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Dienstag, 5. Mai 2015

Götter oder Ahnengeister: Was führt(e) zur Zivilisation?


Symbolbild: Schnitzerei an einem Maori-Hauseingang. | Copyright: Kahuroa / gemeinfrei

Auckland (Neuseeland) - Es ist wie die Frage nach Huhn und Ei: Was war zuerst da: Komplexe soziale Gemeinschaften, der Glaube an moralisierende hochstehende Gottheiten oder der Glaube an strafende, übernatürliche Wesenheiten wie die Geister der Ahnen? Bislang gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass erst der Glaube an moralisierende Götter (Moralizing High Gods, MHG) in sozialen Gruppen Selbstsucht und antisoziales Verhalten unterdrückt und es den Menschen so ermöglicht hatte, jene komplexen Gesellschaftsformen zu entwickeln, die uns bis heute prägen. Eine aktuelle Studie stellt diesen Erklärungsansatz nun jedoch in Frage und zeigt, dass komplexe Gesellschaften selbst zwar dazu tendieren, an moralisierenden Götter zu glauben, dieser Glaube jedoch nicht am Anfang der Entstehung entsprechender Gemeinschaften stand, sondern diese sich erst aus dem Glauben an übernatürliche Geister entwickelten.

Wie die Forscher um Joseph Watts von der University of New Zealand im Fachjournal "Proceedings of the Royald Society B" (DOI: 10.1098/rspb.2014.2556) berichten, stellt gerade der pazifische Inselraum mit seinen auf zahlreiche Inseln verteilten mehr als 400 Kulturen eine ideale Grundlage zur Untersuchung der Entstehung und Verbreitung von Glaubensvorstellungen dar. Nicht nur, dass die meisten dieser Kulturen miteinander verwandt sind, es ist anhand der Sprachen ebenfalls möglich einen kulturellen Stammbaum nachzuzeichnen.


In ihrer Studie haben die Forscher 96 dieser Kulturen analysiert und miteinander verglichen. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die jeweilige Kultur an eine oder mehrere moralisierende Gottheiten oder aber an Geister glaubt, die zwar auch strafend wirken, jedoch kein Interesse daran zeigen, dass ihre Gläubigen zu anderen gegenüber freundlich oder großzügig erscheinen. Zu letzterer Kategorie zählen etwa der Glaube an die Geister der Ahnen, die teilweise heimtückische Handlungen gegenüber den Mitgliedern anderer Familien durchführen. Viele der Untersuchten Gesellschaften, glaubten jedoch an keinerlei Formen strafender Götter oder Geister.


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Das Ergebnis der Analyse belegt, dass komplexe Gesellschaften zwar dazu tendieren, an moralisierenden hohe Gottheiten zu glauben, dass dieser Glaube aber nicht am Anfang der Entwicklung der Gemeinschaften stand. Tatsächlich war es in allen 6 der 96 untersuchten Kulturen, in denen sich solche Glaubensvorstellungen (MHG) entwickelten, diese unabhängig und erst relativ spät entstanden sind.

Im Gegensatz dazu können die Forscher zeigen, dass der Glaube an eine breite Vielzahl übernatürlicher Quellen von Strafen, der Entstehung komplexer Sozialstrukturen voranging.


Zugleich zeigt die Studie aber auch, dass weder strafende Geister noch die moralisierenden Gottheiten auf längere Sicht dazu beitrugen, den entsprechenden Gemeinschaften dabei behilflich waren zu überdauern, da der entsprechende Glaube im Vergleich zu Nichtgläubigen nichts an der Wahrscheinlichkeit des Zerfalls der entsprechenden Kulturen veränderte.


Grundsätzlich scheint also zwar der Glaube an übernatürliche wie moralisierende Gottheiten dabei behilflich zu sein, dass Zivilisationen wachsen und sich entwickeln können, dass hierzu aber schon "kleine Geister" - etwa die verstorbener Ahnen – hierzu genügen und es also keiner "großen Gottheiten" bedarf. Die Autoren der Studie selbst vertreten jedoch eine alternative Erklärung für ihre Ergebnisse:


Die gemeinsame Evolution sowohl von Glaubensvorstellungen weitgefächerter übernatürlicher Strafen (Broad Supernatural Punishment, BSP) und sozial-politischer Komplexität von Gemeinschaften sehen sie darin begründet, dass die allen BSP gemeine Grundlage der Glaube an wirkende Geister der Ahnen ist. Es sei dieser Glaube, der auch zu Ansprüchen auf politische Autorität führe. Als Beispiel nennen die Forscher eine Kultur auf Hawaii, in der die Genealogie dazu verwendet wurde, politische Führungsansprüche geltend und dabei die Ahnen der Stammesanführer zu gottgleichen Personen erhoben wurden, um so den jeweils regierenden Fürsten nicht nur politische Autorität sondern auch übernatürliche Kräfte zu verleihen.


Auf diese Weise könnten lokale Stammesführer ihre Macht auf immer größere Gruppen ausgeweitet und dadurch die ersten Schritte zur Entwicklung einer Zivilisation getan haben.


+ + + GreWi Kommentar

Religion also im Dienste säkularer Macht. Ein Studienergebnis, das nicht wirklich für Überraschungen sorgen dürfte...

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Sonntag, 1. März 2015

GreWi-Dossier: UFO-Insiderin Hillary Clinton


Hillary Clinton im Januar 2013. | Copyright: State Department photo/ Public Domain

Washington (USA) - Während die Republikaner noch nach ihren Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf 2016 suchen, gilt die Kandidatur der ehemaligen First Lady und US-Außenministerin Hillary Clinton schon als sicher und sie selbst als aussichtsreichste Kandidatin. Sollte Clinton ins Amt gewählt werden, würden die USA nicht nur erstmals von einer Präsidentin regiert - sondern auch von einer ausgewiesenen Insiderin zu Themen wie Außerirdische und UFOs und selbst Aktivistin der Bemühungen um die Offenlegung geheimer UFO-Akten der USA. Dieses sich immer mehr abzeichnende Szenario nimmt "Grenzwissenschaft-Aktuell" im Folgenden zum Anlass für ein kurzes GreWi-Dossier mit unseren bisherigen Meldungen rund um das ambitionierte Interesse von Hillary Clinton and Außerirdischen und UFOs.

Neue Außenministerin der USA ist UFO-Insider

5. Februar 2009

US-Außenministerin Clinton diskutierte außerirdisches Leben

20. Januar 2010

Lustige Mine zu ernster Absicht: Ehemaliger US-Präsident Clinton äußert sich in Talk-Show zu UFOs und Außerirdischen

4. April 2014

Ehem. Obama-Berater und White-House-Stabschef unter Clinton will geheime UFO-Akten der USA enthüllen

14. Februar 2015


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Samstag, 28. Februar 2015

Buchneuerscheinung: "Vorsicht Verschwörung! Verschwörungstheorien, UFOs, Atlantis und Paläo-SETI im Lichte rechtsextremer Unterwanderung"


Die aktuelle GEP-Sonderpublikation "Vorsicht Verschwörung" von André Kramer. | Copyright: GEP

Lüdenscheid (Deutschland) - Die aktuelle Sonderpublikation der Gesellschaft für UFO-Forschung (GEP) mit dem Titel "Vorsicht Verschwörung! Verschwörungstheorien, UFOs, Atlantis und Paläo-SETI im Lichte rechtsextremer Unterwanderung" bietet der Autor André Kramer einen aktuelle Darstellung und Widerlegung rechtsextremer Verschwörungstheorien im Bereich grenzwissenschaftlicher Themen wie etwa Paläo-SETI und UFOs.

Zum Band erläutert die GEP folgendes:


Alle Forscher und Organisationen, die sich mit dem Themengebiet der Anomalistik befassen, sehen sich dem Problem einer zunehmenden Verbreitung brauner Esoterik und rechtsextremer Verschwörungstheorien gegenüber. Auch in den Bereichen UFOs und Außerirdische werden immer wieder Spekulationen laut, die sich in diesen Kontext einordnen lassen.


Es liegt daher in der Verantwortung seriöser Anomalistik- und UFO-Forschung, derartigem Gedankengut entgegenzutreten, und zwar nicht mit leichtfertigem Abtun, sondern mit gezielter Aufklärung über Inhalte und Widerlegungen entsprechender Behauptungen.

