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Dienstag, 21. September 2010

Hinweise auf flüssiges Wasser auf Marsmond Phobos

Marsmond Phobos | Copyright: NASA

Rom/ Italien - Anhand von Daten der europäischen Sonde "Mars Express" haben italienische Wissenschaftler Schichtsilikate auf dem Marsmond Phobos nachgewiesen. Diese bilden sich jedoch nur unter Anwesenheit von flüssigem Wasser. Die Forscher glauben jedoch nicht, dass die Entdeckung auf Wasser auf dem Mond selbst hinweist, sondern sehen in der Entdeckung einen Beweis dafür, dass der Mond selbst einst Teil der Marsoberfläche war und durch einen gewaltigen Einschlag entstanden ist.

Schon lange ranken sich zahlreiche Spekulationen und Theorien sich um die Entstehung und Herkunft von Phobos. Frühere Untersuchungen hatten auf dem Marsmond das Vorhandensein von kohlenstoffhaltigem Chondrit nahegelegt, wie es auch in Meteoriten gefunden wurde, die auf der Erde eingeschlagen waren. Den Ursprung dieses Materials, von dem Forscher ausgehen, dass es noch aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems stammt, vermuten Wissenschaftler in Körpern aus dem Hauptasteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Aus diesem Grund glauben viele Forscher, dass es sich auch bei Phobos, sowie bei seinem Nachbarmond Deimos, um von der Schwerkraft des Mars eingefangene Brocken aus dem Asteroidengürtel handelt.

In den 1960er Jahren vermuteten einige Astronomen sogar ernsthaft, dass es sich bei Phobos in Wirklichkeit um eine Raumstation einer einstigen Mars-Zivilisation handeln könnte - und informierten 1960 diesbezüglich den US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (...wir berichteten).

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Die nun von Astronomen um Dr. Marco Giuranna vom Italienischen "Istituto Nazionale di Astrofisica" (INAF) auf dem "European Planetary Science Congress 2010" in Rom vorgestellten Untersuchungsergebnisse basieren auf neuen Daten der europäischen Sonde "Mars Express" und lassen die Asteroiden-Theorie unwahrscheinlich erscheinen, zeigen sie doch kaum Übereinstimmungen des Phobos-Gesteins mit bekannten Chondrit-Meteoriten.

Vielmehr belegt die Studie, dass Phobos wahrscheinlich aus Oberflächenmaterial des Mars selbst besteht, welches durch den Einschlag eines gewaltigen Objekts auf den frühen Mars abgesprengt und in einer Umlaufbahn um den Roten Planeten eingefangen wurde. Alternativ, so die Forscher, könnte es sich bei Phobos allerdings auch um den Rest eines früheren, größeren Marsmondes handeln, der von den Gezeitenkräften des Planeten zerstört wurde. Allerdings hätte dann auch dieser ursprüngliche Mond aus einstigem Marsmaterial bestehen müssen.

"Anhand der Daten konnten wir erstmals Phyllo- bzw Schichtsilikate auf der Oberfläche von Phobos nachweisen. Besonders in den Gegenden nordöstlich des größten Einschlagkraters Stickney, fanden wir hiervon hohe Konzentrationen", erläutert Giuranna. Derartige Schichtsilikate bilden sich nur in Anwesenheit von Wasser und wurden zuvor auch schon auf der Oberfläche des Mars entdeckt (...wir berichteten).

Unsere Entdeckung ist sehr faszinierend, da sie die Interaktion von Silikaten mit flüssigem Wasser auf dem Ursprungskörper des Mondes noch vor dessen Entstehung belegt", zitiert die BBC den Planetenforscher. "Alternativ könnten sich die Schichtsilikate auch auf Phobos selbst gebildet haben. Hierzu müsste der Mond jedoch genügend innere Erwärmung aufweisen um Wasser in flüssiger Form halten zu können." Derartige Hinwiese lägen bislang jedoch nicht vor.Zudem nutzten die Forscher die Sonde zur bislang genauesten eine Dichtemessung des Marsmondes. Auch das Ergebnis dieser Messung liegt deutlich unterhalb der Dichte von meteoritischem Material aus dem Asteroidengürtel.


Virtueller Rundflug um den Marsmond Phobos | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
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Stattdessen belegen die Werte, dass der Mond eine schwammartige Struktur mit 25-45 Prozent Hohlräumen in seinem Innern aufweist. Ein derartig poröser Körper hätte wahrscheinlich die Schwerkraftauswirkung des Mars nicht überstanden, wäre er von dieser eingefangene worden. Vielmehr spricht auch diese Struktur dafür, dass es sich um Material handelt, das einst von der Marsoberfläche in den Weltraum katapultiert wurde und sich in einer Umlaufbahn zu dem heutigen Marsmond zusammenfand.

2011 soll die russisch Mission "Fobos-Grunt" (Phobos-Boden) zum Marsmond aufbrechen, auf diesem landen, Proben entnehmen, die zurück zur Erde schicken und so die Zusammensetzung des sonderbaren Marsmonds dann noch genauer untersuchen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / meetings.copernicus.org / bbc.co.uk

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