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Mittwoch, 19. Dezember 2007

Tunguska-Katastrophe: Neues Computermodel verweist auf kleineren Asteroiden

Mark Boslough vor der neuen Simulation des vermeintlichen Feuerballs von Tunguska | Copyright: Randy Montoya / DOE/Sandia National Laboratories

Livermore/ USA – Mit Spuercomputern haben Wissenschaftler ein neuen Model jenes Waldschadens simuliert, der am 30. Juni 1908 durch ein bislang unbekanntes kosmisches Objekt in der russischen Tunguska-Region verursacht worden war. Anhand der Daten halten die Forscher nun auch eines wesentlich kleineres Asteroiden als Erklärung für möglich.

Am Morgen des 30. Juni 1908 kam es nahe dem Fluss Tunguska in Sibirien zu einer gewaltigen Explosion, die seither für zahlreiche Spekulationen und Theorien gesorgt hat. Von der Annahme über der Region sei damals ein außerirdisches Raumschiff, eine Kernwaffen ähnlicher Herkunft, über Mini-Schwarze Löcher bis hin zur wissenschaftlichen Annahme, dass es hier zur bislang gewaltigsten Einschlag eines Kometen oder Asteroiden in der jüngeren Geschichte der Erde gekommen sei, wird seither gerätselt, was damals über 2000 Quadratkilometer Waldfläche mit etwa 80 Millionen Bäumen umknicken ließ.

„Der (postulierte) Asteroid, der den massiven Schaden angerichtet hatte, war wesentlich kleiner, als wir bislang glaubten (...) So ein kleines Objekt kann durchaus diese Art der Zerstörung verursachen – also müssen wir diese als Erklärung in Betracht ziehen“ zitiert „ScienceDaily.com“ den Sandia-Forscher Mark Boslough.

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Laut der aktuellen Studie, die die Details der Zerstörung und Grundvoraussetzungen (etwa den eingeschränkten Gesundheitszustand des betroffenen Baumbestandes, sowie die Topografie des Terrains) sehr viel genauer einbezieht als vorige Untersuchungen, sieht das damalige Epizentrum der Explosion über Erdoberfläche. Diese könnte sich dann in Form einer extrem heißen Feuerkugel sich ausdehnender Gase mit Schallgeschwindigkeit ausgebreitet haben. Diese Art würde eine um ein Vielfaches stärkere Druckwelle und Hitzestrahlung erzeugen, als die bisherigen Explosionen bisheriger Modelle.

Foto umgeknickter Bäume in der Tunguska-Region von 1927 | Copyright: Public Domain

Alle „neuen“ Faktoren miteinbezogen, beziffern die Forscher um Boslough den tatsächlichen Schaden der legendären Explosion geringer als bislang gedacht. Die Simulation zeigt, wie sehr der ankommende Asteroid durch den Widerstand der Erdatmosphäre verdichtet wird. Je tiefer dieser in die Atmosphäre eindringt, je größer wird dieser Widerstand und lässt das kosmische Geschoss in einen gasigen und abwärtsgerichteten Feuerstoß

Die bislang postulierten 10 bis 20 Megatonnen notwendige Sprengkraft, schwindet in der neuen Studie auf lediglich drei bis fünf Megatonnen. Die Größe des möglichen Asteroiden hängt demnach davon ab, woraus dieser hauptsächlich bestand – ob dieser als porös oder eher massiver Struktur, eisig oder trocken war.

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Das Sandia-Team sorgte bereits vor Jahren für internationales Interesse, als man den Einschlag des Asteroiden „Shoemaker-Levy 9“, der 1994 in den Planeten Jupiter einschlug, im Modell auf unsere Erde übertrug. Auch die aktuelle Studie dient nicht nur der Tunguska-Forschung, sondern primär der Erforschung der Auswirkungen und möglicher Gegenmaßnahmen zukünftiger Asteroideneinschläge auf der Erde: „Jede Verteidigungsstrategie muss die eingesetzten und erzielten Faktoren, Daten und Mechanismen solcher Explosionen miteinbeziehen“, so Blosough.

Im kommenden Sommer jährt sich der Jahrestag des als „Tunguska-Katastrophe“ bekannt gewordenen Einschlags-Ereignisses zum hundertsten Mal. Neben einer „Geburtstagsparty“ und kulturellen Angeboten bemühen sich die lokalen Behörden darum, dass internationale Interesse am Thema für die Region touristishen zu nutzen. Hierzu soll auch eine rund 80 Kilometer lange Themen-Strasse durch die Taiga bis zum Epizentrum des Einschlages führen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / sandia.gov / sciencedaily.com

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