure von diesem Projekt wussten. Das Ergebnis der Studie war ein als polythetisches Set konzipierter Merkmalskatalog, den ich das "Skeptiker-Syndrom" nannte.

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Im April 1998 schrieb ich auf dieser Grundlage den ersten Entwurf des vorliegenden Artikels, der bis auf weiteres noch unter Verschluss blieb und später noch durch einige weitere aktuellere Beispiele ergänzt wurde. Im Juni 1998 trug ich diesen Merkmalskatalog und die meisten der nachfolgend dargestellten Ergebnisse und Überlegungen zur "Skeptiker"-Bewegung bei einem zweistündigen Kolloquiumsvortrag am Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) erstmals ausführlich öffentlich vor.

Es war nun die spannende Frage, ob die Bewegung in der Lage sein würde, zu ertragen, dass einer ihrer Funktionäre ein derart kritisch-schonungsloses Bild der eigenen Gruppe zeichnete und er dies - vor allem - in seinem Einfluss- und Zuständigkeitsbereich (also insbesondere der Vereinszeitschrift "Skeptiker") mit sehr konkreten Maßnahmen verband, die auf eine Überwindung jenes in "Skeptiker"-Gruppen sozial kultivierten mentalen Sets zielten. Sie war es nicht.

Im August 1998 wurde ich vom GWUP-Vorstand ohne vorherige Konsultation aus dem GWUP-Verwaltungsrat "entfernt" und wenige Monate später auch als "Skeptiker"-Redaktionsleiter und aus allen anderen Funktionen entlassen. Daraufhin veröffentlichte ich im Februar 1999 den schon lange vorher erarbeiteten Text "Das Skeptiker-Syndrom" nun auch im Internet (ergänzt durch einen im Januar 1999 zusätzlich verfassten längeren Anhang, in dem ich meine persönliche biographische Geschichte in und mit der "Skeptiker"-Bewegung schilderte).

Obwohl zu diesem Zeitpunkt schon lange klar war, dass die "Skeptiker"-Bewegung in dieser Hinsicht aus strukturellen Gründen nicht reformierbar ist und ich deshalb austreten würde, schob ich die Austrittserklärung noch einige Zeit auf. Denn ich war daran interessiert, wie die bevorstehende allgemeine Mitgliederversammlung im Mai 1999 zu der Frage stehen würde, inwieweit solche GWUP-kritischen Äußerungen zumindest als "einfaches Mitglied" erlaubt seien. Wie von mir aufgrund der bisherigen Erfahrungen nicht anders erwartet, beschloss die Mitgliederversammlung in der Tat mit großer Mehrheit, mich umgehend auch als einfaches Mitglied aus der GWUP auszuschließen. Ich bin meinem Untersuchungsobjekt, der GWUP, dafür dankbar, dass so mein seit August 1997 laufendes quasi-experimentelles Programm, welche Normen und Sanktionsmechanismen die "Skeptiker"-Bewegung steuern, in vollem Umfang umgesetzt werden konnte.

Skeptiker ? - Begriffsprobleme und die Folgen
GWUP-Mitglieder nennen sich in der Regel "Skeptiker" und fühlen sich als Teil einer weltweiten "Skeptiker-Bewegung", die sich den "Kampf gegen das Paranormale und Pseudowissenschaften" auf die Fahnen geschrieben hat ("battle against the paranormal and pseudoscience" - so die weltweit führende amerikanische "Skeptiker"-Organisation CSICOP in einer Presseerklärung zum "2. Welt-Skeptiker-Kongress" in Heidelberg im Juli 1998). Die Probleme beginnen damit, dass mit dem Begriff "Skeptiker" (mindestens) zwei verschiedene semantische Dimensionen verbunden sind, die sowohl von der Öffentlichkeit, aber vor allem auch innerhalb von sog. "Skeptiker"-Organisationen immer wieder durcheinander gebracht werden.


Die beiden Dimensionen sind in der dargestellten Graphik (s. Abb) verdeutlicht: Es gibt einerseits die Dimension "belief - unbelief" (z.B. hinsichtlich des "Paranormalen", was immer das sein mag), andererseits die Dimension "dogmatism - open mindedness / critical thinking". Dabei ist zu betonen, dass mit "unbelief" keineswegs nur "non-belief" gemeint ist, sondern der "unbelief", verstanden als "disbelief", durchaus selbst ein belief-system darstellt.

Eine in "Skeptiker"-Organisationen weit verbreitete und folgenreiche Kurzsichtigkeit besteht nun darin, gar nicht wahrzunehmen, dass diese beiden Dimensionen nicht identisch sind, dass also "critical thinking" keineswegs zwingend mit "unbelief" zusammenfallen muss, genau so wenig wie "dogmatism" zwingend mit "belief". Vielmehr können sich empirisch Individuen in allen vier Quadranten der Graphik aufhalten. Im Diskurs unter Mitgliedern von "Skeptiker"-Organisationen ist es aber üblich, den Begriff „Skeptiker“ sowohl in der Bedeutung "kritisch denkende Menschen" als auch in der Bedeutung „nicht an Paranormales glaubende Personen“ zu verwenden, beides wird also gleichgesetzt.

Zur Verdeutlichung mag eine Umfrage unter der Leserschaft des "Skeptical Inquirer" dienen, die der CSICOP-Vorsitzende Paul Kurtz im Frühjahr 1998 durchführen ließ: Dort waren auf die Frage "Which of the following would you say best describes your point of view?" fünf Antwortalternativen vorgegeben (in Klammern die Ergebnisse der Umfrage): "Strong skeptic" (77,5 %), "Mild skeptic" (16,2 %), "Neutral" (2,4 %), "Mild believer" (1,0 %), "Strong believer" (0,4 %).

Dem kann wohl entnommen werden, dass erstens für Kurtz der Begriff "skeptic" das Gegenteil von "believer" meint, er also für "unbelief" steht (oder zumindest, dass Kurtz ein derartiges Kategorienschema in den Köpfen der Leser des Skeptical Inquirer vermutet), zweitens, dass für Kurtz die Position eines "skeptic" nicht "neutral" ist. Drittens, dass sich zumindest unter CSICOP-Anhängern empirisch nur eine verschwindende Minderheit als "neutral" versteht. Würde man im Kontext dieser Umfrage "skeptic" im Sinne von "open mindedness / critical thinking" verstehen, wären Begriffe wie "mild skeptic" oder "neutral" ziemlich sinnlos bzw. schwer verständlich. Ganz offensichtlich ist mit "skeptic" hier ein "unbeliever" bezüglich des "Paranormalen" gemeint. (Zahlreiche weitere Textstellen aus "Skeptiker"-Publikationen ließen sich anführen, in denen der Skeptiker-Begriff ganz augenscheinlich in dieser Bedeutung verwendet wird.)

Andererseits gibt es z.B. folgendes Verständnis des Begriffs, das "Skeptiker"-Organisationen nicht selten in ihren öffentlichen Selbstdarstellungen anführen: "Ein Skeptiker in unserem Verständnis nimmt so wenig wie möglich als gegeben hin, sondern ist bereit, jede Aussage zu hinterfragen und zu prüfen. Insbesondere ist er auch bereit, die eigene Meinung einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Mit dieser Einstellung steht der Skeptizismus im Gegensatz zum Dogmatismus. Skeptizismus heißt also nicht, andere Meinungen blind abzulehnen oder gar von vornherein die Existenz von paranormalen Phänomenen zu leugnen". (Dieser Satz ist aus der offiziellen GWUP-Vorstellungsbroschüre entnommen und wurde von mir selbst 1996 für die GWUP verfasst - in einem normativen Sinne, wie es in "Skeptiker"-Organisationen eigentlich sein sollte, nicht unbedingt als Beschreibung eines realen Zustandes.)

Die Frage ist nun, im Sinne welcher der beiden Begriffsverständnisse die real existierende "Skeptiker"-Bewegung zusammengesetzt ist. Anders formuliert: Bildet die "belief / unbelief"-Dimension die Demarkationslinie für die Mitgliedschaft jener Bewegungen, oder ist es die "dogmatism / open mindedness-critical thinking"-Dimension? Bezogen auf die Graphik: Welche der in der Abbildung dargestellten beiden Mengen entspricht der realen Zusammensetzung z.B. der GWUP? Da zumindest mir kein einziges Mitglied der GWUP bekannt ist, das man im rechten oberen Quadranten ansiedeln könnte, jedoch eine ganze Reihe von Mitgliedern, die wohl unzweifelhaft im linken unteren Quadranten einzuordnen sind (und die intern teilweise nicht einmal davor zurückschrecken, ihre eigene Position selbst als „ideologisch“ zu bezeichnen!), kann meines Erachtens kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass die real existierende GWUP der in der Graphik unten dargestellten Menge entspricht.

Dies hat Konsequenzen. Denn es bedeutet, dass die Kohäsion der Gruppe gefährdet und sie vom Auseinanderfallen bedroht ist für den Fall, dass eine ernsthafte, ergebnisoffene, gleichberechtigte und kollegiale Diskussion mit Personen im rechten oberen Sektor stattfinden soll, denn die Personen im linken unteren Quadranten befürchten dann eine "Aufgabe des skeptischen (unbelief-)Profils" oder gar eine Infragestellung der Gruppenidentität. Gleiches kann passieren, wenn Gruppenmitglieder im rechten unteren Sektor Personen im linken unteren Sektor offen kritisieren und/oder hervorheben, dass gewisse Ergebnisse empirischer Untersuchungen dem "unbelief"-Überzeugungssystem zu widersprechen scheinen und deshalb eine ernsthafte, offene, informierte wissenschaftliche Auseinandersetzung anmahnen.

Das Resultat sind erhebliche Spannungen und Konflikte in der Gruppe, die zwangsläufig den Vorstand einer derartigen Vereinigung beschäftigen müssen, da unschwer zu erkennen ist, dass eine wie auch immer geartete Infragestellung oder gar Verschiebung der Gruppengrenzen in der Graphik zu schwerwiegenden Verwerfungen, ja Austrittswellen führen könnte. Der Vorstand wird also im wesentlichen den Status quo der Gruppe in der Graphik zu erhalten versuchen und jene, die in seinen Augen diesen Status quo gefährden könnten, mit Sanktionen bedrohen und notfalls mit Gewalt entsprechende Maßnahmen und "Säuberungen" durchführen. Was sich im Jahr 1998 innerhalb der GWUP abgespielt hat (und oben angedeutet wurde), ist in dieser Hinsicht geradezu ein Lehrbuchbeispiel für eine derartige Dynamik.

