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Mittwoch, 17. Dezember 2008

Vorhersagen 2008: Astrologen vs. Skeptiker

"Astrologos", historischer Holzschnitt von Jörg Breu, 1531 | Copyright: Public Domain

Deutschland - Alle Jahre wieder, so kommt es auch zum Ende dieses Jahres erneut zum Showdown zwischen Wahrsagern und Astrologen auf der einen und dem Verband der deutschen Skeptiker (GWUP) auf der anderen Seite. Im Folgenden haben wir für sie die Stellungsnahmen von GWUP und dem Deutschen Astrologen Verband (DAV) im Original-Wortlaut einander gegenüber gestellt, damit Sie sich selbst ein möglichst eigenständiges Urteil bilden können.

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Ein Riesenkaninchen, Weltuntergänge und der EM-Titel für den DFB - Die Prognosenauswertung 2008 der GWUP (www.gwup.org)

Der Astrologe Wolfgang Scheer war sich sicher: "Nur ein Eingriff von außen wie ein Anschlag o.ä. [kann] den Erfolg des DFB verhindern" – den EM-Titel gewannen Löws Kicker trotzdem nicht, und einen Anschlag gab es glücklicherweise auch nicht. Wie die jährliche Auswertung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften zeigt, lagen Wahrsager, Hellseher und Astrologen auch 2008 mit ihren öffentlich geäußerten Prognosen daneben.

Zur Fußball-EM schien Italien die besten Sterne zu haben: Hans Jürgen Butz, Monika Geiger, Rosalinde Haller und Sofia Sahir setzten zu Jahresbeginn auf den amtierenden Weltmeister, Gerda Rogers sah Frankreich oder Italien als neuen Titelträger. Sie irrten sich ebenso wie Sabine Krause (Tschechien), Georg Stockhorst (Deutschland oder Griechenland), Lucia Francia (Türkei) oder nochmals Rosalinde Haller, die kurz vor der EM ihren Tipp in Frankreich änderte.

Ansonsten sahen die selbst ernannten Zukunftsexperten – wie üblich – vorwiegend schwarz und prophezeiten Naturkatastrophen aller Art, Terroranschläge, Flugzeugabstürze und Kriege. "Katastrophenprognosen sind der absolute Klassiker", so der Mathematiker Michael Kunkel, der Prognosen dieser Art seit vielen Jahren sammelt und auswertet. "Jedes Jahr sorgt der Monsun für Hochwasser in Indien und Bangladesh, Japan liegt bekanntlich in einer Region, in der die Erde sehr häufig bebt, und in Kalifornien gibt es alljährlich Waldbrände. Solches für das kommende Jahr vorherzusagen, ist so sinnvoll wie die Prophezeiung einer drohenden Dunkelheit in den Abendstunden." Die Auflistung drohender Katastrophen von Rosalinde Haller ist da nur ein Beispiel: "Deutschland: Stürme, Hochwasser; Indonesien: Erd/Seebeben; Japan, Chile, Los Angeles, San Francisco: Erdbeben; Südchinesischer Bereich, Indien, Bangladesch, Tansania: Hochwasser; Thailand, Malaysia/Sumatra: Tsunamigefahr." Wie in jedem Jahr durfte auch ein Anschlag auf den US-Präsidenten nicht fehlen (Haller, Pezaro), und wieder einmal sollten Außerirdische die Erde besuchen (laut dem australischen Medium Blossom Goodchild am 14.Oktober). Mehrere Weltuntergänge – zum Teil tagesgenau datiert – sind ebenfalls ausgeblieben.

