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Samstag, 8. November 2014

GreWi-Interview: Professor Howard Wiseman und Dr. Dirk - André Deckert über die Konsequenzen ihrer Theorie interagierender Parallelunivsersen

Saarbrücken (Deutschland) - Mit ihrer neuen Theorie von einer gewaltigen Anzahl parallel existierender und teilweise miteinander interagierender Universen, stellen drei Physiker die bisherigen Grundlagen der Quantenphysik in Frage. Bizarre Quantenphänomene könnten demnach das Ergebnis der Interaktion unseres Universums mit einem oder mehreren Nachbaruniversen sein (...wir berichteten). "Grenzwissenschaft-Aktuell" hat dem Direktor des Centre for Quantum Dynamics an der Griffith University, Professor Howard Wiseman und Dr. Dirk - André Deckert von der University of California und der Ludwig-Maximilians-Universität München zu den möglichen Konsequenzen dieser Theorie - auch für grenzwissenschaftliche Phänomene - befragt.

GreWi:
Herr Professor Wiseman und Dr. Deckert, in Ihrer Publikation, beschreiben Sie u.a. Ihre Simulation des Doppelspaltexperiments als eines jener Qunatenphänomene, die vor dem Hintergrund ihrer Theorie erklärt werden können. Können Sie uns dies kurz erläutern und dabei auch erklären, wie Ihre Theorie dieses im Gegensatz zur bisherigen Quantenphysik erklärt?

Professor Howard Wiseman: Wir haben das Doppelspalt-Interferenzmuster unter der Voraussetzung der Existenz von 42 Universen mit Bahnen simuliert, wie sie in der beigefügten Grafik zu sehen sind und wie sie sich aus der Quanten-Zwischenkraft (quantum interstitial force) ergeben. Die Schattierung stellt die Dichte der Welten dar, wie sie anhand der Bahnen berechnet wurde.

Simulierte Bewegungsbahnen der Teilchen bei 42 Paralleluniversen. | Copyright: Wiseman et al.
In Standardmodell der Quantenmechanik, wird die Interferenz mittels der Wellenfunktion erklärt, die in diesem Fall eines einzelnen Teilchens im gewöhnlichen dreidimensionalen Raum existiert. Sind beide Spalten geöffnet, so bewegt sie sich auch durch beide Spalten hindurch und bestimmt dabei die Wahrscheinlichkeit, an welchem bestimmten Punkt das Teilchen detektiert wird. Das Teilchen selbst geht aber weder durch den einen, noch durch den anderen Spalt. Seine Position wird alleine durch den Vorgang der Beobachtung bestimmt.
Professor Howard Wiseman. | Copyright: Griffith University

In unserer Theorie bewegt sich nun ein/das Teilchen tatsächlich durch einen Spalt. Allerdings gibt es zeitgleich viele, sich leicht voneinander unterscheidende Parallelwelten, in denen das Teilchen einen Spalt jeweils an einem anderen Punkt oder auch den anderen Spalt durchquert.


Diese parallelen Welten/Universen interagieren nun aber miteinander und erzeugen so die Bahnen, wie sie in der Grafik dargestellt werden. Auf diese Weise erkennt also ein Teilchen, das sich in einem dieser Universen durch den unteren Spalt bewegt, ob der obere Spalt geöffnet ist, durch den Einfluss einer Parallelwelt, in der sich das Teilchen durch eben diesen oberen Spalt bewegt hat.


Dr. Dirk - André Deckert: In der herkömmlichen Formulierung der Quantenmechanik wird die Statistik der Teilchenorte mittels der Lösung der Schrödinger Gleichung, der sogenannten Wellenfunktion, beschrieben. Vereinfacht kann man sich die Wellenfunktion als Wellen auf einer Wasseroberfläche vorstellen. Wenn eine Wellenfront auf den Doppelspalt trifft, werden an beiden Spaltöffnungen Wellenpakete erzeugt, die sich dahinter weiter, ähnlich wie Wasserwellen, gemäß
der Schrödingergleichung ausbreiten. Diese zwei Wellen überlagern sich und erzeugen nach einiger Zeit das bekannte Interferenzmuster.
Dr. Dirk - André Deckert. | Copyright: N. Daria

Die eigentlichen Teilchen, die man durch den Doppelspalt schickt, reiten auf dieser Wellenfunktion, wie Surfer auf einer Welle, und werden dadurch auf bestimmte Bahnen gelenkt. Man kann dann zeigen, dass die Statistik der Teilchenorte durch das Absolutquadrat der Wellenfunktion gegeben ist. Das Bewegungsgesetz der Teilchen ist also durch die Wellenfunktion allein bestimmt.


In unserer Formulierung gibt es keine Wellenfunktion mehr. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl von Welten, die jeweils aus einer bestimmten Anzahl von Teilchen bestehen. Das Bewegungsgesetz, dass diese Teilchen auf ihren Bahnen führt, ist durch die klassische Newtonsche Gleichung, Masse x Beschleunigung = Kraft, gegeben. Die Kraft setzt sich aber zum einen aus der klassischen Kraft, die der Wechselwirkung der Teilchen innerhalb der jeweiligen Welten entspricht, und zum anderen aus einer neuartigen Kraft zusammen. Letztere lässt die Welten
direkt miteinander wechselwirken, und ihre Natur ist es, lokale Anhäufungen von Welten, wie z.B. bei den Spaltöffnungen, entgegen zu wirken und sie auseinander zu treiben. Macht man nun Statistik über die Orte, der durch dieses Bewegungsgesetz geführten Teilchen, entsteht hinter dem Doppelspalt wieder das bekannte Interferenzmuster.


Dieses stimmt mit dem der Quantenmechanik im hypothetischen Limes unendlicher Welten exakt überein. Wir zeigen anhand zweier Beispiele (Grundzustand des harmonischen Oszillators und Doppelspaltexperiment), dass in speziellen Situationen aber schon geringe Anzahl von Welten ausreicht, um gute Vorhersagen machen zu können.


Im Hinblick auf die numerische Berechnung von Lösungen, scheint unser neues Bewegungsgesetz Vorteile zu haben, denn es müssen nur eine bestimmte Anzahl von wechselwirkenden Weltenbahnen berechnet werden, wofür es effiziente Algorithmen gibt. Im Gegensatz dazu ist es z.B. sehr aufwendig die Schrödinger-Gleichung für mehr als drei Teilchen numerisch zu lösen, denn die Wellenfunktion nimmt für jede Teilchenkonfiguration einen Wert an, der in jedem Zeitschritt berechnet werden muss. Die Interpretation der von uns vorgeschlagenen Formulierung außen vor gelassen, sieht es so aus, also ob sich daraus schnelle numerische Algorithmen ableiten lassen könnten, die z.B. in der Quantenchemie dringend gebraucht werden.
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GreWi: Glauben Sie, dass die Ergebnisse Ihrer Arbeit und die Konsequenzen Ihrer Theorie auch einige sogenannte paranormale Erfahrungen und Phänomene derart erklären könnten, dass es sich dabei um das Ergebnis der Interaktion eines Paralleluniversums mit dem unsrigen handeln könnte? Ich denke da jetzt mal an Geistererscheinungen oder vielleicht auch Kornkreise sozusagen als Abdrücke oder "Rückstände" einer solchen Interaktion etwa in Form eines Interferenzmusters.
Wiseman: Nein, ich würde nicht sagen, dass diese Dinge das Ergebnis unserer Theorie sein könnten.

Ich kann mir aber vorstellen, dass einigen Autoren von Science-Fiction unsere Theorie gefällt, da sie Parallelwelten möglich und real hält. Ich kann mir auch vorstellen, dass uns der eine oder andere Autor unterstellen wird, dass die beschriebene Interaktion zwischen einigen dieser Welten nicht so abläuft, wie wir es postulieren und dass diese Interaktionen unter bestimmten Umständen eine wie auch immer geartete Kommunikation zwischen den Parallelwelten ermöglicht, die dann wie paranormale Phänomene erscheinen können.


Aber nochmals: Ich selbst sehe in diesen Dingen keine Konsequenz unserer Theorie und würde sie auch nicht als Argument für diese Phänomene bezeichnen.


Deckert: Diese Unschärfe im Begriff (des Paranormalen) ist einer der Gründe, warum ich fürchte, dass keine wissenschaftliche Methode, und schon gar nicht unsere vorgeschlagene Formulierung der Quantenmechanik, jemals im Studium dieser Phänomene irgendwie hilfreich sein wird. Die Antwort auf Ihre Frage ist also weder "ja" noch "nein", weil die Frage nicht wohl definiert ist.