Bereits vor drei Jahren hat die GEP in einer Stellungnahme ihre Position zu rechter Esoterik mit Verweisen auf inhaltliche Auseinandersetzungen mit der Thematik klargestellt. In einer neuen Sonderpublikationen lassen wir dieser ersten Stellungnahme eine genauere und umfangreichere Veröffentlichung folgen.

Unser Vorstandsmitglied André Kramer hat eine lesenswerte Auseinandersetzung mit zahlreichen Ideen, Autoren und Sachverhalten aus der rechten Esoterik verfasst, die insbesondere mit den Themen Aliens, UFOs und Paläo-SETI / Prä-Astronautik verknüpft sind und klärt darin unter anderem über folgende Fragen auf:


- Steckt hinter UFOs und UFO-Entführungen ein "Zuchtprogramm der Nazis?"

- Waren die Götter aus alten Überlieferungen "arische Astronauten?"
- Ist Atlantis real und die "arische Urheimat?"
- Welche Rolle spielten Geheimbünde und Okkultismus im Dritten Reich?
- Tobt der Zweite Weltkrieg noch immer?
- Hat Hitler den Krieg überlebt?
- Was hat es mit den Reichsflugscheiben auf sich?
- Wer ist Jan van Helsing und welche Thesen hat er veröffentlicht?
- Welche weiteren Autoren rechter Esoterik gibt es und welche Thesen brachten sie hervor?
- Woher kommt der Erfolg derartiger Verschwörungstheorien?

Mit Antworten zu diesen Themen soll das Buch eine Handreichung für jeden an Grenzwissenschaften Interessierten sein, um kritische Untersuchungen zu diesen Inhalten zu kennen, aber auch für jeden in der Anomalistik und insbesondere UFO-Forschung oder Paläo-SETI Aktiven, um irrationalen Spekulationen mit fundierten Argumenten entgegentreten zu können.

"Nur so, indem man auch die grenzwissenschaftliche Szene selbst anspricht, lassen sich Effekte erzielen und es besteht die Chance auf eine gewisse Aufklärung. Solange die Behauptungen aus entsprechenden Kreisen weiterhin als nicht widerlegt und potenziell plausibel dastehen (unabhängig vom Grad des tatsächlich Irrationalen), solange werden sie weiterhin Anhänger finden und ihre Vertreter können diesen Aspekt fortführend für ihre Belange betonen."
André Kramer
André Kramer
Vorsicht Verschwörung!
Verschwörungstheorien, UFOs, Atlantis und Paläo-SETI im Lichte rechtsextremer Unterwanderung
188 Seiten, broschiert, DIN A5, 39 Abb.
ISBN 978-3-923862-43-6, 15,00 €


Das Buch können Sie im GEP-Shop direkt bestellen

GEP / ufo-forschung.de

Freitag, 27. Februar 2015

Forscherin untersucht das "Sterben vor laufender Kamera"

Symbolbild: Kameraobjektiv. | Copyright: grewi.de

Bochum (Deutschland) - Videos von sterbenden Protestteilnehmern aktueller Konflikte tauchen immer häufiger bei YouTube auf. Was lösen sie aus? Wie verändern sie die Medien und unsere Sicht der Dinge? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die RUB-Medienwissenschaftlerin Mareike Meis am Beispiel der Konflikte in Iran und Syrien. Sie stellt fest: Bilder von Sterbenden, auch aus der Perspektive des Sterbenden selbst, sind nicht neu. Aber die Qualität der Bilder hat sich verändert, die Begegnung mit dem Tod ist intensiver, intimer. Was macht das mit dem Betrachter? Wie wirken die Videos auf Betroffene der Konflikte?

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum


Echt oder nicht: Zweitrangige Frage


Teheran, Juni 2009: Verwackelte Bilder zeigen eine junge Frau, die getroffen von einem Schuss zu Boden geht. Der Tod von Neda Agha-Soltan, aufgezeichnet mit einer Handy-Kamera, schlägt sofort hohe Wellen bei YouTube, wird aufgegriffen von den weltweiten Massenmedien, auch von ARD und ZDF. Ob Neda zu den Demonstranten gehörte, ist unklar, ebenso, ob das Video vielleicht inszeniert ist, wie das iranische Regime behauptet. Szenenwechsel: Ein Schusswechsel im syrischen Bürgerkrieg 2011. Ein Handyfilmer filmt seinen eigenen Tod, deutlich ist der Schütze zu erkennen. Für Mareike Meis zwei Ausgangspunkte für ihre Analyse. Für sie ist die Frage nach der Echtheit des Sterbens in diesen Filmen zweitrangig. Sie fragt, was solche Videos diskurstheoretisch und medienästhetisch auslösen.


Perspektive des Sterbenden ist nicht neu


"Zwischen den beiden Filmen und überhaupt zwischen weiteren Filmen aus den beiden Konflikten gibt es einen großen Unterschied", sagt sie. "Die Perspektive wechselt von der des Beobachters zu der des Filmenden." Im syrischen Konflikt nimmt der Betrachter häufig die Perspektive des Filmenden ein und im speziellen Fall des Handy-Todesvideos sogar die des Sterbenden selbst. „Diese Darstellung des Sterbens im Video erscheint zunächst neu, als etwas, das bislang so nicht sichtbar war“, sagt die Forscherin. Wenn man genauer hinsieht, stellt man aber fest, dass die Motive durchaus bekannt sind. "Man denke nur an die Bilder des sterbenden Benno Ohnesorg bei den Studentenprotesten der 1960er-Jahre", erklärt Meis. Auch die Kameraperspektive des Sterbenden ist nicht neu. Während des Militärputsches in Chile 1973 filmte Leonardo Henrichsen seinen eigenen Tod durch einen Pistolenschützen der Armee.


Neu ist die Intimität der Begegnung mit dem Tod


Neu ist tatsächlich die Qualität der Bilder des Handys: Die Begegnung mit dem Tod ist intensiver und intimer als zur Zeit der Massenmedien. Etwas, das auch dazu führt, dass die Betrachtung der Videos mit Angstlust, Voyeurismus, Obszönität, Pornografie zu tun hat. Eine weitere Frage, die Mareike Meis im Rahmen ihrer Arbeit noch beantworten will, ist die nach den Auswirkungen solcher Videos auf Betroffene der Konflikte. Dazu plant sie Gespräche mit Künstlern, die mit den Videos arbeiten und teils Helfer in den Krisengebieten haben, die vor Ort filmen. Über diese Akteure hofft sie auch in Kontakt zu weiteren Konfliktbetroffenen treten zu können, die zurzeit in Deutschland im Asyl sind.


- Ein ausführlicher Beitrag findet sich im Onlinemagazin RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der RUB


rub.de

Montag, 5. Januar 2015

Grenzwissenschaft-Aktuell gewinnt Wahl zum "Blog-Teufelchen Wissenschaftskritik 2014"


Das Signet des "Blog-Teufelchens 2014". | Copyright: wissenschaftkommuniziert.wordpress.com

München (Deutschland) - Zum nunmehr vierten Mal hat der Blog "Wissenschaft kommuniziert" des Wissenschaftsjournalisten Reiner Korbmann die Auszeichnung für den "Wissenschafts-Blog des Jahres" vergeben - in diesem Jahr erstmals auch in der Sonderkategorie "Wissenschaftskritik", in der Blogs nominiert wurden, die nicht unbedingt dem wissenschaftlichen Mainstream zuzuordnen sind. Wir freuen uns sehr heute berichten zu können, dass "Grenzwissenschaft-Aktuell" (GreWi) diese Publikumswahl zum "populärsten Blog der Wissenschaftskritik" gewonnen hat. Allen, die für uns gestimmt haben an dieser Stelle ein großes Dankeschön!

Während "GreWi" (ohne das Wissen der Redaktion...) im vergangenen Jahr noch gemeinsam mit anderen Wissenschafts-Blogs in einer Kategorie ins Rennen ging, führte scharfe Kritik von Teilen eben jener anderen Blogs an der Aufnahme von Blogs wie dem unsrigen (Einige ehemalige Preisträger hatten aus diesem Grund sogar ihre Auszeichnung zurückgegeben) zur Einführung der neuen Kategorie.


