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Dienstag, 18. März 2008

Mysteriöser Heidenkult in Cornwall

Funde aus den Federgruben, Schwanenhaut, ausgebrütete Eier und Vogelkrallen | Copyright: J. Wood / archaeologyonline.org

Saveock Water/ England - Nahe Turo in der südenglischen Grafschaft Cornwall sind Archäologen auf Überreste eines mysteriösen Heidenkultes aus dem 17. Jahrhundert gestoßen.

Zum ersten Mal stieß die Archäologin Jacqui Wood im Tonboden nahe einer Quelle 2003 auf 40 mal 35 Zentimeter große und etwa 17 Zentimeter tiefe Schalengruben. Einige dieser Gruben waren mit Schwanenhaut ausgekleidet, deren Federn die Gruben nach Innen auskleideten. Am Rand fanden sich die Kadaver zweier Elstern und in den Gruben bis zu 55 ausgebrütete Eier inklusive die Kadaver der Küken verschiedener Vogelarten, Kieselsteine und in Blätter eingewickelte Vogelkrallen. Bis heute konnten 35 Gruben freigelegt werden.

Angesichts dieser kuriosen Zusammenstellung bizarrer Gegenstände schließt Wood auf ein heidnisches Ritual. Was mit dem mysteriösen Vogelzauber bewirkt werden sollte, ist heute nicht mehr bekannt. Die Tatsache, dass entsprechende Praktiken zur Zeit, in der Gruben angelegt wurden, als Hexerei betrachtet und meist umgehend dem Tode bestraft wurden, lässt die Experimental-Archäologin darauf schließen, dass es sich um ein sehr wichtiges und mächtiges Ritual gehandelt haben muss - zumal Schwäne generell als Besitz der Krone galten und ihre Jagd selbst schwer bestraft wurde. Radiokarbonanalysen datieren die Funde auf ca. 1640, also die Zeit des Bürgerkriegs in England.

Blick in eine Federgrube | Copyright: J. Wood / archaeologyonline.org

Aufgrund der verwendeten Schwanenhäute vermutet Wood einen Zusammenhang mit der christlich irischen Heiligen St. Bridget (Brigida von Kildare). Sie war die Schutzpatronin der Schmiede, Poeten und Milchmädchen, aber auch der Hebammen und Neugeborenen. Auch die Herkunft der Kiesel weisen in dieser Richtung - stammen sie doch alle aus vom Ufer eines nahe gelegenen Weiher, der noch heute im Volksmund als "Swan Pool" (Schwanenteich) bekannt ist. Ein weiterer Hinweis auf heidnische Rituale sind auch die Elstern, die noch heute aufgrund ihrer Färbung ein Symbol für Gegensätze wie Freud und Leid sind.

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Woods Theorie über den Inhalt des Rituals geht davon aus, dass es von frisch verheirateten Frauen in der Hoffnung auf baldige Schwangerschaft ausgeübt wurde - darauf deuten neben den bereits beschriebenen Umständen auch die Eier als Fruchtbarkeitssymbole hin. Die Gruben wären demnach ein Opfer an die Heilige Brigida gewesen. "Wenn die Frauen dann Schwanger wurden, wurde der Inhalt der Grube verbrannt um die Vogelseelen zu befreien. Das würde dann auch die vereinzelten leeren Gruben erklären, die wir neben den anderen gefunden haben. Wenn die Frauen nicht schwanger wurden, blieben die Opfergruben weiterhin unberührt", erläutert Wood gegenüber Grenzwissenschaft-aktuell.de und auf ihrer Homepage ArchaeologyOnline.org.

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Dass in der Gemeinde von Saveock heidnische Rituale praktiziert wurden, davon zeugen auch weitere Funde wie ein mit Lehm zugedecktes Quellbecken gefüllt mit Stoffstreifen, Schuhen und Messingnadeln, Kirschkerne, menschliche Haare, abgeschnittene Fingernägel und des Resten eines Kessels. Auch diese Funde stammen aus der Zeit, in der die Federgruben angelegt worden waren. Noch heute werden, besonders in den noch immer keltisch geprägten Regionen Südwestenglands Quellen und Quellbäume mit Stoffstreifen geschmückt. Ein Brauch, in dem einige Volkskundler auch die heidnischen Wurzeln des geschmückten Weihnachtsbaumes sehen.

Das Ende des "Hexenkultes" sieht Jacqui Wood in den Mitte des 17. Jahrhunderts in die Gegend vordringenden Truppen Oliver Cromwells, die auch versuchten, alles Heidnische auszumerzen.

Weitere Information zu den Federgruben von Saveock finden Sie HIER

Quellen: archaeologyonline.org / grenzwissenschaft-aktuell.de / times.co.uk
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