Wissenschaftliche Methoden benötigen scharf definierte Objekte, um erfolgreich arbeiten zu können, und um scharfe Antworten, wie "ja" und "nein" zu finden. Zum Beispiel, Teilchen als Objekte die einen Ort haben, oder Felder, die an jedem Raumpunkt einen Wert haben, welcher wieder einer klar definiertem Eigenschaft der Natur an diesem Ort entspricht, usw. Dann kann man für scharf definierte Anfangswerte klare Vorhersagen über die Zukunft machen, oder ein
beobachtetes Phänomen anhand der Theorie verstehen, oder Objekte beschreiben, die wohl sind, aber sich unseren direkten Sinneseindrücken entziehen (dies fängt z.B. schon beim Mond an, von dem wir wissen, das er ist, obwohl wir ihn manchmal gar nicht sehen - und hört bei den Atomen nicht auf).


Wenn Sie mich also fragen, ob unserer vorgeschlagenen Formulierung der Quantenmechanik nach, andere Welten direkten Einfluss auf die unsere haben, dann ist die Antwort klarerweise "ja", denn diese Wechselwirkung steht ja im Bewegungsgesetz der Teilchen. Wenn Sie mich aber fragen, ob z.B. unserer Formulierung nach Kornkreise als Abdruck der Wechselwirkung mit anderen Welten erscheinen würden, so ist die Antwort sicherlich "nein". Diese neue Wechselwirkung beeinflusst vorwiegend Phänomene auf viel kleineren Skalen, wie z.B. die, der Atome.


Um mit einer Frage doch antworten zu dürfen, dessen Antwort vielleicht hilfreich ist, meinen Punkt zu der Beschreibung "paranormaler" Phänomene zu verstehen: Warum reicht Ihnen denn weder die Religion, noch die klassische Physik aus, um solche Phänomene befriedigend zu beschreiben?
GreWi: Sie und Ihre Kollegen beschreiben mit ihrer Theorie Effekte auf der Quantenebene. Wenn also nicht im Paranormalen, könnte Ihre Theorie dann grundsätzlich auch Auswirkungen auf der Makroebene und damit in der für uns Menschen alltäglich erfahrbaren Natur und Realität haben?
Wiseman: So wie wir es bislang formuliert haben, können wir nur Effekte auf der Quantenebene erwarten. Es könnte aber vielleicht subtile Unterschiede geben, die dann auch beobachtbar wären. Allerdings haben wir diese Fragestellung noch nicht untersucht. Es gibt also noch viel zu tun.
GreWi: Professor Wiseman, Herr Dr. Deckert, besten Dank für Ihre Zeit und Ausführungen.

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Donnerstag, 2. Oktober 2014

"Bilder für die Götter" - Die Archäologin Irina Shevnina über die neuentdeckten Geoglyphen in Kasachstan


Kreuz-Quadrat in Nord-Kasachstan. | Copyright/Quelle: DigitalGlobe, courtesy Google Earth


Saarbrücken (Deutschland) - Mit ihrer Präsentation der Entdeckung von mehr als 50 unterschiedlich großen Bodenbildern in Nordkasachstan, sogenannten Geoglyphen, haben kasachische und litauische Archäologen auf dem Jahrestreffen der European Association of Archaeologists (EAA) und auch in den internationalen Medien für Aufsehen gesorgt (...wir berichteten). Um mehr und genauere Informationen über das "kasachische Nazca" zu erfahren, hat "grenzwissenschaft-aktuell.de" die an der Entdeckung und Erforschung der Geoglyphen beteiligte Archäologin Irina Shevnina interviewt.

GreWi: Frau Shevnina, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben. Können Sie uns etwas mehr darüber berichten, wie Sie und Ihre Kollegen die Geoglyphen in Kasachstan entdeckt und seither erforscht haben?


Irina Shevnina. | Copyright: I. Shevnina

Irina Shevnina: Die ersten Geoglyphen wurden 2007 zufällig mit Hilfe von Google Earth gefunden. Zuerst hatten wir nur drei Geoglyphen entdeckt: Die Triskele, ein Quadrat und ein Kreuz. Nach und nach wurden es immer mehr. Mittlerweile kennen wir mehr als 50.

Wir haben das Quadrat und andere mittlerweile auch vor Ort untersucht. Alle Geoglyphen bestehen aus aufgeschütteter Erde und/oder Erdhügeln. Derzeit unterscheiden wir zwei Haupttypen: Die eine Art von Geoglyphen bestehet aus Erdhügeln, die in ihrer Anordnung selbst Linien, Ringe, Kreuze Quadrate und Quadrate mit Kreuzen. Die zweite Gruppe besteht aus aufgeschütteter Erde, also Erdgräben und Erdwällen.


Triskele als Geoglyphe in Nord-Kasachstan. | Copyright/Quelle: DigitalGlobe, courtesy Google Earth

GreWi:
Während die Geoglyphen (wie vielerorts weltweit) aus der Luft recht gut zu erkennen sind, ist dies am Boden offenbar deutlich schwieriger. Können sie uns etwas darüber sagen, wie sich die Muster von ihrer Umgebung abzeichnen?

Irina Shevnina: Die Triskele/Swastika selbst ist nur aus der Luft und vom Boden aus so gut wie gar nicht erkennbar. Der Höhenunterschied zwischen Umgebung und dem leicht aufgehäuften Grund beträgt hier gerade einmal 30-40 Zentimeter auf einem Gesamtdurchmesser des Musters von 90 Metern. Die Hügel, die beispielsweise zum großen Kreuz-Quadrat zusammengestellt wurden haben eine Höhe von knapp einem Meter.
Das Kreuz-Quadrat aus der Luft. | Copyright/Quelle: Irina Shevnina


Einzelner Hügel außerhalb der Quadrat-Kreuz-Geoglyphe (s.Abb.o.). | Copyright/Quelle: Irina Shevnina

GreWi: In den bisherigen Berichten (vornehmlich via LiveScience.net) wurde erklärt, dass die Triskele/Swastika nicht aus Erde sondern aus oder mit Holz markiert und daraus hergestellt wurde. Wenn ich Sie nun jedoch richtig verstehe, ist dem nicht so?

Irina Shevnina: Nein, das muss ein Missverständnis oder Übersetzungsfehler sein. Auch dieses Muster besteht, wie obig erwähnt, aus aufgehäuftem Erdboden.

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GreWi: In den bisherigen Berichten kann zudem der Eindruck entstehen, dass die 50 Geoglyphen eine relativ überschaubaren Fläche bedecken. Wie groß ist dieses Areal tatsächlich?

Irina Shevnina: Die Triskele (50°06'09" N / 65°21'40" O) und das große Quadrat (50°49'58,38" N 65°19'34,54" O) sind weniger als 100 Kilometer voneinander entfernt. Alle Geoglyphen befinden sich die der Region Qostanai in Nordkasachstan. Das Gesamtareal ist sehr groß. Einige der Geoglyphen sind 300 bis 600 Kilometer voneinander entfernt.
Einige eine Kreuz-Geoglyphe bildende Hügel am Horizont (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen). | Copyright/Quelle: Irina Shevnina

GreWi: Was könnten diese Geoglyphen Ihrer Meinung nach sein?

Irina Shevnina: Die Entfernungen zwischen den Bildern und den Hügeln ist so groß, dass man von einem Bodenmuster aus das nächste kaum bzw. gar nicht sehen kann. Von allen Bildern aus ist aber der Himmel zu sehen und die Gesamtform erschließt sich meist nur aus der Luft. Deshalb vermute ich, dass es sich um Bilder handelt, mit denen die Menschen viel eher ihren Göttern etwas mitteilen wollten als anderen Menschen. Aber das ist natürlich nur eine Hypothese. Ich vermute, dass diese Geoglyphen zumindest eine rituelle Bedeutung hatten.
Eine weitere Theorie vermutet, dass es sich um generische Zeichen, ähnlichem den mongolisch Tamgha-Symbolen handelt, mit denen unterschiedliche Stämme territoriale Ansprüche markierten. Für uns hier in Kasachstan ist dieses - wenn auch alte - Phänomen noch neu und die Geoglyphen sind uns noch immer ein Rätsel.




Weitere Geoglyphen in Nord-Kasachstan. | Copyright/Quelle: DigitalGlobe, courtesy Google Earth

GreWi: In den Berichten über Ihre Arbeit heißt es, dass Sie davon ausgehen, dass die Geoglyphen von "Menschen des Altertums" hergestellt wurden. Können Sie hierzu etwas konkreter werden? Wie alt sind die Geoglyphen und gibt es eine bekannte Kultur in der Region, die dafür in Frage kommt?