Wissenschaftsjournalist Reiner Korbmann. | Copyright/Quelle: R.Korbmann, wissenschaftkommuniziert.wordpress.com

"Nach der letzten Wahl gab es heftige Diskussionen: Was ist ein Wissenschafts-Blog?", berichtet Reiner Korbmann. "Ich habe meine Position klar gemacht. Leitmotiv ist für mich die Definition von Wissenschaft des australischen Kollegen John Harland: 'Science describes a mode of looking, not a direction' (Wissenschaft ist nicht die Richtung, in die wir schauen, sondern die Art und Weise wie wir die Dinge betrachten).


"Nun geht es aber in diesem Blog um Wissenschaftskommunikation. Und die Wissenschaftskommunikation hat sich auch um Dinge zu kümmern, die sich Wissenschaft nennen, mit Wissenschaft beschäftigen, damit sich auseinandersetzen oder träumen – selbst wenn dies nicht in diese Definition passt. Ich nenne dies 'Wissenschaftskritik'. Daher gibt es dieses Jahr parallel eine zweite Wahl: die populärsten, besten, interessantesten Blogs der 'Wissenschaftskritik', also Blogs, die als Thema die kritische Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftssystem gewählt haben, die sich nicht um Schulwissenschaft drehen, die sich ideologisch oder sachlich mit dem auseinandersetzen, was wir normalerweise als Wissenschaft bezeichnen, oder aber, die sich aus Sicht der Wissenschaft wiederum mit dieser Kritik befassen."


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GreWi-Herausgeber Andreas Müller. | Copyright/Quelle: A.Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de

"Obwohl ich natürlich auch einen direkten Vergleich mit Blogs des wissenschaftlichen Mainstreams sehr spannend gefunden hätte, freue und ehr mich natürlich auch - und gerade - über die Auszeichnung mit dem 'Kritik-Teufelchen' im Sinne der Definition von Herrn Korbmann bzw. Harlands", kommentiert GreWi-Herausgeber Andreas Müller die Auszeichnung seines Nachrichtenblogs zu Anomalistik, Grenz- und Parawissenschaft.


"Zum einen war und ist es ja eine Publikumswahl, also eine Auszeichnung der GreWi-Leser, von deren Abstimmung das Ergebnis abhing. Zum anderen ist es für mich aber auch eine Frage der Wahrnehmung der Arbeit von 'grenzwisseschaft-aktuell.de' und ein inspirierender Start ins neue Nachrichtenjahr 2015. Ein großes Dankeschön also nochmals an meine Leser und auch an 'Wissenschaft kommuniziert' für den sachlichen und fairen Umgang mit dem, was hier als 'Wissenschaftskritik' bezeichnet wird.



- Das vollständige Ergebnis der Wahl zum "Wissenschafts-Blog 2014" mit weiteren Informationen und Erläuterungen finden Sie HIER

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Dienstag, 16. Dezember 2014

Virtueller Körpertausch reduziert negative Vorurteile gegenüber Fremden


In verschiedene Experimenten erzeugten die Wissenschaftler anhand virtueller Illusionen bei den Probanden u.a. die Vorstellung, plötzlich einen andere Hautfarbe zu haben. | Copyright: Trends in Cognitive Sciences, Maister et al.

London (England) - In Experimenten haben Forscher die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Informationen unterschiedlicher Sinne zusammenzufügen, derart genutzt, um Menschen mit heller Hautfarbe die Illusion zu vermitteln, sie befänden sich im Körper eines Menschen mit dunkler Haut. Ebenso gelang es ihnen, Erwachsenen die Illusion zu vermitteln, sie befänden sich im Körper eines Kindes. Die Ergebnisse der Körpertausch-Experimente haben wichtige Auswirkungen für Erforschung und Umgang mit Rasen- und Geschlechterdiskriminierung.

In ihrem die Experimente und Ergebnisse beschreibenden Fachartikel im Fachjournal "Trends in Cognitive Sciences" (DOI: 10.1016/j.tics.2014.11.001) beschreiben Professor Manos Tsakiris von der Royal Holloway University of London und Professor Mel Slater vom University College London und der Universitat de Barcelona, wie sich während der Experimente der virtuelle Körpertausch auf die Vorurteile der Probanden gegenüber jener Personengruppe, in deren Körper sie virtuell versetzt wurden, ausgewirkt hatte.


"Negative Einstellungen gegenüber anderen bilden sich oft schon in jungen Jahren und bleiben dann vergleichsweise bis ins Erwachsenenalter bestehen", erläutern die Forscher. Durch die Experimente haben sich nun aber genau diese Vorurteile gegenüber den jeweils anderen zusehends reduziert.


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"Unsere Ergebnisse sind alleine schon deshalb wichtig, da sie weitere Forschungen um die Frage motivieren, wie unsere Wahrnehmung von der eigenen Identität entsteht und wie Grenzen zwischen den jeweiligen Gruppen verändert werden können", so Tsakiris. "Sie können uns zudem dabei behilflich sein, noch besser zu verstehen, wie wir mit sozialen Phänomenen wie Rassismus, religiösem Hass und Geschlechterdiskriminierung besser umgehen können. Nicht zuletzt haben wir mit dieser Methode eine Möglichkeit gefunden, Menschen aufzuzeigen, wie es ist, jemand anderes zu sein als man selbst.

Obwohl es natürlich keine einfache "Heilung" für Rassismus und andere Vorurteile gebe, zeige das Ergebnis, dass unser Gehirn auch noch im fortgeschrittenen Alter in der Lage ist, die eigenen Vorstellungsmodelle vom eigenen Körper und anderer Menschen zu aktualisieren und unsere Einstellungen gegenüber anderen zu verändern", so Slater abschließend.


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Mittwoch, 10. Dezember 2014

"Biologische Landwirtschaft könnte sogar Weltbevölkerung ernähren" - Metastudie belegt geringere Ertragslücke zwischen Bio und konventioneller Landwirtschaft möglich


Symbolbild: Getreidefeld. | Copyright: grewi.de

Berkeley (USA) - Biologische Landwirtschaft ist deutlich weniger ertragreich als konventioneller Landbau - so lautete zumindest ein jahrzehntelang gehegtes Vorurteil gegen Bio & Co. Eine erstmals erstellte Metastudie zeigt nun jedoch, dass dies nur bedingt stimmt und Bauern durch die konsequente Nutzung biologischer Anbaumethoden den Unterschied auf weniger als zehn Prozent "Verlust" im Vergleich zum konventionellen Landwirtschaft reduzieren können. Neben dem Gewinn für die Natur könnte auf diese Weise sogar die Weltbevölkerung allein durch den Ertrag biologischer Landwirtschaft ernährt werden.

Wie die Forscher um Lauren Ponisio und Claire Kremen von der University of California in Berkley aktuell im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" (DOI: 10.1098/rspb.2014.1396) berichten, zeige ihre Metastudie auf der Grundlage von 115 Untersuchungen, dass schon der jetzt festgestellte Unterschied von rund 19,2 Prozent geringer sei als bislang angenommen. Besonders Methoden wie Fruchtwechsel und gemischter Anbau könnten diesen Abstand zum Ertrag der konventionellen Landwirtschaft zudem um weitere 10 Prozentpunkte reduzieren und gleichzeitig deren negative Nebenwirkungen wie den Schwund von Lebensräumen und Artenvielfalt oder die Umweltbelastungen durch den Einsatz von Giften und Kunstdünger reduzieren bzw. auszuschließen.


Die Erträge hängen zudem auch stark von den angebauten Erntefrüchten ab, sodass es angesichts bestimmter Sorten wie Bohnen, Erbsen und Linsen kaum unterschiede zwischen Bio- und konventionellem Anbau gebe.


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"Unsere Studie zeigt auf, dass durch angemessene Investitionen in Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der biologischen Landwirtschaft die Ertragslücke zwischen Bio- und konventionellem Anbau noch mehr reduziert oder in einigen Regionen sogar aufgehoben werden könnte.

"Es ist wichtig zu verstehen, dass unser derzeitig Landwirtschaftssystem wesentlich mehr Nahrung produziert als wir jedem einzelnen Menschen auf dem Planeten zukommen lassen können", so Kremen. "Im Kampf gegen den Hunger auf der Erde brauchen wir also keine höhere Produktion von noch mehr Nahrungsmitteln, sondern einen einfacheren Zugang für die (bedürftigen) Menschen zu den Nahrungsmitteln."