Bücher und Schriften von Edgar Wunder

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Das Skeptiker-Syndrom als idealtypisches polythetisches Set

Um zu verstehen, warum hier rasch ein die Stabilität der Gruppe insgesamt gefährdendes Bedrohungspotential gesehen wird, müssen einige typische Merkmalscharakteristiken aufgezählt werden, die insbesondere die Personen im linken unten Quadranten der Graphik kennzeichnen. Es handelt sich um ein idealtypisches polythetisches Set, das ich als "Skeptiker-Syndrom" bezeichne. Damit ist gemeint, dass das Syndrom in Bezug auf ein konkretes Individuum bereits dann als gegeben angesehen werden muss, wenn einige der nachfolgend genannten Merkmale erfüllt sind (es müssen nicht alle in jedem Einzelfall. zutreffen). Gleichzeitig handelt es sich um ein emergentes Phänomen, d.h. es entsteht etwas Neues, wenn viele der Merkmale in ihrer spezifischen Kombination und inneren Relationierung zusammenkommen: die Mentalität des idealtypischen "Skeptikers" als soziokulturelle Realität, die gerade in der sozialen Vergemeinschaftung (in einer "Gesinnungsgemeinschaft") immer wieder neu erzeugt, bekräftigt und stabilisiert wird. Insofern haben wir es vorwiegend mit einem sozialen Phänomen zu tun, nicht bloß mit Einstellungen einzelner isolierter Individuen. Die "Skeptiker"-Bewegung ist jener sozialer Ort, an dem dieses spezifische Set von Mentalitätsmustern tradiert und reproduziert wird.

Was sind nun die einzelnen Elemente des Merkmals-Sets dieses Syndroms?

(1) Jene "Skeptiker" sehen das primäre oder sogar einzige Ziel der Gruppe in Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, gewisse "paranormale" Vorstellungen in der Bevölkerung zurückzudrängen oder den aktiven Vertretern solcher Überzeugungen "das Handwerk zu legen". Es geht insofern um Mission und Advokatentum, bei dem

(2) die Durchführung von eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen als relativ überflüssig erachtet wird, da ja eh klar sei, "dass alles Quatsch ist". (Da die Kenntnis relevanter Fakten und wissenschaftlicher Untersuchungen zum jeweiligen Thema unter jenen Personen meist nicht allzu groß ist, beschränkt sich dann die "Öffentlichkeitsarbeit" inhaltlich nicht selten auf die Popularisierung des Namens der eigenen Organisation in Verbindung mit bloßen Meinungen oder bei anderen ausgeborgten Fakten.)

(3) Die eigene Gruppe wird nicht als "wissenschaftliche (Forschungs-)Gemeinschaft" verstanden, sondern als soziale Bewegung, als "verschworene (Gesinnungs-)Gemeinschaft" mit letztlich politischen Zielen, nämlich der eigenen Vorstellung von "Rationalismus" in der gesamten Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Man müsse sich hinsichtlich des Vorgehens und anderer Fragen deshalb auch bei politischen Parteien ein Vorbild nehmen, nicht etwa bei wissenschaftlichen Gesellschaften.

(4) Im Rahmen einer solchen Auffassung befindet sich die eigene Gruppe in einer steten Kampfsituation, bei der interne Meinungsverschiedenheiten nur als hinderlich empfunden werden und Geschlossenheit zumindest nach außen hin erwartet wird. Entsprechender Konformitätsdruck wird in der "ingroup" ausgeübt.

Eine sich in einer solchen Kampfsituation sehende Gruppe hat naturgemäß auch für demokratische Abstimmungen und Verfahren in den eigenen Reihen wenig übrig, da sie - ähnlich wie bei einer Armee - für das eigentliche Ziel, dem geschlossenen Wirken nach Außen, nur als Behinderung und kontraproduktiv empfunden werden. Als eingetragener Verein ist die GWUP zwar (etwa im Unterschied zum amerikanischen CSICOP) formal demokratisch strukturiert, doch die Realität sieht so aus, dass z.B. nach Auffassung eines GWUP-Vorstandsmitglieds Mitgliederversammlungen nur dazu dienen sollen, „um gemeinsam Kraft zu schöpfen“ und in Harmonie das "Zusammengehörigkeitsgefühl" zu stärken.

Kontroverse Diskussionen, Debatten oder gar Abstimmungen werden diesem Zweck nur als zuwiderlaufend und folglich nach Möglichkeit zu verhindernd angesehen. So gab es in meiner Erinnerung in der gesamten 12jährigen Geschichte der GWUP bei Vorstandswahlen auch noch niemals zwei konkurrierende Kandidaten um ein Vorstandsamt, und die entsprechenden Personen wurden stets vom Vorstand selbst vorgeschlagen. Real praktizierte Vereinsdemokratie sei, so mir gegenüber ein GWUP-Vorstandsmitglied "unnötiger Luxus“, auf den man getrost verzichten könne, da die Aufgaben der GWUP andere seien.

Dem Skeptiker-Syndrom unterliegende Personen sind nicht zuletzt auch (5) an der häufigen Verwendung des Wortes "wir" (anstelle von „ich“) zu erkennen: Es geht ständig darum, dass "wir" gegen "die" antreten und zusammenhalten müssten; und wenn „wir“ untereinander kontrovers diskutierten, würden sich "die" nur ins Fäustchen lachen usw. (ingroup-outgroup-Polarisierung). Deshalb müssten Kontroversen innerhalb der Gruppe auch so schnell wie möglich beendet werden.

Während (6) nach Außen hin Angriff und Kritik groß geschrieben wird, herrscht im Innern eine bereits dysfunktionale Konfliktvermeidungsstrategie beinahe um jeden Preis, zumindest was die Führungsgremien betrifft.

(7) "Outgroup"-Positionen hingegen dürfe man keinesfalls ein Forum geben, weder in Publikationen noch bei Tagungen, denn dies wäre ja "Werbung" für den Gegner, der ja schon "genug Möglichkeiten hätte", man dürfe ihn so "nicht weiter aufwerten".

Dass groupthink-Symptome unter solchen Bedingungen gut gedeihen, braucht nicht weiter betont zu werden. Ich habe innerhalb der GWUP Gremiensitzungen erlebt, bei denen sich alle Teilnehmer gegenseitig versicherten, dass eine bestimmte Studie "Unsinn" und "widerlegt" sei, ohne dass auch nur ein einziger Teilnehmer jene Studie gelesen hätte, relevante Argumente oder eine "Widerlegung" hätte anführen können.

(8) Sogar entdeckte, teils peinliche nachweisliche Fehler und Falschbehauptungen von einzelnen Mitgliedern werden organisationsintern kaum kritisiert (und schon gar nicht öffentlich!), sondern werden geduldet, solange sie hinsichtlich ihrer Zielrichtung den eigenen Überzeugungen nicht zuwider laufen. "Hauptsache dagegen!" scheint für viele die Devise zu sein. So war es beispielsweise möglich, dass ein früheres GWUP-Mitglied jahrelang Gauquelins These eines "Mars-Effekts" mit nachweislich falschen Argumenten heftig attackierte. Sogar als diese Person (aus anderen Gründen) nicht mehr GWUP-Mitglied war, sah sich außer mir keiner zu einer kritischen Aufarbeitung genötigt. In vielen anderen Beispielen haben mir Mitglieder unter vier Augen gesagt, dass sie diese und jene Behauptungen anderer Mitglieder für nachweislich falsch hielten, sie aber nicht offen kritisieren wollten, "um der skeptischen Bewegung nicht zu schaden".

(9) Empfundene Gefahren- und Bedrohungspotentiale spielen eine große Rolle für jene "Skeptiker" und ihre Motivation. "Defending the rational world from a rising tide of nonsense" (Paul Kurtz) sei eine für den zukünftigen Bestand der Gesellschaft und der Menschheit überlebenswichtige Aufgabe, die alle Anstrengungen erfordere. In diesem Zusammenhang werden auch (10) die gesellschaftliche Bedeutung und die Einflussmöglichkeiten der eigenen Gruppe, also der "Skeptiker"-Organisation, von vielen Mitgliedern maßlos überschätzt. Man sieht sich als einmalige und unverzichtbare Elite, von deren Agieren die weitere Entwicklung der Gesellschaft maßgeblich abhänge.

(11) Dies geht einher mit einer immer wieder geäußerten starken emotional-persönlichen Betroffenheit ("mir lief es heiß und kalt den Rücken herunter"), wenn jene "Skeptiker" z.B. in der Bekanntschaft mit diversen "esoterischen" Vorstellungen und Praktiken konfrontiert werden. Es sei (12) eine große emotionale Befriedigung, wenigstens einmal im Jahr als Teilnehmer einer GWUP-Konferenz "unter sich" zu sein, und sich abseits einer vom Irrationalismus geplagten Welt gegenseitig bestärken zu können - weshalb kontroverse Diskussionen mit "Nicht-Skeptikern" auf einer solchen Tagung als "störend" empfunden und strikt abgelehnt werden. Als besonders gemeinschaftsstiftend wird in diesem Zusammenhang offenbar (12) auch das gemeinsame "Sich-empören-über ..." empfunden.

Überhaupt sei (13) nur sinnvoll, sich mit solchen parawissenschaftlichen Vorstellungen zu beschäftigen, von denen eine ernsthafte Gefahr für Mensch und Gesellschaft ausgehe, alles andere sei unwesentlich. Nur in den allerseltensten Fällen wird dabei (14) die "Gefahr" (genauer: die Chancen-Risiko-Relation) anhand empirischer Studien oder Abschätzungen belegt, sondern es wird mit Einzelfällen (deren Repräsentativität fraglich ist), subjektiven Erfahrungen, Horrorszenarien und Betroffenheitsgefühlen argumentiert - im Prinzip nur spiegelbildlich zu sog. "Esoterikern", die mit ähnlichen Argumenten uns vom heilsbringenden Nutzen ihrer jeweiligen Systeme überzeugen wollen.

(15) Fragt man jene "Skeptiker", warum sie sich überhaupt mit solchen Themen beschäftigen, erhält man nicht etwa die Antwort, weil sie diese oder jene Frage interessant fänden, sondern es werden bedrohliche Gefahren ausgemalt, weshalb man gegen gewisse Vorstellungen angehen müsse.

Ansonsten geht es (16) jenen "Skeptikern" aber nur darum, ob eine bestimmte Behauptung "stimmt" oder nicht. Stimmt sie nicht - und das glaubt man ohnehin schon zu wissen - wird sie oft vorschnell auch als "gefährlich" eingestuft. Denn der Hinweis auf die "Gefährlichkeit" wird benötigt, um letztlich politisches Handeln zu rechtfertigen, an dem man primär interessiert ist. Dass (17) die Fragen nach dem Wahrheitsgehalt und der Chancen-Risiko-Relation relativ unabhängig voneinander sind und sich nicht einfach aufeinander reduzieren lassen, wird kaum gesehen, genau so wenig (18), dass etwa die Fragen nach der Psychologie und Soziologie derartiger "paranormaler" Überzeugungssysteme von zentralem Interesse und empirisch untersuchenswert wären. Jedenfalls wird dies nicht als Angelegenheit der GWUP angesehen. Diese Ignoranz und einseitige Fixierung auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt ist selbstverständlich auch deshalb naiv, da sich ohne Klärung der psychosozialen Hintergründe wohl niemals eine effektive "Aufklärungsarbeit" wird leisten lassen.

Ohnehin gehen aber (19) jene Personen kaum von (für sie offenen) Fragen, sondern vielmehr von (für sie feststehenden) Antworten aus.

