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Freitag, 9. Oktober 2009

Bibelforscherin: "Gott ist nicht der Weltenschöpfer"

Auch die Darstellung der Schöpfungsgeschichte am Westportal des Ulmer Münsters zeigt Gott bei Erschaffen von Himmel und Erde | Copyright: Joachim Köhler/GNU FDL

Nijmegen/ Niederlande - Die Annahme, dass die Bibel Gott als Schöpfer der Erde und des Himmels ausweist ist falsch - zumindest glaubt dies die niederländische Bibelforscherin Professor Ellen van Wolde von der Radboud Universiteit Nijmegen und erklärt, dass es sich um einen über Jahrhunderte hinweg tradierten Übersetzungsfehler handelt.

Ihre Theorie will van Wolde (54) schon bald ausführlich an der Universität vorstellen. Laut dieser soll es sich bei dem ersten Satz aus dem 1. Buch Mose (Genesis 1,1) "Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde" nicht um eine korrekte Übersetzung aus dem Hebräischen handeln.

Van Wolde beruft sich bei ihrer Arbeit auf eine neue Textanalyse und glaubt, dass die ursprünglichen Autoren niemals die Absicht hatten, Gott als Weltenschöpfer zu beschreiben. Tatsächlich erscheine es so, als hätte es die Welt schon gegeben, als die göttliche Schöpfung von Tieren und Mensch begann.

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Die Forscherin hat den biblischen Text neu untersucht und ihn auch in einen Kontext anderer Schöpfungsmythen, etwa aus dem alten Mesopotamien gesetzt. Laut van Wolde steht das hebräische Verb "bara", wie es in dem ersten Satz der Genesis verwendet wird, nicht für "(er)schaffen", sondern vielmehr für "teilen/scheiden". Der erste Satz des 1. Buch Mose müsse übersetzt also "Am Anfang teilte/schied Gott Himmel und Erde" lauten.

Für ein Verständnis der Bibel hätte dieser Übersetzungsfehler gravierende Auswirkungen und auch für das theologische Glaubensgebäude, würde dies doch bedeuten, dass die Vorstellung von einem Gott, der die Erde aus dem Nichts erschaffen habe, falsch sei.

Gerade im Kontext anderer Schöpfungsmythen mache die neue Übersetzung sehr viel mehr Sinn, beschreiben diese doch, dass es schon zuvor etwa einen gewaltigen Ozean gegeben habe, in dem Ungeheuer in ewiger Dunkelheit lebten.

Auch grammatikalisch sei Gott nicht der Weltenschöpfer: "Irgendetwas mit dem Verb "bara" im Sinne von 'schaffen' stimmt bei der bisherigen Übersetzung nicht", so die Forscherin. "Gott war das Subjekt (Gott schuf), gefolgt von zwei oder mehr Objekten. Warum erschuf Gott nicht nur ein Ding oder Tier stattdessen immer gleich mehre?"

Aufgrund dieser Fragestellung schlussfolgert van Wolde, dass Gott nicht geschaffen sondern geteilt/geschieden habe. Zunächst Himmel und Erde, dann das Land von den Wassern, die Meeresungeheuer von den Vögeln und dem Gewimmel auf dem Grund. "Es gab also schon Wasser, es gab darin bereits Ungeheuer. Gott hat zweifelsohne Dinge erschaffen, aber offenbar nicht Himmel und Erde." Die übliche Vorstellung der "Schöpfung aus dem Nichts" (Creatio ex nihilo) sei also ein großes Missverständnis, so zumindest van Wolde.

Die Schöpfung sei nicht der Beginn von allem, sondern der Beginn einer weiteren Handlung gewesen. Gott sei also erst später hinzugekommen und habe die Erde bewohnbar gemacht.

Es ist davon auszugehen, dass die Erwartungen der Forscherin wohl umgehend erfüllt werden, wenn sie eine "heftige Debatte" vorhersieht. Schließlich sei ihre Theorie nicht nur neu, sondern berühre auch die Herzen vieler religiöser Menschen. "Vielleicht verletze ich mich damit sogar selbst, da ich mich als einen religiösen Menschen betrachte und ein 'Schöpfer' immer eine sehr besondere Vorstellung von Vertrauen für mich darstellte. Dieses Vertrauen möchte ich mir gerne bewahren", zitiert der "Telegraph.co.uk".



Ein Sprecher der Universität erklärte, die Arbeit der Professorin erschüttere die Geschichte der Schöpfung in ihren Grundfesten. "Die traditionelle Vorstellung der Schöpfung ist vor diesem Hintergrund so nicht länger haltbar", fügt van Wolde hinzu.


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ru.nl / nos.nl / telegraph.co.uk


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