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Freitag, 14. Mai 2010

Weltraumteleskop entdeckt Loch im All

Ein Loch (s. Detailvergrößerung) im Reflexionsnebel NGC 1999 | Copyright: ESA/NASA/JPL-Caltech/STScI/Univ. of Toledo

Toledo/ USA - Mit dem europäisch-amerikanischen Infrarot-Weltraumteleskop Herschel haben Astronomen eine unerwartete Entdeckung gemacht: In der Gas- und Staubwolke "NGC 1999" klafft ein gewaltiges Loch und ermöglicht den Astronomen erstmals einen Einblick in die Vorgänge am Ende des Prozesses der Sternentstehung.

Sterne entstehen im Innern dichter Wolken aus Gas und Staub. Bislang war zwar bekannt, dass junge Sterne mittels Gasströmen, sogenannter Jets, und Winden die Materie dieser Nebel von sich wegblasen und dadurch aus ihrer Mutterwolke hervortreten, doch das direkte Ergebnis dieser bislang vermuteten Vorgänge konnte erst mit den neuen Herschel-Aufnahmen genau studiert werden.

Der staubhaltige Reflexionsnebel "NGC 1999" befindet sich rund 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Orion. Bis vor kurzem nahmen Astronomen an, das es sich bei derartigen schwarzen Flecken im Innern von Reflexionsnebeln, deren Partikel von Sternen beleuchtet und dadurch sichtbar werden, um Regionen mit großer Wolkendichte handelt, die das Licht schlicht und einfach blockieren.

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Als jedoch auch durch das Weltraumteleskop Herschel, das den Himmel im Infrarotbereich untersucht, der dunkle Fleck weiterhin dunkelschwarz erschien, wussten die Forscher um Tom Megeath von der "University of Toledo" im US-Bundesstaat Ohio sofort, dass der Fleck nicht aus dichten Wolken bestehen kann, da das Teleskop genau auch dazu konzipiert ist, durch entsprechende Wolken hindurchzuschauen. "Entweder der Wolkenfleck in 'NGC 1999' hatte eine bislang nicht gekannte Dichte oder an der bisherigen Erklärung solcher Flecken war etwas grundlegend falsch", erinnern sich die Forscher.

Durch weitere Beobachtungen mit erdgestützten Teleskopen konnten die Herschel-Daten immer und immer wieder bestätigt werden. Zugleich kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass dieser Fleck nicht unerwartet dicht ist, sondern das die entsprechende Region im Nebel schlicht und einfach leer ist - ein Loch also.

"Irgendetwas hatte also ein Loch direkt durch die Wolke geblasen. Noch nie zuvor wurde ein solches Loch im All identifiziert", so Megeath. Die Astronomen glauben, dass sich das Loch geöffnet hatte, als schmale Jets von jungen Sternen in der Region auf die Materiewolke "NGC 1999" gestoßen sind. Die enorme Strahlung der nahe liegenden ausgewachsenen Sterne könnte ihr übriges dazu beigetragen haben, dass Loch säubern. Wie auch immer die genaue Ereigniskette abgelaufen ist, das neu entdeckte alte Loch im Nebel ermöglicht den Forschern gänzlich neue Einblicke in die Vorgänge der Entstehung von Sternen.

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10. Mai 2010


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / esa.int / utoledo.edu / nasa.gov
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