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Montag, 11. Mai 2015

Bislang fehlendes Bindeglied zwischen einfachem und komplexem Leben entdeckt


Am Meeresboden des Mittelatlantischen Rückens in der Nähe von den Hydrothermalquellen Loki's Castle haben Wissenschaftler die sogenannten Lokiarchaeota entdeckt. | Copyright: Centre for Geobiology, Bergen, Norway, by R.B. Pedersen

Uppsala (Schweden) - Schwedische, norwegische und österreichische Wissenschaftler haben eine Mikrobe entdeckt, die das bislang fehlende Bindeglied in der Evolution komplexen Lebens darstellt. Die Entdeckung wirft damit ein neues Licht darauf, wie vor Jahrmilliarden komplexe Zelltypen und damit die Grundlage komplexen Lebens wie Pflanzen, Pilze, Tiere und Menschen, aus einfachen Mikroben entstehen konnten.

Zellen stellen die Bausteine allen Leben auf der Erde dar. Während die Zellen von Bakterien und anderen Mikroben klein und einfach sind, besteht das sichtbare Leben aus komplexen Zelltypen. Der Ursprung dieser komplexen Zelltypen galt unter Wissenschaftlern lange Zeit als Rätsel. Die jetzt entdeckte Gruppe von Mikroorganismen stelle, so erläutern die Forscher, nun aber das bislang fehlende Bindeglied in der Evolution von einfachen hin zu komplexen Zellen dar.


Erst in den 1970er Jahren entdeckte der Biologe Carl Woese eine völlig neue Gruppe von Mikroorganismen, die Archaen. Woese konnte zeigen, dass diese einen gänzlich eigenen Stamm im Baum des Lebens darstellen. Während die Zellen der Archaen einfach und klein, wie die von Bakterien waren, entdeckten Wissenschaftler dann jedoch, dass Archaen enger verwandt mit Organismen mit komplexen Zelltypen waren, wie sie zusammenfassend als Eukaryoten bezeichnet werden. Nun stellte sich aber die Frage, wie sich die komplexen Zelltypen der Eukaryoten, zu denen auch wir Menschen gehören, aus den einfachen Zellen der Archaen entwickelt haben konnten. Eine von vielen Wissenschaftler angenommene Theorie geht davon aus, dass ein Ur-Archaeon einst ein Bakterium verschluckt hatte und sich daraus die Mutterzelle aller Eukaryoten entwickelte.


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Wie die Forscher um Anja Spang von der Uppsala Universitet, der Universitetet i Bergen und der Universität Wien aktuell im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature14447) berichten, haben sie bei der Analyse von Meeressedimenten eine Gruppe von Archaean entdeckt, deren Gene überraschende Ähnlichkeiten mit den Vorfahren der heutigen Eukaryoten aufweisen. Das nun von den Forschern entschlüsselte Genom kläre die bisherigen Fragen.

In phylogenetischen Stammbäumen sind die nun als "Lokiarchaea" (nach dem Fundort und dem nordischen Gott Loki) benannten Mikroorganismen eine direkte Schwestergruppe der Eukaryoten innerhalb der Domäne der Archaea, erläutert die Pressemitteilung der Universität Wien. "Die ersten Vorläufer der Eukaryoten sind also tatsächlich direkt aus Archaean hervorgegangen und bilden nicht, wie früher angenommen, neben Bakterien und Archaean eine eigenständige primäre Domäne des Lebens."



Die Lokiarchaea bilden eine Gruppe von Archaea, die überraschenderweise Ähnlichkeiten mit den Vorfahren der heutigen Eukaryoten aufweisen. | Copyright/Quelle: Christa Schleper, univie.ac.at

Das Genom der Lokiarchaea weise zudem eine erstaunliche Komplexität auf und enthalte Informationen für Proteine, die zuvor nur bei Eukaryoten bekannt waren - etwa für viele Proteine, die den Membranumbau in Eukaryoten ermöglichen oder regulieren und auch für die Aufnahme von Organismen (Phagocytose) oder die Zellteilung verantwortlich sind. Ebenso wurden Gene für eukaryotische Zytoskelettproteine (Aktin und Gelsolin) gefunden, die die Form der Zellen beeinflussen und immer wieder verändern können. "Genau diese Eigenschaften brauchte auch die frühe eukaryotische Urzelle oder das Ur-Archaeon, um ein Bakterium aufnehmen zu können. Somit stellen Lokiarchaeota eine Übergangsform dar, die bereits ein 'starter kit' für die Entwicklung der komplexeren Zellen hat."


"Es ist fast so, als hätten wir soeben die Menschenaffen, also die nächsten lebenden Verwandten der Menschen entdeckt, die uns ja auch interessante Einblicke in unseren letzten gemeinsamen Vorfahren geben. Nur lebte der gemeinsame Vorfahre der Eukaryoten und Lokiarchaea nicht vor fünf Millionen Jahren, sondern bereits vor rund zwei Milliarden Jahren", so Christa Schleper von der Universität Wien abschließend: "Viele Fragen zur Lebensweise, Struktur und Vorkommen der Lokiarchaea bleiben aber derzeit leider noch unbeantwortet."


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Mittwoch, 29. April 2015

Jenseits der Gene: Auch Zentriolen könnten biologische Informationen übertragen


Zentriolen unter dem Elektronenmikroskop. | Copyright: Pierre Gönczy/EPFL

Lausanne (Schweiz) - Wissenschaftler haben entdeckt, dass bestimmte Zellstrukturen - sogenannte Zentriolen - als Träger biologischer Informationen von einer Zellgeneration zur nächsten wirken könnten. Die Entdeckung wirft die Frage auf, ob biologische Information auch anders als durch Gene alleine übertragen werden können. Dies käme einem Paradigmenwechsel im Wissen über die Weitergabe biologischer Informationen gleich.

Bei Zentriolen handelt es sich um zylinderförmige und aus unterschiedlichen Proteinen bestehende Strukturen (s.Abb.), die sich in vielen lebenden Zellen befinden. Sie sind ca. 1/2000 mm groß und bilden zusammen mit der sog. perizentriolaren Matrix das Zentrosom. Ihre bislang einzige bekannte Aufgabe ist es, während der Zellteilung sicherzustellen, dass die Chromosomen in der richtigen Art und Weise an neue Tochterzellen weitergegeben werden.


Wie die Forscher um Pierre Gönczy vom Swiss Institute for Experimental Cancer Research an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) aktuell im Fachjournal "Cell Research" (DOI: 10.1038/cr.2015.49) berichten, konnten sie in ihren Untersuchungen zeigen, dass ursprüngliche Zentriolen einer befruchteten Eizelle, wie sie nur vom Vater stammen, sich über Dutzende von Zellteilungen während der Entwicklung des Embryos erhalten hatten.


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Aus der erstaunlichen Beobachtung leite sich die Möglichkeit ab, dass Zentriolen möglicherweise non-genetische Träger von (Erb-)Informationen sind. Bestätigt, hätte diese Erkenntnis grundlegende Auswirkungen für unser Verständnis von Biologie und der Behandlung von Krankheiten, so die Forscher und käme einem Paradigmenwechsel in unserem Verständnis über die biologischen Vorgänge von Organellen gleich.