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Weniger martialisch drückten sich die meisten Börsenastrologen aus. "Prognosen vom Typ 'In diesem oder jenem Monat geht der DAX nach oben oder unten' haben von vorneherein eine mögliche Erfolgsquote von 50%", so Kunkel. Ob die Voraussage „Der DAX fällt im zweiten Halbjahr stark" (Henning P. Schäfer) wirklich zielgenau auf die Finanzkrise hindeutete, darf getrost bezweifelt werden, denn der Astrologe hatte sich in der Prognose weder darüber geäußert, wie viele Minusprozente für ihn ein "starker Fall" sind, noch hatte er seine Formulierung gegenüber anderen möglichen Negativszenarien (z.B. einem Crash) abgegrenzt. Auch Karsten Kröncke’s aus den Sternen gelesenes "Einbrechen des DAX im Januar" mag man vielleicht noch als Treffer gelten lassen – allerdings muss sich Kröncke fragen lassen, warum er die wesentlich stärkeren Einbrüche im weiteren Jahresverlauf in seiner Prognose verschwiegen hat. Mit dem Jahrestief im Februar und dem Jahreshoch im Juli lag er jedenfalls klar daneben. Als reines Hirngespinst entpuppten sich die Prognosen des Starastrologen Winfried Noë ("2008 wird ein stabiles Börsenjahr, der DAX steigt bis Jahresende um fünf bis neun Prozent") und seines Astrokollegen Manfred Zimmel (Jahreshoch des DAX bei neun- bis zehntausend Punkten - im November).

Bei Konfrontation mit dieser Art von Fehlprognosen verweisen Astrologen häufig darauf, nur eine Minderheit ihrer Zunft wage sich auf das dünne Eis solcher Zukunftsspekulationen, während sie selbst die Sterndeutung lediglich für die Analyse von Charaktermerkmalen benutzen würden. Für Skeptiker Kunkel ist das nicht mehr als eine Ausrede: "Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Astrologen nicht einmal offensichtlichste Charaktermerkmale aus den Horoskopdaten bestimmen können und dass Horoskopleser ihr eigenes Horoskop nicht von dem einer anderen Person unterscheiden können."

Auch die Promis hielten sich nicht an die Prognosen der Auguren. Brad Pitt und Angelina Jolie haben sich weder getrennt (Elizabeth Tessier) noch geheiratet (Nikki Pezaro, Jeanne Phillipi); der monegassische Fürst Albert II. (Tessier, Pezaro), der britische Thronfolger Prinz William (Sofia Sahir) und Ex-Beatle Paul McCartney (Pezaro) trotzten ebenfalls den Heiratsprognosen. Tatsächlich geheiratet hat der Dänenprinz Joachim - die Hochzeit war vom dänischen Königshaus aber bereits im Oktober 2007 angekündigt worden, so dass die Vorhersage von Sabine Krause vom Dezember 2007 nicht als Treffer gelten kann. Unter den weiteren Prognoseflops aus der Promiwelt finden sich solche über George Clooney (laut Pezaro sollte er heiraten, Vater werden und die Hauptrolle in einem Remake des Leinwandklassikers "Vom Winde verweht" übernehmen), Britney Spears (Antonio Vazquez Alba prophezeite ihren Selbstmord), Paris Hilton (Jeanne Phillipi sah eine skandalöse Lovestory, Sabine Krause einen Gerichtstermin und finanzielle Verluste) sowie Gülcan Kamps (laut Dagmar Wackermann müsste sie jetzt Mutter sein).

Insgesamt war die Bilanz der Astrologen, Wahrsager und Hellseher auch 2008 katastrophal. Nikki Pezaro, die für das laufende Jahr wieder über 100 Prognosen auf ihrer Internetseite veröffentlichte, lieferte wie gewohnt ein paar besondere Skurrilitäten: So sollte ein Transvestit an der Wahl zur Miss America teilnehmen, und in der englischen Grafschaft Surrey würde ein Riesenkaninchen entdeckt werden. Vielleicht sollte man das aber alles nicht so ernst nehmen: Zumindest in Großbritannien muss ein Hellseher, Wahrsager oder Kartenleger seinen Kunden vorher mitteilen, dass seine Dienste "lediglich zu Unterhaltungszwecken dienen und bisher experimentell nicht nachgewiesen werden können." Das geschieht selbstverständlich nicht freiwillig, sondern ist Folge der rigorosen Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Verbraucherschutz durch die britische Regierung - bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen, in schweren Fällen sogar bis zu zwei Jahren Gefängnis. Die GWUP würde sich für das Neue Jahr eine entsprechende Regelung auch für Deutschland wünschen...

