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Donnerstag, 29. April 2010

Erstmals Wassereis und organisches Material auf der Oberfläche eines Asteroiden nachgewiesen

"24 Themis" ist eines der größten Objekte im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter | Copyright: Josh Emery, Univ. of Tennessee, Knoxville

Knoxville/ USA - US-Wissenschaftler haben erstmals auf der Oberfläche eines Asteroiden eindeutig Wassereis und organisches Material nachgewiesen. Die kosmischen Felsbrocken könnten also weniger dunkel, trocken und leblos sein als bislang geglaubt. Zugleich liefert die Entdeckung eine mögliche Antwort auf die Frage, wie nicht nur Wasser sondern auch das ursprüngliche organische Material auf unserem Planeten kam.

Wie das Team um Professor Josh Emery von der "University of Tennessee" und Andrew Rivkin von der "Johns Hopkins University" in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Nature" berichtet, konnten sie Wasser und die organischen Materialien mit Hilfe der "Infrared Telescope Facility" der NASA auf dem Manua Kea auf Hawaii auf der Oberfläche des 200 Kilometer durchmessenden Asteroiden "24 Themis" nachweisen.

Der Asteroid zieht seine Bahn zwischen Jupiter und Mars. Durch die Analyse des infraroten Lichtspektrums des vom Asteroiden reflektierten Sonnenlichts, stießen die Forscher auf die Signaturen von Wassereis und eines dünnen Films aus organischem Material.

"Das gefundene organische Material besteht wahrscheinlich aus komplexen, langkettigen Molekülen. Sollten derartige Asteroiden in Form von Meteoriten auf die noch kahle Erde getroffen sein, könnten sie hier durchaus den Startschuss für die Entstehung von Leben gegeben haben", so Emery.

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Auch für die Wissenschaftler war die Entdeckung von Wassereis eine Überraschung, da die Oberfläche des Asteroiden eigentlich zu warm ist, als dass sich Wassereis hier für längere Zeit halten kann. "Dieser Umstand legt nahe", so Emery weiter, "dass das Wassereis auch im Innern nicht nur des Asteroiden '24 Themis' reichlich vorhanden ist".

Auch wenn die Forscher glauben, dass das Wasser auf diese Weise auf die Erde gekommen sein könnte, bleibt die Frage offen, wie das Wasser wiederum auf die Asteroiden gekommen ist.

Während das Wasser auf "24 Themis" mit zunehmender Sonnennähe verdampft, glauben die Wissenschaftler, dass sich Wasser auf Asteroiden zwischen mehren Tausend bis Millionen von Jahren halten könne. Hierzu müsse das Wasser aber in regelmäßigen Abständen immer wieder "aufgefüllt" werden. In der Theorie könnte dies durch den Prozess der sogenannten Ausgasung geschehen. Hierbei steigt Wasserdampf durch Risse aus dem Innern des Kometen immer dann an dessen Oberfläche, wenn der kosmische Brocken von anderen Weltraumtrümmern getroffen wird. Da "24 Themis" selbst einer Asteroiden-Familie angehört, deren Mitglieder einst Teil eines größeren Körpers waren, würde dieser Umstand bedeuten, dass es auch auf diesem einstigen Ursprungskörper Wasser bzw. Wassereis gegeben haben muss. Ein solches Szenario hätte wiederum große Auswirkungen auf unsere Vorstellungen darüber, wie unser Sonnensystem einst entstanden ist.

Auf jeden Fall belege die Entdeckung von Wassereis auf "24 Themis", dass Wasser in deutlich größeren Mengen im Asteroidengürtel vorkommt als bislang geglaubt.

"Asteroiden wurden bislang grundsätzlich als sehr trocken betrachtet. Jetzt erscheint es so, dass als die Asteroiden und Planeten im frühen Sonnensystem entstanden waren, Eis bis hinaus in die Regionen des Hauptgürtel des heutigen Asteroidengürtels zu finden war", so Emery. "Wenn wir diese Einsicht auch auf andere Systeme ausdehnen, bedeutet dies, dass die wichtigsten Bausteine für Leben, [wie wir es auf der Erde kennen] - nämlich Wasser und organische Moleküle - in den habitablen Zonen rund um Sterne in wesentlich größeren Mengen vorkommen als bislang gedacht. Es wird faszinierend werde, in den kommenden Jahren zu untersuchen, ob diese Zutaten auch jenseits der Erde ihren Zauber entfaltet haben."

Nicht zuletzt zeigt die Entdeckung auch, dass die Grenze zwischen Asteroiden und Kometen weniger deutlich zu ziehen ist als bisherige Definitionen dies vorgeben. Bislang galten Asteroiden als trockenen Felsbrocken und Kometen als eisige Schneebälle. Entsprechend galt lange Zeit als gesichert, dass das Wasser durch Kometen auf die Erde kam. Diese Vorstellung wurde dann jedoch widerlegt, als Forscher entdeckten dass sich die isotopische Signatur von Kometenwasser von jenem des Wassers der Ozeane unterscheidet.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / tennessee.edu

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