Irina Shevnina: Bislang konnten wir folgende Datierungen ermitteln: Mittels OSL (Optisch stimulierte Lumineszenz = Datierungsverfahren für Gesteine und Sedimente) 800-750 v.Chr. und damit späte Bronze- bist frühe Eisenzeit in dieser Region; und mittels Radiokarbondatierungen (C14 = Datierungsverfahren für organische Materialien) 42-85 n.Chr. Das fällt dann also in die mittlere sarmatische und hunnisch-sarmatische Periode. Wir haben es also mit einer wirklich sehr langen Zeitspanne zu tun. Es ist also nicht wirklich klar, welcher Periode sich die Geoglyphen zuordnen lassen.
Leider sind die Hügel keine Grabhügel, da wir anhand solcher Funde recht genau bestimmen könnten, wer, wann und vielleicht auch warum die Geoglyphen erbaut hatte. Bislang können wir somit nur eines sagen: Die Geoglyphen sind ein Rätsel.
GreWi: Besten Dank für Ihre ausführlichen Antworten und Informationen.

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Freitag, 28. März 2014

GreWi-Interview: Scott S. Sheppard über die Entdeckung des neuen Zwergplaneten und deren Konsequenzen


Die Umlaufbahnen von Sedna (orange) und "2012 VP113" (rot), um das Zentrum unseres Sonnensystems mit den Planeten (pink) und den Kuipergürtel (türkis). | Copyright: Scott S Sheppard/Carnegie Institution for Science

Saarbrücken (Deutschland) - Die Entdeckung eines zweiten Zwergplaneten am bzw. außerhalb des äußersten bislang bekannten Randes unseres Sonnensystems, die am vergangenen Mittwoch von Astronomen der Carnegie Institution for Science bekannt gegeben wurde (...wir berichteten) zeichnet ein neues Bild unseres Sonnensystems. GreWi-Herausgeber Andreas Müller hat den Mitentdecker von "2012 VP113", Scott S. Sheppard, über die weitreichenden Konsequenzen dieser Entdeckung interviewt.

...please find the English version HERE


GreWi: Sehr geehrter Mr. Sheppard, Ihr Nachweis eines - neben Sedna - zweiten Zwergplaneten im äußersten Sonnensystem ist alleine schon eine faszinierende Entdeckung. Doch die Konsequenzen dieser Entdeckung sind noch faszinierender. Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie auf der Grundlage ihrer Beobachtungen schätzen, dass es noch bis zu 900 bis 1.000 derartig großer, ja sogar noch größerer Körper in dieser Region des Sonnensystems gibt, von denen einige sogar so groß sein könnten wie der Planet Mars und unsere Erde?
Scott S. Sheppard. | Copyright/Quelle: home.dtm.ciw.edu/users/sheppard
Sheppard: Ja, in dieser fernen Region gibt es noch viele große Objekte. Diese Objekte sind jedoch so weit von uns entfernt, dass wir sie bis heute selbst dann nicht entdecken konnten, wenn sie so groß wären wie die Erde. Der Grund hierfür ist der, dass diese Objekte so lichtschwach sind und wir erst einen wirklich kleinen Teil des Himmels - gerade einmal etwa 5 Prozent - nach solchen Objekten überhaupt abgesucht haben. Dieser Umstand lässt also noch eine Menge Himmel übrig, innerhalb dessen solche Objekte zukünftig noch gesucht und gefunden werden können.
GreWi: Ist das auch der Grund, weswegen wir zwar Planeten um fernen Sterne (sog. Exoplaneten) entdecken können, aber offenbar noch so wenig über unseren eigenen "planetaren Hinterhof" wissen?
Sheppard: Genau. Um Himmelskörper/Planeten in unserem eigenen Sonnensystem zu finden, benutzen wir ganz andere Technologien als wenn wir nach Planeten um fernen Sterne suchen: In unserem Sonnensystem finden wir Objekte durch das Sonnenlicht, das sie reflektieren (wie etwa der Mond). Sind Objekte aber sehr weit entfernt, dann erhalten sie nur sehr wenig Sonnenlicht und sich deshalb extrem lichtschwach. Exoplaneten werden aber meist durch indirekte Beobachtungsmethoden entdeckt, etwa anhand ihrer minimalen Gravitationswechselwirkung mit ihrem Stern, durch kleinste Helligkeitsschwankungen im Licht ihres Stern, das sie bei einem Transit periodische abdunkeln. Mit solchen Technologien lassen sich keine Objekte oder Planeten in unserem Sonnensystem finden.
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GreWi: Würden solche Objekte dann auch laut den Standards der Internationalen Astronomischen Union (IAU) als Planeten gelten?

Sheppard: Das ist eine gute Frage. Ein Objekt muss drei Kriterien erfüllen, um als Planet (unseres Sonnensystems) bezeichnet zu werden:
1. Es muss die Sonne umkreisen.
Alle die von uns beschriebenen und geschätzten Objekte erfüllen dieses Kriterium.

2. Es muss schwer genug sein, dass seine eigene Schwerkraft es zu einer Kugel formt.

Auch dies würde wohl auf die großen Objekte im äußeren Sonnensystem zutreffen.

3. Es müsste seine Umlaufbahn von anderen Objekte freigeräumt haben.

Dies wäre nichts zwangsläufig der Fall - selbst wenn das Objekt so groß wäre wie die Erde - da es in dieser Region so viele weitere Objekte gibt.

Aber es wäre natürlich schon eine wirklich merkwürdige Situation, wenn es erdgroße Himmelskörper gäbe, die dann nicht auch als Planeten bezeichnet würden. Wenn zukünftige Entdeckungen ein solches Szenario bestätigen, so bin ich mir ziemlich sicher, dass die IAU die Definition für Planeten ändern wird.
GreWi: Habe ich Sie auch dahingehend richtig verstanden, dass die doch ungewöhnlichen Umlaufbahnen von Sedna und "2012 VP113" (und jene der wahrscheinlich anderen vorhandenen Objekte) auf die Existenz eines noch deutlich größeren Himmelskörpers, etwa einer Super-Erde (Felsplaneten bis zur 10-fachen Größe der Erde) oder sogar noch größer, hindeuten?
Sheppard: Ganz richtig, Die Umlaufbahnen dieser wirklich sehr weit von uns entfernten Objekte scheinen sich in Clustern zusammenzufinden. Eine Erklärung dafür könnte ein sehr großes Objekt im äußeren Sonnensystem sein, dass diese Objekte auf diese ähnlichen Umlaufbahnen führt.
GreWi: Wenn dies so wäre, so würde ein derart großes Objekt dann doch ganz bestimmt der Definition für einen Planeten genügen?
Sheppard: Das könnte man meinen. Aber die derzeitige Planeten-Definition der IAU sieht das anders. Diese müsste also abgeändert werden.
GreWi: Könnte es sich bei diesem Himmelskörper auch um einen großen Gasplaneten, einen "Dunklen Jupiter" oder sogar einen Braunen Zwerg und damit um einen stellaren Begleiter unserer Sonne handeln?
Sheppard: Nein, dieses Objekt wäre nicht so groß wie Jupiter, da wir etwas derart großes dann mittlerweile doch schon entdeckt hätten. Aber eine felsige Super-Erde mit einer Masse von einer bis zehn Erden könnte uns bis heute durchaus entgangen sein.


Der Zwergplanet "2012 VP113" im Visier. | Copyright: Carnegie Institution for Science/ Scott S. Sheppard

GreWi: Für wie stark halten Sie die Hinweise oder gar Beweise für die Existenz eines solchen großen aber noch unentdeckten Himmelskörpers, basierend auf den beiden nun bekannten Umlaufbahnen von Sedna und "2012 VP113"?