"Zentriolen wurden bislang lediglich als etwas betrachtet, dass die Entwicklung des Embryos in Gang bringt", erläutert Gönczy. "Unsere Ergebnisse zeigen nun jedoch, dass Zentriolen eine wichtige Rolle für die Weitergabe von Informationen haben können, die wiederum eine wichtige Rolle bei der frühen embryonalen Entwicklung spielen."


Zudem gibt es eine ganze Vielzahl von Krankheiten die mit Zentriolen in Verbindung gebracht werden. So zeigt die aktuelle Studie beispielsweise anschaulich, wie fehlfunktionale Zentriolen des Vaters, direkt an den Embryo weitergegeben werden können. Bestätigen sich die Beobachtungen der Mediziner, so könnten sich daraus gänzlich neue Behandlungsmethoden derartiger Krankheiten ableiten lassen.


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Freitag, 24. April 2015

Genetiker modifizieren erstmals Erbgut menschlicher Embryonen


Achtzelliger Embryo. | Copyright: gemeinfrei

Guangzhou (China) - Chinesische Wissenschaftler haben mit einem Fachartikel frühere Gerüchte bestätigt, wonach sie erstmals die DANN menschlicher Embryonen gezielt modifiziert haben. Während die Publikation weltweit für Kritik sorgt, vermuten Experten, dass weitere Experimente über diesen ersten Schritt bereits hinaus sind.

Wie das Team um Junjiu Huang von der Sun Yat-sen Universität aktuell im Fachjournal "Protein & Cell" (DOI: 10.1007/s13238-015-0153-5) berichten, haben sie die Manipulation des Erbguts der Embryonen mit der sogenannte CRISPR-Methode durchgeführt, mit der vergleichsweise einfach, aber zugleich auch sehr genaue Modifikationen des Erbguts möglich sind.


Die chinesischen Wissenschaftler selbst erklären zugleich aber, dass sie ihre Experimente nun an normalen Embryonen, sondern an sogenannt polysperm befruchteten Eizellen durchgeführt haben. Hierbei handelt es sic um Eizellen, die von zwei statt von einem Spermium befruchtet wurden und weniger Tage nach der Befruchtung in der Regel absterben und sich nicht weiter entwickeln.


Ziel der Experimente sei eine medizinische Anwendung der Technologie, darunter beispielsweise das Verhindern von Erbkrankheiten. Von 86 Eizellen konnten demnach vier erfolgreich modifiziert werden. Die restlichen Eizellen überlebten entweder den Eingriff nicht oder konnten nicht erfolgreich modifiziert werden. Damit liege der Effizienzrate noch deutlich unter der für eine praktikable Genmodifikation beim Mensch notwendige Anforderung.


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Zugleich stellten die Forscher fest, dass nicht nur die eigentlich anvisierten Gene verändert wurden. Derartige "off-target"-Modifikationen könnten zu schwerwiegenden Krankheiten und Mutationen führen. Trotz zukünftige Anstrengungen diese ungewollten Veränderungen auszuschließen, werde dies wohl nie vollständig möglich sein. Aus diesem Grund wird es wohl immer notwendig bleiben, selbst erfolgreich modifizierte und überlebensfähige Embryonen auf derartige "off-target"-effekte zu untersuchen, bevor diese einer Frau eingepflanzt werden. Technologien für eine solche Selektion stehen heute schon zur Verfügung und werden schon bei einigen In-vitro-Fertilisationen, also künstlichen Befruchtungen, zum Ausschluss krankhafter Mutationen im Rahmen der sogenannten Preimplantationsdiagnostik angewandt.

Darüberhinaus stießen Huang und Kollegen aber auch noch auf andere, deutlich schwerwiegendere Probleme: Die Embryonen waren eine Vermischung aus modifizierten und unmodifizierten Zellen – sogenannte genetische Mosaike, weswegen die Ergebnisse der Preimplantationsdiagnostik leicht verfälscht sein oder fehlinterpretiert werden können.


Die Ergebnisse der chinesischen Genetiker sind damit also alles andere als ermutigend, wenn es um die Hoffnung geht, durch die Modifikation von Embryonen beispielsweise Erbkrankheiten korrigieren zu können.


Die Kritik jedoch schlägt weltweit hohe Wellen: "Der leichte Zugang und die einfache Handhabe von CRISPR gibt Forschern die Möglichkeit, überall auf der Welt jeden Versuch zu machen, den sie wollen", gibt der Geschäftsführer der Biotech-Firma Sangamo BioSciences, Edward Lanphier, auf der Webseite des Fachjournals "Nature" zu bedenken. Schon im vergangenen März hatte Lanphier die Experimente vorhergesagt und fordert nun, die Versuche anzuhalten. Eine Fachdiskussion der Frage, in welche Richtung sich die Forschung bewegt sei unumgänglich. Tatsächlich arbeiten derzeit Gerüchten zufolge schon vier weitere chinesische Forschergruppen an der Genmanipulation menschlicher Embryonen.


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Vollständige Genom-Kartierung des Wollhaarmammuts ebnet Weg zu dessen Wiederbelebung


Mammut, Zeichnung von 1885. | Copyright: Paul Jamin, gemeinfrei

Hamilton (Kanada) - Ein internationales Genetikerteam hat die nahezu vollständigen Genome zweier sibirischer Wollhaarmammuts kartiert und zeichnet damit das bislang vollständigste genetische Bild der ausgestorbenen Eiszeitriesen. Aus dem Ergebnis lassen sich neue Rückschlüsse auf die Evolutionsgeschichte der Mammuts und die Umstände schließen, die schlussendlich zu ihrem Aussterben geführt haben. Zugleich ebnet die Kartierung den Weg zur Wiedererweckung der Tiere.

"Durch diese Arbeit wird die Wiederbelebung der Art zu einer wirklich realen Möglichkeit, die wir nun theoretisch schon binnen weniger Jahrzehnte realisieren können", erläutert Hendrik Poinar, der Direktor des Ancient DNA Centre an der McMaster University. "Mit einem vollständigen Genom und dieser Art von Daten können wir nun damit beginnen zu verstehen, was ein Mammut zu einem Mammut macht, wenn wir es mit einem Elefanten vergleichen."


Während viele Wissenschaftler lange Zeit davon ausgingen, dass die Mammuts Opfer des damaligen Klimawandels und der Bejagung durch den Menschen wurden, legen die nun vorliegenden neuen Daten eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren nahe, die sich über einen längeren Zeitraum in der evolutionären Geschichte der Dickhäuter auswirkten.


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Bei den beiden Quellen der nun erstellten Genome handelt es sich um zwei Mammuts, die jeweils 40.000 Jahre getrennt voneinander lebten: Während ein Exemplar vor rund 45.000 im nordöstlichen Sibirien lebte, gehörte das zweite zu einer der letzten überlebenden Mammut-Populationen, die noch bis vor 4.300 Jahren auf der Wrangel-Insel im Arktischen Ozean lebten.

Bei letzterem fanden die Forscher eine nur noch niedrige genetische Vielfalt und damit ein deutliches Anzeichen für Inzucht, die wahrscheinlich auf die kleine Anzahl der auf Wrangel überlebten Exemplare während der letzten 5.000 Jahre der Existenz der Art zurückgeht.


