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Dienstag, 22. Juni 2010

Forscher fordert Fossiliensuche auf Jupitermond Europa

Sich teilweise kreuzende Doppelgrate auf dem Jupitermond Europa belegen geologisch junge Austauschprozesse zwischen Oberfläche und dem unter dem Eispanzer verborgenen Ozean | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Tucson/ USA - Unter einer, wahrscheinlich nur wenige Kilometer dicken, Eiskruste verbirgt sich auf dem Jupitermond Europa ein gewaltiger Salzwasserozean und macht den Jupitertrabanten damit zu einem der interessantesten Ziele bei der Suche nach außerirdischem Leben im Sonnensystem. Statt jedoch mit aufwendigen Schmelzbohrsonden und Roboter-U-Booten in diesen Ozean einzudringen, um hier nach Leben zu suchen, Missionen wie sie also erst in mehr als 30 Jahren möglich sein werden, schlägt ein US-Forscher nun vor, schon mittelfristig und direkt auf der eisigen Oberfläche auf Fossiliensuche zu gehen.

"Eine entsprechende Sonde könnte auf diese Weise noch zu unseren Lebzeiten außerirdisches Leben auf Europa nachweisen", zitiert das Online-Magazin "Astrobiology" der NASA (astrobio.net), den Planetenwissenschaftler Richard Greenberg vom "Lunar and Planetary Laboratory" an der "University of Arizona".

Bislang drehten sich die meisten Visionen für eine Europa-Mission immer nur um aufwendige Vorhaben, bei welchen mittels Bohr und Schmelzköpfen Sonden in das Innere des Eispanzers oder gar bis hinab in den flüssigen und bis zu 100 Kilometer tiefen Ozean gebracht werden sollen, wo dann mit Miniatur-U-Boote nach Leben gesucht werden soll (...wir berichteten). Entsprechende Missionen, dies zeigen Machbarkeitsstudien der NASA, könnten und sollen frühestens in 20-30 Jahren zum Jupitersystem aufbrechen.

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Statt jedoch mittels komplexer Technologie die Tiefen des Europa-Ozeans erst in zukünftigen Generationen zu erforschen, schlägt Greenberg vor, mit schon derzeit und mittelfristig machbaren Missionen direkt auf der Oberfläche des Jupitermondes nach Spuren von Leben zu suchen - hier sozusagen auf Fossiliensuche zu gehen.

Aufgrund der vornehmlich durch die gewaltigen auf Europa einwirkenden Gezeiten- und Schwerkräfte des Jupiters, befindet sich die Oberfläche des Mondes in ständiger Erneuerung und im Austausch mit Materialien (Wasser und Eis) aus der Tiefe. Mit diesen könnten, so Greenbergs Theorie, dann nicht nur Mikroben, sondern auch Überreste von größeren Lebensformen an die eisige Oberfläche transportiert worden sein und werden.

Tatsächlich berechneten erst kürzlich Wissenschaftler, dass der Ozean auf Europa genügend Sauerstoff beinhalten könnte, um damit Millionen von Tonnen selbst komplexerer Meereslebewesen zu versorgen (...wir berichteten 1, 2).

Als idealen Ort für die Suche nach derart außerirdischem bzw. "europäischem" Fossilien, schlägt der Wissenschaftler die nach geologischen Maßstäben erst kürzlich entstandenen Doppelgrate vor, wie sie über die Hälfte der Mondoberfläche zu finden sind. Neben der Tatsache, dass es sich hierbei um junge Strukturen handelt, sei die Chance in derartig chaotischem Terrain auf junges Eis zu stoßen und innerhalb dieser Flächen sogar Wasserproben entnehmen zu stoßen sehr groß.

Auch mittels einer Infrarotanalyse durch einen Orbiter oder Lander könnte innerhalb der Eiskruste nach Signaturen einstigen Lebens gefahndet werden. "Wenn es dann auch noch einer Landeeinheit gelingen würde, nur wenige Meter in das Eis vorzudringen, könnte sie darin sogar noch auf lebensfähige Mikroorganismen stoßen, sollten diese überhaupt auf Europa existieren", glaubt auch der Planetengeologe Brad Dalton vom "Jet Propulsion Laboratory" (JPL) der NASA in Pasadena.

Ob möglicherweise in den Europameeren vorhandenes Leben tatsächlich überhaupt an die Oberfläche transportiert wird, ist natürlich auch für die Forscher immer noch ungewiss. "Wenn wir also hier keine eingefrorenen Überreste von Leben finden, bedeutet dies nicht automatisch, dass es im Ozean unter der Eiskruste kein Leben gibt. Aber warum sollten wir so lange darauf warten, den schwierigsten Weg bei der Suche nach Leben auf Europa zu gehen, wenn es auch einen nahe liegenden einfachen Weg gibt", fragt Greenberg.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astrobio.net / nasa.gov
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