Sheppard: Für unsere Berechnungen stehen die Umlaufbahnen der beiden Zwergplaneten im entfernten Sonnensystem und die einiger anderer Objekte in der Nähe des Neptun zur Verfügung. Basierend auf diesen wenigen Objekten kann die Existenz eines derart großen Objekts nicht ausgeschlossen werden. Es könnte dort draußen sein. Die Datengrundlage erlaubt es aber noch nicht von eindeutigen Beweisen zu sprechen.
Für die Ähnlichkeit der Umlaufbahnen der bislang entdeckten und analysierten Objekte könnte es auch noch eine andere Erklärung geben an die wir bislang noch nicht gedacht haben. Was wir jetzt wirklich benötigen, ist die Entdeckung weiterer dieser fernen Objekte im äußeren Sonnensystem, um zu überprüfen, ob sich deren ähnliche Umlaufbahnen tatsächlich häufen.
GreWi: Liest man ihre Pressemitteilung, so hat es aber den Anschein, dass Sie und Ihre Kollegen die Theorie eines noch unbekannten großen "Planeten" im äußeren Sonnensystem bevorzugen. Ist diese Beobachtung korrekt und wenn ja, warum?
Sheppard: Wir wissen einfach noch viel zu wenig darüber, warum diese Objekte diese ungewöhnlichen und zugleich ähnlichen Umlaufbahnen haben. Ein wirklich großer Körper im äußeren Sonnensystem wäre eine gute Erklärung. Es könnte aber auch sein, dass es irgendeinen (uns noch unbekannten) Effekt gibt, der dazu führt, dass wir Objekte mit diesen Umlaufbahnen schlichtweg einfacher finden. Bislang glauben wir aber nicht, dass es einen solchen Effekt gibt - ausgeschlossen ist es deshalb aber nicht. Die Theorie eines großen Planeten im äußeren Sonnensystem ist bislang nur eine Theorie, aber sie deckt sich eben mit dem, was wir sehen.
GreWi: Wenn wir das, was wir bislang über Sedna, "2012 YP113" und andere ähnliche Objekte wissen voraussetzen, so klingt es (zumindest für den astronomischen Laien) zunächst nach einer relativ einfachen Übung, anhand dieser Daten die genaue Umlaufbahn jenes großen Objekts zu berechnen, dass für die ungewöhnlichen Umlaufbahnen verantwortlich ist. Warum können wir dieses Objekt also nicht genau so einfach finden?
Sheppard: Im ersten Moment mag dies so einfach erscheinen. Schließlich wurde ja auch der Planet Neptun aufgrund der ungleichen Bewegungen des Planeten Uranus entdeckt. Allerdings war die Umlaufbahn des Uranus damals schon wirklich sehr genau bekannt. Es ist diese Genauigkeit, die uns zu den Umlaufbahnen dieser entfernten Objekte noch fehlt, um eben diese Ortsbestimmung berechnen zu können.


Illustration des Zwergplaneten Sedna. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC-Caltech)

GreWi: Da die beschrieben felsigen, planetaren Objekte derart weit von der Sonne entfernt sind, scheint die klassische Vorstellung von der sogenannten habitablen Zone (also jener Abstandsregion, innerhalb derer ein Planet/Objekt seinen Stern umkreisen muss, damit auf seiner Oberfläche Wasser in flüssiger Form - und damit die Grundlage zumindest des irdischen Lebens - existieren kann) gegen Leben auf diesen Objekten zu sprechen. Allerdings haben einige ihrer Kollegen in den letzten Jahren gezeigt, dass Leben sogar auf Einzelgängerplaneten (Planeten also, die frei durchs All treiben und dabei keine Sonne umkreisen) unter bestimmten Bedingungen lebensfreundlich sein könnten, solange sie nur über eine zu einem Stern alternative Energiequelle verfügen (...wir berichteten).


Sehen Sie vor diesem Hintergrund eine Möglichkeit, dass zumindest einige der Objekte um äußersten Sonnensystem - so weitere existieren - lebensfreundlich sind oder sogar schon Leben (in welcher Form auch immer) tragen?

Sheppard: Ein solches Szenario wäre meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich. Aber ein wirklich großes Objekt - größer als die Erde - könnte über ausreichend innere Hitze verfügen, damit unterhalb der Oberfläche Flüssigkeiten existieren könnten. In einem solchen Fall, gerade wenn es Wasser wäre, wäre es natürlich auch möglich, dass Leben dort entstanden sein könnte. Wenn auch unwahrscheinlich - aber möglich."
GreWi: Schließt dies Flüssigkeiten an/auf der Oberfläche dieser Objekte aus?
Sheppard: Nun, die Oberfläche derart weit entfernter Körper wäre einfach ziemlich kalt - zu kalt. Die Oberflächentemperatur auf "2012 VP113" beträgt wahrscheinlich minus 240 Grad Celsius. Auf dortigen Objekten sehe ich keine Chance für flüssiges Wasser auf der Oberfläche, da sie ihre innere Hitze viel zu schnell ins All verlieren und alle Flüssigkeiten an der Oberfläche sehr schnell gefrieren würden.
GreWi: Könnte eine eventuell vorhandene Atmosphäre davor schützen?
Sheppard: Nun, die einzige Möglichkeit, nach der ein dortiges Objekt seine Atmosphäre bewahren könnte, wäre die, dass es sich dabei um einen Gasriesen handeln würde. Jede andere Atmosphäre würde soweit draußen auf der Oberfläche regelrecht festfrieren.


GreWi: Es ist kaum eine Woche her, dass Astronomen auf der Grundlage der WISE-Mission erklärt hatten, dass man keine Hinweise auf die Existenz des lange Zeit angenommenen und gesuchten "Planet X" gefunden habe (...wir berichteten) - obwohl auch wenn selbst die WISE-Studie noch einen kleinen Raum für eine solche Entdeckung lässt. Wie kommt es zu dem ihrer jetzigen Entdeckung scheinbar widersprechenden Ergebnis der Suche mit WISE?
Sheppard: WISE war 'nur' auf die Suche nach Objekten von der Größe des Neptun und größer ausgelegt. Das Objekt, das wir jetzt gefunden haben und jene Objekte, wie wir sie vorhersagen, sind kleiner als Neptun.
GreWi: Mr. Sheppard, ich bedanke mich für dieses wirklich interessante und aufschlussreiche Interview.

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GreWi-Interview: Scott S. Sheppard on the discovery of the new far out dwarf planet in our solar system and its implications


Diagram showing the orbits of dwarf planet Sedna (orange) and the new discovered "2012 VP113" (red) surrounding the solar system's center with the known planets (pink) and the Kuiper-belt (green). | Copyright/Source: Scott S. Sheppard/Carnegie Institution for Science

Saarbrucken (Germany) - The discovery of a second far out dwarf planet at the outermost edge and beyond our known solar system, as it was reported last Wednesday by astronomers of the Carnegie Institution for Science draws a new picture of our very own home planetary system. The editor of the German frontier-science news-blog "grenzwissenschaft-aktuell.de" (GreWi), Andreas Mueller, interviewed Scott S. Sheppard - one of the discoverers of "2012 VP113" - on it's discovery and in far reaching implications.

GreWi: Dear Mr. Sheppard, your discovery of a second dwarf planet like Sedna is already an amazing discovery. However, the implications it raised and which you describe in your paper sound even more fascinating. Did I understand it correct, that you estimate that there are about 900-1000 more of such large - and even larger – bodies, some that might be as big as our planet Earth?

Scott S. Sheppard. | Copyright/Quelle: home.dtm.ciw.edu/users/sheppard
Sheppard: Yes, there are a lot of large objects in this distant region. The objects are so distant that even Earth sized objects would not have been detected to date because we have not much of the sky to the faint levels needed to find these objects. We have only searched about 5 percent of the sky to date for faint distant objects, so that leaves a lot of sky out there were large objects can be found.
GreWi: And this is also why we are able to discover planets around other far away stars (exoplanets) but do know that little about our very own planetary backyard of our solar system?
Sheppard: Yes. We use different techniques to find planets in our own solar system versus other solar systems. We detect objects by reflected sun light in our solar system, just like we see the moon, by reflected sun light. When objects are very far out they receive very little sun light to reflect and thus they are very, very faint. Exoplanets are discovered not by reflected sun light, but by gravitational wobbling of the star, which requires a very large planet to detect this or by a planet moving in front of its star and thus blocking starlight. These techniques cannot be used in our own solar system to find planets.
GreWi: If we will find such objects (as big and even bigger than Earth), would they be characterized as "planets" according to the standards of the International Astronomical Union (IAU)?
Sheppard: This is a good question. An object must satisfy three criteria to be called a planet:
1. It must orbit the Sun.
So all these objects would satisfy that.

2. It must be massive enough that gravity will shape it into a sphere.

That would also be the case for these very large objects in the outer solar system.

3. It must clear its orbit of other objects.

This would not be the case, even for a Earth sized planet, as there are many other objects in this area. So it would be a strange situation to have an Earth sized planet not be called a planet. If this comes to be true, I'm sure the IAU will change the definition of planet.
GreWi: Did I understand it also correct, that the strange orbits of Sedna, "2012 VP113" (and the orbits of possible others...) do point to the existence of an even bigger, major planetary body like a Super-Earth or even bigger?
Sheppard: Yes, the orbits of these very distant known objects seem to cluster together and one of the explanations is that it could be from a large massive object in the outer solar system shepherding these objects into these similar orbits.
GreWi: But such a large object would surely qualify as a planet?
Sheppard: One would think so, but the current IAU definition would not, so the IAU definition would have to be changed.
GreWi: Could this large object also be also a large gaseous planet, a "Dark Jupiter" or even a brown dwarf, like a stellar companion?
Sheppard: No, the object would not be as large as Jupiter since something that large would likely have been seen by now. But a rocky super Earth with a mass between 1 to 10 Earth masses could have gone undetected to date.