Schon vor 250.000 bis 300.000 Jahren erfuhren die Mammuts einen signifikanten Rückgang, den die Tiere aber überstanden. Nicht so jedoch ihren Rückgang zum Ende der letzten Eiszeit.


"Aus unseren Daten geht hervor, dass während die Ägypter die Pyramiden bauten, es immer noch lebende Mammuts auf den arktischen Inseln gab", so Poinar. Die Ergebnisse haben die Genetiker aktuell im Fachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2015.04.007) veröffentlicht.



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Donnerstag, 23. April 2015

Studie beweist: Pestizide schaden den Wildbienen


Bienenzucht vor Rapsfeldern in Schweden | Copyright/Quelle: lunduniversity.lu.se

Lund (Schweden) - Zum ersten Mal ist es Wissenschaftlern in einer Studie gelungen nachzuweisen, wie das hochwirksame Pestizid Clothianidin aus der Gruppe der Neonicotinoide auf Honig- aber auch auf Wildbienen in landwirtschaftlich geprägten Landschaften wirkt: Während die Honigbienen mit dem Pestizid zurechtkommen, hat es eine stark schädliche Auswirkung auf die Wildbienen.

Neonicotinoide werden besonders zur Schädlingsabwehr beim Anbau von Raps auf die jungen Pflanzen zum Schutz gegen sogenannte Rapsflöhe eingesetzt. Seit 2013 wurde der Einsatz innerhalb der EU stark eingeschränkt, da Rapsblüten besonders viele Bienen anziehen.


Die jetzt im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature14420) veröffentlichten Ergebnisse der Studie von Wissenschaftler um Maj Rundlöf von der Lunds Universitet stellen - so die Forscher - eine ernstzunehmende Erkenntnis dar, da Wildbienen, zu denen auch die Hummeln zählen, eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Nahrungsmittelpflanzen darstellen.


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"Wir können eine eindeutig negative Auswirkung auf das Wachstum und die Reproduktionsfähigkeit in Hummelkolonien in der Nähe entsprechend behandelter Rapsfelder nachweisen", so Rundlöf. Zudem gibt es in der Umgebung dieser Felder deutlich weniger Hummeln und Wildbienen als im Umfeld unbehandelter Felder. Allerdings bemerken die Forscher auch, dass die beschriebenen negativen Effekte nicht in entsprechenden Honigbienenkolonien gefunden werden konnten.

"Aber genau deshalb zeigt unsere Studie, wie differenziert wir die Auswirkungen eines Produkts tatsächlich betrachten müssen. Wenn wir nur die Auswirkung neuer Pestizide auf Honigbienen untersuchen und diese dann freigeben, so ist das bei Weitem nicht ausreichend, um auch die Konsequenzen für Wildbienen in der realen Landschaft einschätzen zu können", so der Forscher.


Sein Kollege Thorsten Rahbek Pedersen von schwedischen Ladwirtschaftsministerium fügt hinzu: "Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Clothianidin in Rapsfeldern nicht angebracht ist und wir alternative Vorkehrungen und Anbaumethoden brauchen, wenn wir weiterhin in Schweden Raps anbauen wollen." Genau diese Methoden sollen in einem nächsten Schritt nun an der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften entwickelt und erprobt werden.


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Freitag, 17. April 2015

Forscher beobachten wilde Schimpansen bei der Jagd mit Speeren

 
Ein Savannen-Schimpanse sticht mit einem speerartig eingesetzten Ast nach einem Buschbaby in einer Baumhöhle. | Copyright: BBC

Ames (USA) - Verhaltensforscher haben wilde Schimpansen nicht nur beim Herstellen sondern auch bei der Jagd mit Speeren beobachtet. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass weibliche Schimpansen öfter mit diesen Werkzeugen jagen als ihre männlichen Artgenossen. Bei der beobachteteten Schimpansengruppe handelt es sich weltweit um die einzige nicht-menschliche Population von lebenwesen, die für die Jagd eigens hergestellte Werkzeuge gezielt nutzt. Bislang galt dieses Verhalten als ausschließelich für Menschen typisch.

Wie die Forscher um Professor Jill Pruetz von der Iowa State University aktuell im Fachjournal "Royal Society Open Science" (DOI: 10.1098/rsos.140507) berichten, hatten sie schon 2007 erstmals Savannen-Schimpansen in Fongoli im Senegal bei der Jagd mit Werkzeugen beobachtet (s. Video). Schon damals stellten die Wissenschaftler fest, dass es mehrheitlich die Weibchen waren (60:40%), die diese Jagdmethode benutzten. Seither haben Pruetz und Kollegen mehr als 300 Fälle von mit Werkzeugen jagenden Schimpansen dokumentiert.



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Bei ihrer Jagd etwa auf Buschbabies (Galagos) nutzen die Menschenaffen mit den Zähnen zugespitzte speerartige Äste, um nach diesen in ihren Baumhöhlen zu stochern. Aus ihren Beobachtungen leiten die Forscher auch eine mögliche Erklärung für den beobachteten Unterschied zwischen den Geschlechtern ab: "Männliche Schimpansen sind bei der Jagd deutlich opportunistischer. Es kam oft vor, dass sich ein Männchen in der Nähe eines mit einem solchen Werkzeug jagenden Weibchens befand, die Beute dem Speer jedoch entkam. In diesem Moment griff sich dann das Männchen kurzerhand das fliehende Buschbaby."


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Bislang sind die Schimpansen in Fongoli die einzige nicht-menschliche Population, die fortwährend die gleichen Werkzeuge zur Jagd verwenden. Doch warum ist das so? "Die viel bessere Frage wäre, warum andere Schimpansen andernorts diese Technik nicht anwenden", so Pruetz. "Vielleicht liegt es daran, dass sie es einfach nie gelernt haben." Das Jagen mit Werkzeugen könnte aber auch das Ergebnis sozialer Toleranz sein, wie sie innerhalb anderer Schimpansenpopulationen einfach nicht existiert.

"Wenn in Fongoli ein Weibchen oder ein untergeordnetes Männchen etwas fangen, so wird es ihnen gestattet, diese Beute zu behalten und auch selbst zu fressen. Anderenorts beansprucht das dominante Männchen derartige Beute und es gibt somit dort auch kein Vorteil für Weibchen selbst zu jagen oder neue Techniken zu entwickeln."


Auch die Umgebung sei ein prägender Faktor. "In Fongoli gibt es aufgrund der Trockenheit beispielsweise keine Roten Stummelaffen, die sonst bevorzugte Beute von Schimpansen an anderen Orten. Die hiesigen Buschbabies sind für weibliche Schimpansen denn auch eine gerade mit Werkzeugen einfachere Beute.


Einem Vergleich mit der von einigen Schimpansen angewandten Methode des "Ameisenfischens" mit Stöcken und Gräsern, widerspricht die Forscherin und erläutert, dass das Verhalten der Beute und die damit einhergehenden notwendigen Handlungen des Jägers gänzlich unterschiedlich seien. "Das Fischen nach Ameisen und das Stochern und Aufspießen eines Buschbabies sind zwei sehr unterschiedliche Handlungen. Während beim Ameisen- und Termitenfischen die Ameisen von selbst auf den Ast kriechen und dann von dem Schimpansen nur noch heruntergeleckt werden müssen, wehrt sich ein Buschbaby, versucht zu fliehen und sich vor dem Schimpansen zu verstecken." Deshalb komme es auch nicht selten vor, dass die Schimpansen von ihrer gewünschten Beute gebissen werden.