Darüber hinaus sei die Steigerung des Anteil nachhaltiger Landwirtschaft, die sich biologischer Anbaumethoden bedient, keine Frage der Wahl sondern eine Notwendigkeit. "Wir können zukünftig nicht mehr einfach nur Nahrungsmittel produzieren, ohne dabei auch Rücksicht auf unsere Böden, das Wasser und die Artenvielfalt zu nehmen", mahnen die Forscher abschließend.


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Dienstag, 18. November 2014

First Contact: Eine Lehrstunde über den Erstkontakt der anderen Art


40 Jahre nach dem Astronomen eine binär-kodierte Radiobotschaft ins All gesendet haben (...wir berichteten), gilt diese sowie auch spätere ähnliche Bemühungen der Kontaktaufnahme zu intelligenten außerirdischen Zivilisationen immer noch offiziell als unbeantwortet bzw. erfolglos. Seither haben sich zahlreiche Forscher und Wissenschaftler aber auch Fantasten, Visionäre, Romanautoren und Filmregisseure Gedanken darüber gemacht, wie ein solcher Erstkontakt mit einer anderen intelligenten Art aussehen könnte. Faszinierende Beispiele vom Erstkontakt zwischen den Vertretern der westlichen Zivilisation und bislang nicht kontaktierten Ureinwohner-Stämmen können uns vielleicht viel darüber berichten, auf welch elementaren Erfahrungen sich beide Seiten vorbereiten sollten.


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Dienstag, 11. November 2014

Studie zeigt: Umwelt und Lebensumstände formen Götterbilder


Symbolbild: Gebet. | Copyright: Capture Queen (Ameen via Wikimedia Commons) / CC-by-SA 2.0

St. Louis (USA) - In einer multidisziplinären Studie zeigen Wissenschaftler, dass sich menschliche Kulturen unter dem Einfluss härterer Umweltbedingungen sehr viel wahrscheinlicher strikt moralisierenden Göttern unterstellen als unter milderen Lebensbedingungen.

Wie das internationale Team um Carlos A. Botero von der Washington University in St. Louis und Russell Gray von der University of Auckland aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academies of Science" (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1408701111) berichtet, spielen demnach ökologische Faktoren eine wichtige Rolle in der Bildung menschlicher Gemeinschaften und auch deren religiöser Glaubenswelten.


"Ist das Leben hart und die Zukunft ungewiss, so glauben die Menschen verstärkt an mächtige Götter", erläutert Gray. "Ein Grund dafür könnte sein, dass ein von derart strikten Göttern vorgegebenes pro-soziales Verhalten den Menschen dabei hilft, sich erfolgreich in widrigen oder unvorhersehbaren Umgebungen durchzusetzen."


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Die Entstehung von Religion wurde lange Zeit als das Ergebnis entweder von kulturellen oder Umweltfaktoren erklärt - nicht aber von einem Zusammenspiel beider Faktoren. Somit legen die neuen Forschungsergebnisse nahe, dass komplexe Praktiken und Eigenschaften, deren Entwicklung bislang nur den Menschen zugeschrieben werden, aus einem Zusammenspiel aus ökologischen, historischen und kulturellen Variabeln entstehen.

Für ihre Studie haben die Forscher soziale und ökologische Daten zu 583 Gemeinschaften zusammengetragen und können damit die facettenreiche Verbindung zwischen Glaube an moralisierende hohe Gottheiten und externen Faktoren aufzeigen.


Während bisherige ähnliche Studien nur auf ungenauen Daten und Schätzungen über die ökologischen Bedingungen basierten, konnte die aktuelle Studie nun auf hochauflösende geologische Daten zu Faktoren wie Pflanzenwachstum, Niederschlag und Temperatur, sowie auf die elektronische Datenbank "Ethnographic Atlas" mit Daten zu mehr als 1.000 Gemein- und Gesellschaften zurückgreifen, in der auch die religiösen Glaubensvorstellungen und Daten zu Landwirtschaft und Tierhaltung enthalten sind.


"Viele Evolutionisten haben schon versucht, Religion zu verurteilen. Ich aber denke, die Herausforderung ist eher die, sie zu erklären", so Gray. "Obwohl einige Aspekte von Religion der Anpassung von Menschen an neue Umgebungen im Wege zu stehen scheinen, legt die universelle Verbreitung von Religion dennoch nahe, dass sie Werte beinhaltet, die anpassungsförderlich sind. Zu untersuchen, wie diese Dinge wie diese Dinge ökologisch variieren, ermöglicht uns erste Einblicke in diese Frage."


Allerdings sehen die Autoren selbst ihre Studie erst als Spitze des Eisbergs im Studium menschlichen Verhaltens aus multidisziplinärer Sicht. In weiteren Studien sollen zukünftig Prozesse untersucht werden, die auch die Entstehung und Entwicklung anderer menschlicher Verhaltensweisen wie Tabuisierung, Beschneidungen und die Umgestaltung natürlicher Lebensräume untersuchen sollen.


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Donnerstag, 9. Oktober 2014

"Weltkongress der Ganzheitsmedizin" 2015 an neuem Ort


Schamanisches Ritual während einer früheren Veranstaltung an der Ludwig-Maximilian-Universität München. | Copyright: institut-infomed.de

München (Deutschland) - Nachdem der diesjährigen "Weltkongress der Ganzheitsmedizin" am vergangenen Wochenende zu Ende ging (...wir berichteten), steht auch schon der Termin für die Veranstaltung 2015 fest. Diese wird dann nicht mehr an der Medizinischen Fakultät der Universität München sondern in der Alten Kongresshalle stattfinden.

Während Kritiker der Veranstaltung darüber spekulieren, ob die eigenen Protestschreiben an das Dekanat der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilian Universität (LMU) möglicherweise Wirkung gezeigt hätten und der Ortswechsel auf Initiative der Universität forciert worden sein könnte, erklärte das den Kongress organisierende "Institut für Ganzheitsmedizin" (INFOMED) gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de", dass "die Auswahl des Kongressortes nichts mit der Universität zu tun" habe: "Wir müssen uns danach richten, was zu den Terminen im Innenstadtbereich zu haben und geeignet ist. Der Fokus ist und bleibt universitär und wissenschaftlich. Mit der Universitätsleitung haben wir einen guten Kontakt."


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Zuvor hatten sich Kritiker und Gegner der Veranstaltung, vornehmlich organisiert von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Paraphänomenen" (GWUP) ihre Bedenken gegen den Kongress an der LMU dem dortigen Dekan vorgetragen. Dieser habe sich "irritiert" gezeigt und erklärt, er wolle die Angelegenheit prüfen (...wir berichteten). Jetzt feiern die Skeptiker ihren angeblichen Erfolg: Offenbar habe die Bemühung das "einzig sinnvolle Resultat erbracht: nämlich die Jenseitskontaktler, Gesundbeter, Geisterseher und Plastikschamanen vor die Tür zu setzen. Sprich: Ihnen künftig die Schein-Legitimierung durch eine Raumvermietung in den akademischen Hallen der Exzellenz-Uni zu entziehen."