Dwarf planet "2012 VP113" through the telescope. | Copyright: Carnegie Institution for Science/ Scott S. Sheppard

GreWi: How strong do you judge the indications or even evidence for the existence of such a large body based on your new calculations?

Sheppard: We are using the two dwarf planets (Sedna and "2012 VP113") that are in the very distant solar system plus a few other objects that are closer to Neptune. Based on these few objects it suggests there might be a massive object out there, but it is only circumstantial evidence. There might be another explanation for the similarity of the orbits that we have not thought of. What we really need is to discover more of these very distant objects to confirm that they are bunch together with similar orbits.
GreWi: If one reads your press release you and your colleagues point very prominently to the "large-planet-theory". Is this your favorite theory – and if so, why is that?
Sheppard: We really don't know why these objects have similar orbits. A larger body in the outer solar system could create them. It is also possible that there is some observational selection effect that makes it easier to discover bodies with these kinds of orbits. We don't think there is any observational bias, but it is possible. The larger planet theory is just a theory that fits what we see, but it is not a sure thing.
GreWi: Given what you know now about the orbits of Sedna, "2012 VP13" and some Kuiper-belt objects, the lay-person (like me…) would think it should be possible to pinpoint the precise location of this massive "disturber" relatively easy. So why can't we find it?
Sheppard: This may sound plausible on a first thought as for example Neptune was actually predicted based on Uranus' uneven motion. But Uranus' orbit was known very well. We don't yet have the precision on the orbits of these distant objects to make such calculations.

Illustration of dwarf planet Sedna. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC-Caltech)

GreWi: Because of the distance of the possible rocky-planet-sized bodies and in special of the distance of the possible large body to the sun, the classical ideas of the habitable zone exclude the possibility of life on these objects. However, in the last few years, several colleagues of you (like Abbot & Switzer) described several scenarios under which life could have been formed also outside the classical habitable zone and even on 'rogue planets' as long as another energy-source (instead of a star/sun) is available.


Do you see a way that the described objects - in case they exist - could be habitable or even already bear live (in whatever form)?

Sheppard: It would be unlikely, but a very massive object, bigger than Earth might have enough internal heat to allow some sort of liquid to exist under its surface. If this were the case, it is possible life could form, but unlikely.
GreWi: So fluids - like water - on such an object's surface are impossible?
Sheppard: The surface would be very cold. "2012 VP113" is likely minus 400 degrees Fahrenheit. So no chance for liquid on the surface of these objects because they would radiate their heat away to space very quickly and freeze any liquid on the surface.
GreWi: Could a possible atmosphere on these objects protect the heat from radiating into space?
Sheppard: Well, the only way an object would have an atmosphere to keep in the head would be if it were a gas giant planet. Any other atmosphere would just be frozen on the surface.
GreWi: Just last week other astronomers reported that the WISE mission could not find any evidence and traces of the long theorized and searched "Planet X". While their model still leaves a little space for the existence of such bodies, how can you explain the seemingly opposite conclusions based on the WISE-data to your latest finding?
Sheppard: WISE was only sensitive to objects Neptune sized or larger while the object we are suggesting would be smaller than Neptune.
GreWi: Mr. Sheppard, many thanks for your time and your interesting and informative answers.

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Sonntag, 16. März 2014

Interview mit dem UFO-Forscher Christian Czech

Mit den Aufnahmen vom McMinnville, 1950, weckten bei Christian Czech die Faszination UFO.

Christian Czech erforscht seit 14 Jahren UFOs, seit 2008 ist er Vorstandsbeisitzer und Fallermittler bei der "Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens" (GEP), seit 2010 zudem bei der "Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung", wo er auch als Webmaster und Kassenwart aktiv ist. Hinzu pflegt Czech mit "UFO-Datenbank.de" hauptverantwortlich Deutschlands umfangreichste Datenbank für UFO-Sichtungen. Im Interview mit Martina Riemer vom Alien.de-Forum, das wir im Folgenden mit freundlicher Genehmigung übernommen haben, berichtet Czech von seiner Arbeit und kommentiert die aktuelle UFO-Forschung.

Riemer: Wie ist es zu Deinem Interesse an der UFO-Forschung gekommen? Gab es ein besonderes Ereignis?


Czech: Ein besonderes Ereignis gab es nicht und das Interesse kam auch eher schleichend. 1991 lag einer Zeitschrift ein Prospekt von einem Buchversand bei. Dort war das Buch "Unbekannte Flugobjekte" beworben, neben dem Cover war ein Bild aus dem McMinnville-Fall von 1950 abgebildet. Irgendwas weckte mein Interesse, aber zu weiteren Aktivitäten kam es nicht. Ich beschäftigte mich aber bereits seit 1986 mit Astronomie und in einem Buch wurden UFOs erwähnt. Die nächste Stufe kam 1994, als ich anfing, Zeitungsartikel über den Kometen Shoemaker-Levy 9 zu sammeln, der damals auf den Planeten Jupiter stürzte. Wenig später kamen dann auch Zeitungsartikel über UFOs hinzu. Am 24.10.1994 wurde die Sendung "UFOs – Es gibt sie doch" von der ARD ausgestrahlt und ab da war dann ein größeres Interesse vorhanden. Ich sammelte weiter Zeitungsartikel. 1997 erschien die Heftreihe "X-Faktor", in denen regelmäßig über UFO-Sichtungen geschrieben wurde, ab da begann meine Sammlung von UFO-Sichtungen. Im Januar 1999 kaufte ich das Buch: "UFOs - Das Jahrhundertphänomen" von Reinhard Habek. Dort erfuhr ich erstmals von UFO-Forschungsgruppen in Deutschland und schrieb dann auch einige an, um mehr über die Arbeit zu erfahren und auch über UFO-Sichtungen. Hans-Werner Peiniger schickte mir damals eine mehrseitige Excelliste mit allen Sichtungen der GEP, da wollte ich natürlich alles über diese Sichtungen wissen.


Riemer: Und, hast Du alles über die Sichtungen erfahren?


Czech: Nicht direkt, ich hatte damals kein Internet. Ich muss auch sagen, dass es noch nie so einfach wie heute war, an Informationen über das UFO-Phänomen zu kommen, damals war es noch richtig schwierig. Ich hatte mir alle noch verfügbaren Ausgaben des "JUFOF" (Journal für UFO-Forschung) schicken lassen, was ja an sich schon ein großer Materialfundus war. Parallel habe ich noch die "UFO-Nachrichten" und den "CENAP-Report" abonniert. Von den "UFO-Nachrichten" habe ich mir auch alle noch lieferbaren Ausgaben besorgt. So hatte ich erstmal eine Grundlage. 2000 kamen noch mehrere Bücher zum Thema dazu. Was mich immer am meisten genervt hat war, dass es ständig Verweise auf Internetquellen gab und ich die nicht abrufen konnte. So kam es, dass ich mir einen Zugang zulegte, und damals noch mit 33.6 k im Internet unterwegs war. Für alle, die damit nichts anfangen können: Damals hatte man ein Modem, welches die Telefonleitung verwendete. Bei der Einwahl gab es lustige Geräusche, das Surfen war sehr langsam und wenn dich jemand angerufen hat, dann bist du aus dem Internet geflogen.


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Riemer: Seit wann bist Du in der UFO-Szene Tätig und was beinhaltet Deine Arbeit?


Christian Czech

Czech: Meine ersten Kontakte in die Szene hatte ich 1999. Aktiv bin ich aber erst seit 2006. Damals ging es darum, eine Datenbank für UFO-Sichtungen zu erstellen. Zusammen mit der GEP war dies erst eine reine html-Datenbank, Anfang 2007 wurde daraus eine Software aus php und sql. Seit 2008 bin ich Vorstandsbeisitzer im Vorstand der GEP, seit 2010 Webmaster der DEGUFO, seit 2011 deren Kassenwart. Für die GEP erledige ich außerdem (ich glaube auch seit 2010) die Buchhaltung. Aus Personalmangel heraus bin ich seit 2011 auch Fallermittler der DEGUFO und GEP.

