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Samstag, 1. Mai 2010

Forscher untersuchen irdischen Mars-Tümpel

Der Don Juan Tümpel in der Antarktis | Copyright: University of Georgia

Athens/ USA - In dem sogenannten Don-Juan-Tümpel in der Antarktis haben Wissenschaftler einen chemischen Prozess nachgewiesen, bei dem Distickstoffmonoxid, also Lachgas, entsteht, ohne dass hierfür Mikroben verantwortlich sind. Normalerweise entsteht Lachgas in der Natur jedoch nur auf diese Weise. Die Erkenntnis, dass das Gas jedoch auch in Abwesenheit jeglichen Lebens auf natürliche Weise entstehen kann, hat auch Auswirkungen für die Klimaforschung und die Suche nach außerirdischem Leben - gleicht der Tümpel doch wahrscheinlich Wasserpfützen im Marsboden.

Der Don Juan befindet sich in einem der seit Millionen von Jahren eisfreien antarktischen Trockentäler (Dry Valleys). Sein heute auf einer Fläche von 1000 x 400 Meter verteiltes knöcheltiefes Wasser ist 18 Mal salzhaltiger als Meerwasser. Aus diesem Grund gefriert der Tümpel selbst bei den vorherrschenden Temperaturen von bis zu minus 40 Grad auch nie ein.

Als der Tümpel 1961 entdeckt wurde, fanden Polarforscher in seinem Wasser dennoch Bakterien und Mikroalgen. Um diese ökologische Nische zu untersuchen und nach mikrobiologischen und biochemischen Nachweismethoden für Leben unter Extrembedingungen zu suchen, untersuchten Forscher um Samantha Joye "Franklin College of Arts and Sciences" an der "University of Georgia" den Tümpel und stießen dabei auf eine Überraschung: "Der Boden und die Lauge des Don Juan, aber auch die den Tümpel umgebenden Gesteinsarten, ähneln jenen, wie sie auch schon auf dem Mars entdeckt wurden. Damit handelt es sich hier um einen idealen Ort, um mikrobiologische Aktivität in extremen Umweltbedingungen zu erforschen", so Joye. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature Geoscience" veröffentlicht.

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Weitere Untersuchungen mit sterilisierter Ausrüstung und in ebensolchen Anzügen, erbrachten jedoch keinerlei Hinweise auf Leben oder dessen Stoffwechselprodukte. Die Forscher vermuten, dass der seit seiner Entdeckung gesunkene Wasserspiegel des Don Juan und der damit einhergehende Anstieg des Salzgehalts, die noch 1961 vorgefundenen Organismen hat absterben lassen.

Doch obwohl keine Lebensformen mehr vorhanden waren, konnten die Forscher Distickstoffmonoxid nachweisen. Dieses entsteht neben zahlreichen anderen Produkten wie etwa Wasserstoff, offenbar durch eine Reihe von Reaktionen zwischen der Salzlauge des Tümpels und dem Gestein. "Während wir keine Biogase, wie etwa Wasserstoffsulfid oder Methan, nachweisen konnten, gab es aber eine hohe Konzentration von Lachgas, das ebenfalls normalerweise als Indikator für die Aktivität von Mikroben gilt", so Joye.

Auch für Klimaforscher könnte ein derart nichtbiologischer Prozess der Entstehung von Distickstoffmonoxid von Interesse sein, handelt es sich bei Lachgas doch um ein starkes Treibhausgas. Sollte Distickstoffmonoxid also auch an anderen Orten der Arktis auf diese Weise und möglicherweise sogar in größeren Mengen freigesetzt werden, so müssten etwa Modelle zur Klimaerwärmung in Folge von Treibhausgasen dieser Erkenntnis angepasst werden.

Auch für die Suche nach Leben auf fremden Himmelskörpern eröffnet sich durch die Entdeckung der Wissenschaftler im Don Juan ein neuer Ansatz - hat die Marssonde Phoenix an ihrer Landestelle doch auch auf dem Roten Planeten wahrscheinlich kleine Mengen flüssigen Wassers knapp unter der Oberfläche nachgewiesen. Zukünftige Missionen könnten mit verbesserten Sensoren ausgestattet werden, um weitere derartige Pfützen ausfindig zu machen und darin nach Spuren von einstigem oder sogar noch immer vorhandenem Leben zu suchen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / uga.ed
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