(20) Die Anhänger von "paranormalen" Überzeugungen - oder überhaupt Andersdenkende - werden pathologisiert. Ihnen wird ein Mangel an kognitiven Fähigkeiten ("Spinner", "Dummköpfe", "geisteskrank" usw.) oder kriminelle Absichten unterstellt ("Betrüger", "Scharlatane" usw.). Damit einher geht (21) nicht selten Repressionsbereitschaft, der Ruf nach den Gerichten, nach dem Staat, nach aggressiven Kampagnen, um z.B. zu erreichen, dass bestimmte Personen etwa in Volkshochschulen nicht mehr eingeladen werden u.a.m. Auffällig ist auch, dass viele derartige "Skeptiker" nach außen hin, öffentlich, mit solchen Pathologisierungen ihrer "Gegner" eher vorsichtig sind, da sie erkannt haben, dass dies kontraproduktiv sein kann; gruppenintern nehmen sie aber kein Blatt vor den Mund ("intern muss man das offen sagen dürfen"), woran (22) erkennbar ist, dass ihre öffentlichen Erklärungen taktischen Charakter haben, aber nicht ihren tatsächlichen Überzeugungen entsprechen.

Es ist ein Kennzeichen vorurteilsbehafteter Personen, dass sie (23) an die inhärente Inferiorität einer bestimmten Gruppe glauben bzw. dass Menschen bereits nur aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit schon negativ beurteilt werden. Es war für mich frappierend, wie schnell eine ganze Reihe von GWUP-Mitgliedern bereits (zuweilen drastische!) Urteile über (ihnen ansonsten unbekannte) Personen oder gar über die (ihnen erst recht unbekannte) wissenschaftliche Qualität von deren Arbeit fällten, sobald nur deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten real existierenden Gruppe bekannt oder auch nur behauptet (!) wurde - oder sobald die betreffende Person von einem anderen GWUP-Mitglied kurzum mit einem bestimmten "Label" versehen wurde (besonders beliebt ist: „Esoteriker“).

(24) Die im Diskurs gewählten Begriffe sind für jene "Skeptiker" ebenfalls typisch: Es handelt es sich um von vornherein wertende bis diffamierende Begriffe (z.B. "Aberglaube", "Humbug", "Pseudowissenschaft", "Scharlatane", "Sekten", "PSI-Exponenten" - als Bezeichnung für Parapsychologen - u.a.m.), nicht um weitgehend deskriptiv-analytische Begriffe (z.B. "Parawissenschaft", "Anomalien", "außergewöhnliche menschliche Erfahrungen" u.a.).


"Skeptiker"-Bücher zu grenzwissenschaftlichen Themen

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Auch (26) die Zuschreibung des Begriffs "paranormal" zu bestimmten behaupteten Phänomenen hat hier oft bereits diffamierenden Charakter, da der Begriff für jene Personen negativ besetzt ist und manchmal fast synonym mit "unsinnig" verwendet wird. Typischerweise wird (27) von solchen "Skeptikern" der Begriff "Parawissenschaft", sofern er verwendet wird, in der Bedeutung mit dem Begriff "Pseudowissenschaft" weitgehend gleichgesetzt und hier nicht weiter differenziert.

(28) Damit einher geht auch mangelnde Differenzierungsbereitschaft zwischen verschiedenen parawissenschaftlichen Disziplinen: Es wird oft pauschal alles in einen Topf geworfen und undifferenziert von einem "Glauben an das Paranormale" gesprochen (den es zu bekämpfen gelte), so als ob wir es hier mit einem irgendwie einheitlichen Überzeugungssystem zu tun hätten - eine Vorstellung, die längst empirisch widerlegt ist.

(29) Ebenso wird bei der Wahrnehmung des gesellschaftlichen Konfliktfelds um Parawissenschaften unzureichend differenziert: Es herrscht stereotypes "Lagerdenken" vor, wobei eine häufige Einteilung die in „Wölfe“ (="Para-Vertreter"), "Schafe" (= die zu "schützende" Bevölkerung) und "Hüter" (=die organisierten "Skeptiker") ist. (30) Wer solche simplizistischen Stereotype in Frage stellt und einen "lagerübergreifenden" Dialog fordert, dem wird vorgeworfen, er "setzte sich zwischen alle Stühle", sei nur noch bedingt vertrauenswürdig, zumindest aber "naiv".

(31) Die Dämonisierungen der "anderen Seite" gehen zudem einher mit der Bereitschaft, sehr schnell von einer einzigen Person auf z.B. "alle Parapsychologen" zu generalisieren. Dies überrascht nicht, denn in der Sozialpsychologie ist es ein typisches Merkmal dogmatischen Denkens bzw. von "closed-mindedness", dass Wahrnehmungen, Vorstellungen und Urteile, die positiv bewertete Objekte betreffen, wesentlich genauer und komplexer ausfallen als solche, die negativ bewertete Objekte betreffen.

(32) Jene "Skeptiker" haben kaum - in der Regel gar keine - persönlichen freundschaftlichen Kontakte zu führenden "Parawissenschaftlern" oder "Esoterikern", die ja trotz inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten theoretisch ohne weiteres möglich wären, ja geradezu auf der Hand liegen würden, wenn ein fairer offener Dialog gesucht werden würde. An solchen Kontakten haben derartige "Skeptiker" auch gar kein Interesse, sie nehmen (abgesehen von manchen Esoterik-Messen als Kuriosum am eigenen Wohnort) auch (33) an keinen Veranstaltungen des "anderen Lagers" teil, da sie sich dadurch keinen Informationsgewinn versprechen, sondern höchstens Verärgerung über "den ganzen Unsinn".

(34) Gleichzeitig lesen diese "Skeptiker" auch keine Publikationen aus dem parawissenschaftlichen Bereich (z.B. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, Journal of Scientific Exploration), genau so wenig aus dem esoterischen Bereich (z.B. Esotera, Magazin 2000). Nach einer von mir 1997 durchgeführten Umfrage unter Skeptiker-Beziehern lesen ca. 90 % der GWUP-Mitglieder keine einzige derartige Zeitschrift. Sie sind entsprechend schlecht informiert, und zwar sowohl über aktuelle Entwicklungen in der "Esoterik-Szene", als auch - und dies ist bedeutsamer - über diverse Untersuchungen (bzw. auch den Diskussionsstand allgemein), wie sie immer wieder z.B. in den genannten "parawissenschaftlichen" Zeitschriften publiziert werden.

Entsprechend der genannten Umfrage bildet (35) - abgesehen vom eigenen "Hausblatt" Skeptiker und anderer "skeptischer" Literatur - die reguläre Informationsquelle zu Parawissenschaften für die meisten GWUP-Mitglieder vielmehr die allgemeine Tages- und Wochenpresse sowie populärwissenschaftliche Magazine. (Zwar werden auch wissenschaftliche Fachzeitschriften der jeweils eigenen Disziplin - z.B. Chemie, Biologie, Physik usw. - gelesen, diese enthalten aber bekanntlich kaum irgendwelche Artikel zu parawissenschaftlichen Themen.) Dies gilt nach meinen Erfahrungen auch für die überwiegende Zahl der Personen mit Führungspositionen innerhalb der GWUP, z.B. für Vorstände oder Mitglieder des Wissenschaftsrats der GWUP. (Der sog. GWUP-„Wissenschaftsrat“ steht allerdings im Wesentlichen ohnehin nur auf dem Papier und ist quasi inaktiv, dient vielmehr nur als akademisches "Aushängeschild".)

(36) Es fehlt folglich in der Regel an grundlegendem Faktenwissen, was überhaupt tatsächlich von parawissenschaftlicher Seite behauptet wird und was nicht. Die Urteile rekurrieren vielmehr auf diverse teils irreführende Stereotype, die in den Medien gängig sind. Nach meinen Erfahrungen hat z.B. ein ganz erheblicher Anteil der GWUP-Mitgliedschaft keine Ahnung, was etwa der Unterschied zwischen "Tierkreiszeichen" und "Sternbildern" ist, was der Ausdruck "Begegnung der dritten Art" wirklich korrekt bedeutet oder welche verschiedenen "parapsychologischen" Einrichtungen in Deutschland existieren oder wie sie institutionalisiert sind (im vom GWUP-Mitglied Lee Traynor herausgegebenen "Skeptischen Jahrbuch 1998" ist beispielsweise von einem "Ernst (!) Bender" als Gründer eines "parapsychologischen Instituts" die Rede, "das heute den Namen Institut für Psychohygiene" trage) - was viele nicht hindert, sich lautstark zu Astrologie, Ufologie, Parapsychologie oder anderen Themen zu Wort zu melden, großteils mit entsprechend unqualifizierten Verlautbarungen. In diesem Kontext versteht sich (37) wohl auch das häufige pauschale Berufen auf bekannte "Entlarver" (insb. James Randi und seine 1-Million-Dollar-Wette) als Autoritäten und Vorbilder, anstatt konkrete Argumente anzuführen. Überhaupt ist es (38) beliebt, zu erklären, man "wette", dass dieser und jener Effekt sich (in unbestimmter Zeit!) als Artefakt herausstellen werde: dies ermöglicht es, hohe subjektive Sicherheit zu demonstrierten, ohne sich mit der Materie näher beschäftigen zu müssen.

(39) Eigene Untersuchungstätigkeit zu Parawissenschaften tritt in der Regel gar nicht auf, denn es sei ja ohnehin schon klar, dass alles "Quatsch" ist, was solle man denn noch untersuchen? (40) Wenn überhaupt "Untersuchungen" vorgenommen werden, dann nur, um einer breiten Öffentlichkeit zu demonstrieren, was man ohnehin schon für gesichert hält (der Ausdruck "Demonstrationen" wäre also angemessener), jedoch nicht, um Fragen nachzuspüren, die man noch für offen erachtet und bei denen man ernsthaften Forschungsbedarf sieht. Im letzteren Fall bestünde - da die finanziellen Mittel begrenzt sind - ein Konkurrenzverhältnis zur Öffentlichkeitsarbeit, die innerhalb der GWUP ohne jeden Zweifel das absolute Primat genießt. Da es innerhalb der Parawissenschaften nichts mehr ernsthaft zu untersuchen gebe, seien entsprechende Untersuchungen Zeit- und Geldverschwendung; die Mittel sollten besser für eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden. Wenn ich die Überzeugung habe, dass ein bestimmter Effekt nicht existiert, warum sollte ich viel Zeit und Geld aufwenden, um diesen angeblichen Effekt zu untersuchen? Lieber die Öffentlichkeit von meiner Meinung überzeugen. Aber das ist keine Wissenschaft, es ist letztlich eine religiös-missionarische Haltung.

Ein Mitglied des Wissenschaftsrats (!) der GWUP (heute Leiter der GWUP-Geschäftsstelle) sagte mir gar auf meine Anregung hin, zu GWUP-Tagungen externe Referenten zu Präsentationen neuerer empirischer Untersuchungen einzuladen (extern, da es GWUP-intern kaum derartige Referenten gibt), dass empirische Untersuchungen doch ohnehin langweilig seien, das sei "immer das gleiche", was solle man da schon Neues erwarten, von derartigen Präsentationen halte er nichts.