Riemer: Kannst Du Deine Tätigkeit als Fallermittler mal beschreiben, was waren bisher die spannendsten Fälle? Wie teilt sich die Arbeit hier auf?


Czech: Jeder Fall beginnt mit einer Meldung durch den Sichtungszeugen. Anschließend schaut man sich den Bericht an und überprüft, ob dort Muster zu erkennen sind, die auf einen herkömmlichen Auslöser der Sichtung schließen lassen. Ist dies der Fall, versuche ich meine Theorie zu bestätigen. Dies kann z.B. durch Abfrage der Wetterdaten geschehen, aber auch Flugverläufe und astronomische Rekonstruktionen geschehen. Wenn die Schilderung des Zeugen aber auf keinen bekannten Auslöser hinweist, ist meistens das Ausfüllen eines Fragebogens notwendig. Es gibt Fälle, bei denen kann trotz ausreichender Datenmenge keine Erklärung gefunden werden. In Deutschland betrifft dass etwa 5% aller Fälle. 95% sind IFOs, also identifizierte fliegende Objekte wie Ballons, Flugzeuge, Sterne etc.


Riemer: Wenn man sagt, man beschäftigt sich mit UFOs, dann wird man ja häufig belächelt und es heißt UFOs wären Spinnereien und grüne Männchen vom Mars gibt’s nicht.


Czech: Daran sind aber die Medien schuld. Es wurde lange Zeit behauptet, dass in den fliegenden Untertassen grüne Männchen vom Mars sitzen. Das ist vollkommener Blödsinn. Ein UFO ist eine Erscheinung, die der Beobachter nicht als herkömmliches Objekt identifizieren kann. In die Lage, ein solches Objekt zu sehen, kann jeder, ich betone JEDER, kommen. Daran ist nichts Verwerfliches. Keiner kann alles kennen, was am Himmel rumfliegt. Natürlich gibt es auch Versuche, eine Fälschung als echte UFO-Sichtung zu verkaufen, meistens fliegt so was aber auf, da hier Zeugen entweder nicht dazu bereit sind, nähere Auskünfte zu geben oder die Zeugen übermäßig redselig sind und sich dadurch in Widersprüche verwickeln. Es ist zwar im Zeitalter des Internets so, dass viele Fälschungen kursieren, gerade auf Videoportalen, wir Fallermittler aber nahezu verschont bleiben. Wir haben auch so genug Arbeit, da brauchen wir nicht auch noch Fake-Videos.


Riemer: Was sollte Deiner Meinung nach in der UFO-Szene verändert werden?


Czech: Die UFO-Szene befindet sich in einem permanenten Wandel. Der Trend geht - Gott sei Dank - hin zur Kollegialität und Versachlichung. Als ich 2000 in die Szene kam, da konnte man in Internetforen noch sehen, wie sich alle Seiten die Köpfe einschlugen. Dies ist heute nicht mehr so, z.B. zwischen der DEGUFO und der GEP herrscht ein gutes Verhältnis, mittlerweile wird eine gemeinsame Fallermittlerliste betrieben und auch in einigen Projekten zusammengearbeitet. Was verändert werden müsste, wäre das Bewusstsein, dass es sich um ein globales Phänomen handelt, und wir dementsprechend einen globalen Austausch von Sichtungen und Material haben müssten, um uns ein globales Bild von dem Phänomen machen können. Hieraus ergeben sich dann weitere Forschungsfragen, die interessant wären, geklärt zu werden.


Riemer: Wie sieht Deine persönliche Zukunft in deiner Arbeit als Fallermittler aus?


Czech: Vermutlich werde ich auch noch in 30 Jahren Fälle von Sichtungszeugen bearbeiten. Ich würde mir wünschen, dass mehr Fallermittler auch aktiv werden, so dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann.


Riemer: Es gibt ja zahlreiche Randphänomene, wie wichtig sind die für die Forschung?


Czech: Kontrovers diskutiert wird ja immer, ob die Randphänomene überhaupt einen nachweisbaren Zusammenhang mit dem UFO-Phänomen haben. Ich persönlich denke, dass gewisse Zusammenhänge bestehen, die aber noch bewiesen werden müssen. Ansonsten dürfte bei diesen Fällen genau das Gleiche gelten, wie beim UFO-Phänomen: Eine gewisse Anzahl an Fällen werden mit natürlichen Gegebenheiten erklärbar sein, eine kleinere Anzahl wird unerklärbar sein. Vielleicht müsste man hier auch wie beim UFO-Phänomen eine Systematik einführen, um die Fälle einordnen zu können.


Riemer: Wie schätzt Du diese Phänomene persönlich ein?


Czech: Sie sind da, kein Zweifel. Ich denke, wie bereits geschrieben, dass es auch hier Fälle gibt, die nicht geklärt werden können. Welche das genau sind und welche Parameter hier wichtig sind, kann ich so nicht sagen, dafür habe ich mich noch nicht genau damit befasst.


Riemer: Was ist Deine persönliche Ansicht zum UFO-Phänomen? Was könnte hinter dem Ganzen stecken?


Czech: Jeder der mir sagt, dass es keine UFOs gibt, den muss ich belächeln. Da, wie eingangs geschrieben, ein UFO ein Objekt ist, welches sich der Beobachter nicht erklären kann, und kein Untertasse vom Mars mit grünen Männchen drin, muss man sagen, dass das UFO-Phänomen echt ist. Was genau dahinter steckt, das wird wohl niemand so genau sagen können. Sonst gäbe es ja keine "Problematic" und "Good UFOs".


Riemer: Kannst Du mehr zu Deinen Büchern erzählen? Wie bist du dazu gekommen?


Czech: Da ich ja Sammler von UFO-Sichtungen bin, habe ich mir die entsprechenden Akten übersetzt. Da ich weiß, dass niemand zehntausende Seiten an Dokumenten durchackert, schien es mir logisch, eine Zusammenfassung hiervon zu erstellen.


Riemer: Es gibt ja auch noch UFO-Akten aus der ganzen Welt. Stehen da mehr interessante Sichtungen drin und können wir von anderen UFO-Forschern noch was lernen?


Czech: Einen Lerneffekt werden wir nicht haben. Die Arbeit der offiziellen Stellen beruhte ausschließlich auf der Tatsache herauszufinden, ob an deren Himmel etwas fliegt, was der Spionage dient. Eine Aufklärung in der Form, wie wir das machen, fand selten statt. Am ehesten wohl beim Projekt "Blue Book", wobei dort einige Erklärung derart daneben sind, dass es dem Fallermittler schon weh tut.


Was in den Akten steht, ist eigentlich genau das, was wir als UFO-Forschungsgruppen auch gemeldet bekommen, also ein bunter Querschnitt von allen möglichen Beobachtungen, von Lichtern in der Nacht bis hin zu komplexen Objekten. Man kann also sagen, dass die offiziellen Stellen bisher nichts freigegeben haben, was wir nicht auch im Archiv hätten. Die Akten enthalten auch keinen Beweis, dass uns Außerirdische besucht hätten.


Riemer: Wie es mit den offiziellen Stellen, haben die andere Informationen als unsere UFO-Forschungsgruppen?


Czech: Ich glaube nicht, dass die andere Informationen haben, schließlich stellt sich das Phänomen bei offiziellen Stellen nicht anders dar, als bei den Gruppen. Was ich aber glaube ist, dass der Kenntnisstand nicht so stark vorhanden ist, was die Stimuli betrifft. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, man kann ja bei uns nachfragen.


Riemer: Wird deiner Meinung nach genug in der UFO-Forschung getan?


Czech: Tja, hier stecken wir in einem Dilemma. Es könnte durchaus mehr getan werden, sofern es mehr Aktive gäbe. Da dies aber nicht der Fall ist, und die ganze Arbeit von wenigen geschultert wird, können wir nicht mehr leisten, als wir es bisher machen.


Riemer: Was könnte man besser machen?


Czech: Wir könnten natürlich mit mehr Personal die Fallermittlungen verbessern, z.B. den Zeugen zeitnah bedienen. Wir können unsere Kontakte nach außen ausbauen, wir könnten interessante Artikel übersetzen, mehr über das Phänomen berichten und und und...


Riemer: Gab es relevante Fehler in der Vergangenheit?


