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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Extremophile Pflanzen: Forscher entdecken Moose in ewiger Dunkelheit

Probeentnahme am Grunde des Yellowstone-See | Copyright: MSU/Eastern Oceanic

Bozeman/ USA - Rund um einen geothermalen Schlot am Grunde des "Yellowstone Lake", dem größten See des Yellowstone Nationalparks, haben Wissenschaftler eine wahrhaftige Oase des Lebens entdeckt. Neben zahlreichen Arten von Bakterien, Würmern und Krebsen stießen die Forscher im stockschwarzen Wasser am Boden des Sees völlig unerwartet auch auf Moose, die hier offenbar ganz ohne Sonnenlicht gedeihen. Wie dies möglich ist, ist selbst für die Wissenschaftler noch rein Rätsel.

Der Schlot erwärmt seine direkte Umgebung nicht nur auf rund 32 Grad Celsius - er reichert das Wasser auch mit zahlreichen Nährstoffen, Gasen aber zugleich auch Giften an. Die Quelle befindet sich rund 30 Meter unter der Wasseroberfläche des Sees, rund 48 Kilometer vor der Küste der West Thumb Region.

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Die von Forschern um John Varley vom "Big Sky Institute", Tim McDermott und Bill Inskeep vom "Department of Land Resources and Environmental Sciences" und vom "Thermal Biology Institute" der "Montana State University" entdeckten Würmer und Krebse leben in einem Umkreis von rund 60 Zentimetern um die warme Erdquelle. Ihre Ergebnisse haben die Forscher aktuell im Fachmagazin "Geobiology" veröffentlicht.

Mit einem ferngesteuerten Tauchroboter haben die Forscher den Schlot erkundet und sind dabei auch auf eine Kolonie sogenannter Quellmoose (Fontinalis) gestoßen (s. Abb.), wie sie zugleich auch den Würmern als Wohnstätte dient.

Blick auf den Yellowstone-See | Copyright: Flicka / CC-by-sa 3.0

Wie das Laubmoos in dieser Tiefe ohne jegliches Sonnenlicht gedeihen kann, wissen die Forscher derzeit noch nicht genau. Sie sind sich aber sicher, dass die hydrothermale Quelle hierbei eine wichtige Rolle spielt. Zudem vermuten die Forscher, dass die Pflanze, die eigentlich mittels Photosynthese Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt, einen Weg gefunden hat, hierzu selbst minimalste Lichtanteile zu nutzen.

Die sich den Forschern mittels der Roboterkameras bietende Szenerie rund um den Schlot erweckt jedoch viel eher den Eindruck eines Schneegestöber als den einer lebensfreundlichen Oase, wenn durch den Schlot ständig weiße Silikatteilchen und Aluminiumminerale ausgestoßen werden, auf die Moose und den Boden absinken und somit die Pflanzen zusätzlich abdunkeln.

Doch genau in diesen von der Quelle freigespülten Nährstoffen sehen die Forscher einen Schlüssel zum Überleben des Mooses, da das Wasser aus dem Schlot zudem mit Kohlendioxid, Wasserstoff, weiteren Gasen sowie Arsen und Kadmium gesättigt ist.

Da es sich um den ersten geothermalen Schlot im Süßwasser handelt, um den derartiges Leben entdeckt wurde, hoffen die Forscher nun, aus Vergleichen mit ähnlichen Schloten im Salzwasser, wo sogenannte "Schwarze Raucher" ebenfalls Oasen des Lebens in sonst lebensfeindlicher Umgebung entstehen ließen, weitere Erkenntnisse über diese ungewöhnlichen Lebensräume zu erlangen.

Planetenwissenschaftler spekulieren zudem darüber, dass es auch auf anderen Himmelskörpern im Sonnensystem, etwa auf dem Jupitermond Europa, am Grunde von potentiellen Ozeanen, hydrothermale Schlote gibt, in deren Umfeld Leben selbst unter extremen Umständen gedeihen kann.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / montana.edu
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