Wenn überhaupt irgendetwas untersucht wird, dann sind es (41) relativ leicht zu entkräftende und ohnehin schon sehr fragwürdige Fälle (z.B. offensichtliche Scharlatanerie im Esoterik-Bereich), während um die "härteren Nüsse" (z.B. diverse parapsychologische Laborexperimente) ein großer Bogen gemacht wird. Einer wissenschaftlichen Haltung wäre es angemessen, sich den besten Argumenten der (so empfundenen) "Gegenseite" kritisch zuzuwenden, nicht ersatzweise den schwächsten.

(42) Unternimmt jemand im "anderen Lager" wissenschaftliche Untersuchungen zu Parawissenschaften, wird dies als Ärgernis empfunden, das man gerne verhindern würde, wenn man es könnte, sofern der betreffende Forscher öffentliche Mittel zur Finanzierung seiner Studie erhält. (43) Es gibt keine positive Einstellung, für wissenschaftliche Untersuchungen von Parawissenschaften Geld auszugeben. Bedenkt man, dass dies auf einen ganz erheblichen Teil der Mitglieder der GWUP zutrifft, kann der Name "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" eigentlich nur noch als ein Etikettenschwindel aufgefasst werden.

Man fragt sich, welche Funktion die Gruppe überhaupt für viele Mitglieder der GWUP hat. Unzählige Male habe ich als verantwortlicher Redaktionsleiter des Skeptiker aus der Leserschaft und aus der Mitgliedschaft der GWUP Anfragen und Aussagen folgenden Sinngehalts bekommen: (44) "Dass Parawissenschaften Quatsch sind, weiß ich ohnehin. Die GWUP brauche ich vor allem deshalb, um gut begründen zu können, warum es Quatsch ist". Eine wissenschaftliche Haltung verbirgt sich dahinter freilich nicht. Es geht für viele Mitglieder der GWUP offensichtlich darum, in der Gruppe soziale Sicherheit für ihre schon fest bestehenden Überzeugungen und Vorurteile zu gewinnen, sie sozial durch eine Gruppe bekräftigt zu bekommen, die als autoritativ empfunden wird, sowie Argumentationshilfen für entsprechende Diskussionen im eigenen sozialen Umfeld zu erhalten.

(45) Ein weiteres Merkmal des Skeptiker-Syndroms scheint mir ein besonderes Vorsichhertragen, ja sogar Stolz auf den "Skeptiker"-Begriff zu sein. Die Frage "Wer sind die Skeptiker?" beantworten solche Personen häufig kurzum mit „Wir sind es“ - und führen damit eine dritte Bedeutung des "Skeptiker"-Begriffs ein, indem sie ihn (46) schlicht als Bezeichnung für die "ingroup" verwenden.

Man muss sich genau vergegenwärtigen, was letztlich dadurch geschieht, indem (47) die drei "Skeptiker"-Bedeutungen unreflektiert gleichgesetzt werden: "kritisch denkende Menschen" = "nicht an Paranormales Glaubende" = "ingroup". Die Mitglieder der eigenen Gruppe ("Skeptiker") werden dadurch nicht nur klammheimlich per definitionem zu kritisch denkenden Menschen ("Skeptikern") erklärt, sondern auch deren inhaltliche Position ("Skeptiker" als "unbeliever") festgelegt. Wird von außen Kritik an "Skeptikern" (ingroup) geübt, lautet (48) die Erwiderung, dass "Skeptiker" ja "in Wirklichkeit" nichts weiter als "kritisch denkende Menschen" bedeute und insofern die Kritik an den "Skeptikern" (nun wieder "ingroup") ungerechtfertigt sei. Umgekehrt kann jemand (49) rasch zur „outgroup“ („Nicht-Skeptiker“) erklärt werden, indem ihm „Glaube an Paranormales“ (="Nicht-Skeptiker") unterstellt wird, ohne dass eine Prüfung hinsichtlich der verbleibenden "Skeptiker"-Dimension des kritischen Denkens noch vorgenommen zu werden bräuchte.

Sensibilisiert auf die unterschiedlichen Bedeutungen des "Skeptiker"-Begriffs habe ich in der GWUP derart häufig solche durch Kontextwechsel erschlichenen Argumentationsmuster erlebt, dass ich für die Zukunft plane, durch eine umfassende Analyse von Texten führender Repräsentanten von "Skeptiker"-Organisationen detailliert aufzuzeigen, wie jene Personen je nach Kontext den "Skeptiker"-Begriff in unterschiedlicher Weise verwenden und wie sich dies auf ihre Schlussfolgerungen auswirkt. Ich habe übrigens keinen Zweifel daran, dass dies unreflektiert geschieht.

Einen wie auch immer gearteten apriorischen Grund für die Annahme, dass "Skeptiker" im ersten Sinne auch automatisch "Skeptiker" im zweiten Sinne seien (oder umgekehrt) oder gar zwangsläufig mit "Skeptikern" im dritten Sinne identisch sind, sehe ich nicht, vielmehr zahlreiche Belege dafür, dass dies nicht der Fall ist.

Die Abgrenzung des Gegenstandsbereichs, zu dem die GWUP aktiv sein sollte, ist ein Thema für sich. Syndrom-Skeptiker tendieren dazu, (50) die Grenzen sehr weit und auch auf Religions- und Weltanschauungsfragen auszudehnen. Dies ist nur konsequent, wenn man das Agieren gegen Parawissenschaften als Weltanschauungskampf begreift, wie dies jene "Skeptiker" oft tun. Dann braucht auch keine Rücksicht mehr darauf genommen zu werden, welche Fragen einem empirisch-wissenschaftlichen Zugriff eigentlich noch zugänglich sind und welche nicht. In Extremfällen kann sich dieser Kampf sogar pauschal auf "alles Schlechte in der Welt" beziehen.

Während manche selbsterklärte "Skeptiker" offen fordern, dass auch in Religions- und Weltanschauungsfragen die GWUP klar und kämpferisch Position beziehen sollte, erkennen andere, dass dies zumindest taktisch unklug wäre, da es die Glaubwürdigkeit der Organisation beeinträchtigen und vermutlich gruppeninterne Spannungen hervorrufen würde (denn die GWUP ist in weltanschaulicher Hinsicht nicht völlig homogen, wenn auch atheistisch-naturalistisch-szientistische Positionen klar dominieren). Folglich wird (51) aus taktischen (!) Gründen die Behandlung von Religions- und Weltanschauungsfragen vermieden und hier eine "Arbeitsteilung" mit anderen Organisationen (in der Regel organisierten Atheisten) angestrebt oder empfohlen. Der Geschäftsführer der GWUP vertritt z.B. eine solche Haltung, nicht anders auch der CSICOP-Vorsitzende Paul Kurtz.

(52) Die Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit, dass sich doch noch eines der als "paranormal" abgelehnten Phänomene irgendwann als existent erweisen könnte, wird - falls diese Frage überhaupt ernsthaft gestellt wird - als gegen Null gehend, vernachlässigbar gering bzw. als rein hypothetisch jenseits aller ernsthaften Erwägungen angesehen. Da vielen Mitgliedern der GWUP aus diversen öffentlichen Kontroversen klar geworden ist, dass man bei einem allzu deutlichen Zeigen jener subjektiven quasi absoluten Sicherheiten in einem dogmatischen Licht erscheinen würde, haben sich derartige "Skeptiker" vielfach angewöhnt, im Sinne einer Rhetorik zwar stets ihre "grundsätzliche Offenheit" zu betonen, dem aber kaum ernsthafte Erwägungen folgen zu lassen. Ein typisches Beispiel ist etwa eine in GWUP-Aktuell 1/98 abgedruckte Antwort des GWUP-Geschäftsführers Amardeo Sarma zur Frage, ob er es für möglich halte, dass sich bisher als "paranormal" eingestufte Thesen einmal als wahr erweisen könnten: "Ich wäre bei entsprechender Lage der Dinge bereit, einen solchen grundlegenden Paradigmenwechsel ... mitzumachen. Dass diese Lage aber eintritt würde mich mehr überraschen, als zu erfahren, dass Karl Marx nie gelebt hat und eine Erfindung von Thomas Gottschalk ist." Der letzte Satz unterstreicht einerseits die absolute Sicherheit von Sarma, andererseits erfüllt er die Funktion, (53) entsprechende Thesen ins Lächerliche zu ziehen.

Je sicherer wir uns in unserem Urteil sind, umso schwerer fällt es uns natürlich, neue Daten fair zu beurteilen. Und genau dies ist das Problem jener "Skeptiker". Hinzu kommt ihre schon angesprochene weitgehende Unkenntnis relevanter Literatur, weshalb sie bei entsprechender "Lage der Dinge" sicher unter den Letzten wären, die einen solchen "Paradigmenwechsel" erkennen und vollziehen würden, mit Sicherheit erst deutlich nach der allgemeinen scientific community selbst. Dies ist aber eine fragwürdige Situation für eine Gesellschaft zur "wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften", von der man eigentlich erwarten sollte, dass ihr Herz ganz dicht am jeweils aktuellen Forschungs- und Erkenntnishorizont schlägt und sie auch in der Vermittlung dessen sowohl gegenüber der scientific community als auch gegenüber der Öffentlichkeit eine Vorreiterrolle einnimmt. Dass dem aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht so ist, hat mir gegenüber eines der GWUP-Vorstandsmitglieder in einem persönlichen Gespräch auch ganz offen zugegeben - und mit dem Argument verteidigt, dass es ja gar nicht die Aufgabe der GWUP sei, über den aktuellen Forschungsstand zu informieren, sondern nur über die Bedingungen, unter denen man einen solchen „Paradigmenwechsel“ ggf. akzeptieren könne. Inwieweit Personen zu solchen Meta-Urteilen besonders qualifiziert sind, die kaum Verbindung zum jeweiligen Forschungsprozess und dessen spezifischen Problemen haben, sei dahingestellt.

Die Frage, inwiefern typische "Skeptiker-Organisationen" in der Lage wären, ihrem "unbelief"-System widersprechende Erkenntnisse zu rezipieren, lässt - abgesehen vom mangelnden oder bestenfalls sehr selektiven Fluss relevanter Informationen in jenen Organisationen sowie der weitgehend fehlenden kontroversen Diskussionskultur auf wissenschaftlichem Niveau - auch noch in anderer Hinsicht Zweifel aufkeimen: Denn für eine ganze Reihe von jenen "Skeptikern" heiligt (54) bis zu einem gewissen Grad der Zweck die Mittel im Sinne ihres "Kampfes gegen das Paranormale". Mir haben wiederholt verschiedene Mitglieder der GWUP versichert, dass sie auch unsachliche Argumente (Anspielen auf Emotionen, Zynismus u.a.) für legitim halten, um gegen das "Paranormale" anzutreten. Dies kann bis zum bewussten Verschweigen eventuell "störender" Informationen gehen.

Anlässlich einer von der GWUP geplanten Tagung, zu der auf Anregung von Rudolf Henke und mir auch "Pro"-Vertreter (so ein in der GWUP üblicher terminus technicus, der übrigens schon impliziert, dass die GWUP immer "contra" ist) als Referenten eingeladen werden sollten, um einen sachlichen und konstruktiven Dialog zu führen, meinte mir gegenüber beispielsweise der Geschäftsführer der GWUP, Amardeo Sarma, man solle einen bestimmten Referenten lieber nicht einladen, da die von ihm präsentierte Studie (die Sarma zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt war!) möglicherweise so gut und so fehlerfrei erscheinen könnte, dass den "Skeptikern" der GWUP keine Argumente mehr dagegen einfallen könnten.

