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Mittwoch, 11. März 2009

Wissenschaftler erforschen Gottes-Areale im Hirn

Archiv: Gottessuche mittels Magnetresonanztomographen | Copyright: Semiconscious/Public Domain

Bethesda/ USA - Statt einem immer wieder postulierten und gesuchten, fokussierten neuralen "Gottes-Ort", in dem im menschlichen Gehirn Religion und Glaube angesiedelt sein sollen, glauben US-Forscher mehrere Areale und Regionen ausfindig gemacht zu haben, die für die Verarbeitung religiöser Inhalte zuständig sind. Zum einen zeigte sich, wie eng Glaube mit Alltagsbildern verbunden ist, zugleich aber auch, dass der Glaube gläubige Menschen beruhigen und Herausforderungen leichter bewerkstelligen lassen kann als Atheisten.

Wie das Team um Jordan Grafman vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke anhand von fMRT-Hirn-Scans feststellte, werden bei normal Gläubigen dieselben Hirnareale aktiv, wenn über intellektuelle religiöse Inhalte nachgedacht wird, wie wenn die Probanden gedanklich nichtreligiöse Themen verarbeiteten. Das Gleiche gilt auch für autobiografische und religiöse Aspekte, wenn der vorgegebene Satz einen Bezug zu persönlichen spirituellen Erlebnissen hatte, und sich die normalen, für Gefühls- und Erinnerungsverarbeitung zuständigen Hirnareale aktivierten. Interessanterweise finden sich einige der betroffenen Hirnareale nur beim Menschen, andere teilen wir hingegen unter anderem mit unseren nächsten Verwandten, den Primaten. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Wurden von den Probanden Aussagen über Gott als handelnde Persönlichkeit verarbeitet, so wurden jene Regionen aktiv, mit denen wir die Absichten eines Menschen interpretieren. Diese "neurale Vermenschlichung Gottes" fand auch dann statt, wenn darüber zu entscheiden war, ob Gott gnädig oder zornig sei. Auch hier wurden dieselben Regionen im Hirn aktiv, mit deren Hilfe wir den Gefühlszustand anderer Mitmenschen beurteilen, wenn wir etwa versuchen zu erahnen, was unser Gegenüber in einem bestimmten Moment empfindet oder worüber er nachdenkt. Gleiches geschieht, wenn wir versuchen, die Absichten und Gedanken fiktiver Figuren - etwa in Märchen, Büchern oder Filmen - vorherzusehen.

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Michael Inzlicht von der University of Toronto untersuchte mit seine Kollegen hingegen gezielt den so genannten anterioren cingulären Kortex (ACC) mittels EEG. Hier, im Vorhirnareal, werden normalerweise Fehler intellektuell erkannt und wenn möglich korrigiert.

In so genannten Stroop-Konzentrationsests, wurden die Probanden immer wieder zum Vorlesen eines farbig gedruckten Wortes verleitet, obwohl sie eigentlich die Farbe selbst benennen sollten. Unterläuft ein solcher Fehler und wird er - wie meist üblich - von den Probanden unmittelbar selbst bemerkt, kann im ACC entsprechende Alarmaktivität nachgewiesen werden. In ihren Tests stellten die Forscher nun jedoch fest, dass dieser Effekt mit Zunahme der Frömmigkeit der Testpersonen schwächer wurde, weswegen die Wissenschaftler schlussfolgern, dass ein frommes Gehirn offenkundig leichter eigene Fehler verzeiht, da andere potentiell beeinflussende Faktoren wie Intelligenz oder Persönlichkeit der Probanden bereist aus den Ergebnissen herausgerechnet worden sei.

Somit könne, laut Inzlicht, Frömmigkeit und Glaube einen beruhigenden Effekt haben. Während der nichtgläubige Atheist viel gravierender der eigenen Fehlerbeurteilung ausgeliefert sei, könne der Gläubige Herausforderungen und Widersprüchen wesentlich angstfreier begegnen.

Allerdings bleibt eine spannende Frage dieser Beobachtungen weiterhin noch ungeklärt: Beeinflusst die Religion die Hirnareale oder ist es genau umgekehrt, wodurch - wie einige Wissenschaftler und Atheisten vermuten - Religion zu einer evolutionär-biologischen Produkt werden würde. Hierzu sollen zukünftig auch die Auswirkungen anderer Systeme, wie etwa politischer Vorstellungen und Ideologien untersucht werden.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ninds.nih.gov / utoronto.ca / independent.co.uk
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