Czech: Sicher gab es die. Der größte Fehler war und ist, die unterschiedlichen Ansichten über eine Sache zu emotionalisieren. Anstatt einer sachlichen Diskussion mündet es meistens in einen Kleinkrieg. Man kann natürlich unterschiedlicher Ansicht sein, aber dann sollte man nicht versuchen, seine Meinung als die einzig richtige These darzustellen und ohne Rücksicht auf Verluste nach außen zu tragen. Jeder kann die Meinung eines Anderen respektieren, Meinungsfreiheit ist schließlich ein Grundrecht. Ich plädiere aber dafür, dass eine Meinung(sbehauptung) anhand der Sachlage entstehen sollte und nicht nach der persönlichen ideologischen Überzeugung. Wenn eine Meinung belegbar ist, dann ist das legitim. Einfach zu behaupten, dass ein Fall auf eine Himmelslaterne zurückzuführen ist, reicht eigentlich nicht aus. Die Beweisführung sollte mindestens die Winddaten mit der Flugrichtung abgleichen. Einen Fortschrittlichen Weg sehe ich zwischen DEGUFO und GEP. Der Umgang miteinander und die Respektierung von Meinungen ist hier vorbildlich.


Riemer:
Wie siehst du das Ufo-Phänomen global?


Czech: Wir haben derzeit keinen Einblick in das globale Phänomen. Ich will das aber ändern und einen regelmäßigen Austausch von Sichtungen weltweit in Gang bringen. Die Daten dann in die UFO-Datenbank gepackt und durch verschiedene Auswertungsfunktionen gejagt dürfte einen sehr interessanten Einblick über das Phänomen ermöglichen, wie z.B. wo sind Hot-Spots, warum sind dort Hot-Spots, welche UFO-Formen treten wo seit wann auf und eine ganze Palette weiterer Forschungsfragen, die man hier beleuchten könnte.


Riemer: Kannst du uns das weltweite Phänomen der zahlreichen Sichtungen auf aller Welt aus deiner Sicht darstellen?


Czech: Ich kann nur aus dem Sprechen, was ich bisher aus der Literatur kenne. Und da verhält es sich so, dass selbst in Gegenden, wo wenig Medienzugang herrscht, das Phänomen gesehen wird. Man kann keine Pauschalbetrachtung vornehmen, sondern müsste jeden Fall für sich betrachten. Es gibt aber einige interessante Sichtungen, die wohl nicht so leicht erklärbar sind. Die Zahl der Sichtungen, die auf der Erde gemacht wurden, wurde 1997 mit 5 Millionen angegeben. Diese Zahl erscheint mir zu hoch. Ich schätze mit Dunkelziffer, dass es 1,5 - 2 Millionen Sichtungen sind. Eine genaue Einschätzung ist aber derzeit nicht möglich.


Riemer:
Hat die technische Entwicklung hierauf Einfluss genommen?


Czech: Das ist eine der Forschungsfragen, die ich mir stelle: Hat der technologische Fortschritt auf der Erde einen Zusammenhang mit den beobachteten UFO-Formen? Dies kann man vielleicht ergründen, wenn man mal alle Sichtungsberichte erfasst hat und dann sich entsprechende Statistiken ausgeben lässt, wie z.B. ab wann und wo eine gewisse Form aufgetreten ist.


Auszüge aus dem von den deutschen UFO-Forschungsorganisationen gemeinsam erarbeiteten Fragebogen für UFO-Sichtungszeugen. | Copyright/Quelle: ufo-forschung.de

Riemer: Gibt es bestimmte Auffälligkeiten?


Czech: Die Formen sind mit fortschreitender technischer Entwicklung komplexer geworden. Waren es um die Jahrhundertwende um 1900 meist "Zigarren", so waren es 1947 Scheiben, später dann Dreiecke, Kästen und heute teils drohnenartige Gebilde.


Riemer: Hat sich das UFO-Phänomen im Zeitalter des Internet entscheidend geändert?


Czech: Vom Inhalt der Sichtungsberichte nicht. Es ist leichter geworden, Fälschungen zu erstellen und für echt zu verkaufen. Glücklicherweise spielt sich das aber meistens in Videoportalen wie Youtube ab und landet nicht bei uns auf dem Schreibtisch.


Riemer: Ist es nun schwerer geworden UFO-Forschung zu betreiben?


Czech: Nein, leichter. Dadurch, dass Fallermittler über das Internet recherchieren kann, und die Recherchedaten ohne Zeitverzögerung bekommt, hat sich die Arbeit vereinfacht. Früher musste man die einzelnen Stellen per Post anschreiben, auf Antwort warten etc. Heute gar nicht mehr denkbar.


Riemer: Wie sieht es aktuell mit den Sichtungszahlen aus, werden es immer mehr?


Czech:
Nach dem 11.09.2001 gab es einen Einbruch bei den Meldezahlen. Seitdem die UFO-Datenbank die Möglichkeit gibt, Sichtungen einfach zu melden, steigen die Zahlen auch wieder an. Über das Meldeformular sind seit 2007 über 3.000 Sichtungen gemeldet worden.



Screenshot der Internetseite der UFO-Datenbank. | Copyright: ufo-datenbank.de


Riemer:
Was kannst du uns zum aktuellen Trend dazu sagen?


Czech:
Wir hatten in 2014 noch kein Großereignis, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Der Trend ist aber anhaltend hoch. Schönes Wetter trägt zu hohen Meldeaufkommen bei und anhand der Sichtungsmeldungen kann man auch sehen, wie das Wetter war. Hohes Sichtungsaufkommen = Schönes Wetter.


Riemer: Ist am Himmel nun mehr los als früher und warum ist das so?


Czech:
Das kann man pauschal nicht beantworten. Früher war es schwieriger, seine Sichtung zu melden. Man musste erst recherchieren, ob es überhaupt Gruppen gibt, die sich mit dem Phänomen beschäftigen. Heute reicht einmal Google zu konsultieren. Dementsprechend sind auch die Sichtungszahlen höher. Außerdem sind heute viele Smartphones unterwegs, hiermit kann man schnell Fotos und Videos machen.


Riemer:
Es wird ja auch oft von nicht zu unterschätzenden Stimuli gesprochen, was hat es damit auf sich?


Czech: Was ist denn ein nicht zu unterschätzender Stimulus? Wir hatten zwischen 2007 und 2009 eine Schwemme von Billighimmelslaternen. Gruppenübergreifend kamen so etwa 6.000 Sichtungsberichte zusammen. In den 1980 er und 1990 er Jahren gab es viele Sichtungen, die auf Lichteffektgeräte zurückzuführen waren. Was sich zukünftig als Problemstimuli entwickeln könnte, sind LED-Flugmodelle. Diese sind oftmals mit vielen LEDs in verschiedenen Farben ausgestattet, vollführen unkonventionelle Flugmanöver und bleiben auch mal auf der Stelle stehen. Daneben könnten und noch die LED-Ballons beschäftigen. Hierbei handelt es sich um konventionelle Luftballons, in denen eine oder mehrere superhelle LEDs verbaut sind und mit Helium gefüllt wird. Diese Dinger leuchten lange und fliegen weit. Ich hatte mal einen Fall, da wurden diese Ballone über eine Strecke von 150 Kilometern gesehen. Meistens werden sie als Traube zu 50 oder mehr Ballonen gestartet, der Anlass sind Feiern, Hochzeiten oder einfach, weil man Bock drauf hat.


Riemer:
Können wir aus den Stimuli etwas lernen?


Czech:
Lernen können wir nur als Fallermittler über das optische und dynamische Erscheinungsbild, um UFO-Sichtungen klären zu können.


Riemer:
Kannst du uns mal näher erklären was wir unter einem UFO verstehen sollten? Welche Definitionen gibt es dafür?


Czech:
Ein UFO (unidentifiziertes fliegendes Objekt) ist die mitgeteilte Wahrnehmung eines Phänomens am Himmel, welches sich der Beobachter nicht oder nicht eindeutig erklären kann.


Ein UFO ist (erstmal) keine Fliegende Untertasse, es kommt nicht vom Mars und es sitzen auch keine grünen Männchen drin. Grüne Männchen wurden meines Wissens nach auch noch nie beobachtet, eher graue Wesen mit mandelförmigen Augen.


Riemer:
Was ist ein nicht erklärbares Objekt? Habt ihr dafür bestimmte Kategorien?


Czech: Ein nicht erklärbares Objekt ist ein "Problematic UFO", ein "Good UFO" oder ein "Best UFO", wobei die Beurteilung "Best UFO" noch nie vergeben wurde. Ein "Problematic UFO" ist ein Objekt, dass anomale Merkmale besitzt, aber ein natürlicher Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann. Ein "Good UFO" ist ein Objekt, das so viele anomale Merkmale besitzt, dass eine natürliche Erklärung unwahrscheinlich erscheint und ein Best UFO hat so viele anomale Merkmale, dass eine natürliche Erscheinung eindeutig ausgeschlossen ist.