Auf die Vorwürfe Seiten der GWUP, bei dem Kongress handele es sich um ein einem "Stelldichein von Humbugern" reagierte INFOMED damals mit folgender Erklärung:

"Der Weltkongress der Ganzheitsmedizin an der LMU ist eine Kongress-Reihe, die seit fast 30 Jahren an dieser Fakultät stattfindet und hat nichts mit Esoterik zu tun. Seit Jahrzehnten in der Uni bekannt, seinerzeit entstanden aus den Aktivitäten von Prof. Schiefenhöfel und Eibl-Eibesfeldt des Max-Planck-Instituts für Humanethnologie, also Verhaltensforschung.
Diese Forschung ist als interkulturell, international und interdisziplinär fortgeführt worden. Es sprechen Ärzte, Psychologen und Wissenschaftler auf diesem Kongress und dazu sind Heiler und Schamanen eingeladen. Rituale werden demonstriert und exempelweise praktiziert. Der Großteil der Teilnehmer stammt aus Heilberufen, die hier sind, um sich auszutauschen und ihr Spektrum erweitern wollen. Alles andere ist hier von Ihnen herein-interpretiert. Organisiert wird der Kongress von INFOMED e.V., einem anerkannten wissenschaftlichen Verein."
Der nächste Weltkongress, zu dem INFOMED schon jetzt einlädt, findet demnach vom 15.-17. Mai 2015 statt. Weitere Informationen dazu finden Sie HIER

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Mittwoch, 1. Oktober 2014

Studie zeigt: Die Persönlichkeit ändert sich im hohen Alter stärker als bisher angenommen


Symbolbild: Alter. | Copyright: Mbjerke (Wikimedia Commons), CC-by-SA 3.0

Berlin (Deutschland) - Im hohen Alter verändert sich nach den Erkenntnissen einer deutsch-amerikanischen Untersuchung die Persönlichkeit der Menschen noch einmal ähnlich stark wie im jungen Erwachsenenalter. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie auf Basis der Langzeitstudien "Sozio-oekonomisches Panel" (SOEP) und "Household Income and Labour Dynamics in Australia" Survey (HILDA Survey). "Unsere Studie widerlegt die unter Psychologen vorherrschende Ansicht, dass sich die Persönlichkeit im Laufe des Lebens immer stärker stabilisiert", sagt die Psychologin Jule Specht von der Freien Universität Berlin, eine der Autorinnen und Autoren.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Presseinformation des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW, www.diw.de


Die Untersuchung wurde kürzlich im renommierten "Journal of Personality and Social Psychology" (DOI: 10.1037/a0036863) und als "SOEPpaper 687" veröffentlicht.

Für ihre Untersuchung hatten Jule Specht von der Freien Universität Berlin und Maike Luhmann von der Universität zu Köln sowie Christian Geiser von der US-amerikanischen Utah State University die Angaben von insgesamt mehr als 23.000 Menschen analysiert, die von 2005 bis 2009 befragt worden waren. Die bevölkerungsrepräsentativen Daten zeigen den Wissenschaftlern zufolge, dass sich im jungen Erwachsenenalter bis zum Alter von 30 Jahren ebenso wie im Alter ab etwa 70 Jahren die Persönlichkeit der Menschen so stark ändert wie in keiner anderen Lebensphase.

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Im jungen Erwachsenenalter verändern sich demnach vor allem Menschen, die dem sogenannten unterkontrollierten Persönlichkeitstyp zugeordnet werden können. Diese zeichnen sich durch eine geringe Verträglichkeit und eine geringe Gewissenhaftigkeit aus. "Etwa 40 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland haben eine unterkontrollierte Persönlichkeit", sagt Jule Specht. "Ab einem Alter von etwa 30 Jahren reifen aber viele dieser jungen Rebellen zu resilienten Persönlichkeiten heran." Solche resilienten Menschen seien leistungsfähig, hätten ein hohes Selbstwertgefühl und litten nur selten unter psychischen Problemen, betont die Wissenschaftlerin. "Ihre Persönlichkeit ist im Allgemeinen stabiler als die von unter- oder überkontrollierten Männern und Frauen."


Im Alter von 30 Jahren zählen der Studie zufolge nur noch etwa 20 Prozent der Menschen in Deutschland zu dem unterkontrollierten Persönlichkeitstyp, etwa 50 Prozent gehören dann zum resilienten Persönlichkeitstyp, das heißt, sie sind Herausforderungen des Lebens gegenüber widerstandsfähig.


Überrascht hat die Forschenden, dass sich die Persönlichkeit im hohen Alter noch einmal stark verändert: Bis zu 25 Prozent der Menschen eines Persönlichkeitstyps ändern sich nach einem Alter von 70 Jahren noch einmal beträchtlich. "Anders als bei den jungen Erwachsenen folgen die Persönlichkeitsveränderungen bei den Senioren jedoch keinem typischen Reifungsmuster", sagt Jule Specht. Vielmehr beobachteten die Psychologinnen und Psychologen im Untersuchungszeitraum von vier Jahren eine große Bandbreite von Persönlichkeitsveränderungen.


Warum sich bei alten Menschen die Persönlichkeit so stark und divers entwickelt, darüber können die Forschenden bisher nur mutmaßen. Einige der möglichen Erklärungen dafür können sie jedoch bereits ausschließen. "Gesundheitsveränderungen, Großelternschaft und Renteneintritt scheinen eine überraschend kleine Rolle dabei zu spielen", konstatiert Jule Specht. Derzeit untersucht sie, ob Veränderungen im Alltag der Senioren oder ob eine veränderte Einstellung zum Leben die Persönlichkeitsveränderungen auslösen.


Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil in jedem Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends besonders gut analysiert werden, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen.


Quelle: diw.de

Donnerstag, 14. August 2014

Das Orchester der Neuronen: Instrumentalunterricht beeinflusst die Gehirnaktivität bei Kindern


Das Spielen eines Instruments trainiert die Hörwahrnehmung bei Kindern. | Copyright: Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberg (Deutschland) - Wie sich das frühe Erlernen eines Musikinstruments langfristig auf die Gehirnentwicklung von Kindern auswirkt, erforschen Privatdozentin Annemarie Seither-Preisler vom Institut für Psychologie der Uni Graz und Privatdozent Dr. Peter Schneider von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Ihre neuesten Erkenntnisse, wie man begabte Kinder noch besser fördern und auf der anderen Seite Entwicklungsdefiziten entgegenwirken kann, haben die beiden zusammen mit dem Grazer Musikologen Univ.-Prof. Dr. Richard Parncutt in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Neuroscience" publiziert.

- Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg


Bekommen beide Ohren dieselbe Information, arbeiten die rechte und die linke Hörrinde des Gehirns bei musikalisch geübten Kindern praktisch synchron. Bei untrainierten Kindern geraten sie minimal aus dem Takt, bei Kindern mit ADHS konnten die Wissenschafter in ihrer aktuellen Studie sogar eine markante Zeitverschiebung zwischen beiden Hirnhälften feststellen.


Außerdem war bei dieser Gruppe die Ausreifung der Hörfunktionen in der Hirnrinde deutlich verlangsamt, während junge Musiker einen Entwicklungsvorsprung zeigten. "Diese Entdeckung könnte erklären, warum auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche häufig gemeinsam auftreten", unterstreicht Seither-Preisler die Bedeutung der neuesten Ergebnisse.


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Einige der Probleme der betroffenen Kinder dürften auf eine unzureichende Zusammenarbeit beider Hemisphären zurückzuführen sein, mit negativen Folgen für Aufmerksamkeit, rasche Sprachverarbeitung sowie die Lese-Rechtschreibfähigkeit. "Eine musikalische Ausbildung wirkt genau diesen Defiziten entgegen", betont Peter Schneider. Die Ergebnisse zeigen nämlich, dass Kinder, die ein Instrument lernen, besser zuhören können, aufmerksamer sind und weniger Probleme haben, Hyperaktivität und Impulsivität zu kontrollieren. Darüber hinaus schneiden sie in Lese- und Rechtschreibtests besser ab als musikalisch ungeübte Gleichaltrige. "Es wäre daher förderlich, neue Formen von Musikerziehung für Kinder mit ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche anzubieten", raten die Wissenschafter.


Im Zuge der Studie zeigte sich noch ein weiterer bemerkenswerter Befund: Das Team stellte fest, dass die graue Substanz der Hörrinde bei musikalisch aktiven Kindern etwa um die Hälfte größer ist als bei den übrigen Altersgenossen. Eine Langzeitbeobachtung ergab, dass diese Hirnregion bereits vor dem musikalischen Training eine ganz bestimmte Form und Größe aufwies und sich über die Zeit nicht mehr veränderte. "Besonders überraschte uns, dass wir am Volumen einer bestimmten Hirnstruktur zu Beginn des Instrumentalunterrichts verlässlich vorhersagen konnten, wie viel Zeit die Kinder in Zukunft mit dem Üben verbringen würden", erklärt Seither-Preisler. Dies zeigt erstmalig, dass die Motivation, ein Instrument zu lernen, nicht nur von der Unterstützung des sozialen Umfelds, sondern auch von der Veranlagung im Gehirn abhängt. "Wer günstige Voraussetzungen mitbringt, wird leichter und mit mehr Begeisterung bestimmte Fähigkeiten erlernen – beispielsweise zu malen oder Schach zu spielen. Das sollte man in Zukunft stärker berücksichtigen", empfehlen die Forscher. Werden solche Kinder nämlich rechtzeitig in ihren Talenten und Interessen unterstützt, entwickeln sich die zugehörigen neuronalen Netzwerke besonders günstig, wodurch Lernen zunehmend zum Selbstläufer wird.