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Mittwoch, 15. April 2015

160 gestrandete Delfine vor Hokota - Forscher befürchten schweres Beben


Archiv: Breitschanbeldelfin (Illu.) | Copyright: gemeinfrei

Hokota (Japan) - Sechs Tage, bevor 2011 ein Beben der Stärke 9 auf der Richterskala zu einem verheerenden Erdbeben, dem Tsunami und in deren Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima führte, strandeten an der Küste Präfektur Ibaraki 50 Breitschnabeldelfine aus bislang ungeklärtem Grund. Nachdem vergangene Woche nun an die 160 Exemplare am Strand vor Hokota, ebenfalls in der Präfektur Ibaraki, an Land strandeten, stehen die lokalen Behörden erneut vor einem Rätsel. Einige Beobachter und Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen und befürchten eine erneut bevorstehende Naturkatastrophe. 

UPDATE 17.04.2015: Laut einer bislang unbestätigten Erklärung des japanischen National Science Museums, wurden 17 der gestrandeten Delphine mitterweile obduziert. Dabei zeigten sich bei allen Tieren zwar keine anderweitigen verletzungen oder Schäden, jedoch bei sämtlichen Exemplaren eine gänzlich weiße Lunge. Lungen in einem derart vollständig minderdurchbluteten Zustand (Ischämie) habe sie selbst noch nicht gesehen, so die Chefuntersucherin eines 30-köpfigen Expertenteams. Beobachter vermuten nun, dass dieser Zustand etwas mit der Nuklearkatatstrophe von Fukushima zu tun haben könnte. 

Wie Tadasu Yamada, Wissenschaftler am National Museum of Nature and Science gegenüber dem lokalen Nachrichtensender NHK kommentierte, fanden sich bislang bei keinem der Tiere offenkundige Anzeichen für Erkrankungen oder Wunden, die für das unnatürliche Verhalten vom 9. April 2015 verantwortlich gemacht werden könnten.

Schon vor der Fukushima-Katastrophe wurde etwa das Stranden von rund 100 Grindwalen auf den neuseeländischen Stewartinseln im Februar 2011 von einigen Beobachtern und Forschern als Anzeichen des 48 Stunden später sich hier ereignendes Christchurch-Bebens gewertet. Auch dem Seebeben von 2004, in dessen Folge mehr als 230.000 Menschen ihr Leben verloren, gingen zahlreiche rätselhafte Strandungen von Walen und Delfinen in Neuseeland und Australien voraus.


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Der indische Professor Dr. Arunachalam Kumar ist sich sicher, dass es eine Verbindung zwischen diesen Vorfällen und darauffolgenden Beben gibt. Er vermutet, dass u.a. Störungen im elektromagnetischen Feld in Folge der Bewegungen der tektonischen Platten für die Fehlnavigation der Wale und Delfine verantwortlich sein könnte. Andere Wissenschaftler sehen keine derartigen verbindungen und bezeichnen entsprechenden Theorien als unwissenschaftlich. Dass zumindest einige Tierarten bevorstehende Beben und andere Naturkatastrophen offenbar vorherahnen können, hat jedoch erst kürzlich wieder eine Studie gezeigt (...wir berichteten, s. Links).

Der aktuelle Vorfall vor Hokota könnte ein interessanter Testfall für die kontrovers diskutierten Theorien sein - mit hoffentlich weniger katastrophalen Folgen.


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Dunkle Materie vielleicht doch nicht ganz so dunkel? Erste Anzeichen von mit sich selbst wechselwirkender Dunkler Materie entdeckt


Hubble-Aufnahme des Galaxienhaufens Abell 3827 mit Verteilung der Dunklen Materie | Copyright: ESO/R. Massey

Durham (England) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und dem Weltraumteleskop Hubble haben Astronomen erstmals Beobachtungen gemacht, die daraufhin deuten, dass Dunkle Materie anders als nur über ihre Schwerkraft mit anderer Dunkler Materie in Wechselwirkung tritt. Somit wäre die sogenannte Dunkle Materie vielleicht doch nicht ganz so "dunkel" wie bislang angenommen.

Wie das Team um Richard Massey von der Universität Durham aktuell im Fachjournal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichtet, beobachteten sie mit dem MUSE-Instrument am VLT in Chile zusammen mit Hubble-Bildern aus dem Erdorbit die gleichzeitige Kollision von vier Galaxien im Galaxienhaufen "Abell 3927". Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Lage der Masse innerhalb des Systems bestimmen und die Verteilung der Dunklen Materie mit den Positionen der hell leuchtenden Galaxien vergleichen.


"Obwohl man die Dunkle Materie nicht sehen kann, war das Team in der Lage, ihre Verteilung aufgrund des Gravitationslinseneffekts abzuleiten, den ihre Masse auf das Licht von Hintergrundgalaxien ausübt", erläutert die ESO-Pressemitteilung und führt weiter aus: "Die Kollision ereignete sich geradewegs vor einer fünften Hintergrundgalaxie, deren Abbild von der Kollision im Vordergrund verzerrt wird. Die Masse der Dunklen Materie um die wechselwirkenden Galaxien stört die Raumzeit sehr stark und erzeugt charakteristische bogenförmige Strukturen.


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Nach unserem gegenwärtigen Verständnis befinden sich alle Galaxien innerhalb von Klumpen Dunkler Materie. Ohne die anziehende und somit zusammenhaltende Wirkung der Schwerkraft der Dunklen Materie würden Galaxien wie die Milchstraße auseinandergerissen, während sie rotieren. Um dies zu verhindern, müssen 85% der Masse des Universums als Dunkle Materie existieren. Trotzdem bleibt deren wahre Natur ein Geheimnis."

Bei ihren Beobachtungen fanden die Astronomen heraus, dass ein Klumpen Dunkler Materie hinter der Galaxie zurückzubleiben scheint, zu der er gehört. Die Dunkle Materie liegt gegenwärtig 5000 Lichtjahre - also 50.000 Billionen Kilometer - hinter der Galaxie. "Solche Verzögerungen in der Bewegung von Dunkler Materie und im Vergleich zur assoziierten Galaxie, sollten bei Kollisionen auftreten, wenn die Dunkle Materie über andere Kräfte als die Gravitation mit sich selbst wechselwirkt, wenn auch sehr gering. Nie zuvor ist Dunkle Materie dabei beobachtet worden, in irgendeiner anderen Weise als über die Schwerkraft zu interagieren."


"Wir dachten bislang immer, dass Dunkle Materie einfach da ist und abgesehen von ihrer gravitativen Anziehung nichts tut", so Massey. "Aber wenn Dunkle Materie durch diese Kollision verlangsamt worden ist, könnte es der erste Hinweis für eine reichhaltige Physik im dunklen Sektor sein - das verborgene Universum überall um uns herum."