Genauso forderte Sarma, dass Pro-Contra-Dialoge im Skeptiker (die von mir eingeführt worden waren und von ihm und anderen GWUP-Mitgliedern mit großem Misstrauen gesehen wurden, da sie "das skeptische Profil gefährden" würden) von vornherein so angelegt sein müssten, dass die "skeptische Seite" am längeren Hebel sitze, das Schlusswort habe und als Gewinner dastehe. So teilte mir Sarma in einer E-Mail mit: "Kontroverse Diskussionen sind dann und nur dann zulässig, wenn es im Interesse des skeptischen Lesers ist oder der Überzeugung von noch-nicht-skeptischen Lesern dient. In jedem Fall ist sicherzustellen, dass ... ein Fazit immer aus skeptischer Sicht gezogen werden muss. Es soll verhindert werden, auch in jedem Einzelfall, dass Zweifel über die Position des Skeptikers auftritt". In welchem Sinne "skeptisch" hier gemeint ist, braucht nicht weiter betont zu werden und geht auch durch den Kontext der genannten Intention „Überzeugen“ (natürlich bezüglich inhaltlicher Positionen) klar hervor.

Für Sarma ist die Zielgruppe für die Zeitschrift Skeptiker ausschließlich „die skeptisch eingestellte Person im Sinne der GWUP bzw. Personen, bei denen wir glauben, dass wir sie entsprechend überzeugen können". Definitiv nicht zur Zielgruppe gehörten laut Sarma Personen, "bei denen eher nicht davon auszugehen ist, dass sie ins 'skeptische Lager' wechseln werden". Solchen Personen seien „keine Zugeständnisse“ zu machen, "das heißt konkret, dass wir Aussagen von z.B. Parapsychologen nicht unwidersprochen lassen" dürfen. Die Leser dürften nämlich nicht "über die Zielrichtung der Zeitschrift verwirrt werden", stets und in jedem Einzelfall sei zu beachten, "dass der Leser nicht in Unklarheit darüber gelassen wird, was die Position im Sinne der GWUP ist" usw.

Man dürfe zudem nicht dem „Mythos vom mündigen Leser“ aufsitzen, so ein anderes Vorstandsmitglied. Die Redaktion habe also stets dafür zu sorgen, dass nur die "richtigen" Meinungen und Informationen "im Sinne der GWUP" in der Zeitschrift erscheinen bzw. falls überhaupt abweichende Meinungen auftauchten, dann nur und in vorgegebener Weise kommentiert.

Man könnte sich fragen, ob sich hinter einer solchen Auffassung nicht eine gehörige Portion von Misstrauen gegenüber dem "selbstreinigenden" Prozess der Wissenschaft als solchem sowie eine bemerkenswerte Geringschätzung der eigenen Leserschaft hinsichtlich deren kritischer Denkfähigkeit verbirgt.

Eine solche Haltung könnte man (55) als Cui-bono-Denken bezeichnen, welches einen weiteren typischen Bestandteil des Skeptiker-Syndroms darstellt: Entscheidungskriterium für das eigene Handeln ist letztlich immer die Frage "Wem nützt es?". Nicht akzeptiert wird die aus einer wissenschaftlichen Perspektive angebrachte Norm, dass z.B. auf Tagungen oder in Publikationen schlicht derjenige zu Wort kommt, der etwas Relevantes zu sagen hat und seine Position in einem kritischen Diskurs mit sachlich-fundierten Argumenten verteidigen kann - und nicht der, der die "richtige" Meinung hat, zu den "richtigen" Ergebnissen kommt oder der "richtigen" Gruppe angehört.

In öffentlichen Verlautbarungen präsentieren sich jene "Skeptiker" freilich ganz anders. So führt z.B. Sarma in einem Artikel im "Skeptiker" 4/96 aus: "Die Zuhörer sind in der Lage, sich selbst eine Meinung zu bilden; deshalb sollte man die Fakten für sich sprechen lassen ... Das Ziel der GWUP ist es nicht, recht zu haben oder zu bekommen, sondern gemeinsam möglichst nahe an die Wahrheit heranzukommen." Die Diskrepanz zu den oben angeführten intern vertretenen Positionen von Sarma ist offensichtlich. Cui bono-Denken ist zwar ein zentrales Merkmal des Syndroms, jedoch eines, das aus guten Gründen nur in der internen Kommunikation mit vermuteten "Gleichgesinnten" offen zutage tritt.

Sarma hatte mit solchen und ähnlichen mir gegenüber intern erhobenen Forderungen aber zumindest aus einer funktionalen Perspektive sicher nicht unrecht, denn würde anderes gelten, stünde nach meiner Einschätzung die GWUP in der Tat vor einer existenzgefährdenden Zerreißprobe, weil der Großteil der Mitglieder dann "Profil" und "Identität" der GWUP grundlegend gefährdet sähen. In letzter Konsequenz würden die "Skeptiker"-Organisationen zerfallen, denn sie leben von dieser "kommunikativen Schließung", ohne die ihre Ideologeme genauso zerbröseln würden wie ihre soziale Basis. Und für Personen, die die Prioritäten anders setzen und im Zweifelsfall wissenschaftliche Seriosität den Selbstbestätigungs-, Selbsterhaltungs- und ideologischen Positionierungsbedürfnissen der Gruppen vorziehen, gilt (so Sarma im September 2002 in Prag auf einem internationalen Koordinationstreffen von "Skeptiker"-Funktionären): "It is fine to have such persons outside a skeptical organization and they sometimes correctly point out flawed reasoning amongst skeptics. It is within a skeptical group that they pose a real danger, because this position undermines the identification of skeptics with their skeptical group."

Dem kann ich nur zustimmen.


- Weitere Ausführungen und Artikel zum Thema finden Sie unter www.skeptizismus.de

Über den Autor
Der Sozialwissenschaftler und Poitiker Edgar Wunder (geb. 1969) studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Geographie und Geologie und schloss mit einer Magisterarbeit zu einem familien- und religionssoziologischen Thema ab. 2004 promovierte er mit dem Buch "Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft", einer Studie zu Säkularisierungsprozessen und religiösem Wandel in der Moderne. Er war bis 2010 wissenschaftlicher Angestellter in der Abteilung für Wirtschafts- und Sozialgeographie und ist seitdem Lehrbeauftragter am Geographischen Institut der Universität Heidelberg und führt vorwiegend Seminare und Exkursionen durch.

Seine Arbeiten als Sozialwissenschaftler konzentrieren sich auf Konflikte zwischen orthodoxen und heterodoxen Systemen des Wissens in Wissenschaft und Religion (vgl. Buch "Clashes of Knowledge"). Als sozialwissenschaftliche Studien zu nicht oder schwach institutionalisierten Sozialformen von Religion hat er unter anderem Bücher zum Astrologie- und zum UFO-Glauben veröffentlicht. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Religionsgeographie der Deutschen Gesellschaft für Geographie, war Mitbegründer der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, aus der er 1999 austrat, s.o.) und ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Anomalistik. Er gilt als bekannter Kritiker der deutschsprachigen "Skeptiker"-Bewegung.

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Hinweis unsere Redaktion (grenzwissenschaft-aktuell.de)
Im Rahmen unserer Veröffentlichung dieses Artikel von Edgar Wunder hatten wir auch den Geschäftsführer der GWUP, Amardeo Sarma, bzw. die GWUP um die Erlaubnis gebeten, ihre damals veröffentlichte und immer noch online-abrufbare Reaktion "GWUP-Kritik am Beispiel von "skeptizisimus.de" an dieser Stelle und ebenfalls unkommentiert voller Länger veröffentlichen zu dürfen. Diese Bitte hat die GWUP ausdrücklich abgelehnt. Diese Antwort finden Sie HIER


- Ein Interview mit Amardeo Sarma und MArtin Mahner zur Thematik ist finden Sie HIER

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
"Nichts drin, nichts dran": Rückschau auf die Anti-Homöopathie-Kampagne "10:23" 7. Februar 2011

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: skeptizismus.de

Donnerstag, 26. Mai 2011

Die Hopi, White Bear und die Kontinuität von Überlieferungen

Ein Artikel von André Kramer

1. Einleitung
Bei den Hopi handelt es sich um eine den Pueblo zugeordnete Indianergruppe die in Arizona lebt und aufgrund ihrer Überlieferungen eine große Aufmerksamkeit in der Paläo-SETI erhielt. Über die Hopi wurde in den letzten Jahrzehnten viel publiziert, allen voran das “Buch der Hopi” von Frank Waters. Das wir relativ viel über die Überlieferung der Hopi zu wissen glauben, liegt sicherlich auch an dem Engagement des Häuptlingsneffen "White Bear", der hier eine Menge Öffentlichkeitsarbeit geleistet hat und viel zu berichten wusste. Das Beispiel der Hopi-Überlieferungen lässt hierbei Fragen aufkommen, vor allem bzgl. der Kontinuität mündlicher Überlieferungstraditionen und darüber, ob eine solche überhaupt "unverfälscht" die Generationen überstehen kann oder doch Fremdeinflüssen, Verfälschungen und Interpretationen unterlegen ist. Dieser Fragestellung soll sich hier im Kontext der Paläo-SETI-Diskussion und den Aussagen von White Bear angenähert werden.

2. Die Hopi
Die Bezeichnung Pueblo-Indianer leitet sich aus der spanischen Bezeichnung für Dorf ab. Diese Begrifflichkeit wurde von den Spaniern aufgrund der charakteristischen Siedlungen der Indianer des Südwestens gewählt. Die Pueblos entstammen der Anasazi-Kultur, die bekannt für ihre um 1300 n. Chr. in den Fels angelegten Siedlungen bekannt sind. Die Hopi, dessen Sprache aus dem uto-aztekischen stammt, ordnet man hierbei den westliche Pueblo zu, ebenso wie die im selben Raum lebenden Navacho und Zuni. [1] Die Hopi zeichnete schon immer aus, trotz der trockenen und kargen Landschaft Arizonas in der sie leben, erfolgreich Ackerbau zu betreiben. Durch geschickte Selektion sind hierbei auch unterschiedliche Maisarten gelungen, die sie anbauen. Sie verfügen über einen weitreichenden religiösen Riten- und Mythenschatz, der aber seit dem späten 19. Jahrhundert zunehmend gefährdet ist. Firmen die in den Lebensräumen der Hopi Rohstoffe fördern wollten und die christliche Missionierung (vor allem durch die Mormonen) führten zur Spaltung der Hopi in zwei Lager. Die einen, die Fortschrittlichen, lassen Einflüsse von außen durchaus zu und beteiligen sich auch an dem von der Regierung der USA in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichteten Stammesrat, der durch Vertreter der verschiedenen Dörfer gestellt wird.

