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Mittwoch, 10. September 2008

Fand der erste Gleitflug im Schottland statt?

Historische Darstellung der Westseite von Stirling Castle | Copyright: Public Domain

Dundee/ Schottland - Allgemein gelten die wiederholten Gleitflüge von Otto Lilienthal ab 1892 für die ersten erfolgreichen menschlichen Flugversuche nach dem Prinzip "schwerer als Luft". Ei schottischer Professor rüttelt nun an dieser Vorstellung und will einem Alchemisten des frühen 16. Jahrhunderts diese Ehre übertragen.

Wie die "Times" berichtet, beruft sich Charles McKean, Professor für Architekturgeschichte an der "University of Dundee" auf neue Beweise, wonach der italienische Alchemist John Damian de Falcuis im September des Jahres 1507 einen Gleitflug von bis zu einer halben Meile (rund 800 Meter) absolviert haben könnte.

Grundlage für McKeans Darlegungen ist sein Studium historischer Karten und ein Abgleich mit der Beschreibungen des damaligen Flugversuchs, der bislang als peinlicher Fehlschlag in die Analen der Luftfahrt einging.

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Damian de Falcius stand als Alchemist in den Diensten des schottischen Königs James VI. (1473- 1513) und wollte eigentlich - wahrscheinlich inspiriert durch die Arbeiten Leonardo da Vincis - mit seinen aus Hühnerfedern gearbeiteten Flügeln von Stirling Castle, nordwestlich von Edinburgh, bis nach Frankreich fliegen, um den Ruhm Schottlands zu demonstrieren. Was folgte war eine angebliche Bruchlandung in einer Müllhalde, und ein gebrochenes Bein des "Vogelmanns von Stirling". Dieser schob seinen Absturz damals auf die Tatsache, dass er seinen Flugapparat fälschlicherweise mit Hühnerfedern, also Federn von flugunfähigen Vögeln, ausgestattet habe.

Leonardo da Vincis Skizzen für einen Flugapparat - Vorbild für Damians Versuche? | Copyright: Public Domain

Nach dem Studium der historischen Karten kommt McKean zu der Annahme, dass John Damian nicht nur einen - wenn auch wesentlich kürzeren - Segelflug absolvierte, sondern zugleich auch den ersten flugfähigen Hangleiter konstruiert habe. Laut McKean muss der Startpunkt an der Westseite von Stirling Castle stattgefunden haben, da hier die besten Aufwinde herrschen. "Betrachtet man jedoch die Brüstung von Stirling Castle betrachtet, wird schnell klar, dass ein Absturz von hier aus absolut tödlich enden würde (...) Unmittelbar zu Füßen dieser Flanke befanden sich die königlichen Gärten - kein Platz also für einen Abfallhalde."

Auf einer Karte von Stirling aus dem Jahre 1702 hat McKean die nächstgelegene Müllhalde, etwa eine halbe Meile von Stirling Castle entfernt, lokalisiert. "Sollte dies der Absturzort von Damian gewesen sein, so bleibt nur eine Schlussfolgerung: Seine Flügel funktionierten."

Auch der Lokalhistoriker Craig Mair glaubt, dass McKeans Theorie die damaligen Umstände treffender interpretiert, als die hauptsächlich von dem Dichter William Dunbar, der mit Damian um die Gunst des Königs konkurrierte, kolportierte Darstellung eines peinlichen Fehlversuchs: "Es erschient mir immer schon unglaubwürdig, dass Damians Flügel nicht funktionierten und er dennoch einen 75 Meter tiefen Sturz lediglich mit einem gebrochenen Oberschenkel überlebte."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / timesonline.co.uk
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