Details und Erläuterungen zur Prognosenauswertung der GWUP zum Jahr 2008 finden Sie HIER

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Stellungnahme des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV, www.astrologenverband.de) zur Prognoseauswertung 2008 der GWUP

Alljährlich im Dezember veröffentlicht die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) eine Liste nicht eingetroffener Voraussagen für das jeweils endende Jahr. Die Voraussagen stammen dabei von ganz unterschiedlichen Menschen, die als "Astrologen", "Wahrsager" und "Hellseher" usw. firmieren und entsprechend unterschiedliche Methoden zur Ableitung ihrer (Vor-)Aussagen anwenden. Der Deutsche Astrologen-Verband nimmt zu der "Prognoseauswertung 2008" der GWUP Stellung wie folgt:

1. Es ist fragwürdig, Aussagen von offensichtlich unterschiedlicher Reichweite, die auf unterschiedliche Weise erarbeitet werden, in einer subjektiven Hitliste von Fehlprognosen einzelner von der GWUP benannter Prognostiker zusammenzuführen. Was immer die verschiedenen Prognoseansätze von Medien, Hellsehern usw. methodisch zu sein behaupten und ob sie denn einer Prüfung standhalten: Den wissenschaftlichen Anspruch, den die GWUP stellt, kann eine derart zusammengewürfelte und subjektiv erstellte Liste nicht erfüllen.

2. Seriöse Astrologie macht keine Ereignisprognosen, sondern Tendenzprognosen. Diese Tendenzprognosen sind keine Tatsachenbehauptungen, sind aber keineswegs trivial. Man kann sie auf ihre Triftigkeit hin untersuchen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die auch mit astrologischen Mitteln erarbeiteten Prognosen des US-amerikanischen Astrologen und Wirtschaftsfachmanns Raymond A. Merriman treten regelmäßig ein und sind in zahlreichen Publikationen Merrimans dokumentiert. Merriman hat seit den Neunziger Jahren wiederholt auf das mögliche Eintreten eines massiven wirtschaftlichen Abschwungs ab 2008 hingewiesen (vgl. hierzu auch ASTROLOGIE HEUTE, Heft 136, 2008). Abseits der politischen und ökonomischen Weltbühne erweist sich astrologische Analyse und Prognose im Sinn einer Tendenzansage in zahllosen individuellen Fällen als triftig und ist Teil wirksamer Lebensbegleitung.

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3. Prognosen sind, auch außerhalb der sogenannten Parawissenschaften, Bestandteil einer hochkomplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft. Die Prognosen vieler Wissensgebiete, z.B. Medizin, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Meteorologie usw., sind für den Fortbestand der Gesellschaft inzwischen nahezu unverzichtbar. Auch auf diesen Gebieten gibt es triftige Tendenzansagen und eklatante Fehlprognosen.

4. Der Deutsche Astrologen-Verband distanziert sich von denjenigen, die sich im Namen der Astrologie zu womöglich reißerischen und katastrophenorientierten Ereignisprognosen bereit finden. Da Beruf und Tätigkeit des Astrologen nicht geschützt sind und da der berufspolitische Organisationsgrad im Bereich haupt- und nebenberuflich tätiger Astrologen vergleichsweise gering ist, haben seriöse Fachverbände keine Handhabe gegenüber solchen Entgleisungen.

5. Der Deutsche Astrologen-Verband ist zu einer unvoreingenommenen Überprüfung der Astrologie und ihrer analytischen und prognostischen Arbeitsansätze bereit. Das Freiburger Forschungszentrum des Deutschen Astrologen-Verbandes leistet diese Arbeit im übrigen seit Jahren.

Heidelberg, 16. Dezember 2008
Dr. Christoph Schubert-Weller, 1. Vorsitzender Deutscher Astrologen-Verband

Quellen: www.astrologenverband.de / gwup.org / grenzwissenschaft-aktuell.de
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