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Sonntag, 20. Juni 2010

Ungewöhnliches Objekt im Kuipergürtel ist von Wassereis bedeckt

Archiv: Künstlerische Interpretation der eisigen Oberfläche des Zwergplaneten Pluto | Copyright: ESO.org

Massachusetts/ USA - Astronomen haben im Kuipergürtel, also jenseits der Umlaufbahn des Neptun, ein Objekt analysieren können, dessen Oberfläche von einer Kruste aus Wassereis bedeckt ist. Die Analyse der Oberflächenstruktur gelang den Wissenschaftlern, während einer sogenannten "stellaren Okkultation", während der Himmelskörper für kurze Zeit einen hellen Hintergrundstern passierte.

Bei "KBO 55636" handelt es sich um ein Objekt im Kuipergürtel, einer scheibenförmigen Region außerhalb der Neptunbahn, die schätzungsweise aus mehr als 70.000 Objekten von jeweils mehr als 100 Kilometer Durchmesser besteht und von der Erde zwischen 30 und 50 Astronomischen Einheiten (AE = Abstand Sonne-Erde) entfernt ist.

Im Fachjournal "Nature" haben die Forscher um James Elliot vom "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) ihre nur 10 Sekunden andauernde Beobachtung beschrieben. Dieser Kurze Zeitraum genügte jedoch, um die Größe des Objekts und seine Albedowerte, also das Maß für das Rückstrahlvermögen von nicht selbst leuchtenden Oberflächen, zu bestimmen. Demnach misst "KBO 55636" rund 150 Kilometer im Durchmesser. Nachdem die Forscher vorab vermutet hatten, dass die Oberfläche des Objekts durch Verunreinigungen, kosmischer Strahlung und Einschlagskratern kaum reflektieren würde, offenbarte sich dann jedoch das genaue Gegenteil: "Wir sahen zunächst, dass das Objekt deutlich kleiner war, als wir dies zuvor vermutet hatten - dass es jedoch stark reflektierend ist und fasst das gesamte Licht, dass auf seine Oberfläche trifft, reflektiert", so Elliot. Wahrscheinlich, so vermuten die Astronomen nun, besteht seine Oberfläche gänzlich aus Wassereis und sei damit mit jener des Zwergplaneten Pluto vergleichbar (s. Abb.).

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Laut den Astronomen entstand das nun eingehend studierte Objekt "KBO 55636" wahrscheinlich durch einen Zusammenstoß zweier Himmelskörper vor rund einer Milliarde Jahren. "Möglicherweise wurde damals der Zwergplanet Haumea getroffen und seine Oberfläche in zahlreiche kleinere Fragmente zerbrochen – darunter auch 'KBO 55636'", vermutet Elliot.

Wie es jedoch zu den hohen Albedowerten der Oberfläche von "KBO 55636" kommt, können sich die Wissenschaftler derzeit noch nicht erklären. "Größere Objekte, wie etwa Pluto oder der Saturnmond Enceladus haben ebenfalls eine stark reflektierende Oberfläche, da sie diese durch ständige Austauschprozesse von Material aus ihrem Innern, beispielsweise durch Kryovulkane aus Eis, diese immer wieder erneuern. Eine solche Erklärung ist jedoch auf 'KBO 55636' nicht anzuwenden, da das Objekt für derartige geologische Prozesse zu klein ist und auch schon zu lange im All treibt", erläutert Elliot. "Vielleicht ist das Eis auf der Oberfläche robuster und wird von kosmischer Strahlung und Einschlägen weniger schnell abgedunkelt als bislang bekannt." Auch ein noch gänzlich unbekannter Prozess, der die Oberfläche des Objekt regelrecht säubert oder poliert, könnte als Erklärung für die starke Reflektion verantwortlich sein, spekulieren die Forscher.


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nature.com / bbc.co.uk
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