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Dienstag, 7. Juli 2009

Erklärung für Ekel-Video: Keine Aliens im Abwasserkanal

Standbild aus dem Video: Lebender Schleimpfropfen einem Abwasserkanal in North Carolina | Copyright: Cameron Village / Quelle: studiomacleod/youtube.com

Cameron Village/ USA - Mehr als sechs Millionen Aufrufe eines vermeintlich bizarren Videos auf der Videoplattform Youtube haben die Aufnahmen einer ferngesteuerten Inspektionskamera aus den Abwasserkanälen von Cameron Village in North Carolina zu einem der meist aufgerufenen Videos gemacht. Laut dem Titel des Videos soll es sich um eine "unbekannte Lebensform" handeln. Biologen können hingegen erklären, um was es sich in Wirklichkeit handelt.


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Während in Internetforen und auf einschlägigen Seiten bereits sogar über eine mögliche außerirdische Herkunft des Schleimklumpens spekuliert wird, zitiert die Seite "DeepSeaNews.com" Frischwasserbiologen Dr. Timothy S. Wood von der International Bryozoology Association, die sich eigentlich der Erforschung von Moostierchen widmet. Dieser erläutert zwar, dass es sich nicht um eine Ansammlung von Moostierchen jedoch mit "großer Sicherheit um Schlammröhrenwürmer der Gattung Tubifex (Tubifex tubifex)" handelt. "Normalerweise kommen diese in Böden und Sedimenten vor, sind in diesem Fall jedoch offenbar irgendwie in die Kanalisation geraten und haben sich in Abwesenheit von Grund an den Wänden und umeinander angesammelt. Die sichtbaren Kontraktionen [der Klumpen] sind das Ergebnis der Bewegungen eines einzigen Wurms der sich zusammenzieht und dadurch alle anderen um ihn herum dazu nahezu simultan stimuliert, wodurch der Eindruck entsteht, dass es sich um einen einzigen sich zusammenziehenden Muskel handelt."

Während der Klumpen oberhalb der Wasserlinie tatsächlich wie ein einziger Körper oder gar Muskel erscheint, sind bei genauer Betrachtung die einzelnen Würmer immer dann auch auf dem Video zu sehen, wenn Teile des Kollektivs von Wasser umspült werden. Auch in ihrem natürlichen Lebensraum kommt es vor, dass sich die Tubifex-Würmer zu einem kolonieartigen Klumpen ballen (s. f. Video). Während die Würmer in unbelastetem Wasser nur vereinzelt vorkommen, können sie in stehenden und fließenden Gewässern mit hohem organischem Gehalt massenhaft auftreten und eine Anzahl von bis rund einer Million Tiere pro Quadratmeter erreichen. Durch die schlängelnden Bewegungen führen die Würmer Sauerstoff heran, können jedoch auch ohne Sauerstoff und außerhalb des Wassers in feuchter Umgebung bis zu 48 Stunden überleben, wobei sie die dafür notwendige Energie mittels Glykolyse gewinnen.

Ein Klumpen Gemeiner Schlammröhrenwürmer (Tubifex tubifex) in Aktion


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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / youtube.com / deepseanews.com


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