Archiv: Ruine eines Hopi-Pueblo in Arizona | Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

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Die Traditionalisten hingegen wehren sich gegen derlei Einwirkungen von außen und berufen sich darauf, die ursprünglichen Stammestraditionen fortsetzen zu wollen (was indes unmöglich ist, denn das Priesteramt darf bei den Hopi nur durch hierzu legitimierte Personen weitergegeben werden. [2] Sich also selbst zu einem religiösen Vertreter zu ernennen, ist schon ein Bruch mit der Tradition). In der Zeitung des Hopi-Stammessrats wird unterdessen noch eine weitere Gruppe genannt, nämlich die in den Dörfern tatsächlich amtierenden Priester. Diese gehören können aus jeweils einem der beiden Lager stammen und werden folglich fraktionsübergreifend als die tatsächlichen Wahrer der Hopi-Kultur bezeichnet. [3]

3. Die Überlieferung der Hopi aus dem "Buch der Hopi"
Das wohl umfangreichste Werk, das die Mythenwelt der Hopi behandelt, dürfte Frank Waters "Buch der Hopi" sein. Waters lebte 3 Jahre im Hopi-Reservat und sammelte die Aussagen und Überlieferungen von etwa 30 Stammesangehörigen unterschiedlicher Clans.

Die Geschichte der Hopi begann der eigenen Überlieferung nach auf der ersten Welt – Topkela – in der nur der leere Raum und der Schöpfer Taiowa existierten. Dieser schuf Sotuknang. Dieser wiederum schuf im Auftrag Taiowas 9 Welten, 2 für die beiden Schöpfer und 7 Welten des Lebens. [4]

Doch da die auf der ersten Welt geschaffenen Menschen mit der Zeit vergaßen, ihren Schöpfer zu ehren und anfingen zwischen sich und den Tieren zu unterscheiden, entschied Sotuknang die Welt zu zerstören und schickte vorher eine Reihe von auserwählten, tugendhaften Menschen auf eine Wanderung. Hierbei wurden diese Tagsüber von einer Wolke und des Nachts von einem Stern geführt, bis sie zu einem großen Ameisenhügel gelangten. [5] In diesem sollten sich die Menschen verstecken und unterdessen wurde die Welt durch Feuer aus Vulkanen und aus dem Himmel zerstört.

Doch auch die Menschen der neu gestalteten zweiten Welt, Topka, wurden mit der Zeit gierig und bekriegten sich untereinander. Einmal mehr versteckten sich die Auserwählten unter der Erde, während diese anfing zu taumeln, Katastrophen über das Land hereinbrachen und die Welt schlussendlich einfror. [6]

Was folgte, war Kuskurza, die dritte Welt, auf der die Menschen sich weit ausbreiteten und große Kulturen schufen. Den göttlichen Plan vergaßen sie dabei aber und die Menschen wurden aufs Neue gewalttätig, bauten gar einen fliegenden Schild aus Fell, von welchem aus sie andere Menschen angriffen. [7] Also wurde auch diese Welt wieder zerstört. Die Auserwählten wurden dabei in die Stängel von Pflanzen gesteckt, während Wasser alles um sie herum zerstörte. Dies führte zur Schaffung der gegenwärtigen, vierten Welt, die Tuwaqachi genannt wird. Diese ist nicht so schön, wie die Welten zuvor und dieses Mal sollten die Menschen Hilfe durch gutartige Geister – Kachinas, bekommen.

Dabei bekamen die einzelnen Clans die Aufgabe, eine große Wanderung durchzuführen, bevor sie, ihre ihnen zugeteilte Heimat findend, sich niederlassen sollten. Hierzu wurden jedem Clan Holztafeln und Weisungen überreicht. Die weiteren Überlieferungen berichten von den Wanderungen der einzelnen Clans, wie einige von ihnen scheiterten, Konflikte die auftraten und so weiter, bin in die Zeit der Ankunft der Spanier und später der Engländer, sowie der Niederlassung in ihrem heutigen Wohnsitz in Oraibi. Doch ist dies noch nicht die letzte Welt gewesen und die Hopi erwarten, noch auf drei weiteren Welten zu leben.

4. Die Überlieferung der Hopi in der Paläo-SETI
In der Paläo-SETI-Forschung werden die Überlieferungen der Hopi als mögliches Indiz für These angesehen, Außerirdische hätten als Lehrmeister für die Menschen gedient. So werden hier die Kachinas als diese hypothetischen Außerirdischen gedeutet, die fliegenden Schilde als Raumschiffe und Erich von Däniken sieht in den oben beschriebenen Mythen von verschiedenen Welten einen Hinweis darauf, die Vorfahren der Hopi hätten, bevor sie auf die Erde kamen, verschiedene andere Planeten bewohnt. [8]

Letztere These ist im direkten Vergleich mit den Überlieferungen der Hopi besonders schwer zu vertreten, schließlich sprechen diese nicht davon, sie wären in irgendeiner Form auf verschiedenen Welten gelandet, sondern, dass die Auserwählten vor der Zerstörung der jeweils alten Welt, sich in einem Ameisenhaufen unter der Erde versteckten, während die Oberfläche zerstört und dann umgestaltet wurde. [9]

Die umfangreichste Arbeit über die Hopi im Kontext der Paläo-SETI stammt von Josef Blumrich, der zu diesem Zweck White Bear, der auch an dem "Buch der Hopi" mitwirkte, als Chronisten der Hopi-Überlieferungen heranzog und dessen Ausführungen seinen eigenen voran stellte. Auch hier stoßen wir auf große Diskrepanzen und “Umdeutungen” im Vergleich zu den Daten aus dem "Buch der Hopi".

Es bleibt also die Frage bestehen, wie viel Anteil die Bearbeitung von White Bears Aussagen durch Blumrich hier eine Rolle spielt. Schließlich, so Blumrich, sei es seine Aufgabe gewesen, den Inhalt in eine gut lesbare Form zu bringen und auch Beispiele zu besseren Verständnis zu bringen. [10]

Denn erstaunlich erscheint es schon, mit welch einer Selbstverständlichkeit hier interpretierende Begriffe in die Mythenbeschreibungen einfließen. Die Zerstörung von Welt 3 [11] durch Wassermassen führt hier wie selbstverständlich zu einer Gleichsetzung der dritten Welt mit Atlantis. [12] Ebenso, wie die Aussage, man hätte schon lange vor deren modernen Erfindung, Düsenflugzeuge gekannt [13] und, dass es sich bei den Kachinas um Wesen von fremden Planeten handeln würde. Diese Planeten würden laut White Bear in Hopi als Toonaotakha bezeichnet werden, was sinngemäß heißen würde, dass sie auf geistiger Ebene eng zusammen gehören. Dem folgt dann eine zusammenfassende Übersetzung und White Bear gibt an, den Begriff deshalb mit "Bund der zwölf Planeten" übersetzen zu können. [14]

4.1 Zur Deutung der Kachinas
Die Deutung der Kachinas nimmt in der Paläo-SETI einen entsprechend breiten Raum ein. In diesem Zusammenhang ist also die Frage zu stellen, was denn unter diesen eigentlich zu verstehen ist? "Himmlische Lehrmeister" [15] oder doch Toten- und Naturgeister? [16] Däniken scheibt an anderer Stelle, sich auf White Bear stützend: "Die Katchinas waren körperliche Wesen von einem fernen Planeten…" [17]

Die Beschreibungen der Kachinas bei Waters, sprechen im Grunde gegen Dänikens Aussage, wenn auch gewisse Ambivalenzen bleiben. So erfahren wir zum Beispiel: "Ein Kachina ist ein Geist irgendeiner Art – ein Stern, Berg, Planet, Tier oder eine unsichtbare Kraft. So wird auch der Mann, der den Geist während der Zeremonien verkörpert, der dessen heilige Maske und seine Tracht trägt, von der Macht dieses Geistes erfüllt." [18]

Folgen wir Waters Ausführungen an anderen Stellen weiter, so zeigt sich, dass die Kachina sehr differenzierte Rollen einnehmen, die womöglich sowohl über die Vorstellungen von Naturgeistern, als auch über körperliche Wesen hinausgehen.

Ausgesandt wurden sie den Mythen nach, um den Menschen auf der vierten Welt zur Seite zu stehen. Dies konnten sie auch, indem sie die Gestalt von normalen Menschen annahmen und so den Kachina-Clan bildeten. [19]
Als es zu einem Krieg mit anderen Clans kommt, ergreift eine Kachina-Frau – ganz hochtechnologiefern – dann auch Pfeil und Bogen um die Stadt zu verteidigen. [20]

Die Kachinas verhelfen darauf hin den anderen Clans zur Flucht und merken an:
"für uns ist die Zeit noch nicht gekommen, zu unseren weit entfernten Planeten und Sternen zurückzukehren." [21]

Das scheint auf dem ersten Blick die Annahme der Paläo-SETI zu stützen, hier konkrete Raumfahrer zu bestätigen, doch schon kurz darauf widerspricht eine wörtliche Wiedergabe der Kritik von Reinhard Prahl, der die Definition der Kachinas als Geistwesen als reine Interpretation von Seiten der Anthropologen allgemein und Waters speziell ansieht und dass diese Definition nicht die Worte der Hopi seien. [22]

Dann heißt es nämlich:
"Und nun etwas anderes. Wir sind Geistwesen und werden niemals mehr von eurem Volk gesehen werden. Aber ihr sollt euch an uns erinnern, und zwar dadurch, daß ihr unsere Masken und Trachten zur rituell gebotenen Zeit anlegt." [23]

Der Charakter der Kachinas als Naturgeister die den Menschen wohltuend zur Seite stehen wird auch später noch deutlich, etwa wenn es heißt, dass sie jedes Jahr Segen von ihren Sternen, Welten und Planeten brachten und in Folge Das Gras knie hoch wuchs und es Wild im Überfluss gab. [24]


In der Gesamtschau löst sich auch die Ambivalenz zwischen Geistwesen und körperlich manifesten Wesen etwas auf. In der Überlieferung der Hopi werden die körperlich auftretenden Kachinas – die hierzu in die Körper anderer Wesen geschlüpft sind, in die “mythische Zeit” verbannt. In eine nicht genau bestimmte Zeit, verschwinden als tatsächliche Manifestationen aus der vierten, der jetzigen Welt und wirken, animiert durch die korrekt ausgeführten Rituale und Tänze und spenden Segen zum Beispiel durch gute Ernten und Wild.