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Als nächsten Schritt möchte das Team erforschen, ob sich auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen mittels neurologischer Messungen im Gehirn frühzeitig diagnostizieren lassen. "Wir hoffen, dass so rechtzeitig Interventionen gesetzt werden können, um die Wahrscheinlichkeit späterer ADHS-Diagnosen zu verringern", so Seither-Preisler.

Die aktuelle Studie wurde vom Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt und ist Teil der Begleitforschung zu dem musikalischen Bildungsprogramm "Jedem Kind ein Instrument (JeKi)", das derzeit in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen und Hamburg über 60.000 Kinder aller sozialen Schichten erreicht.


Quelle: klinikum.uni-heidelberg.de

Montag, 4. August 2014

Weniger Testosteron führte vor 50.000 Jahren zu Kultur- und Technologie-Boom


Gegenüberstellung der Schädelmerkmale von frühen modernen Menschen mit einer starken Überaugenwulst und einer größeren Gesichtsfläche mit dem Schädel eines neuzeitlich modernen Menschen (r.). | Copyright: Robert Cieri, University of Utah

Durham (USA) - Zwar reichen Fossilien modernder Menschen rund 200.000 Jahre zurück, doch erst seit etwa 50.000 Jahren begannen diese Menschen damit, ausgefeilte Werkzeuge aus Geweih, Knochen und Stein herzustellen, Objekte zu verzieren und Nahrung zu kochen. Warum der moderne Mensch hierzu so lange gebraucht hatte, war lange Zeit ein Rätsel. Jetzt zeigen US-Wissenschaftler, dass dieser frühgeschichtliche Technologie- und Kultur-Boom mit einem sinkenden Testosteronspiegel einherging.

Wie Forscher um Robert Cieri von der University of Utah und der Duke University aktuell im Fachjournal "Current Anthropology" (DOI: 10.1086/677209) berichten, zeigen sich anhand der Analyse von mehr als 1.400 frühzeitliche und moderne Menschenschädel physiologische Veränderungen, wie sie ein Absinken des Testosteronspiegels in etwa zu jener Zeit nahe legen, in der die modernen Menschen damit begannen, ihre Kultur zu entwickeln.


"Die Verhaltensweisen der modernen Menschen und ihre technologischen Innovationen, sowie die Entwicklung von Kunst und kulturellem Austausch entwickelten sich zur gleichen Zeit, in der die Menschen auch ein eher an Gemeinschaftssinn orientiertes Temperament entwickelten", so Cieri. Und dieses lasse sich wiederum an den Schädelmerkmalen ablesen.


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Das Sexualhormon Testosteron kommt zwar in beiden Geschlechtern vor, unterscheidet sich aber in Konzentration und Wirkungsweise bei Man und Frau deutlich. Es ist unter anderem für die Entstehung des männlichen Phänomtyps und die Spermienproduktion, Geschlechtsentwicklung, Körperbehaarung und Muskelaufbau verantwortlich. Eine künstliche Zufuhr von Testosteron bei Frauen, kann zu einer Vermännlichung der eigentlich weiblichen Körpermerkmale führen.


Während bei Tieren das Sexualhormon starke Auswirkungen auf Imponiergehabe, Kampfverhalten sowie den Begattungsdrang zeigt, gelten entsprechende Auswirkungen beim Menschen unter Wissenschaftler noch immer als umstritten.


An den untersuchten Schädeln jedoch gilt Testosteron als direkt verantwortlich für die Ausbildung stärkerer Überaugenwülste und eine runderen Kopfform, erläutert der Duke-Anthropologe Steven Churchill. Anhand dieser und anderer Körpermerkmale können die Forscher also auf den Testosteronspiegel der jeweiligen Menschen rückschließen.


Die Tierverhlaltens und -kognitionsforscher Brian Hare und Jingthi Tan, ebenfalls von der Duke University, sehen die Ergebnisse von Cieri und Kollegen als übereinstimmend mit dem, was bereits für nicht-menschliche Arten als nachgewiesen gilt: So konnte eine Studie an sibirischen Füchsen zeigen, dass jene Tiere, die gegenüber Menschen ein deutlich weniger aggressives und weniger misstrauisches Verhalten an den Tag legten, nach mehreren Generationen gezielter Züchtung ein anderes, eher jugendliches Aussehen und Verhalten entwickelten.


"Betrachten wir diesen Prozess, der zu entsprechenden Veränderungen bei anderen Tieren führt, so könnte diese Erkenntnis erklären, warum wir zu dem geworden sind, was wir heute sind", so Hare, der auch das Verhalten von eher aggressiven Schimpansen und den eher gutmütigen Bonobos untersucht. "Diese beiden Menschenaffenarten entwickeln sich ganz unterschiedlich und reagieren auch unterschiedlich auf sozialen Stress: Schimpansen-Männchen erfahren während der Pubertät einen starken Anstieg an Testosteron - was bei den Bonobos nicht der Fall ist. Auch unter Stress produzieren Bonobos - im Gegensatz zu Schimpansen - nicht mehr Testosteron, sondern produzieren das Stresshormon Cortisol."


Vor dem Hintergrund der aktuellen Studie verweist der Forscher auf den Umstand, dass auch bei den Menschenaffen höhere und niedrigere Testosteronspiegel mit der Entwicklung bestimmter Schädelmerkmale einhergehen: "Bei Bonobos sucht man meist vergebens nach einer markant ausgeprägten Überaugenwulst."


"Um neue Technologien, Fertigkeiten und Kunst weiterzugeben, mussten die prähistorischen Menschen näher zusammenleben, sich hierzu sozial aufeinander ein- und abstimmen und einen toleranteren Umgang entwickeln", so Cieri abschließend. "Der Schlüssel zum Erfolg war die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zum miteinander Leben, um so auch voneinander lernen zu können."


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Quelle: duke.edu

Mittwoch, 30. Juli 2014

Pornwall: Mehrheit der Briten schaltet Porno- und Esoterik-Filter ab


Die britischen "Pornwall" blockiert neben pornografischen Inhalten u.a. "esoterisches Material" im Internet. | Copyright/Quelle: openrightsgroup.org

London (England) - Seit Februar 2014 ist in Großbritannien ein automatischer Webfilter aktiv, der pornografische Inhalte im Internet blockiert. Erst durch eine Reihe von Alters- und Identitätsidentifikationen können die Internetnutzer diesen Filter aufheben und haben sodann wieder freien Zugang zu den sonst gesperrten Inhalten. Was als Schutz von Minderjährigen und als Mittel gegen Kinderpornografie propagiert wird, filtert jedoch auch andere, nicht pornografische Inhalte. Darunter auch Webforen, politische Inhalte und "esoterisches Material". Eine aktuelle Erhebung zeigt nun jedoch, dass die Mehrheit der mit dem Filter belegten Neukunden der britischen Internetanbieter diesen ablehnt und auch aktiv deaktiviert hat.

Wie aus einem Bericht der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom hervorgeht, sei der als "Pornwall" bezeichnete Filter, wie er von den Anbietern BT, Sky, TalkTalk und Virgin Media installiert wurde, in nur einem von sieben Neukunden-Haushalten aktiv.


Schon vorab kritisierte die britische digitale Bürgerrechtsorganisation "Open Rights Group", dass der Filter neben Pornografie unter anderem auch "Gewaltdarstellungen, extremistische und terroristische politische Inhalte, Webseiten zu Magersucht und Essstörung, Internetseiten zu Suizid, Alkohol und Rauchen, Webforen, esoterisches Material und Umgehungstools für Netzsperren" blockieren soll. Der Sprecher der Gruppe, Jim Killock, kommentiert diesen Schritt als Beweis dafür, dass die Cameron-Regierung "die Menschen schlafwandelnd in die Zensur führen will." (...wir berichteten).