Zugleich geben die Forscher aber auch zu bedenken, dass noch weitere Studien zu anderen Effekten notwendig sind, die ebenfalls die Ausbildung eines Abstands zwischen Galaxie und dazugehöriger Dunkler Materie bewirken könnten. Ähnliche Beobachtungen von weiteren Galaxien und Computersimulationen von Galaxienkollisionen wären sehr hilfreich.


"Wegen der gravitativen Wechselwirkungen, die dem Universum seine Struktur gegeben hat, wissen wir, dass die Dunkle Materie existiert. Aber zur Zeit wissen wir noch beschämend wenig darüber, was die Dunkle Materie wirklich ist. Unsere Beobachtungen legen nahe, dass Dunkle Materie auch anderen Kräfte als die Gravitation für Wechselwirkungen nutzen könnte. Wenn dem tatsächlich so wäre, könnten wir einige bedeutende Theorien ausschließen, die beschreiben, um was es sich bei Dunkler Materie handeln könnte", kommentiert die Mitautorin Liliya Williams von der Universität von Minnesota.


Die neue Studie folgt dem vor kurzem veröffentlichten Artikel des Teams, in dem 72 Kollisionen zwischen Galaxienhaufen untersucht wurden, mit dem Ergebnis dass Dunkle Materie nur sehr wenig mit sich selbst wechselwirken kann (also sogar noch "dunkler" wäre als bislang gedacht). Die neue Studie beschäftigt sich jedoch mit den Bewegungen individueller Galaxien im Gegensatz zu ganzen Galaxienhaufen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Kollision zwischen diesen Galaxien länger gedauert haben könnte als die Kollisionen, die man in der vorherigen Studie beobachtet hat - was den Effekt, den kleine Reibungskräfte ausüben, sich über längere Zeit aufbauen und so eine messbare Verzögerung schaffen lässt.


Hierzu erläutert die ESO, dass "die beiden Ergebnisse zusammengenommen das Verhalten von Dunkler Materie zum ersten Mal eingrenzen. Dunkle Materie interagiert mehr als das eine, aber weniger als das andere. Massey ergänzt abschließend: "So nähern wir uns unserem Ziel – der Dunklen Materie – von oben und von unten und quetschen dabei unser Wissen von zwei Richtungen zusammen."


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Donnerstag, 9. April 2015

Hinweis auf universelle Natur des Lebens: Erstmals komplexe organische Moleküle in jungem Sternsystem entdeckt


Künstlerische Darstellung der protoplanetaren Scheibe, die den jungen Stern MWC 480 umgibt und in der jetzt komplexe organische Moleküle vom Typ der Methylcyanide nachgewiesen werden konnten. | Copyright: B. Saxton (NRAO/AUI/NSF)

Cambridge (USA) - In der protoplanetaren Scheibe aus Staub und Gas, die einen noch jungen Stern umgibt und as der heraus sich eines Tages ein Planetensystem bilden wird, haben Astronomen zum ersten Mal komplexe organische Moleküle und damit die Bausteine des Lebens nachgewiesen. Erneut bestätigt sich somit, dass Bedingungen unter denen die Sonne und mit ihr die Erde entstanden sind, im Universum nicht einmalig sind.

Wie die Forscher um Karin Öberg, Astronomin vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik aktuell im Fachjournal "Nature" berichten, gelang der Nachweis mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) an der Europäischen Südsternwarte (ESO).


Entdeckt wurden die Lebensbausteine in der protoplanetaren Scheibe um den Stern MWC 480, der sich 455 Lichtjahre von der Erde entfernt im Taurus-Sternentstehungsgebiet befindet. Es handelt sich um derart große Mengen Methylcyanid (CH3CN, ein komplexes kohlenstoffbasiertes Molekül), um alle Ozeane auf der Erde damit zu füllen.


Darüber hinaus findet sich in den Außenbereichen der Scheibe ein einfacherer Verwandter dieses Moleküls: Cyanwasserstoff (HCN). Diese Region, so vermuten die Forscher, ähnelt dem Kuipergürtel unseres eigenen Sonnensystem jenseits von Neptun, der voller Planetesimale und Kometen ist.


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"Kometen stellen eine Art Aufzeichnung der Phase der Planetenentstehung dar, da sie die frühe Chemie des Sonnensystems wiedergeben", erläutert die ESO-Pressemitteilung. "Man geht davon aus, dass die Kometen und Asteroiden aus den Außenbereichen des Sonnensystems Wasser und organische Moleküle auf die Erde brachten und damit die Voraussetzung für die Entwicklung von primitivem Leben schafften."

"Untersuchungen von Kometen und Asteroiden zeigen, dass der solare Urnebel, der die Sonne und Planeten hervorbrachte, reich an Wasser und komplexen organischen Verbindungen war", erläutert Karin Öberg weiter. "Wir haben damit jetzt genauere Belege dafür, dass dieselben chemischen Eigenschaften auch anderorts im Universum vorkommen, zum Beispiel in Regionen, in denen Sternsysteme entstehen könnten, die unserem Sonnensystem nicht unähnlich wären. Das ist besonders verblüffend, da die Moleküle, die in MWC 480 gefunden wurden, in ähnlicher Konzentration auch in den Kometen in unserem Sonnensystem zu finden sind."



Die Himmelsregion um den jungen Stern MWC 480 im Sternbild Stier. | Copyright: ESO/Digitized Sky Survey 2

Die MWC 480 umgebende Scheibe ist in den sehr frühen Phasen der Entwicklung – sie ist erst vor "kurzem" aus einem kalten, dunklen Nebel aus Staub und Gas hervorgegangen. Beobachtungen mit ALMA und anderen Teleskopen müssen noch irgendein offensichtliches Zeichen der Planetenentstehung in ihr nachweisen, obwohl hochauflösendere Beobachtungen Strukturen zum Vorschein bringen könnten, die denen von HL Tauri ähnlich sind, der etwa gleich alt ist.


Schon jetzt wissen Astronomen, dass kalte, dunkle interstellaren Wolken sehr effiziente Fabriken für die Bildung von komplexen organischen Moleküle darstellen - einschließlich einer Gruppe von Molekülen, die man Cyanide nennt. Cyanide, und ganz besonders Methylcyanid, sind wichtig, da sie Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindungen enthalten, die für die Bildung von Aminosäuren unerlässlich sind und als Grundlage für Proteine und die Bausteine des Lebens dienen.

"Bis heute ist jedoch noch unklar, ob sich diese komplexen organischen Moleküle tatsächlich in der energiereichen Umgebung eines jeden neu gebildeten Sternsystems bilden können, da Stöße und Strahlung chemische Verbindungen leicht aufbrechen können", so die ESO.


Dank der außerordentlichen Empfindlichkeit des ALMA-Teleskops können Astronomen anhand der neuen Beobachtungen nun sehen, dass diese Moleküle nicht nur überleben, sondern weiter zunehmen.


"Die Moleküle, die ALMA nachwies, sind bedeutend reichlicher vorhanden, als wenn man sie in interstellaren Wolken gefunden hätte. Das zeigt Astronomen, dass protoplanetare Scheiben sehr effizient komplexe organische Moleküle bilden und dass sie in der Lage sind, dies innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne zu tun.


