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Dienstag, 17. Februar 2009

Vorbildlich: Kanadas einst geheime UFO-Akten online

US/Kanadische-Meldungsrichtlinie von 1960 bezieht sich auch auf klassische UFOs | Copyright: Public Domain

Otawa/ Kanada - Zwar sind die Akten nicht erst seit heute, sondern schon seit 2005 online, aber selbst unter UFO-Interessierten ist das kanadische Online-Archiv über die ehemals geheimen UFO-Meldungen und Falluntersuchungen unterschiedlicher Behörden, Militärs und Ministerien oft zu Unrecht noch unbekannt - dabei steht es beispielhaft dafür, wie transparent Regierungen mit dem Thema umgehen können.

Über die Seite des kanadischen Staatsarchivs "The Library and Archives Canada" in Otawa zugänglich, beinhaltet das interaktiv aufwendig gestaltete Archiv Regierungsakten und Berichte über Fälle von Sichtungen "unidentifizierter Flugobjekte", UFOs, über und auf kanadischem Staatsgebiet von 1947 bis in die späten 1970er Jahre.

Die zusammengetragenen, Akten, Beschreibungen, Meldungen und Falluntersuchungen durch stammen von unterschiedliche Regierungsinstitutionen, darunter das kanadische Verteidigungsministerium (Department of National Defence, DND), das Transportministerium (Department of Transport, DNT), der nationalen Forschungsrat Kanadas (National Research Council, NRC) sowie die berühmten berittenen Polizeieinheiten der Royal Canadian Mounted Police.

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Insgesamt sind 9.500 digitalisierte Dokumente in unterschiedlichen Formaten zugänglich. Darunter Korrespondenzen, Berichte, Memoranden und Untersuchungsberichte. Einige davon beziehen sich auf konkrete UFO-Sichtungen, während andere eher allgemeiner und erläuternder Natur zum Thema sind. Etwa die Hälfte aller Unterlagen beziehen sich auf spezifische UFO-Fälle und geben exakt Auskunft über Zeit und Ort der Ereignisse, sowie - teilweise schon in den meist sehr prägnant formulierten Zusammenfassungen - über die abschließende Einschätzung und Bewertung der durchgeführten Untersuchungen.

Ein Beispiel von vielen sind die Untersuchungen des Verteidigungsministeriums zu Kornkreis-artigen, damals als "Reputed UFO Landing Marks" (dt.: mutmaßliche UFO Landespuren) bezeichneten Kreisspuren in einem Feld nahe Duhamel in der Provinz Alberta im August des Jahres 1967:


Erläuterung: Die digitalisierten Akten finden Sie mittels des Lupen-Icons am Ende der jeweiligen Zusammenfassungen unter "Related Documents"

Schon in den Wochen vor der Entdeckung der vier rund 10 Meter durchmessenden Kreise, kam es laut den Unterlagen in der Gegend vermehrt zu UFO-Sichtungen. In dem die Untersuchungen durch das "Department of National Defence" (DND) abschließend zusammenfassenden Memo heißt es zu den mysteriösen Kreisen: "Es wurden keine physikalischen Beweise gefunden, die zu der Schlussfolgerung verleiten würden, dass es sich um eine absichtliche Beeinflussung oder das Zutun einer Person handelte. Auch gab es keine Spuren chemischer oder radioaktiver Aktivität in der Gegend." In der Zusammenfassung heißt es kurz und bündig: "Die Kornkreise von Duhamel in Alberta wurden von den Untersuchern des Department of National Defence eingestuft."

Zur Geschichte der kanadischen UFO-Akten
"Obwohl es in Kanada bereits seit Beginn des [20.] Jahrhunderts zu UFO-Sichtungen und Meldungen gekommen war", so ein Memorandum aus dem Jahre 1954, das erläutert, warum die kanadische Regierung UFO-Sichtungen untersuchen ließ, "wurden entsprechende Berichte erst seit 1947" erfasst und teilweise untersucht. Seit 1952 seien derartige Berichte dann so zahlreich geworden, dass die unterschiedlichen Regierungsstellen die berichteten Phänomene ernst nahmen und ein von Verteidigungsministerium eingerichtetes Untersuchungskomitee eingerufen wurde, dass nach einer Erklärung für die "ungewöhnlichen, am Himmel beobachteten Phänomene" finden sollte. In der Folge kam es innerhalb von "Project Second Story" (ab 1952) zur Anfertigung offizieller Sichtungs-Fragebögen und man bemühte sich, so viele konventionelle Erklärungsmöglichkeiten wie möglich und Übertreibungen der Zeugen zu erkennen und vorab auszuschließen.

