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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Gewaltige Sonneneruption erschüttert Theorien zur Sonnenaktivität


Ultraviolettansicht der gewaltigen Eruption am 1. August 2010. Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten | Copyright: NASA/SDO

San Francisco/ USA - Am 1. August 2010 erschütterte eine gewaltige Sonneneruption unseren Heimatstern, als gewaltige Magnetfeldbögen aus der Sonne herausgeschleudert wurden und immense Schockwellen über die gesamte Sonnenoberfläche jagten. Ein neuer Bericht der NASA erläutert nun, dass dieses Ereignis derart massiv war, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse bisherige Theorien über die Sonnenaktivität teilweise in Frage stellen.

"Das Ereignis vom 1. August hat uns wirklich die Augen geöffnet", gesteht der Sonnenphysiker Karel Schrijver vom "Lockheed Martin's Solar and Astrophysics Lab" in Palo Alto ein. "Wir konnten beobachten, dass Sonnenstürme sich nicht nur regional sondern sozusagen global auf die Sonne auswirken können und das in einem Ausmaß, wie wir uns dies bislang noch nicht vorstellen konnten."

In den vergangenen drei Monaten haben Schrijver und sein Team versucht, die Ereignisse und Konsequenzen der "Großen Eruption" vom 1. August 2010 anhand von Unmengen von Beobachtungsdaten der NASA-Sonnenobersvatorien "STEREO" und "SDO" zu verstehen. Auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Jahrestreffens der "American Geophysical Union" (AGU) in San Francisco haben die Forscher ihre Ergebnisse nun vorgestellt.

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Demnach sind Explosionen auf der Sonne nicht als lokal begrenzte und isolierte Ereignisse zu betrachten sondern stehen durch magnetische Phänomene über gewaltige Strecken miteinander in Beziehung und direkter Verbindung. Sogenannte "Chromosphärische Eruption" (Flares), Tsunamis auf der Oberfläche der Sonne und koronale Massenauswürfe (CME) können alle zur gleichen Zeit ausbrechen und das nahezu aufeinander abgestimmt hunderttausende von Kilometern voneinander entfernt.

Die Illustration macht die globalen Interaktionen der Ereignisse auf der Sonne vom 1. August grafisch sichtbar. Die Regionen der Schlüsselereignisse sind dunkelviolett gekennzeichnet | Copyright: NASA

"Um Sonneneruptionen vorherzusagen, reicht es nun nicht mehr, sich auf die Beobachtung magnetischer Felder einzelner gerade aktiver Regionen zu konzentrieren", erläutert der Koautor der Studie Alan Title. "Wir müssen tatsächlich das gesamte magnetische Feld der gesamten Sonnenoberfläche studieren."

Während diese Erkenntnis zwar die Arbeit der Sonnenforscher enorm erhöhen wird, steigert sie jedoch erwartungsgemäß auch die Genauigkeit zukünftiger Vorhersagen des von den Aktivitäten der Sonne bestimmten sogenannten Weltraumwetters. Mit diesen soll es dann noch besser möglich sein, technologische Systeme und Netzwerke im Erdorbit und auf der Erde vor den negativen Auswirkungen von in Richtung Erde gerichteten Sonnenstürmen zu schützen, deren Auswirkungen, so eine NASA-Studie, bei der für 2012 erwarteten zunehmenden Sonnenaktivität verheerend sein könnten (...wir berichteten).

Trotz der umfangreichen Beobachtungsdaten der "SOHO" und "SDO" ist bislang jedoch noch nicht bekannt, ob es sich bei dem Ereignis am 1. August um eine Kettenreaktion oder um ein Gesamtereignis in Folge größer Veränderungen im Magnetfeld der Sonne gehandelt hatte. Zukünftige Beobachtungen sollen dabei helfen, diese Frage zu klären. "Nicht alle Eruptionen wirken sich global aus, aber ein allgemeiner globaler Charakter dieser Ereignisse kann nun nicht länger ignoriert werden", so die Forscher.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
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