Die Astronomen nehmen daher an, dass organische Moleküle, die in Kometen und anderen Eiskörpern sicher eingeschlossen werden, auch in andere, lebensfreundlichere Umgebungen transportiert werden können, während sich das System weiterentwickelt.


"Aus den Beobachtungen von Exoplaneten wissen wir, dass das Sonnensystem in ihrer Anzahl an Planeten und Reichhaltigkeit an Wasser nicht einzigartig ist", so Öberg abschließend. "Jetzt wissen wir, dass wir mit unseren organischen Eigenschaften nicht einzigartig sind. Ein weiteres Mal haben wir gelernt, dass wir nicht besonders sind. Aus Sicht des Lebens im Universum sind das tolle Neuigkeiten."


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Mittwoch, 8. April 2015

Verteilungsmuster der Namibischen Feenkreise gleicht dem von Hautzellen


Blick auf einige wenige der mysteriösen Feenkreise in Namibia. | Copyright: Dr. Stephan Getzin/UFZ

Okinawa (Japan) - Japanische Wissenschaftler haben ein gleiches Muster in zwei vermeintlich voneinander unabhängigen Systemen entdeckt: Hautzellen zeigen demnach ein auffallend ähnliches Verteilungsmuster wie das der sogenannten Feenkreise in der Namib-Wüste auf. Die Analyseergebnisse könnten eines Tages sogar auch dazu genutzt werden, um Leben auf fernen Planeten und Monden zu identifizieren.

Schon seit Jahrzehnten stellen die namibischen "Feenkreise" Wissenschaftler vor ein Rätsel, wenn es darum geht zu erklären, wie die auffälligen, vegetationsfreien Kreise in afrikanischen Graslandschaften zustande kommen. Konkret handelt es sich bei diesen Kreisen um tausende kreisförmiger Flächen blanker Erde mit Durchmessern von 2 bis 12 Metern, innerhalb derer keine Vegetation wächst, deren Rand jedoch von einem Saum dichteren und höheren Graswuchses markiert wird (s.Abb.o.). Während die Einheimischen in den Kreisen die "Fußspuren der Götter" sehen, vermuteten Wissenschaftler bislang, dass die Kreise von Erntetermiten freigefressen werden. Eine andere Theorie vermutet Erdgasaustritte als Ursache der Kreise (...wir berichteten, s. Links).


Wie die Forscher um den Mathematikprofessor Robert Sinclair vom Okinawa Institute of Science und von der Science and Technology Graduate University (OIST) aktuell im Fachjournal "Ecological Complexity" (DOI: 10.1016/j.ecocom.2015.02.001) berichten, stelle die Übereinstimmung dieses Musters im Großen (Feenkreise) und im Kleinen (Hautzellen) eine wirklich merkwürdige Übereinstimmung dar und sei "absolut erstaunlich", liefere aber zugleich ein weiteres und vielleicht wichtiges Puzzleteilchen im Rätsel um die Feenkreise.


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Obwohl die Verteilung der Feenkreise in den Wüsten und Graslandschaften zunächst rein zufällig erscheint, fanden die Forscher eine enge Übereinstimmung dieses Verteilungsmusters mit dem von Hauzellen. "Ein Muster, dass sich zugleich in derart unterschiedlichen Größenverhältnissen wiederfinde, ist in der Natur nahezu unbekannt", so Sinclair. (Anm.d.GreWi-Redaktion: Mit dem Verweis auf zahlreiche komplexe Muster, die sich sowohl im Kleinsten, wie auch im Größten - und dazwischen - finden, wollen wir in diesem Punkt dem Prof. Sinclair gerne widersprechen. Beispiele sind etwa die auffallenden Ähnlichkeiten zwischen Nervenzellen und die Verteilung von Galaxien und Quasaren im Weltraum oder die buchstäblich universelle Verbreitung der Fibonacci-Zahlreihe und Spiralen in unzähligen Beispielen natürlicher Formbildeprozesse...)

"Obwohl wir noch nicht erklären können, warum sich Hautzellen und die Feenkreise derart gleichen, ist es aber schon wichtig, überhaupt zu wissen, dass sie sich gleichen", so Sinclair.


Anhand von Satellitenaufnahmen der namibischen Feenkreise haben Sinclair und sein Kollege Haozhe Zhang von der Iowa State University die Anzahl der jeweiligen Nachbarkreise vermessen und mit einem Computerprogramm Linien durch jedes Kreispaar als imaginäre und mit den Zellwänden vergleichbare Grenze gezogen. Danach zählte der Computer erneut, wie viele Nachbarn jeder Feenkreis besitzt. Eine gleiche Zählung hatten Forscherkollegen schon vor einigen Jahren anhand von Hautzellen durchgeführt (s. Abb.).



Zwei vermeintlich voneinander unabhängige Systeme in völlig unterschiedlichen Größenverhältnissen: Feenkreise in der Namibwüste (l.) und mikroskopisch kleine Hautzellen (r.). | Copyright/Quelle: Okinawa Institute of Science and Technology - OIST

Tatsächlich zeigte ein Vergleich, dass die Ergebnisse der beiden Berechnungen nahezu identisch sind. Die meisten Feenkreise verfügen demnach über jeweils sechs Nachbarn - ganz genau wie Hautzellen. Allerdings geht die Ähnlichkeit zwischen den beiden Systemen über diese Gemeinsamkeit noch hinaus: Der Anteil von Feenkreisen mit vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun Nachbarn entspricht grundsätzlich dem von Hautzellen.

"Eine solch große Übereinstimmung hatte ich zuvor nicht erwartet", gesteht Sinclair ein. "Wir haben die Ergebnisse mehrmals überprüft. Unter anderem auch deshalb, weil die Übereinstimmung so groß war, dass wir es selbst zunächst gar nicht glauben wollten."


"Alle bisherigen Erklärungstheorien und mathematischen Modelle zu den Feenkreisen, müssen nun auch das von uns nachgewiesenen Muster berücksichtigen, wenn sie zur Erklärung des Rätsels wirklich beitragen wollen", so Zhang.


Die Autoren der aktuellen Studie vermuten, dass die Übereinstimmung der Verteilungsmuster von Hautzellen und Feenkreisen deshalb so groß sein könnte, da beide um vorhandenen Raum "kämpfen". Sollte diese Hypothese zutreffen, so könnte man zukünftig Informationen über bestimmte Systeme alleine durch die Analyse ihrer Muster gewinnen. Beispielsweise könnte man nach Zeichen für Leben auf anderen Planeten oder fernen Monden suchen, selbst wenn nur Bilder als einzige Datengrundlage zur Verfügung stehen.


Hinzu könnte die Identifikation eines solchen Musters aber auch von ökologischen und biologischem Nutzen sein. "Es könnte uns dabei helfen, Licht auf die Frage zu werfen, was sich am anderen Ende des Spektrums eines System zuträgt, wenn wir die Vorgänge an einem Ende analysieren", so Sinclair abschließend. "Ein Verständnis über die Zusammenhänge dieser Muster im Großen wie im Kleinen könnte uns oft dabei behilflich sein zu vermeiden, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen."


