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Mittwoch, 3. Juni 2009

Frost-Tau-Zyklus auf Saturnmond Enceladus?

Fontänen speien gewaltige Wassernebel von etwa null Grad Celsius aus der Südpolregion des Saturnmondes Enceladus | Copyright: NASA/JPL/Space Science Institute

Stanford/ USA - Der Saturnmond Enceladus gilt Astronomen wie Planetenforschern als großes Rätsel. An seinen Polen speien gewaltige Fontänen Eis- und Wasserpartikel kilometerweit ins All. Gespeist, so vermuten viele Wissenschaftler mittlerweile, könnten diese Fontänen von einem gewaltigen flüssigen Ozean werden, der sich unterhalb der eisigen Kruste des Mondes verbirgt und möglicherweise sogar Leben beherbergen könnte. Eine neue Theorie geht jedoch davon aus, dass dieses Mondmeer einem wechselnden Zyklus unterworfen sein könnte, der das lebensfreundliche Nass lange Zeit auch vollständig erstarren lassen würde.

Der Geophysiker Norman Sleep von der Stanford University, der seine diesbezügliche Theorie aktuell auf den Treffen der "American Geophysical Union" (AGU) in Toronto vorgestellt hat, vermutet, dass ein Zyklus, bei dem sich Tau- und Frostperioden abwechseln, am ehesten die derzeit intensive Fontänen-Ativität des Mondes erkläre. In dem von ihm dargelegten Szenario geht Enceladus nach einer derzeit andauernden Aufwärmphase langsam wieder einer kleinen Eiszeit entgegen. Auch auf mögliches Leben im verdeckten Ozean des Mondes hätte ein solcher Zyklus dramatische Auswirkungen.

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Sleep gründet seine Theorie auf neuste Messungen, wonach Enceladus mit rund 15 Gigawatt mehr als doppelt so viel Hitze erzeugt, als ursprünglich erwartet und berechnet. Eine derartige Menge übersteigt das Potential, welches alleine von zerfallenden Elementen und Gezeitenkräften verursacht werden kann, wie sie durch die Anziehungskraft des Saturn auf Enceladus ausgeübt werden. Die derzeit aktiven Fontänen sind eine direkte Reaktion dieser Hitze, stellen jedoch die zugleich die Planetenforscher jedoch vor ein Rätsel: Schon immer kann es sie nicht gegeben haben, da sonst der Saturnmond bereits rund 20 Prozent seiner Masse auf diese Weise verloren hätte.

Künstlerische Interpretation des Fluges der Sonde Cassini durch die Fontänen des Saturnmondes Enceladus | Copyright: NASA/JPL/ESA

Statt nun jedoch ein Einzelereignis, beispielsweise einen Meteoriten- oder Kometeneinschlag, als Erklärung für die Hitzeabgabe des Saturnmondes heranzuziehen, glaubt Sleep, dass Enceladus einen Frost-Tau-Zyklus durchläuft, der durch das Kräfte-Wechselspiel mit dem Mond Dione zurückgeht, welcher die Umlaufbahn von Enceldaus in regelmäßigen Abständen zu einem leichten Oval werden lässt. Dadurch wirken sich auch die Gezeitenkräfte des Saturn unterschiedlich auf den Himmelskörper aus und führen so zu mit starker Hitzeentwicklung einhergehenden starken Reibungen innerhalb der Eiskruste. Diese, so Sleep, könnten dann nicht nur zu den markanten Rissen in der Kruste, sondern auch zu Schmelzprozessen führen, die dann - zumindest für einen bestimmten Zeitraum – einen Ozean entstehen ließen, dessen Wasser durch die Risse ins All gepresst wird. Zugleich wirke genau dieser Prozess den Ziehkräften Diones entgegen, wodurch sich die Umlaufbahn von Enceladus wieder entspanne, der Mondozean wieder gefriere und er Zyklus von vorne beginne.

Ob sich in dem vermeintlich unter der Eiskruste verborgenen Ozean Leben entwickelt und gehalten haben könne, hängt in Sleeps Szenario dann ganz davon ab, ob der Ozean gänzlich zufriert, oder ob sich auch während der periodischen Eiszeiten Reservoirs mit flüssigem Wasser halten können, zitiert der "NewScientist" den Stanford-Geophysiker.

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