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Donnerstag, 5. März 2009

Mysteriöses Mondleuchten wird erforscht

Mögliches Mondleuchten (heller Punkt i. d. Bildmitte), aufgenommen am 15 November 1953 durch Leon Stuart | Copyright: Leon Stuart

New York/ USA - Seit vor rund 400 Jahren die ersten Teleskope auf den Mond gerichtet wurden, rätseln Astronomen und Wissenschaftler über so genannte "transiente Mondphänomene" (Lunar Transient Phenomena, LTP) und bezeichnen damit kurzzeitige, lokale Helligkeits- oder Farbveränderungen auf der Mondoberfläche. US-amerikanische Astronomen haben sich den Erscheinungen nun erneut angenommen und wollen die Phänomen mittels einer Langzeitbeobachtung erstmal eindeutig nachweisen und dokumentieren.

Bislang wurden rund 1500 Fälle der mysteriösen Phänomene von Astronomen beschrieben. Bis heute rätseln die Wissenschaftler, was das Mondleuchten erzeugt und einige glauben sogar, dass es sich lediglich um optische Täuschungen handelt, die durch die ermüdeten Augen der Beobachter oder reflektiertes Sonnenlicht hervorgerufen wurden und werden.

Sicher sind sich hingegen alle Beobachter darin, dass es sich bei den dumpf aufleuchtenden Flächen nicht um das Ergebnis von Meteoritentreffern handelt, da diese Ereignisse deutlich hellere und konzentriertere Lichtblitze hervorrufen - die so genannten Mondblitze.

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Im Gegensatz zu der Annahme, dass der Mond eine seit langer Zeit erkaltete und geologisch tote Welt ist, könnten die TLPs auf immer noch andauernder geologische Aktivität hindeuten.

In Teilen vom National Geographic Society's Committee for Research and Exploration unterstützt und finanziert, richten seit vergangenem Jahr die Astronomen Alrin Crotts von der Columbia University und Peter Schultz von der Brown University ihre Teleskope in New York und Chile auf den Erdtrabanten. Noch bis 2010 wird seither die Mondoberfläche alle 20 Sekunden fotografiert und mittels einer computergestützten Bildanalyse auf auffällige Veränderungen und TLPs untersucht. Mit diesem Verfahren, so hoffen Crotts und Schultz, sollen die kontrovers diskutierten lunaren Lichterscheinungen erstmals eindeutig dokumentiert und nachgewesen werden können.

Dabei klingt die Aufgabe sehr viel einfacher als sie in Wirklichkeit ist., denn auch kleinste atmosphärische Störungen, wie sie beispielsweise auch für das Glitzern der Sterne verantwortlich sind, können Teile der Mondoberfläche kurzfristig aufhellen oder leicht verschwommen und verzerrt erscheinen lassen. Dennoch zeigen sich die Astronomen sicher, dass die Computer diese feinen Unterschiede erkennen und falsche TLPs aussondern können.

Anhand einer Auswertung der bisherigen Sichtungsberichte, wissen die Forscher auch, wo die Chance TLPs beobachten zu können am größten ist, denn ein Drittel aller Beobachtungen will das mysteriöse Leuchten im Umfeld der Krater Aristarchus und Plato beobachtet haben. Kritiker glauben, dass dieser Umstand lediglich darauf zurück zu führen sei, da Plato und Aristarchus zu den markantesten Landschaftsmerkmalen des Mondes zählen und deswegen auch am meisten beobachtet werden.

Diesen Kritiker setzt Crotts seine Studie entgegen die aufzeigt, dass der Nachweis kurzlebiger radioaktiver Gase (Radon-222) aus dem Mondinnern durch die Apollo-Missionen lokal mit zahlreichen beobachteten TLPs übereinstimmte und alleine schon der Austritt dieser Gase auf geologische Aktivität hindeutet.

Umstrittener erster Erfolg: Erst mittels aufwendiger Bildfilter (r.) wird ein leichtes normal nicht sichtbares (l.) Leuchten sichtbar | Copyright: astro.columbia.edu/~arlin/TLP/

Laut der Theorie von Crotts und Schultz gibt es einen direkten Zusammenhang dieser kurzfristigen Gasausstöße und den transienten lunaren Phänomenen. Demnach könnten die Gase durch Risse im Oberflächengestein des Mondes aufsteigen und in wenigen Metern unterhalb der Oberfläche auf die Mondbodenart Regolith treffen, die hauptsächlich aus in feister Form pulverisiertem Gestein besteht und somit das Gas vorerst unterhalb der Oberfläche binden könnte. Wenn sich in diesen Schichten nun genügend Gas gesammelt hat - so die Theorie der Astronomen - könnte es in einem großen Ausbruch explosionsartig entweichen. Die dabei erzeugte Staubwolke könnte einige Minuten andauern, bevor sich das Material wieder absetzt und dabei im Sonnenlicht hell aufleuchten und schimmern.

Selbst auf Aufnahmen der Mondoberfläche durch Apollo 15 im Jahr 1972 will Schultz anhand eines D-förmigen Eindrucks von rund drei Kilometern Durchmessern einen direkten Hinweis auf einen solchen Ausbruch gefunden haben, bei dem es sich nicht um einen Krater handelt. Neben dieser Struktur glaubt der Astronom auf dem Mond bis zu 30 weitere ähnlicher Strukturen ausfindig gemacht zu haben.

Sollten die Teleskope ein TLP einfangen, dann hoffen die Astronomen mittels Mondsonden und spektralen Teleskopen den aktiven Ort genauestens analysieren zu können, um zu erkennen, welche Art von Gasen an den Lichtphänomene beteiligt sind.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astro.columbia.ed / news.nationalgeographic.co.uk

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