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Montag, 6. April 2015

Lebensraum Mofetten: Leben im "giftigen Atem" von Vulkanen entdeckt


Archivbild: Moffette im tschechischen Soos. | Copyright: Walter J. Pilsak, Wikimedia Commons, GNU/FDL, CC BY-SA 3.0

Jena (Deutschland) - Aus kleinen Öffnungen vermeintlich schlafender erloschener Vulkane, sogenanten Moffeten, strömt noch heute der "giftige Atem von Vulkanen" in Form von Kohlendioxidgas aus dem Erdinnern. Jetzt haben Geobiologen aber auch im Innern einer Mofette zahlreiche Mikroorganismen entdeckten, die selbst in dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung gedeihen.

Wie giftig Mofetten für gewöhnlich sind, zeigt das Beispiel der "Villa trans lacom" am Ostufer des Laacher Sees in der Vulkan-Eiffel: "Im 19. Jahrhundert hatte der Jesuitenorden das Kloster Maria Laach gekauft und sich die Villa am Seeufer gebaut", erläutert die Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität und führt weiter aus: "Hier trafen sich die Ordensbrüder, um fernab des Alltags mit Gott Zwiesprache zu halten. Doch zahlreiche Jesuiten bezahlten ihre Exerzitien in der Villa mit dem Leben. Zwischen 1864 und 1888 starben in dem Gebäude mindesten 17 von ihnen buchstäblich im Schlaf. Den Mönchen wurde wahrscheinlich das Kohlendioxid zum Verhängnis, das am Ostufer des Laacher Sees in großen Mengen aus dem Boden austritt und sich immer wieder in dem Gebäude ansammeln konnte."


Der Laacher See ist der Krater eines schlafenden vor rund 12.000 Jahren das letzte Mal ausgebrochenen Vulkans, erläutert Prof. Dr. Kirsten Küse, die Inhaberin des Lehrstuhls für Aquatische Geomikrobiologie, "und bis heute finden sich hier Spuren des Vulkanismus, die Jenaer Forscher im Rahmen eines jährlichen Geländeseminars im Studiengang Biogeowissenschaften regelmäßig untersuchen." Solche Hinweise auf Vulkanismus liefern etwa sogenannte Mofetten: kleine Öffnungen im Boden, aus denen Kohlendioxidgas austritt, das aus Magmakammern des Erdmantels oder der Erdkruste stammt.


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Kein Wunder also, dass Mofetten bislang als äußerst lebensfeindliche Orte galten. Doch wie das Forscherteam aktuell im Fachjournal "International Society for Microbial Ecology" (DOI: 10.1038/ismej.2014.148). berichtet, blüht auch hier Leben - wenn auch verborgen im Untergrund.

In einer Mofette nahe des tschechischen Flusses Plesná in Nordwestböhmen haben die Forscher den Weg des Kohlendioxids auf seinem letzten Meter durch den Boden an die Erdoberfläche verfolgt und dabei die Mikroben in der bislang als lebensfeindlich geltenden Umgebung entdeckt.


"Ziel unserer Untersuchung war es, mikrobielle Lebensgemeinschaften einer Mofette zu erforschen und zu klären, ob und welche der Organismen vom ausströmenden Kohlendioxid profitieren", erklärt Felix Beulig aus Küsels Team. "Wir konnten jetzt zeigen, dass das aus dem Erdinneren entgasende Kohlendioxid von mehreren Gruppen an Mikroorganismen aufgenommen und in Biomasse sowie in Verbindungen wie Methan oder Essigsäure umgewandelt wird. Diese bieten wiederum Nahrungsgrundlage für andere Organismen in der Mofette, weshalb das ausströmende Kohlendioxid eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf des Bodens darstellt", macht der Doktorand und Erstautor der Studie deutlich.


Zwar belege die aktuelle Studie, dass die Artenvielfalt in einer Mofette bei weitem nicht so groß ist, wie in vergleichbaren Böden. "Aber wir haben es hier nicht mit einer solch lebensfeindlichen Umgebung zu tun, wie es oberirdisch oftmals den Anschein hat", resümiert Kirsten Küsel und berichtet, dass rund um Mofetten regelmäßig tote Vögel, Mäuse und andere Kleintiere zu finden seien und nur wenige Pflanzen dem "giftigen Atem der schlafenden Vulkane" trotzten.


Neben diesen grundlegenden Erkenntnissen zum Kohlenstoffkreislauf im Boden, könnten die Forschungsergebnisse der Uni Jena langfristig auch von Nutzen sein, um mögliche Auswirkungen von ungewollten Ausgasungen aus unterirdischen Kohlendioxidspeichern ("Carbon Capture and Storage"-Technologie) zu prognostizieren und damit potenzielle Risiken abzuschätzen.


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Montag, 30. März 2015

Kreisstruktur im Eis der Antarktis weiterhin rätselhaft


Direkte Draufsicht auf die annähernd kreisrunde Bruchstruktur im antarktischen König-Baudoin-Schelfeis. | Copyright: AWI (kontrastverstärkt durch grewi.de)

Bremerhaven (Deutschland) - Was wie der Anfang eines Science-Fiction-Klassikers klingt, sorgt immer noch für wissenschaftliche Kontroversen: Zur im vergangenen Dezember im antarktischen König-Baudoin-Schelfeis gefundenen, kreisförmigen Bruchstruktur gibt es zwar neue Informationen, aber immer noch keine endgültige Erklärung. Neben dem Einschlag eines gewaltigen Meteoriten werden indes noch andere Erklärungen diskutiert.

Wie Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts der Helmholtz-Stiftung im "AWI-Eisblog" berichten, zeigte eine Auswertung von Satellitenaufnahmen, dass die Struktur schon in den 1990er Jahren existierte. Zuvor hatten die Forscher vermutet, es könnte sich um das Ergebnis einen vermuteten Meteoriteneinschlags 2004 handeln (...wir berichteten).


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"Diese (Satellitenaufnahmen) zeigen, dass die Struktur, die sich jetzt an der Position 69.8° Süd 32.26° Ost mit einem Durchmesser von ca. 3 km befindet, mit dem Eis mitgewandert ist", erläutert Olaf Eisen vom AWI-Eisblog. "Einen Eindruck dieser Wanderung kann man in einem Tweet von Allen Pope erhalten. Das spricht dafür, den Zeitpunkt der Entstehung des Rings weiter in die Vergangenheit zu legen, als bisher vermutet. Bei dieser Sichtung von Satellitendaten wurde in der Nähe eine weitere, ringförmige Struktur entdeckt, die (für Interessierte) z.B. auch in Google Earth klarer zu sehen ist, als die hier diskutierte."

Neben einem Meteoriteneinschlag werden seither auch sogenannte Eis-Dolinen als Erklärung für die Kreis- bzw. Ringstrukturen diskutiert.

Zur Entstehung dieser Eis-Dolinen erläutert Eisen weiter: "Ähnlich wie in Kalksteingebieten beobachtete Einsturztrichtern können in Gletschern Hohlräume einbrechen. Dabei entstehen Trichter an der Oberfläche. Anders als im Kalkstein aber können sich Hohlräume in Gletscher recht schnell bilden, wenn dort gespeichertes Schmelzwasser plötzlich abfließt. Eis-Dolinen wurden in Grönland und auf Eisschelfen an der antarktischen Halbinsel bereits seit den 1930er Jahren beobachtet. Die Beschreibung dieser Strukturen ist detailreich und damit ebenfalls geeignet, um diese Hypothese mit unseren Flugdaten vom zweiten Weihnachtstag zu testen. Im Gegensatz zu einem grönländischen Beispiel einer Doline als Schmelzwasserdepression, welches kürzlich in der open access-Zeitschrift "The Cryosphere" veröffentlicht wurde, zeigt die Ringstruktur auf dem Roi Baudouin Eisschelf im Inneren größere Bruchstücke von Eis.


