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Freitag, 25. Juni 2010

War die Venus einst eine lebensfreundliche Wasserwelt?

Über Äonen hinweg verlor die Venus (hier im einer Aufnahme im ultravioletten Spektrum von 2005) gewaltige Mengen an Wasser | Copyright: ESA/MPS/DLR/IDA

Aussois / Frankreich - Mit Hilfe der europäischen Sonde "Venus Express" untersuchen Wissenschaftler die Frage, ob auch der "höllische Schwesterplanet" der Erde, die Venus, einst Wasserozeane besaß. Auf einer Konferenz diskutieren in dieser Woche internationale Wissenschaftler darüber, ob und - wenn ja - wie lebensfreundlich die Venus einst gewesen sein könnte.

Im Gegensatz zur Erde präsentiert sich die Venus heutzutage als nahezu höllischer Ort mit Oberflächentemperaturen, die jene in einem Backofen oft deutlich übertreffen. Dennoch zeigt eine Detailbetrachtung auch erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zwischen Erde und Venus auf. Neben der Tatsache, dass beide Planeten nahezu gleich groß sind, vermuten Wissenschaftler schon lange noch mehr Gemeinsamkeiten. "Auch die grundlegende Zusammensetzungen von Venus und Erde sind sich sehr ähnlich", erläutert Hakan Svedheim, Projektwissenschaftler der "Venus Express"-Mission.

Dennoch unterscheidet die beiden Planeten vor allem die Menge an Wasser, die auf ihnen und in ihren Atmosphären gebunden ist: Würde man alles Wasser der Erde gleichmäßig über den Globus verteilen, so wäre dieser von einer rund drei Kilometer tiefen Wasserschicht bedeckt. Würde man hingegen das einzige Wasser der Venus, welches als Wasserdampf in der Atmosphäre vorhanden ist, kondensieren, würde dieses Wasser die Venusoberfläche gerade einmal drei Zentimeter hoch bedecken.

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Wiederum erstaunliche Gemeinsamkeiten ergeben sich bei einem Blick einige Milliarden Jahre in die Vergangenheit der Venus, als diese möglicherweise über sehr viel mehr Wasser verfügte. Schon jetzt hat die ESA-Sonde bestätigt, dass gewaltige Wassermengen in den Weltraum verflogen sein müssen. Dies geschieht vor allem durch die ultraviolette Strahlung der Sonne, die in der Venusatmosphäre vorhandene Wassermoleküle in jeweils zwei Wasserstoff- und ein Sauerstoffatom aufbricht, die dann ins All verfliegen können.

"Venus Express" hat diese Flüchtigkeitsrate gemessen und bestätigt, dass doppelt so viel Wasserstoff wie Sauerstoff ins All verfliegt. Aus diesem Grund glauben Wissenschaftler auch, dass Wasser die Quelle der flüchtigen Ionen ist. Auch der Nachweis von angereichertem schweren Wasserstoff, sogenanntes Deuterium, in den oberen Atmosphärenschichten, bestätigt diese Theorie, da die schwereren Wasserstoffatome weniger leicht ins All entfliehen können.

"Alles deutet also darauf hin, dass es einst gewaltige Wassermassen auf der Venus gegeben haben muss", erklärt Colin Wilson von der "Oxford University". Dieser umstand beweise allerdings nicht, dass es damals auch Ozeane auf der Venusoberfläche gegeben haben muss.

Mit einem eigens entwickelten Computermodel hat Eric Chassefière von der "Université Paris-Sud" Berechnungen vorgelegt, wonach die einstigen Wassermassen auch allein in der Atmosphäre des Planeten vorhanden gewesen sein könnten und lediglich in der frühesten Entwicklungsphase des Planeten existierten, als dessen Oberfläche noch gänzlich geschmolzen war. Durch das Entfliehen des Wassers wäre es laut den Berechnungen auch erst zu jener Abkühlung gekommen, welche die Oberfläche der Venus dann auch nach und nach erstarren ließ. Zumindest nach diesem Model, hätte es also auf der Venus zu keiner Zeit Ozeane geben müssen.

Dennoch sind sich andere Forscher darin einig, dass - obwohl es schwierig sein wird, diese Vermutung je zu überprüfen - auch die Venus einst eine lebensfreundliche Entwicklungsphase durchlebt haben könnte.

Selbst wenn Chassefières Modell zutreffe, bedeute dies nicht, dass auf die Venus eingeschlagene Kometen nicht auch zusätzliches Wasser auf den Planeten gebracht haben könnten und dass, nachdem ihre Oberfläche kristallisierte, sich so auch stehende Gewässer hätten gebildet haben können, in welchen sich dann auch Leben entstanden sein könnte.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / esa.int
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