Eine tatsächliche Legitimation für die These dass es sich diesen Wesen um außerirdische Raumfahrer handelt vermag man bei Betrachtung der Mythen der Hopi nicht erkennbar, auch nicht bzgl. der angeblichen Raumfahreraspekte die angeblich die zum Beispiel in Form von Puppen dargestellten Kachinas aufweisen sollen. [25]

Moderne Kachinapuppe | Quelle: Sammlung: André Kramer

Vielmehr als angebliche Raumfahrerhelme und ähnliches, weisen diese Darstellungen Aspekte der Funktion des jeweiligen Kachinas bzgl. der Lebenswelt der Indianer auf. Obige, moderne Figur weist zum Beispiel offensichtlich ein Tiergebiss auf. Andere Darstellungen korrelieren deutlicher mit der Natur des jeweiligen Kachinas, etwa der Bienenkachina Momo. In entsprechenden Kostümen gekleidet werden bei rituellen Tänzen sogar die Summgeräusche dieses Kachina nachgeahmt. [26]

Ausschnitt aus einem Doppelbildnis des Bienenkachina Momo | Copyright:André Kramer nach Burland 1970

Insgesamt liegen über die Anzahl unterschiedlicher Kachinas lediglich Schätzungen durch Zählungen einzelner Forscher vor, die zu dem Schluss kommen, dass es etwa 250 verschiedene Kachinas gibt. Ihre häufige Natur als Naturgeister zeigt sich auch darin, dass sie vornehmlich als Regengeister bei rituellen Tänzen dargestellt werden, was in Anbetracht der Trockenheit der Region in der die Hopi beheimatet sind, unschwer zu verstehen ist.

Ein Punkt der die Deutung der Paläo-SETI, an den äußerlichen Attributen der Kachina-Darstellungen Hinweise auf mögliche technische Merkmale zu erkennen, widerspricht, ist die Tatsache, dass diese Darstellungen sich noch heute im Wandel befinden.

Die möglicherweise älteste Darstellung eines Kachina und des Werdens des Kachina-Kultes, könnte dabei ein so genannter Protokachina sein, den man im Gila-Areal in Arizona fand und der auf das 14. Jahrhundert datiert. [27]

Die Kachina-Mythen- und Tänze stellen augenscheinlich in ihrer Ausprägung eine Entwicklung dar und ändern sich noch heute, angeregt durch die Kunstsammler und Museen, für die noch heute entsprechende Darstellungen durch die Künstler der Hopi angefertigt werden. Doch die Paläo-SETI führt als weiteres Indiz die Beschreibung von fliegenden Schilden, die in diesem Kontext dann als Flugapparate gedeutet werden.

4.2 Die fliegenden Schilde der Hopi
Folgt man den Ausführungen von White Bear in “Kasskara und die sieben Welten”, dann existieren bei den Hopi angeblich die Vorstellungen von fliegenden Apparaturen technologischen Ursprungs.

Laut White Bear benötigten die Kachinas Flugkörper für ihre Reise zur Erde, und er erwähnt zum Beispiel ein Objekt mit der Bezeichnung Páatoówa, was bedeutet, "das Objekt, das über Wasser fliegen kann" und weiter, dass es wegen seiner Form auch als fliegendes Schild bezeichnet wird. [28]

Folgt man den Erwähnungen der fliegenden Schilde bei Waters, dann zeichnet sich abermals ein etwas anderes Bild. In der dritten Welt Kuskurza, die bei Blumrich Kasskara genannt und mit Atlantis gleichgesetzt wird, tauchen diese "Flugobjekte" erstmals auf. Durch den schlechten Einfluss einer bösen Frau bauten die Menschen dort ein solches fliegendes Schild [29] aus Fell und ließen es mithilfe ihrer “Zeugungskraft” fliegen und griffen eine Stadt an. Was in Folge dazu führte, dass auch andere Menschen diese Schilde bauten und es so zu Kriegen und Gewalt kam. Das führte dann auch zur Zerstörung der dritten Welt durch Wasser. [30] Teilweise heißt es auch, sie wären aus Baumwollstoff angefertigt. [31]


Demnach waren es also keine technologischen Transportmittel für die Kachinas um von fremden Sternen zu uns zu gelangen. Auch an anderen Stellen tauchen diese fliegenden Schilde wieder auf. Laut einer Erzählung in der verschiedene Jünglinge ein schönes Mädchen umwarben, kam es zu einem Wettlauf zwischen den zwei verbliebenen Anwärtern auf ihre Hand. Beide Kontrahenten verwendeten unerlaubt verschiedene Zaubertricks um den anderen zu besiegen. Der junge vom Schwalbenclan verwandelte sich in eine Schwalbe um zu siegen. Der Junge vom Clan der Coyoten wendete daraufhin einen anderen Trick an. Mittels Zauberkraft erschuf er aus einer Baumwollschnur und der Schale eines getrockneten Flaschenkübisses einen taweyah, einen magischen Schild mit dem es ihm möglich war, durch die Luft zu fliegen, indem er in die eine Hälfte der Schale kroch, die andere über sich stülpte und das Fahrzeug lenkte, indem er an der Schnur zog. [32]


5. Unverfälschte Überlieferungen oder nicht?
Es stellen sich nun einige Fragen, die sich aus den unterschiedlichen Ambivalenzen ergeben, die ein Vergleich der Ausführungen bei Waters und bei Blumrich ergeben haben. Wie erklärt die Paläo-SETI die offenkundigen Widersprüche zu einer “technologischen Deutung” der Überlieferungen der Hopi-Indianer und wie verfälscht oder unverfälscht sind derlei Überlieferungen, ob nun nur mündlich oder auch schriftlich überliefert?

Archiv: Hopi-Felszeichnung in Arizona | Copyright: A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

Interessanterweise wird bei der Betrachtung alter Überlieferungen in der Paläo-SETI häufig immer so argumentiert, wie es gerade gebraucht wird. Denn, anstatt tatsächlich methodische Herangehensweisen zu nutzen, wie sie bereits in der Wissenschaft angewendet werden (etwa hermeneutische Verfahren) oder spezifisch eigene zu erarbeiten, wird häufig einfach die Assoziation als Begründung angewendet, einen Text oder eine Darstellung zu deuten. Inneren Widersprüchen, wie den oben aufgezeigten, wird dadurch begegnet, dass die Überlieferungen im Laufe der (häufig unbestimmten) Jahrhunderte oder gar angenommenen Jahrtausende verfälscht wurden und deshalb nur der präastronautisch gedeutete Kern bleibe. [33]

Im Fall der Hopi-Überlieferungen hingegen, wird eine völlig andere Argumentation angewendet. Es wird darauf verwiesen, dass man mit White Bear schließlich einen Eingeweihten aus Reihen der Hopi als Gewährsmann hätte und er die Deutung der Paläo-SETI unterstützen würde.

Dem Klappentext von Blumrichs Buch nach wurde Oswald White Bear Fredericks 1905 in dem Hopi-Reservat Old Orabi in Arizona geboren und studierte später in Kansas vergleichende Religionswissenschaften. Schon hier finden wir entsprechende Einflussfaktoren, die seine Erzählungen geprägt haben können und dies offensichtlich auch taten. Seine Verwendungen von Begriffen wie Atlantis oder Vergleiche mit Raketen etc. sind schließlich keine Wiedergaben, sondern Assoziationen und Interpretationen, die aus dem Fundus internationaler Tradierung stammen.

Während wissenschaftliche Interpretationen immer Regel geleitet sind und transparent ihre Herangehensweise aufzeigen müssen, beruht diese Form der Interpretationen auf reinen Vergleichen. So kommt die Assoziation der dritten Welt mit Atlantis natürlich daher, dass diese Welt durch Wasser zerstört wird, was sicherlich entfernt daran denken lässt, dass auf Platons sagenumwobene Kultur, die er in den Dialogen Kritias und Timaios beschreibt, durch Flutwellen zerstört wurde. Weitere Ähnlichkeiten bestehen unterdessen aber nicht und eine tatsächliche Gleichsetzung zwischen Kuskurza (Kasskara) und Atlantis erscheint ausgeschlossen.

Doch schon die Überlieferungen der Hopi an sich, und das ohne die modernen Deutungen durch White Bear weisen Aspekte auf, die für eine Veränderung des Sagengutes im Laufe der Jahrhunderte sprechen. Ein deutliches Beispiel hierfür erscheint mir zu sein, dass die ausgewählten Menschen auf ihrer Wanderung am Tage von einer Wolke und bei Nacht von einem Stern geleitet wurden. Die Ähnlichkeit zu Wanderung der Israeliten unter Moses und dem Stern von Bethlehem ist offensichtlich.

In den Überlieferungen der Hopi heißt es vor Zerstörung der ersten Welt:
"Auf diese Welse verschwanden überall auf der Welt die auserwählten Menschen aus ihren Häusern und Familien und begannen bei Tag der Wolke und bei Nacht dem Stern zu folgen." [34]

Im zweiten Buch Mose heißt es im Vergleich:
"Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein. Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes und die Feuersäule nicht bei Nacht." [35]

Und im Evangelium des Matthäus heißt es zur Geburt Jesu, Sterndeuter hätten die Geburt des Königs der Juden durch einen aufgehenden Stern erkannt. Und so folgen sie diesem:
"Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen." [36]

Nur zufällige Ähnlichkeiten? Gar ein Hinweis darauf, dass es so etwas wie eine gemeinsame Urüberlieferung gibt? Die Erklärung ist wahrscheinlich viel einfacher. Neue Kultureinflüsse verändern häufig eigene Tradierungen und ergänzen diese durch diese neuen Einflüsse. Dies besonders im Falle mündlicher Überlieferung, wie schon Assmann [37] Beispiele hierfür finden wir zum Beispiel auch in den Cargokulten Melanesiens, wo es im Zuge der Revitalisierungsbewegungen (Rückbesinnung auf die alten kulturellen Werte) auch zu einer Vermischung mit christlichen Motiven kam. Etwa in einem von 1943 bis 1945 bestehenden Kult auf Neuguinea, der in Steinbauers Katalog der Cargokulte die Nummer 120 hat und in dem die Ankunft von Jesus erwartet wurde. [38]

Und bei den Hopi sind diese christlichen Einflüsse tatsächlich vorhanden, schließlich werden sie diesen seit Jahrhunderten immer wieder ausgesetzt und unter den Hopi leben heute viele konvertierte Christen. Auch White Bear ist praktizierender Christ. [39]

Kritik an White Bear als Informant, gar Experte für die Geisteswelt der Hopi wurde in der Wissenschaft immer wieder laut. Es wird darauf hingewiesen, dass dieser als Mitglied der Traditionalisten einer bestimmten Denkrichtung angehört und somit auch keine objektive Darstellung gibt, zumal er kein initiiertes Geheimbund-Mitglied war und von den Hopi auch nicht zu einem wie auch immer gearteten Sprecher für ihre Belange ernannt wurde. [40]
Geertz hat wohl die umfangreichste Kritik an dem Wirken White Bears (und damit auch den Büchern von Waters und Blumrich) angebracht. Demnach ist er lediglich der Neffe eines Hopi-Häuptlings und nicht wie in der Paläo-SETI hier und da behauptet wird, Häuptlingssohn oder gar Häuptling. Bei Waters wird noch richtiggehend von Neffen des (zu dieser Zeit schon verstorbenen) Häuptlings von Oraibi gesprochen, [41] bei Prahl ist er der Sohn eines Häuptlings [42] und bei Fiebag ist von Häuptling die Rede. [43] Außerdem habe er im Reservat nie ein religiöses Amt inne gehabt und sich selbst zum Experten für die Religion der Hopi ernannt, da er sich dazu vom Schicksal berufen fühlt, während die Hopi allgemein sein Wirken sehr kritisch sehen. [44]

Bücher zum Thema:

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Während Blumrichs Buch von ihm und anderen Fachwissenschaftlern inhaltlich und methodisch als "vom fachwissenschaftlichen Standpunkt aus wertlos…dabei voll von ungezügelten Dilletantentum" [45] wimmelnd bezeichnet wird und Geertz anmerkt: "warum ein ehemaliger, mit Stahlkonstruktionen beschäftigter NASA-Angestellter die Kompetenz zur Erforschung eines Eingeborenenvolkes haben soll, ist mir unerfindlich," [46] bezieht sich seine Kritik an dem Buch von Waters vor allem auf die Methodologie, da es bei der Beschreibung der Mythen zum einen auf zum Teil nicht legitime Informanten (White Bear) zurückgeht, es keinen wissenschaftlichen Anhang gibt, also die nötige intersubjektive Überprüfbarkeit fehlt, die Mythen nicht auch in der Sprache der Hopi vorgelegt werden (mögliche Übersetzungsfehler) und allem voran, dass hier der Versuch vorgelegt wird, eine einheitliche Hopi-Religion darzustellen, die in Wahrheit aber gar nicht existiert. [47] Schon deshalb sollten die Aussagen von White Bear nicht so kritiklos hingenommen werden, wie es in der Paläo-SETI gerne getan wird.