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Allerdings geben die Glaziologen in Bremerhaven zu bedenken, dass für die Entstehung einer mit der gewaltigen Bruchstruktur übereinstimmenden Eis-Doline nicht unerhebliche Mengen von Schmelzwasser nötig gewesen wären, wie sie bislang nur schwer mit dem Klima in dieser Region, weitab von der sich rasch erwärmenden westantarktischen eigentlichen "Heimat der Eis-Dolinen" zu vereinbaren sei. "Wenn es sich herausstellen sollte, dass große oder zahlreiche Eis-Dolinen an mehreren Stellen auch in der Ostantarktis beobachtet werden könnten, wäre das für die Glaziologie eine neue Möglichkeit, um vergangene, bisher unbeobachtete Schmelzprozesse besser untersuchen und verstehen zu können. Und damit unser Verständnis der Antarktis als Ganzes", so der Forscher.

Während die aktuelle Forschungssaison in der Antarktis für die AWI-Forscher Ende Februar zu Ende ging, sind weitere Untersuchungen der mysteriösen Bruchstruktur geplant:


"Zunächst werden jetzt alle verfügbaren Datensätze zusammengetragen. Bei den im Feld erhobenen Daten handelt es sich um mehrere Terabyte. So eine gewaltige Datenmenge kann nicht einfach über Satellit ans AWI übertragen werden, sondern per 'Turnschuh-FTP': also im Gepäck der rückkehrenden Wissenschaftlern der WEGAS-Kampagne Anfang Februar. Diese Daten werden dann ausgewertet und die oben erwähnten Hypothesen daran getestet. Das wird mehrere Monate dauern. Kommt man hier zu einer plausiblen Erklärung, so folgt eine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema, die dann international begutachtet wird (der sogenannte 'peer review'-Prozess). Ist dies erfolgreich verlaufen, wird der Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. In der Regel wirft so ein Artikel mehrere neue Fragen auf. In diesem Fall könnte man solcher Fragen am besten mittels einer näheren Untersuchung vor Ort an der Ringstruktur herangehen. Dies könnte wiederum in Zusammenarbeit mit unseren belgischen Kollegen passieren, die jedes Jahr für Messungen auf das Roi Baudoin Eisschelf fahren. Im Rahmen des BENEMELT-Projektes plant Jan Lenaerts der Ringstruktur sobald wie möglich einen Besuch abzustatten. Wegen der längeren Vorlaufzeiten für antarktische Bodenprogramme und Logistik würde das aber frühestens im nächsten Jahr der Fall sein können."


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Mittwoch, 25. März 2015

Wildtierkameras belegen: Tiere flohen Tage vor schwerem Erdbeben


Am Boden lebende Vögel wie diese Amazonashokko, waren in de Tagen vor dem Contamana-Beben 2011 in Peru nicht mehr auf den Wildtierkameras im Yanachaga National Park zu sehen. | Copyright: R. Grant et al.

Chelmsford (England) - Schon seit Jahrhunderten werden einigen Tierarten die Fähigkeiten nachgesagt, Erdbeben schon vorab spüren zu können und entsprechenden Orten und Regionen zu entfliehen. Während Kritiker dieser Behauptung entsprechende Beobachtungen weiterhin verneinen, belegt nun erstmals eine Studie mit Hilfe von Wildtierkameras und Messungen von Umweltfaktoren genau dieses Verhalten und eine direkte Verbindung zu den seismischen Aktivitäten. Die Forscher selbst vermuten, dass Ionen in der Luft die schon Tage in den Tieren ein Fluchtverhalten auslösen könnten.

Wie das Team um Dr. Rachel Grant von der Anglia Ruskin University aktuell im Fachjournal "Physics and Chemistry of the Earth" berichtet, nutzen sie Aufnahmen der durch Bewegungssensoren ausgelösten Wildtierkameras im peruanischen Yanachaga National Park. Diese Aufnahmen belegen demnach eine signifikante Veränderung im Verhalten von Tieren schon viele Tage vor dem Beben von Contamana, das 2011 Peru mit einer Stärke von 7.0 traf.


"An einem normalen Tag nehmen die Kameras zwischen 5 und 15 Tiere auf. In den Tagen vor dem Beben, waren es so gut wie gar keine Sichtungen mehr, die von den Kameras dokumentiert wurden. Für die hiesige Regenwaldregion ist das wirklich sehr ungewöhnlich."

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Gegenüber der "MailOnline" berichte Grant, dass offenbar besonders Nagetiere für die Vorgänge sensibel zu sein scheinen und bis zu 8 Tage vor dem Beben gänzlich vor den Kameras verschwanden, obwohl gerade diese Tiere normalerweise am Waldboden sehr häufig vorkommen. "Während unserer Kontroll-Phasen waren sie wirklich ständig und überall."

Als mögliche Erklärung für das Verschwinden der Tiere konnte das Wissenschaftlerteam, an dem u.a. auch Professor Friedemann Freund vom SETI Institute und Professor Jean-Pierre Raulin vom brasilianischen Centre of Radio Astronomy and Astrophysics MacKenzie (CRAAM) an der Presbyterian MacKenzie University beteiligt waren, zwei Wochen vor dem Beben Reflexionen niedrigfrequenter Radiowellen (VLF) und Störungen in der Ionosphäre rund um das Epizentrum des Bebens ausmachen. Schwankungen in diesen Ereignissen stimmten zugleich mit dem signifikanten Rückgang der Tiersichtungen überein. Da die Ionosphäre eine hohe Konzentration von Ionen und freien Elektronen aufweist, vermuten die Forscher, dass durch Erdbebenprozesse im Untergrund Ionen in die Luft abgegeben werden. Von diesen Ionen wiederum ist bekannt, dass sie auf Menschen und Tiere unangenehme Nebenwirkungen, wie das sogenannte Serotonin-Syndrom ausüben können. Hierbei kommt es zu einer Zunahme der Serotoninwerte im Blutstrom, was zu Unruhe, Erregung, Hyperaktivität und Verwirrung führt. Auf diese Weise könnte die entsprechende Freisetzung der Ionen das Verhalten besonders der am und im Boden lebenden Tiere erklären.

"Wir glauben, dass beide von uns nun erstmals in dieser Form dokumentierten Phänomene (das Verschwinden der Tiere und die zunehmende Ionisation) von seismischer Aktivität in der Erdkruste ausgelöst werden", so Grant.


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In einem nächsten Schritt suchen die Forscher nun nach einem Weg, das dokumentierte Verhalten der Tiere vor einem Beben und die entsprechenden Messungen reproduzierbar demonstrieren zu können. Weitere Untersuchungen sollen dann zeigen, ob die beobachteten Faktoren auch gezielt zur Erdbebenvorhersage genutzt und in Frühwarnsysteme integriert werden können.

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