Riemer: Wie viele UFO-Gruppen gibt es derzeit in Deutschland?


Czech: Eingetragene Vereine gibt es drei: Die DEGUFO e.V. seit 1993, die GEP e.V. seit 1972 und die MUFON-CES seit 1974.


Riemer: Wie läuft die Zusammenarbeit der Gruppen.


Czech: Die DEGUFO und die GEP arbeiten bei den Fallermittlungen auf einer gemeinsamen Mailingliste zusammen und auch bei einigen Projekten findet eine Zusammenarbeit statt. Verbindungen zu MUFON-CES gibt es meines Wissens nach nicht. Es wurde zwar das Angebot gemacht, aber nicht angenommen oder umgesetzt.


Riemer: Wie ist der momentane Stand und was habt ihr für die Zukunft noch alles vor?


Czech: Aufgrund der immer weniger werdenden Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten, werden in Zukunft wohl noch mehr Synergiepunkte geschaffen werden, um die wenige Arbeitskraft, die wir haben, effektiv zu nutzen. Auf der Agenda steht eine verbesserte Software für die UFO-Datenbank, deren Start am 04.07.2014 erfolgen soll, außerdem die Etablierung einer UFO-App für Smartphones. Außerdem arbeite ich derzeit an einem virtuellen Archiv der UFO-Forschung. Die GEP wird ihre Problematic-UFO-Fälle noch mal aufarbeiten und einer Betrachtung unterziehen. Weitere Projekte sind mir derzeit nicht bekannt.


Riemer:
Welche Ziele gibt es noch in der UFO-Forschung.


Czech: Die Ziele der einzelnen Gruppen sind ganz anschaulich auf der jeweiligen Homepage der Vereine zu finden.


Riemer: Was kann man noch verändern und wäre dir besonders wichtig?


Czech: Ich vertrete derzeit den Standpunkt, dass wir eine globale Vernetzung untereinander benötigen, um eben auch mitzubekommen, was auf der Welt so los ist. Wir haben es mit einem globalen Phänomen zu tun, welches wir auch als solches betrachten sollten. Alleine der Blick auf Deutschland reicht meiner Meinung nach nicht immer aus.


Die Kollegialität hatte ich ja bereits angesprochen. Der höfliche Diskurs sollte Standard sein. Alles andere ist unprofessionell.


Und natürlich sollte es so sein, dass Falldaten aus welcher Quelle auch immer offen liegen, so dass sie von den Forschern für eigene Studien etc. verwendet werden können. Es nutzt nichts, wenn 100 Leute auf diesem Planeten parallel die gleiche Arbeit ausführen, nämlich ein Leben lang auf der Suche nach UFO-Material sind und letztendlich niemand die Sammlungen nutzen kann. Ein erster Schritt dahin war die UFO-Datenbank, der zweite Schritt wird das Onlinearchiv für UFO-Forschung sein. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Forscher und Gruppen (weltweit) daran beteiligen werden. Nur wenn wir alle den gleichen Wissensstand haben, sprechen wir eine Sprache.


Riemer: Du hast ja eine sehr große Datenbank damals ins Leben gerufen. Konntest du nach über 151.000 Sichtungsmeldungen noch etwas dazu lernen?


Czech: Also, einen Lernprozess als solches hatte ich eher nicht, aber viele lustige Momente. Beim Übersetzen der britischen UFO-Akten sind mir z.B. fliegende Eierbecher und Würstchen begegnet, das war einen Lacher wert. Ansonsten zeigt der Datenbestand das ganze Spektrum der UFO-Forschung auf. Interessant sind die Fälle, bei denen es zu Wechselwirkungen zwischen dem Objekt und seiner Umgebung kam, wie z.B. geschmolzener Asphalt, verbrannter Rasen, radioaktive Rückstände, Kälteeinwirkungen, versagende Automotoren oder verrücktspielende Elektronik.


Riemer: Was ist dein persönliches Fazit in der UFO-Forschung?


Czech: Weniger Reden und mehr machen. Wir sind eigentlich auf einen guten Weg derzeit, den wir nicht verlassen sollten. Die UFO-Forschung an sich ist gereift, es wird mittlerweile großen Wert auf sachlichen Umgang gelegt und auch die Zusammenarbeit funktioniert langsam. So sollte das eigentlich auch sein.


Riemer: Wie wird es deiner Meinung nach weiterhin zukünftig weiterlaufen?


Czech: Ich denke, dass auch in 50 Jahren noch UFOs gesehen werden und wir auch dann noch dabei sind, entsprechende Fälle zu untersuchen. Das Internet wird dabei eine immer größere Rolle spielen. Einen Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens werden wir aber auch in 50 Jahren wohl noch nicht gefunden haben, also lässt das "Best UFO" weiter auf sich warten.


Riemer: Vielen Dank


Quelle: ufo-und-alienforum.de

Mittwoch, 12. Februar 2014

AWARE: Klinische Studie über Nahtod- und außerkörperliche Erfahrungen vor der Fachpublikation


Symbolbild: Außerkörperliche Erfahrung (Illu.). | Copyright: gemeinfrei

Saarbrücken (Deutschland) - Mit der AWARE-Studie wollen Mediziner, Psychologen und Neurowissenschaftler erforschen, was mit dem menschlichen Geist und Bewusstsein während des klinisches Todes und bei Herzstillstand passiert. Schließlich berichten 10 bis 20 Prozent jener Patienten, die wiederbelebt werden konnten, von Erlebnissen während dieser Zeit - sogenannte Nahtoderfahrungen. In einigen Fällen berichten diese Menschen davon, in der Lage gewesen zu sein, ihren Körper zu verlassen und die Vorgänge um sich herum gesehen und gehört zu haben. Mit einem ebenso einfachen wie effektiven Versuchsaufbau haben Wissenschaftler versucht, Beweise für diese sogenannten außerkörperliche Erfahrungen zu finden. Gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" gibt der Leiter der Studie nun einen kleinen Einblick zum Stand der AWARE-Studie.

In besagten klinischen Einrichtungen platzierten die Forscher auf Ablagen, Schränken und Instrumenten und damit auf Höhen, die aus normaler Augenhöhe - geschweige denn aus der Perspektive liegender Patienten - schlichtweg nicht einsehbar sind, Tafeln mit Abbildungen und Symbolen. Sollten die Schilderungen der Patienten über entsprechende sogenannte außerkörperliche Erlebnisse und Betrachtungen der Operationsszenen aus der Höhe also der Realität entsprechen, sollten diese also auch besagt platzierte Symbole beschreiben können, von deren Existenz sie zudem nichts wissen können.


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Zuvor hatte Dr. Sam Parnia vom Stony Brook University Hospital schon in seinem 2013 erschienenen Buch "Der Tod muss nicht das Ende sein: Was wir wirklich über Sterben, Nahtoderlebnis und die Rückkehr ins Leben wissen" ("Erasing Death: The Science That Is Rewriting The Boundaries Between Life And Death") erste Einblicke in jedoch nur wenig vielversprechende Vorabergebnisse der Studie gegeben und u.a. erklärt, dass zum damaligen Zeitpunkt nur einer von 1.000 Patienten sich an eine derartige Nahtoderfahrung in Verbindung mit einem außerkörperlichen Erlebnis erinnert habe. Zwar hätten sich also tatsächlich einige Patienten an eine der gesuchten Erfahrungen während der Zeit des klinischen Todes erinnert, doch habe keiner dieser Patienten auch die platzierten Tafeln und Symbole beschrieben.


Dr. med. Sam Parnia

Gegenüber GreWi-Herausgeber Andreas Müller erläuterte Parnia nun jedoch: "Die im Buch beschriebenen Ergebnisse waren noch unvollständig und stammten aus der Zeit, noch bevor die finalen Ergebnisse vorlagen und ausgewertet wurden. Das ist mittlerweile anders und die Situation, wie wir sie nun in unserem wissenschaftlichen Manuskript darlegen können, hat sich signifikant verändert. Im Buch wollte ich einige erste Einblicke für all jene geben, die schon damals erste Information haben wollten."

Zum Thema

Zum heutigen Stand der Studie erläutert der Mediziner weiter: "Die Studie wird derzeit von medizinischen Fachzeitschriften Begutachtet", sie befindet sich also im Verfahren der sogenannten Peer Review. "Mehr kann ich erst sagen, wenn die Studie publiziert wurde. Dieser Vorgang kann aber noch einige Monate in Anspruch nehmen. Unmittelbar mit dieser Publikation werden wir dann auch gerne Ihr Nachrichtenmagazin umgehend unterrichten."

...wir werden also weiterhin und umgehend berichten.


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