Prahl zum Beispiel gibt an:
"Dieser soll zur Zeit der Entstehung von ‘Kasskara und die sieben Welten’ der letzte gewesen sein, der über ein großes Wissen über die Legenden seines Volkes verfügte." [48] Diese Aussage kann schon deshalb nicht stimmen, weil die höheren religiösen Wahrheiten in den Geheimbünden gelehrt werden. Ein Wissen, zu dem White Bear nie Zugang hatte. Ein weiterer Fehler- und Kritikpunkt, der ebenso die Arbeit von Waters betrifft, ist der Versuch ein einheitliches religiöses Bild der Hopi zu zeichnen. Es ist nämlich darauf hinzuweisen, dass das mythologische Gesamtbild bei den Hopi in den unterschiedlichen Clans und Pueblos zuweilen stark differieren kann. So etwas wie "ein" religiöses Weltbild der Hopi existiert also gar nicht. [49] Das wird auch schon bei Waters deutlich, erwähnt er doch in der Einleitung, dass die Aussagen seiner Hopi-Gesprächspartner einander durchaus bzgl. des mythologischen Inhalts widersprachen. [50]

6. Fazit
Es bleibt also festzuhalten, dass der Umgang mit dem Glaubensgut der Hopi-Indianer von Seiten der Paläo-SETI viel zu undifferenziert und selektiv erfolgt ist. Viele wichtige Informationen wurden (aus Unwissensheit?) in der Diskussion unterschlagen und die Auslegung und Argumentation hinsichtlich eines vermuteten außerirdischen Einflusses auf die Hopi erscheint stark geprägt durch den Wunsch, diese These zu beweisen.

Eine eingehende Prüfung zeigt aber, dass ein solcher Zusammenhang als eher unwahrscheinlich und vielfach als das eigentlich Glaubenssystem der Hopi verfälschend darstellend anzusehen ist. Überlieferungen die mündlich tradiert werden, befinden sich immer im Wandel. Neue Kultureinflüsse und Interpretationen von Seiten derjenigen, die die Mythen weitergeben, sorgen dafür, dass es zu einem Fluss des religiösen Gutes kommt.

Das erschwert natürlich die Arbeit der Paläo-SETI sehr. Ein tatsächlich ja möglicher Besuch von Außerirdischen in der Vergangenheit in den Überlieferungen untergegangener und rezenter Kulturen zu suchen bedeutet, eine entsprechend nachvollziehbare und valide Methodologie zu entwickeln, die derlei hypothetisch mögliche Einflüsse heraus kristallisiert muss hierbei erst noch entwickelt werden. Die bisherige Vorgehensweise und zudem in vielen Fällen auch schlampig recherchierte und selektive Recherche die ein Großteil der bisherigen Veröffentlichungen hierzu aufweisen, kann in dieser Form einen solchen Nachweis sicherlich nicht erbringen.

Fußnoten
[1] Vgl. Lindig, Münzel 1978, S. 188 ff.
[2] Vgl. Hopi Stammesrat 1988, S. 129
[3] Ebd.
[4] Vgl. Waters 2000, S. 25f.
[5] Vgl. a. a. O., S. 38 f.
[6] Vgl. a. a. O., S. 41 f.
[7] Vgl. a. a. O., S. 43 f.
[8] Vgl. Däniken 2010, S. 93
[9] Vgl. z.B. Waters 2000, S. 38
[10] Vgl. Blumrich 1979, S. 12
[11] Die dritte Welt wird bei Blumrich Kasskara genannt, bei Waters Kuskurza
[12] Vgl. Blumrich 1979, S. 21 ff.
[13] Ebd.
[14] Vgl. a. a. O., S. 27
[15] Däniken 2010, S. 96
[16] Vgl. Lurker 1989, S. 215
[17] Däniken Bd. 2 1993, S. 10
[18] Waters 2000, S. 101
[19] Vgl. a. a. O., S. 107
[20] Vgl. a. a. O., S. 110
[21] A. a. O., S. 111
[22] Vgl. Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/wp/das-praast...issen-der-hopi/
[23] Waters 2000, S. 111
[24] Vgl. a. a. O., S. 160
[25] Vgl. Fiebag 1997, S. 140
[26] Vgl. Burland 1970, S. 117
[27] Vgl. Hartmann 1988, S. 151
[28] Vgl. Blumrich 1979, S. 29
[29] bei Blumrich Páatoówa u. bei Waters pátuwvota genannt
[30] Vgl. Waters 2000, S. 44
[31] Vgl. Jones, Molyneaux 2002, S. 38
[32] Vgl. a. a. O., S. 143 f.
[33] vgl. zum Beispiel Fiebag 2006, S. 24-25, Gentes 1996, S. 13 f. u. a.
[34] Waters 2000, S. 38
[35] Ex 13, 21
[36] Mt 1, 9
[37] Vgl. Assmann 2000, S. 132
[38] Vgl. Steinbauer 1971, S. 203
[39] Vgl. Geertz 1987, S. 121
[40] Vgl. Gehlen1988, S. 138
[41] Vgl. Waters 2000, S. 15
[42] Vgl. Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/wp/2003/das-p...issen-der-hopi/
[43] Vgl. Fiebag 1995, S. 155
[44] Vgl. Geertz 1987, S. 121 ff.
[45] Kelly 1988, S. 133
[46] Geertz 1987, S. 123
[47] a.a.O., S. 111 ff.
[48] Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/wp/2003/das-p...issen-der-hopi/
[49] Vgl. Kelly 1988, S. 132
[50] Vgl. Waters 2000, S. 17

Literaturverzeichnis
Assmann, Jan: Religion und kulturelles Gedächtnis. 10 Studien. München: C.H. Beck 2000
Blumrich, Josef F.: Kasskara und die sieben Welten. Weißer Bär erzählt den Erdmythos der Hopi-Indianer. Wien, Düsseldorf: Econ 1979
Burland, Cottie: Mythologie der Indianer Nordamerikas. Wiesbaden: Emil Vollmer Verlag 1970
Däniken, Erich von: Auf den Spuren der Allmächtigen. München: Orbis 1993
Däniken, Erich von: Grüße aus der Steinzeit. Wer nicht glauben will, soll sehen! Rottenburg: Kopp 2010
Fiebag, Peter: Der Götterplan. Außerirdische Zeugnisse bei Mya und Hopi. München: Langen Müller 1995
Fiebag, Peter: Die Verwendbarkeit von Mythologie und kulturellem Gedächtnis für die Pläo-SETI-Theorie, untersucht und erläutert am Kachina-Mythos der Hopi-Indianer, Arizona, USA. In: Däniken, Erich von (Hrsg.): Das Erbe der Götter.München: Goldmann 1997
Fiebag, Peter: "Die Minimenschen von Flores", in: Sagenhafte Zeiten 3/2006
Geertz, Armin W.: Hopi-Forschung, literarische Gattungen und Frank Waters´ Das Buch der Hopi. In: Hans-Peter Duerr (Hrsg.): Authentizität und Betrug in der Ethnologie. Frankfurt/M: Suhrkamp 1987
Gehlen, Rolf: Propheten und Narren. Anmerkungen zu den Arbeiten von Armin W. Geertz. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter. Raumfahrt im alten Indien. München, Essen, Ebene Reichenau: Bettendorf 1996
Hartmann, Horst: Kachina-Komplex. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988
Herder: Die Bibel. Einheitsübersetzung.Freiburg, Basel, Wien: Herder 2001
Hopi-Stammesrat: Traditionalismus: politisch, philosophisch. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988
Jones, Davis M.; Molyneaux, Brian L.: Mythologie der neuen Welt. Die Enzyklopädie der Mythen in Nord-, Meso- und Südamerika. Reichelsheim: Edition XXL 2002
Kelly, Richard S.: Spiritueller Imperialismus oder die Vereinnahmung der Hopi. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988
Lindig, Wolfgang; Münzel, Mark: Die Indianer. Kulturen und Geschiche der Indianer Nord-, Mittel- und Südamerikas. München: dtv 1978
Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Zweite, erweiterte Auflage. Stuttgart: Kröner 1989
Prahl, Reinhard: Das präastronautische Wissen der Hopi. Zur Kritik an Josef F. Blumrichs ´Kasskara und die sieben Welten. In Mysteria3000 1/2003 http://www.mysteria3000.de/wp/das-praastronautische-wissen-der-hopi/
Steinbauer, Friedrich: Melanesische Cargo-Kulte. Neureligiöse Heilsbewegungen in der Südsee. München: Delp´sche VerlagsbuchhandlungKG 1971
Stingl, Miloslav: Indianer vor Kolumbus. Stuttgart: Union Verlag 1976
Waters, Frank: Das Buch der Hopi. Mythen, Legenden und Geschichte eines Indianervolkes. München: Knaur 2000


Über den Autor
Andrè Kramer (Geb. 1982) ist gelernter Fahrzeuglackierer, Sortiments-Buchhändler und studierte in Kiel Soziale Arbeit an der Fachhochschule. Inzwischen arbeitet er als Lerntherapeut mit psychisch auffälligen Kindern und Jugendlichen. Er interessiert sich seit 1995 für verschiedene grenzwissenschaftliche Themen, mit Schwerpunkt auf die Paläo-Seti.
André ist Mitglied in der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP e.V.), wo er seit 2010 auch Vorstandsmitglied ist und der AAS, wo er 2004 den JAAS-Forschungspreis bei dem One-Day-Meeting in Fulda gewann. Seit 2005 ist er in das Lexikonprojekt der Online-Zeitschrift Mysteria3000 involviert. 2006 bis 2007 war er freier Redakteur bei der inzwischen eingestellten Zeitschrift Incognitas. André Kramer veröffentlicht zur alternativen Archäologie regelmäßig Artikel in verschiedenen grenzwissenschaftlichen Zeitschriften. Sein Interessenschwerpunkt liegt hierbei bei methodischen- und wissenschaftstheoretischen Fragestellungen, dem Verhaltensmustern nach Zivilisationskontakten und den europäischen Megalithkulturen.
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