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Frühere Befürchtungen, wonach die einzelnen Filteroptionen zwar individuell abgeschaltet werden können, diese Option aber so angelegt sei, dass sie von vielen Nutzern wahrscheinlich nicht verstanden werde - wodurch es zu einer Vielzahl von Fehlbedienungen des Systems und damit zur Unzugänglichkeit der gefilterten Inhalte für einen Großteil der Nutzer kommen werde - wird von den aktuellen Ofcom-Zahlen also nicht gestützt.


Was hinter Filterbegriffen wie den zitierten "esoterischen Materialien" zu verstehen ist, ist derzeit noch völlig unklar. Auch ist nicht bekannt, wie diese Inhalte von anderen abgegrenzt werden sollen oder ob auch skeptische oder eigentlich naturwissenschaftlich orientierte Seiten und Inhalte zu besagten "esoterischen Materialien" blockiert werden.


Wie berechtigt diese Frage ist, zeigt ein Bericht des Schweizer Computermagazins "Computerworld.ch", laut dem der Schweizer Journalist und SRF-Ausland-Korrespondent für Großbritannien, Urs Gredig, über Twitter berichtet hatte, dass sein britischer Internet-Anbieter die Internetseite der Schweizer Boulevardzeitung "Blick.ch" schon jetzt als jugendgefährdend blockiere. Tatsächlich zeichnet sich das Online-Angebot zwar im Gegensatz zur Printausgabe nicht durch das nackerte Seite-3-Girl, aber dennoch unter anderem auch durch sogenannte Bikini-Reportagen, einen Sex-Kummerkasten aus. Grundsätzlich gilt der "Blick" allgemein dennoch eher nicht als jugendgefährdend.


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Quellen: ofcom.org.uk, openrightsgroup.org, BBC

Montag, 14. Juli 2014

Skeptiker-Aufregung um Weltkongress Ganzheitsmedizin an der Universität München


Schamanisches Ritual im Hörsaal. | Copyright: institut-infomed.de

München (Deutschland) - Nur kurz nach unserer Meldung über den auch in diesem Jahr an der Ludwig-Maximiliam-Universität München stattfindenden "Weltkongress für Ganzheitsmedizin" hat der Umstand gerade innerhalb der deutschen Skeptiker-Gemeinde für Empörung gesorgt, in deren Folge sogar die Rechtmäßigkeit der Veranstaltung an der Münchner Universität in Frage gestellt wird. Auf Anfrage von "grenzissenschaft-aktuell.de" haben die Organisatoren der Veranstaltung nun eine Erklärung abgegeben.

Im Blog der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaftten e.V." (GWUP) empörte man sich zuvor in höchsten Tönen über die Veranstaltung. Die Rede ist von "Absonderlichkeiten" und einem "Stelldichein von Humbugern" – ganz zu schweigen von den entsetzten Kommentaren in der Sache.


"Kann das eigentlich wahr sein?" fragt GWUP-Bloger Bernd Harder weiter und hat in der Sache zunächst die LMU angeschrieben und "vom Dekan der Medizinischen Fakultät, Herrn Prof. Dr.med. Dr.h.c. Maximilian Reiser, persönlich eine Antwort erhalten."


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Demnach sei ein “Weltkongress der Ganzheitsmedizin” der Hochschulspitze nicht bekannt und den Hinweis auf die Fakultät erachte man als "rufschädigend". Man will nun die Angelegenheit prüfen. Im Namen der GWUP zeigt sich Hader abschließend "gespannt, ob die LMU ihren Ruf als Exzellenz-Uni auch in diesem Fall verteidigen kann - oder sich künftig als schamanische Schwitz-Hütte bespötteln lassen muss."


Auf die Aufregung unter den Skeptikern darüber "was denn noch alles salonfähig" werde (so ein Blog-Kommentar) und die Freunde darüber, dass man "nun gespannt sein dürfe, wie die LMU diesen Esos eine reindreht", erklären die Organisatoren des Kongresses auf Anfrage von "grenzwissenschaft-aktuell.de", dass man bereits eine Stellungnahme zum Blog verfasst habe. An den GWUP-Blog gerichtet schreibt Christine Herrera Krebber von INFOMED.e.V.:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade haben wir Ihren Eintrag hier entdeckt. Der Weltkongress der Ganzheitsmedizin an der LMU ist eine Kongress-Reihe, die seit fast 30 Jahren an dieser Fakultät stattfindet und hat nichts mit Esoterik zu tun. Seit Jahrzehnten in der Uni bekannt, seinerzeit entstanden aus den Aktivitäten von Prof. Schiefenhöfel und Eibl-Eibesfeldt des Max-Planck-Instituts für Humanethnologie, also Verhaltensforschung.

Diese Forschung ist als interkulturell, international und interdisziplinär fortgeführt worden. Es sprechen Ärzte, Psychologen und Wissenschaftler auf diesem Kongress und dazu sind Heiler und Schamanen eingeladen. Rituale werden demonstriert und exempelweise praktiziert. Der Großteil der Teilnehmer stammt aus Heilberufen, die hier sind um sich auszutauschen und ihr Spektrum erweitern wollen. Alles andere ist hier von Ihnen herein-interpretiert. Organisiert wird der Kongress von INFOMED e.V., einem anerkannten wissenschaftlichen Verein.


Beste Grüße, die Organisation von INFOMED e.V."

Das Ergebnis der von Herrn Prof. Dr.med. Dr.h.c. Maximilian Reiser angekündigten Prüfung lag bis zum Redaktionsschluss dieser Meldung noch nicht vor. Wir werden weiterhin berichten...


- Ausführliche Informationen zum Weltkongress, dem dortigen Workshop- und Vortragsprogramm und Hintergrundinformationen zur Ethnomedizin finden Sie HIER

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Quelle: institut-infomed.de, gwup.org

Freitag, 20. Juni 2014

Familiäre Gewalt hinterlässt auch genetische Spuren bei Kindern


"Der Betrunkene Vater", von George Wesley Bellows (1923). | Copyright: gemeinfrei


New Orleans (USA) - Kinder, in deren Familie und Zuhause von Gewalt, Selbstmord oder der Inhaftierung eines Familienmitglieds betroffen ist, weisen kürzere Telomere auf als Kinder aus stabilen Haushalten. Die Enden der Chromosomen werden mit der Alterung von Zellen in Verbindung gebracht, weswegen die Wissenschaftler schlussfolgern, dass das familiäre Umfeld auch eine wichtige biologisch-genetische Rolle spielt.

Wie die Forscher um Dr. Stacy Drury, vom Behavioral and Neurodevelopmental Genetics Laboratory an der Tulane University aktuell im Fachjournal "Pediatrics" (DOI: 10.1542/peds.2013-3415) erläutern, steige mit häuslicher Gewalt auch die Wahrscheinlichkeit, von "Narben, die sich bis auf die DNA" auswirken.


Verkürzte Telemore werden mit einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen, Fettleibigkeit, Rückgang kognitiver Fähigkeiten, Diabetes, Geisteskrankheiten und schwacher allgemeiner Gesundheit im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht.



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Für ihre Studie untersuchten die Forscher genetische Proben von 80 Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren in New Orleans, befragten sie und ihre Eltern über ihr familiäres Umfeld und Erfahrungen mit widrigen Lebensumständen.


"Familiäre Stressfaktoren, wie das Beobachten von Gewalt gegen ein Familienmitglied, erzeugen eine Umgebung, die sich bis auf die DNA im Innern der Zellen von Kindern auswirken kann", erläutert Drury. "Je höher die Anzahl solcher Erlebnisse im Kindesalter ist, desto kürzer sind die Telomere." Zugleich haben die Autoren der Studie auch nach anderen möglichen auslösenden Faktoren, wie dem soziökonomischen Status der Befragten, Alter und Bildungsgrad der Eltern und dem Alter der untersuchten Kinder selbst gesucht - eine entsprechende Übereinstimmung angesichts dieser Faktoren jedoch nicht gefunden.


Zudem stellten die Forscher fest, dass sich entsprechende Gewalterfahrungen auf Mädchen stärker verkürzend auf die Telomere auswirken als bei Jungen. Zur gleichen Zeit zeigt das Ergebnis der Studie auf, dass sich offenbar ein steigender Bildungsgrad der Mütter besonders positiv auf die Telomer-Länge bei Jungen unter 10 Jahren auswirkt.