1950, versuchte sogar ein offizielle Forschungsprojekt des Transportministeriums, unter der Bezeichnung "Project Magnet" den vermeintlichen Antrieb der gesichteten UFO zu studieren und für einen geomagnetischen Antrieb von Fahrzeugen nutzbar zu machen.

Gemeinsam mit den USA wurde 1959-1960 das Frühwarnsystem "Cirvis/Merint" eingerichtet, mit dem Nordamerika auch in Friedenszeiten geheimdienstlich vor potentiellen feindlichen Angriffen geschützt werden sollte. Wie ernst man damals sowohl auf US-amerikanischer, wie auf kanadischer Seite eine mögliche Bedrohung (auch) durch UFOs nahm, zeigt ein Informationsplakat, das über zu meldende Objekte und deren Aussehen informierte und auf dem neben U-Booten, Kriegsschiffen und -flugzeugen, Raketen auch ein untertassenförmiges "Unidentified Flying Object or unidentified objects in the water" zu sehen war (s. Abb.).

1960 wurden UFO-Berichte dann vom Verteidigungsministerium in zwei Kategorien unterteilt: Jene deren Eigenschaften die Beobachtung eher meteorologischen und astronomischen Phänomenen zuordneten werden konnte und anderen, deren physikalische Eigenschaften nicht in diese Kategorie passten. Während die astro-meteorologischen Meldungen an den Forschungsrat (RNC) überstellt wurden, behielt das Verteidigungsministerium die Berichte über Sichtungen unkonventioneller Sichtungen weiterhin ein und untersuchte diese.

Interessanterweise kam es schon 1961 zu Spekulationen darüber, dass das DND Informationen über UFOs vor der allgemeinen Öffentlichkeit und Presse zurückhalte - ein Vorwurf, der strikt verneint wurde. Auch habe bislang keine Untersuchung eine Bedrohung der nationalen Sicherheit durch die beobachteten Objekte aufgezeigt oder ein "nichtnatürliches oder fehlinterpretiertes Phänomen" belegt. Dennoch, so die damalige Erläuterung, stehe die kanadische Luftwaffe (RCAF) den beschriebenen Sichtungen offen und interessiert gegenüber und "jede Meldung werde den Umständen angemessen untersucht und überprüft".

Bis 1966 stieg das öffentliche Interesse am UFO-Thema in Kanada dann derart an, dass sich selbst der damalige Premierminister Pearson persönlich über die bisherigen Untersuchungs- und Forschungsergebnisse aufklären ließ. Im Folgejahr übertrug dann das DND alle UFO-Akten an den Nationalen Forschungsrat, da trotz der mehrheitlich erklärbaren Fälle, "einige Untersuchungen die Möglichkeit, dass die gesichteten UFOs einzigartige wissenschaftliche Informationen und fortgeschrittenen Technologien offenbaren könnten, die möglicherweise von wissenschaftlichem und technischen Nutzen sein könnten".

Trotz der bereits verlauteten offiziellen Einschätzung, dass es sich bei den meisten UFO-Sichtungen um erklärbare Phänomene handelte, setzte die kanadische Air Force ihre Untersuchungen zu UFO-Vorfällen auch in den 1970er Jahren fort.

Der bislang letzte im Online-Archiv veröffentlichte Aktenbericht des Transportministeriums über "Unidentified Flying Objects" (Unidentifizierte Flugobjekte, UFOs) beschäftig sich dann mit Sichtungen von 1976 bis 1978. Was danach kam ist bislang nicht bekannt. Die letzte Aktualisierung des Online-Archivs fand 2007 statt.

Das kanadische UFO-Dossier mit dem Titel "Canada' UFOs: The Search for the Unknown" finden Sie HIER

>>>WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA<<<

Ehem. kanadischer Verteidigungsminister Paul Hellyer und Mond-Astronaut Edgar Mitchell auf UFO-Konferenz geehrt

22. April 2008

Interview: Ex-Verteidigungsminister Kanadas Paul Hellyer über UFOs, Aliens und Geheimhaltung
14. Juli 2007

Bücher zum Thema:

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / collectionscanada.gc.ca
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