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Freitag, 26. Juni 2009

Neuer Versuch: Abgas-Fahne des Space Shuttle soll Tunguska-Rätsel lösen

Foto umgeknickter Bäume in der Tunguska-Region von 1927 | Copyright: Public Domain

Ithaca/ USA - Wissenschaftler der Cornell University glauben, anhand einer Studie der Kondensstreifen der Space Shuttles das legendäre Tunguska-Rätsel erklären zu können. Sie glauben, dass die gewaltige Explosion, die am 30. Juni 1908 ein Waldgebiet von mehr als 2000 Quadratkilometern in der sibirischen Tunguska-Region verwüstete von einem Kometeneinschlag verursacht wurde.

Andere Wissenschafter bezweifeln diese Theorie noch immer, vermuten einen felsigen Meteoriten oder noch exotischere Objekte als Ursache. In einem Punkt sind sich allerdings alle Tunguska-Forscher nahezu einig: Das Objekt, dessen Explosion und Druckwelle, die sich wahrscheinlich einige Kilometer über der Erdoberfläche ereignete und geschätzte 60 Millionen Bäume wie Streichhölzer umknickte, stammte aus dem Weltraum.

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Hinweise auf die Ursachen der Tunguska-Katastrophe sehen Cornell-Wissenschaftler in nachtleuchtenden Wolken, wie sie schon einen Tag bzw. eine Nacht nach der Explosion über Europa zu sehen waren. Derartige Wolken gibt es auch heute noch und bestehen aus Eiskristallen in einer Höhe von rund 85 Kilometern - hoch genug also, um selbst nach dem eigentlichen Sonnenuntergang, deren Licht noch zu reflektieren.

Laut der These der Wissenschaftler, wurden die Wolken wahrscheinlich von einem Einschlag verursacht, bei dem Wasserdampf bis in die normalerweise trockenen oberen Atmosphärenschichten geschossen wurde. Die Tatsache, dass die Wolken bereits einen Tag nach dem Ereignis in Sibirien bis nach Westeuropa zu sehen waren, war bislang allerdings der Knackpunkt dieser Argumentation, hätten die Wolken doch innerhalb von nur 22 Stunden von Sibirien bis nach Großbritannien gelangt sein müssen, wo die ersten nachtleuchtenden Wolken zu jenem Zeitpunkt bereits registriert worden waren. Diese Entfernung von rund 4800 Kilometern galt bislang unter Meteorologen jedoch als ausgeschlossen.

Archiv: Foto einer der ersten modernen Sichtung nachtleuchtender Wolken am 15. Juni 2007 | Copyright: NASA / Veres Viktor, Budapest

Michael Kelley und Charles Seyler von der Cornell University glauben nun, die Lösung für das Entfernungsproblem gefunden zu haben: Demnach wurden die Wolken von gewaltigen Hochgeschwindigkeitswirbeln in der oberen Atmosphäre verbreitet. Entsprechende Wirbel, so die Theorie von Kelley und Seyler, existieren in den unteren Schichten der Thermosphäre, einer Region, über die bislang nur wenig bekannt ist, da sie zu hoch liegt, um von Flugzeugen oder Ballonsonden erkunden werden zu können. Die Forscher haben ihre Ergebnisse aktuell im Fachjournal "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

Diese fußt auf Beobachtungen und Untersuchungen von Rauch- und Kondensstreifen von Raketen, die Geschwindigkeiten mehr als 160 Meter pro Sekunde erreichen können. Deutlich mehr, als bisherige theoretische Modelle dies eigentlich vorherberechneten. Schnell genug jedoch, um die Wasserdampfwolken binnen eines Tages von Sibirien nach London zu tragen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass sie die Winde lediglich in einer Richtung bewegen und genau dieser Umstand wurde bislang noch nie untersucht, geschweige denn nachgewiesen.

Genau an diesem Punkt, bringen Kelley und Seyler das Space Shuttle in die Diskussion ein, wurden wenige Tage nach Shuttlestarts 1997, 2003 und 2007 in der Nähe der Pole doch nachtleuchtende Wolken gesichtet, die - vom TIMED-Satellite analysiert - tatsächlich vom Space Shuttle selbst stammten, sich schlussendlich rund 1000 Kilometer weit ausbreiteten und in nur wenigen Tagen mehr als 8000 Kilometer zurück gelegt hatten.

Derartige Bewegungen glauben die Forscher mit den von ihnen postulierten gewaltigen Wirbeln von mehren Tausend Kilometern Durchmesser erklären zu können. Die vermuteten Wirbel könnten in einer dünnen Atmosphärenschicht gefangen sein, wo sich kleinere Wirbel zu größeren vereinigen - ganz ähnlich also, wie auch der große Wirbel auf Jupiter zustanden kommt.

Vorausgesetzt also, dass Kelleys und Seyler recht haben, die postulierten atmosphärischen Riesenwirbel tatsächlich existieren und diese die nachtleuchtenden Wolken von Sibirien nach London transportiert hatten, spekuliert der Forscher auch über die Natur des über Tunguska explodierten Objekts. Die für die gewaltigen Wolken notwendige Menge an Wasserdampf erklären sich die Wissenschaftler am ehesten mit einem Eiskometen, glauben also nicht an einen felsigen Asteroiden und berechneten das notwendige Wasservolumen eines solchen Kometen auf rund 100.000 Tonnen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / cornell.edu / newscientist.com / agu.org/journals/gl

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