Vor dem Hintergrund des Studienergebnisses empfehlen die Forscher, die Familie als wichtigen Ansatzpunkt im Kampf gegen negative biologische Auswirkungen im Leben junger Kinder noch mehr in den Blickpunkt der Forschung und Therapie zu stellen.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Forscher liefern Erklärungsansatz für vererbte traumatische Emotionen 16. April 2014
Vererbte Emotionen? Nachkommen zeigen die Ängste ihrer Väter - ohne diese jemals gesehen zu haben
27. November 2014


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Quelle: tulane.edu

Freitag, 9. Mai 2014

Okkulte DDR: DFG-Forschungsprojekt "Im Schatten des Szientismus - Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR" - Projektteam bittet um Unterstützung


Symbolbild: Okkulte DDR (Illu.) | Copyright: igpp.de

Freiburg (Deutschland) - Wie erfolgte die private, öffentliche und wissenschaftliche Verhandlung von im weitesten Sinne parapsychologischen Themen und paranormalen Erfahrungen in der DDR? Welche Rolle spielten Themen wie Gedankenübertragung, Wahrträume, Ahnungen, Spuk-, Geister- und Jenseitserscheinungen, Parapsychologie, Astrologie und Wahrsagepraktiken, Wunderheilungen oder UFOs im Alltagsleben der DDR-Bürger? Diese Fragen illustrieren das Untersuchungsziel eines aktuellen soziologischen Forschungsprojektes, durchgeführt von Soziologen am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg (IGPP). Für das Projekt suchen die Forscher jetzt Zeitzeugen.

Die Soziologen Ina Schmied-Knittel, Andreas Anton und Michael Schetsche gehen davon aus, dass das Paranormale und die mit ihm verbundenen lebensweltlichen Erfahrungen und Praktiken für die DDR-Administration an die weltanschaulichen Grundprinzipien des vom Marxismus-Leninismus geprägten Wirklichkeitswissens rührten.


Mit "dem Paranormalen" soll ein Bereich abweichender Glaubens-, Erfahrungs-, Wissens, und Praxisformen bezeichnet werden, zu dem Themenkomplexe wie Okkultismus und Esoterik, Parapsychologie und Astrologie, Wahrsagepraktiken und magisch-therapeutische Handlungen gehören. "Im herkömmlichen wissenschaftlichen Verständnis handelt es sich dabei um Phänomene, außergewöhnliche Erfahrungen, Vorgänge und Erscheinungen, deren ontologischer Status als äußerst problematisch erachtet wird, da sie von der Normalität (besser: von Übereinstimmungen mit normalen wissenschaftlichen Erwartungen) abweichen und sich hinsichtlich ihres Nachweises oftmals (natur-) wissenschaftlichen Begründungen entziehen", so die Forscher.


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"In einer Gesellschaft wie der DDR, deren 'amtliches Wirklichkeitswissen' explizit materialistische und szientistische Züge trug, stellt sich die Frage nach dem sozialen Umgang mit derartigen Heterodoxien (vermeintliche Irrlehren) umso deutlicher. Die gezielte Vermittlung der wissenschaftlich-szientistischen Weltanschauung war ein wichtiges programmatisches Ziel der DDR-Führung - dadurch sollte es zu der Verdrängung von 'Finsternis und Unwissenheit', 'Aberglauben' und letztlich zu einem gänzlichen Verschwinden 'religiöser Ideologien' kommen.


In erster Linie war damit seinerzeit zunächst das Feld des Religiösen gemeint, nach der - im Einzelnen noch zu rekonstruierenden - Subsumtionslogik der offiziellen DDR-Weltanschauung aber gleichzeitig immer auch sämtliche im weitesten Sinne esoterischen, paranormalen, okkulten und alternativ-religiösen Themen.

Entsprechend kann von einer prinzipiellen ablehnenden Haltung gegenüber entsprechenden Themen und Erfahrungen in der DDR ausgegangen werden."

Tatsächlich liefern die Vorarbeiten der Forschergruppe deutliche Hinweise dafür, dass neben den traditionellen Religionen eben auch Okkultismus, Parapsychologie und "Aberglaube" (mithin "übernatürliche" Weltbilder und Praktiken) als falsche (bürgerliche) Ideologie denunziert und ausgegrenzt, ideologisch stigmatisiert und politisch unterdrückt wurden.


In diesem Kontext sei auch bemerkenswert, dass die in der DDR vertretenen Positionen in diesem Bereich sich möglicherweise von anderen sozialistischen Staaten, namentlich von jenen in der Sowjetunion, unterschieden haben: "Im Gegensatz zur DDR existierten dort zumindest vereinzelt parapsychologische Forschungsabteilungen und es gab auch entsprechende Publikationen (...wir berichteten).


Für die Freiburger Soziologen und Forscher stellt sich nun die Frage, mit welchen Konsequenzen diejenigen zu rechnen hatten, die sich in der DDR mit von der geltenden Weltsicht abweichenden Themen beschäftigten oder sogar selbst weltanschaulich unpassende Erfahrungen machten: "Anders gefragt: War entsprechenden Vorstellungen und Praktiken in der DDR tatsächlich der Nährboden entzogen, wie es der offizielle Diskurs verlauten ließ, oder gab es - gleichsam im Schatten der amtlichen Ordnung – einen 'okkulten Untergrund'?"


Diese Überlegungen bildeten den Ausgangspunkt des Forschungsprojektes. "Soziologisch gesprochen geht es um das Verhältnis zwischen orthodoxen und heterodoxen Wissensbeständen und Praxisformen in der DDR, namentlich um den Konflikt zwischen dem dominanten szientistischen Weltbild auf der einen und davon abweichenden Anschauungen und Lebenspraxen der Bevölkerung auf der anderen Seite." Methodische Zugänge bilden zum einen Interviews sowohl mit Akteuren aus dem Bereich des Paranormalen als auch mit damaligen Vertretern der DDR-Administration. Zum anderen werden die themenspezifische Literatur der DDR, aber auch massenmediale Bezugnahmen und behördliche Dokumente (wie z.B. Akten der Staatssicherheit) untersucht.


Für Auskünfte bzw. Informationen jeglicher Art ist das Projektteam außerordentlich dankbar. Personen, die sich zu DDR-Zeiten mit Themen wie

- Astrologie
- Wunderheilung, Geistheilung, Alternativmedizin
- UFOlogie
- Parapsychologie
- Paranormale Erfahrungen und Praktiken (sog. außersinnliche Wahrnehmungen, Nahtoderfahrungen, Hellseh- und Wahrsagepraktiken, Seancen, Tisch- und Gläserrücken, Wünschelruten) beschäftigten und dazu bereit sind, über ihre Erfahrungen Auskunft zu geben, sind hiermit explizit eingeladen, Verbindung zum Projektteam aufzunehmen.

Konkrete Forschungsfragen sind beispielsweise:

- Wie verbreitet waren individuelle Erfahrungen und soziale Praktiken im hier interessierenden Untersuchungsfeld des Paranormalen?

- Wie und wo wurden die DDR-Bürger über solche Themen informiert bzw. wo konnten sie selbst entsprechende Informationen einholen?


- Unter welchen Bedingungen und in welcher Form waren diese Erfahrungen und die entsprechenden Themen Gegenstand öffentlicher Berichterstattung? Aber auch: Welchen Einfluss hatten die (West-)Medien?


- Waren Eliten und Staatsorgane involviert? Gab es wissenschaftliche Experten, Forschungseinrichtungen und/oder -projekte, die sich mit den genannten Themen befassten?


- Wurde der gemeinte Themen- und Akteursbereich als problematisch von staatlichen Instanzen zur Kenntnis genommen?


- Welche staatlichen Instanzen waren für die Überwachung entsprechender Aktivitäten und für die Sanktionierung entsprechender Praktiken bzw. Akteure zuständig?
Kontakt:
Dr. Ina Schmied-Knittel
Dr. Michael Schetsche
Andreas Anton
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. Wilhelmstraße 3a 79098 Freiburg i.Br. Deutschland
E-Mail: ddr-projekt@igpp.de
Telefon: +49 (0)761 20721 19 Projekthomepage: www.okkulte-ddr.de

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